Diese Arbeit stellt die beiden genannten Methoden vor. Psychodynamische Prozesse werden in die Betrachtung mit eingeflochten und die Möglichkeiten aufgezeigt, diese zu minimieren bis gänzlich auszuschließen.
Die Cochemer Praxis, wie die Integrierte Mediation wird inhaltlich auf ihre Wirkung überprüft, warum sie in ihren Ursprungsgebieten Cochem, bzw. Altenkirchen den Eltern helfen eine autonome Elternschaft nach der Trennung / Scheidung für ihre Kinder wieder herstellen können, und warum es anderen Orts nur schwerlich oder nicht funktioniert.
Die Beantwortung der Frage erarbeitet sich über die Hypothese: Der Erfolg eines Modelles entscheidet sich in der Umsetzung.
Die Systematik des Vergleiches hinterfragt theoretische und konzeptionelle Hintergründe, den methodischen Ansatz mit den Überlegungen der Aufgaben und Rollen der Professionen, den Umgang mit den Eltern und Kindern, ebenso psychologisch wichtige Aspekte, der Stellenwert der Vernetzung wird abgefragt und ob es eine Hauptanlaufstelle für die Eltern gibt. Die Kostenfaktoren für die Betroffenen wird in die Betrachtung mit einbezogen, da viele Professionen in einem Verfahren aktiviert werden können. Die formale, bzw. informelle Kooperation der in einem Fall beteiligten Professionen untereinander und als wichtiger Schnittpunkt stellt sich die Frage nach verschiedenen Normen des KJHG, FGG und BGB und ihre Bedeutung für die Professionen.
Die Fakten und Zahlen, ob die Cochemer Praxis sich gänzlich von der Integrierten Mediation unterscheidet, wie die Erfolge und Misserfolge aussehen und abschließend eine Prognose der beiden Vorgehensweisen für Rheinland-Pfalz und die Bundesrepublik runden die Systematik des Vergleiches ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 PAS – Parental Alienation Syndrome
2. Mediation - eine Übersicht
2.1 Bedeutung und Anwendungsbereiche Mediation heute
2.2 Die Situation in Rheinland-Pfalz - LKTS
2.3 Tradition ohne Einheitlichkeit
2.4 Mediation im Kontext Cochemer Praxis
2.5 Mediation im Kontext Integrierte Mediation
3 Vergleichende Darstellungen verschiedener Ansätze – Hypothese: Der Erfolg eines Modelles entscheidet sich in der Umsetzung
3.1 Systematik des Vergleichs
3.1.1 Theoretischer Hintergrund – konzeptionelle Hintergründe
3.1.2 Methodische Ansätze
3.1.3 Formale und informelle Kooperation
3.1.4 Stellenwert Vernetzung
3.1.5.1 Kostenfaktoren für die Betroffenen
3.1.5.2 Kostenfaktoren für die Professionen
3.2 Cochemer Praxis – Fakten + Zahlen
3.3 Integrierte Mediation – Fakten + Zahlen
3.4 Gänzlich verschieden oder doch Gemeinsamkeiten?
3.4.1 Erfolge / Misserfolge
4 Folgerung / Konsequenzen
4.1 Diskussion – Der Erfolg eines Modells entscheidet sich in der Umsetzung
4.2 Kann man beide Methoden kombinieren?
4.3 Abschließende Bewertung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Diplomarbeit untersucht und vergleicht die methodischen Ansätze der "Cochemer Praxis" und der "Integrieren Mediation" in hochstrittigen Trennungs- und Scheidungsverfahren. Ziel ist es, zu analysieren, wie beide Modelle Familiensysteme neu strukturieren und welche Erfolgsfaktoren bei ihrer praktischen Umsetzung in der Arbeit mit betroffenen Eltern und Kindern entscheidend sind.
- Vergleichende Analyse der "Cochemer Praxis" und der "Integrierten Mediation"
- Untersuchung der psychologischen Dynamiken bei Eltern-Kind-Entfremdung (PAS)
- Herausarbeitung der Bedeutung von Kooperation und Vernetzung zwischen den beteiligten Professionen
- Evaluation von Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren bei der Konfliktlösung
Auszug aus dem Buch
Was passiert, wenn es anders kommt?
