Schon die provozierenden Überschriften der hier behandelten Aufsätze – „Der Tod des Autors“ und „Was ist ein Autor?“ – weisen auf eine Marginalisierung des Autors hin, die für die gesamte strukturalistische Tradition charakteristisch ist. Diese Tradition, die ihren Anfang in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts nahm und bis heute die literaturwissenschaftliche Debatte prägt, richtete sich ursprünglich gegen das formalistische Verfahren des explication de texte, bei dem eine Korrespondenz zwischen Autorbiographie und Werkbedeutung behauptet wurde. Die neue literarische Kritik (fr. Nouvelle Critique) wendete sich ganz dem Text und dem Vorgang der Lektüre zu und behauptete – wie von Stéphane Mallarmé programmatisch bestimmt –, dass es „die Sprache [ist], die spricht, nicht der Autor“.1 Im Folgenden soll diese neue Sichtweise an zwei prominenten Beispielen erläutert werden. Die Ansätze von Barthes und Foucault werden dabei zunächst deskriptiv vorgestellt und dann miteinander kritisch verglichen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung: Die Frage nach dem Autor
II. Der Abschied vom Autor bei Roland Barthes
II.I Die Ebene der Schrift
II.II. Die Entwirrung des Textes
II.III. Die Merkmale des Lesers
III. Der Abschied vom Autor bei Michel Foucault
III.I. Autorname und Eigenname
III.II. Die Merkmale des Autors
III.III. Diskursivität und Wissenschaftlichkeit
IV. Gemeinsamkeiten und Differenzen
IV.I. Der Autor als Erfindung der Moderne
V. Schlussbemerkung
VI. Bibliografie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht und vergleicht die literaturtheoretischen Konzepte von Roland Barthes und Michel Foucault zur Rolle des Autors, wobei die Infragestellung des Autors als zentrale Instanz der Bedeutungsbildung im Zentrum steht.
- Dekonstruktion des traditionellen Autorbegriffs
- Vergleich der strukturalistischen Ansätze von Barthes und Foucault
- Untersuchung der Autorfunktion als diskursives Konstrukt
- Analyse des Lesers als zentrale Instanz der Textinterpretation
- Reflexion über die historische Entstehung des Autors in der Moderne
Auszug aus dem Buch
II.I. Die Ebene der Schrift
Jeder Romanleser erkennt, dass nicht nur die beschriebene Geschichte, sondern auch die Sprache selbst, mit deren Hilfe die Geschichte erzählt wird, einen vom Autor unabhängigen Status hat. Barthes’ Position geht aber weiter – er meint, dass das Geschriebene nicht einfach eine Stellung neben dem Autor einnimmt, sondern dass es seinen Autor verdrängt. Die Schrift zerstört jede Stimme und jeden Ursprung und man kann eigentlich nur dann von einem Anfang der Schrift sprechen, wenn der Autor „stirbt“, d.h. wenn er nicht mehr berücksichtigt wird. Der Text hat keinen einzigen Sinn, sondern enthält verschiedene «Schreibweisen», „von denen keine einzige originell ist“.7 Der Autor ist kein Urheber im eigentlichen Sinne, d.h. er ist kein Schöpfer, der einen Text aus eigener Invention hervorzaubert, sondern lediglich ein Schreiber, ein „Konstrukteur“. Seine Aufgabe besteht darin, „die Schriften zu vermischen“8 und Texte mit Hilfe eines zusammengesetzten Wörterbuchs der menschlichen Sprache zu komponieren.
Um diesen Gedanken Barthes’ besser nachvollziehen zu können, sollte man die Theorie der Intertextualität im Auge behalten. In die Literaturwissenschaft wurde sie von Julia Kristeva 1967 eingeführt und spielte eine nicht geringe Rolle bei der darauffolgenden Debatte um den „Tod des Autors“. In ihrem Kern besagt die Intertextualität, dass jeder Text kein eigenständiges Gebilde, sondern vielmehr ein Mosaik aus Zitaten, eine Widerholung anderer Texte ist. Das Eigentum des Autors und die Abgeschlossenheit und Originalität des Textes werden in Frage gestellt, denn – wie es Karlheinz Stierle ausdrückte – ein jeder Text „situiert sich in einem schon vorhandenen Universum der Texte, ob er dies beabsichtigt oder nicht“.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Frage nach dem Autor: Einführung in die Problematik der Autorschaft und Abgrenzung zwischen autorzentrierten und autorkritischen Theorien.
II. Der Abschied vom Autor bei Roland Barthes: Darstellung von Barthes' These des "Todes des Autors", die den Leser als zentrale Instanz etabliert.
III. Der Abschied vom Autor bei Michel Foucault: Analyse von Foucaults Konzept der "Autorfunktion" und der diskursiven Bedingungen von Autorschaft.
IV. Gemeinsamkeiten und Differenzen: Kritischer Vergleich der Positionen von Barthes und Foucault hinsichtlich ihrer Begrifflichkeiten und philosophischen Ansätze.
V. Schlussbemerkung: Resümee über die Relevanz der strukturalistischen Autorkritik und den aktuellen wissenschaftlichen Diskurs zur Rückkehr des Autors.
VI. Bibliografie: Auflistung der verwendeten Quellen und der weiterführenden Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Autorschaft, Roland Barthes, Michel Foucault, Literaturtheorie, Strukturalismus, Tod des Autors, Autorfunktion, Diskurs, Intertextualität, Leser, Textinterpretation, Poststrukturalismus, Moderne, Schrift, Diskursivitätsbegründer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die literaturtheoretischen Konzepte von Roland Barthes und Michel Foucault und deren gemeinsame Tendenz, die traditionelle Vorstellung eines Autors als Ursprung von Bedeutung zu dekonstruieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Konzepte des "Todes des Autors" bei Barthes sowie die "Autorfunktion" bei Foucault, eingebettet in eine literaturwissenschaftliche Debatte über die Konstitution von Textbedeutung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Ansätze von Barthes und Foucault deskriptiv vorzustellen und diese anschließend kritisch miteinander zu vergleichen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrer Argumentation aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine literaturtheoretische Diskursanalyse, die primär auf der Auswertung und dem Vergleich grundlegender Essays der beiden französischen Theoretiker basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Vorstellung der Positionen von Barthes (Schrift, Leser, Entwirrung des Textes) und Foucault (Autorname, Autorfunktion, Diskursivität) sowie einen abschließenden Vergleich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe sind Autorschaft, Tod des Autors, Autorfunktion, Diskurs, Intertextualität und Strukturalismus.
Wie unterscheidet sich Barthes' Ansatz vom "Tod des Autors" bei Foucault?
Während Barthes den Autor radikal zugunsten der "Schrift" und des "Lesers" ausschaltet, betrachtet Foucault die Autorschaft eher als funktionale Kategorie innerhalb eines Diskurses.
Was versteht Foucault unter der "Autorfunktion"?
Foucault versteht darunter, dass der Name eines Autors nicht eine reale Person beschreibt, sondern als Instrument zur Klassifizierung und Abgrenzung bestimmter Diskurse innerhalb einer Kultur dient.
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- Adam Galamaga (Author), 2008, Das Konzept literarischer Autorschaft bei Roland Barthes und Michel Foucault, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127073