Es gibt noch andere Nuancen der Trennung. Die schlimmste Form ist die, die in einen „Rosenkrieg“ eskaliert. Bei diesen Trennungen gibt es Gewinner und Verlierer. Die Verlierer sind in der Regel nicht die Erwachsenen, sondern die Kinder. Hier wird um jeden Cent gekämpft, um Tisch, um Bett, um Haus und Hof. Gegenseitige Kränkungen versperren einen konstruktiven Weg der gemeinsamen Elternschaft. Der Partner muss mit all seinen Fehlern für die „verlorene“ Zeit mit ihm büßen. Die letzte Waffe, mit der man dem anderen weh tun kann, ist das gemeinsame Kind oder sind die gemeinsamen Kinder.
Es ist kein rationaler Entschluss, der hinter diesem Prozess steckt. Rein aus den Emotionen des Elternteils heraus, bei dem die Kinder leben, werden die Kinder gegen den anderen Elternteil – den einstmals geliebten Partner – bei dem sie nicht leben, aufgehetzt. Der in sich getragene und nun wachsende Hass wird auf das Kind übertragen. Das Kind muss den anderen Elternteil nun auch hassen, damit man diesen endgültig los wird und noch zusätzlich Rache – für was auch immer – an ihm übt. Den Eltern gelingt es hier nicht, ihren Paarkonflikt von ihrer Verantwortung als Eltern zu trennen. Da Kinder zu ihren Eltern eine bedingungslose Liebe hegen, vertrauen sie ihnen auch bedingungslos. Sie folgen unbewusst, und für sie auch noch nicht reflektierbar den Emotionen des Elternteils bei dem sie leben aus Loyalität heraus. (Napp-Peters, 1995)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff der Hochstrittigkeit und erläutert die Motivation der Autorin, die Arbeitsweisen der Cochemer Praxis und der Integrierten Mediation zu vergleichen.
1.1 PAS – Parental Alienation Syndrome: Dieses Kapitel erläutert das Phänomen der Eltern-Kind-Entfremdung und dessen schwerwiegende psychische Folgen für die betroffenen Kinder.
2. Mediation - eine Übersicht: Hier wird der theoretische Begriff der Mediation definiert sowie ihre verschiedenen Anwendungsbereiche und Stile in der Sozialen Arbeit dargestellt.
2.1 Bedeutung und Anwendungsbereiche Mediation heute: Es wird die Differenz zwischen Kompromiss und Konsens herausgearbeitet und die Phasen der Mediation werden kurz skizziert.
2.2 Die Situation in Rheinland-Pfalz - LKTS: Dieser Abschnitt beschreibt die Entwicklung und Ziele der Arbeitskreise Trennung und Scheidung (AKTS) sowie der Landeskonferenzen in Rheinland-Pfalz.
2.3 Tradition ohne Einheitlichkeit: Die Autorin gibt Einblicke in die Arbeit der Selbsthilfegruppe "Väteraufbruch für Kinder" und beleuchtet die Schwierigkeiten betroffener Elternteile.
2.4 Mediation im Kontext Cochemer Praxis: Dieses Kapitel verdeutlicht, dass Mediation in der Cochemer Praxis zwar mediative Elemente nutzt, diese aber einem übergeordneten Ziel der Elternverantwortung untergeordnet sind.
2.5 Mediation im Kontext Integrierte Mediation: Es wird erklärt, wie Richter im Rahmen der Integrierten Mediation in die Rolle des Mediators schlüpfen, um innerhalb des Gerichtsverfahrens Konsens zu erzielen.
3 Vergleichende Darstellungen verschiedener Ansätze – Hypothese: Der Erfolg eines Modelles entscheidet sich in der Umsetzung: Dieser Teil leitet den methodischen Vergleich ein und stellt die Hypothese auf, dass die erfolgreiche Umsetzung der jeweiligen Modelle entscheidend für die Hilfe zur Neu-Strukturierung von Familien ist.
3.1 Systematik des Vergleichs: Die Vergleichskriterien werden definiert, darunter theoretische Hintergründe, Methodik, Kooperationsformen und Kostenfaktoren.
3.1.1 Theoretischer Hintergrund – konzeptionelle Hintergründe: Hier werden die Akteure und die Entstehungsgeschichte sowohl der Cochemer Praxis als auch der Integrierten Mediation namentlich und historisch aufbereitet.
3.1.2 Methodische Ansätze: Die Autorin erläutert die rechtlichen und praktischen Vorgehensweisen von Jugendamt, Anwälten und Richtern in beiden Modellen.
3.1.3 Formale und informelle Kooperation: Die Bedeutung der Vernetzung und des informellen Informationsflusses für den Fortgang der Verfahren wird analysiert.
3.1.4 Stellenwert Vernetzung: Die Arbeit beleuchtet, wie Vernetzung als zielgerichtetes Instrument zur Kindeswohlsicherung dient.
3.1.5.1 Kostenfaktoren für die Betroffenen: Die materiellen und immateriellen Kosten hochstrittiger Trennungen werden dargelegt.
3.1.5.2 Kostenfaktoren für die Professionen: Hierbei geht es um die wirtschaftliche Betrachtung der Arbeitsweise für Anwälte und Sachverständige.
3.2 Cochemer Praxis – Fakten + Zahlen: Daten zur Arbeitsweise des AKTS Cochem werden präsentiert.
3.3 Integrierte Mediation – Fakten + Zahlen: Erfahrungen und Daten zum Justizprojekt "Koblenzer Praxis" und der Integrierten Mediation werden wiedergegeben.
3.4 Gänzlich verschieden oder doch Gemeinsamkeiten?: Ein Fazit des Vergleichs, das Gemeinsamkeiten und methodische Unterschiede herausarbeitet.
3.4.1 Erfolge / Misserfolge: Es wird analysiert, wie die verschiedenen Akteure Erfolg und Misserfolg in ihrer Arbeit definieren.
4 Folgerung / Konsequenzen: Die Autorin zieht Bilanz über die Wirksamkeit der Modelle und leitet Handlungsempfehlungen ab.
4.1 Diskussion – Der Erfolg eines Modells entscheidet sich in der Umsetzung: Eine kritische Auseinandersetzung mit der praktischen Wirksamkeit der Modelle unter Einbeziehung der Sichtweisen von Betroffenen.
4.2 Kann man beide Methoden kombinieren?: Die Frage nach Synergien zwischen beiden Arbeitsweisen wird bejaht.
4.3 Abschließende Bewertung: Ein abschließendes Resümee, das die Notwendigkeit von Fortbildungen und einer klaren Zielausrichtung für alle Professionen betont.
Schlüsselwörter
Cochemer Praxis, Integrierte Mediation, Trennung und Scheidung, Hochstrittigkeit, Kindeswohl, Elternverantwortung, Mediation, Jugendamt, Familienrecht, Vernetzungsarbeit, Parental Alienation Syndrome (PAS), Familiengericht, Sozialarbeit, Konsens, Konfliktlösung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit dem Vergleich zweier innovativer Interventionsmodelle in hochstrittigen familienrechtlichen Trennungsverfahren: der "Cochemer Praxis" und der "Integrierten Mediation".
Welche zentralen Themen werden behandelt?
Zentral sind die Themen Elternverantwortung, Kindeswohl, die Rolle der beteiligten Professionen (Richter, Anwälte, Jugendamt) sowie die Bedeutung von Vernetzung und Kommunikation bei hochstrittigen Trennungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu zeigen, wie durch diese Modelle Familien aus einem destruktiven Konfliktmodus hin zu einer einvernehmlichen, zukunftsorientierten Elternschaft geführt werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Kombination aus Literaturrecherche, Analyse der gesetzlichen Rahmenbedingungen (z.B. SGB VIII, FGG) sowie auf eine Vielzahl von Experteninterviews mit den Akteuren vor Ort in Cochem und Altenkirchen.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Gegenüberstellung von Methodik, Kooperationsstrukturen, Vernetzungsgrad und den Kosten- bzw. Erfolgsfaktoren beider Modelle.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Cochemer Praxis, Integrierte Mediation, Kindeswohl, Konfliktlösung, Elternverantwortung und Vernetzungsarbeit.
Inwiefern beeinflusst das Alter des Kindes die Lösungsansätze?
Die Arbeit diskutiert, dass bei sehr jungen Kindern oft andere Schwerpunkte bei der Bindungsförderung gesetzt werden müssen als bei älteren Kindern, die bereits durch Loyaliätskonflikte stärker vorbelastet sein können.
Welche Rolle spielt der Begriff des „Kindeswohls“ bei den Modellen?
Ein zentrales Problem der Untersuchung ist, dass „Kindeswohl“ oft ein vager Rechtsbegriff ist. Beide Modelle versuchen daher, diesen Begriff durch klare Zieldefinitionen – wie die Aufrechterhaltung beider Elternteile für das Kind – praktisch und konkret mit Leben zu füllen.
- Quote paper
- Pia Beck (Author), 2009, Cochemer Praxis vs. Integrierte Mediation - Vergleich der methodischen Ansätze, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127083