Politik und Wirtschaft in Venezuela


Seminararbeit, 2008
34 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Politik in Venezuela
2.1 Die Politische Entwicklung wahrend dem Puntofijo- Pakt
2.2 Politische Legitimationskrise des Puntofijo- Pakt gegen Ende Des 20. Jahrhunderts
2.3 Venezuela unter der Politischen Fuhrung von Chavez bis heute

3 Wirtschaftsstrukturen in Venezuela zu Beginn des 21. Jahrhunderts
3.1 Wirtschaftsindikatoren in Venezuela auf einen Blick
3.2 Energiewirtschaft als der wichtigster Wirtschaftszweig in 24 Venezuela
3.3 Notwendige Diversifizierung der venezolanischen Wirtschaft

4 Resumee

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ruckgang des venezolanischen BIP in den 1970er Jahren.,

Abbildung 2: Das Dreieck der bolivarianischen Revolution

Abbildung 3: Entwicklung der venezolanischen Exporte

Abbildung 4: Jahrliche Inflation in Venezuela

Abbildung 5: Fossile Brennstoffreserven in Venezuela

Abbildung 6: Raumliche Verteilung der Erdol- und Erdgasvorkommen

Abbildung 7: Erdolproduktion in Venezuela stagniert

Abbildung 8: Bedeutung der venezolanischen Wirtschaftssektoren

1 Einleitung

Die vorliegende Ausarbeitung thematisiert die Politik und Wirtschaftsstrukturen in Venezuela, und setzt dabei einen Schwerpunkt auf das politische Handeln und die wirtschaftliche Entwicklung des Landes unter der politischen Fuhrung von Hugo Chavez. Im Jahr 1999 wurde Chavez ins Prasidentenamt gewahlt und nach inzwischen drei Wiederwahlen, bis zum Jahr 2012 mit der politischen Fuhrung des Landes beauftragt.

Um die gegenwartigen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Venezuela besser einordnen zu konnen, ist es wichtig die zuruckliegende Politik und die daraus hervorgegangenen soziookonomischen Rahmenbedingungen im Zeitraum von 1958 bis zu Chavez Amtsantritt darzustellen. Denn der von Chavez eingeleitete radikale Politikumbruch ist keineswegs ursachlich nur aus auf seine Person und die ihm umlagerte bolivarianische Bewegung zuruckzufuhren. Vielmehr ist die polarisierende politische Wende die durch Chavez vollzogen worden ist, dass Ergebnis ,,einer fatalen vierzigjahrigen Entwicklung, in deren Verlauf Venezuela in ethnischer, okonomischer, sozialer und politischer Hinsicht zunehmend an Substanz verloren hat, und den Nahrboden fur eine Gesellschaft ermoglichte die von einer extremen Einteilung in Arm und Reich sowie einem Machtverlust der Politik"[1] gepragt war.

Daher werden im Folgenden die politischen Entwicklungen vor der politischen Ara von Chavez chronologische dargestellt, um den Bogen zur Beschreibung und Analyse der aktuellen Politik in Venezuela spannen zu konnen. Daran anknupfend werden die wichtigsten Wirtschaftsindikatoren und Wirtschaftsstrukturen des Landes beschrieben und kritisch bewertet. Hierbei wird der Frage nachgegangen warum das rohstoffreiche Venezuela (vor allem fossile Brennstoffe) trotzt der hohen Deviseneinnahmen, wirtschaftliche Probleme wie z.B. eine hohe Arbeitslosigkeit, in deren Folge florierende Schattenwirtschaft entsteht, und mangelnde Konkurrenzfahigkeit in andern Wirtschaftsbranchen zu erleiden hat.

2 Politik in Venezuela

Das venezolanische politische System hat 1958 durch den Sturz der militarischen Junta einen Umbruch erfahren, und installierte im Anschluss eine demokratisch legitimierte prasidentielle Demokratie. Dieses politische System, dass unter dem Namen der 4. Republik in die Geschichtsbucher eingegangen ist, wurde bis 1989 von westlichen Staatsakteuren und Medien als Vorzeigedemokratie Lateinamerikas gelobt. „Die Kriterien, die burgerliche Analystenlnnen gemein hin als Indikatoren fur stabile Demokratien festlegen - regelmaGige Wahlen, Moglichkeit des Wechsels der Parteien an der Macht, Respekt gewisser Burgerrechte usw. - wurden als erfullt angesehen"[2] und sorgten dafur das Venezuela in diesem Zeitraum politische internationale Anerkennung erntete. Die innenpolitischen Konflikte in Venezuela, die sich vor allem durch den rapiden Anstieg des Wohlstandgefalles verscharften, konterkarierten jedoch im Laufe der Zeit diesen auGenpolitischen Status. Volksaufstande und das Erstarken einer sozialistischen Opposition die sich zunachst aus Protest dem demokratischen Wahlprozess entzog, sorgten fur eine politische Entwicklung der Unbestandigkeit im Zeitraum von 1989 bis 1998, die mit einer wirtschaftlichen Rezession in Venezuela einherging. In der Folge erlang die sozialistische Bewegung unter der Fuhrung von Hugo Chavez die politische Macht in Venezuela, und leitete die sog. 5 Republik Venezuelas durch die Neuschreibung der venezolanischen Verfassung ein. Neben den politischen Anderungen wird der Beginn einer neuen Ara in Venezuela durch die neue Staatsbezeichnung Venezuelas nach auGen getragen: ,,Jetzt heiGt es Bolivarianische Republik Venezuela."[3] Im Folgenden werden die politischen Entwicklungen seit der Einfuhrung der Demokratie in Venezuela chronologisch aufgearbeitet, und die andauernde politische Entwicklung des Landes unter dem Prasidenten Chavez detaillierter thematisiert.

2.1 Die Politische Entwicklung wahrend dem Puntofijo- Pakt

Die ersten Bestrebungen Demokratisierungsprozesse in Venezuela einzuleiten wurden in den Jahren 1936 und 1945 angestoBen, erlitten aber durch gewaltsame militarische Interventionen seitens der Junta zweimal einen Dampfer[4] Die Militardiktatur unter der Fuhrung von Marcos-Perez- Jimenez wurde erst im Zuge der „Militarrebellionen und Volksaufstande zwischen dem 1. Januar und dem 23. Januar 1958 beendet."[5] In der Folge organisierten sich der revolutionare Kader des Militars mit, den bis dato vom politischen Machtkampf ausgeschlossenen neu gegrundeten Parteibewegungen des Landes. Um sich bei den nachsten Wahlen auf einen Prasidenten zu einigen, der eine regierungsfahige Mehrheit hinter sich versammeln konnte, entschieden sich die zwei groBten politischen Parteien immer den Prasidentschaftskandidat mit der hochsten Stimmenanzahl zu unterstutzen sowie zu wahlen. Auf diese Absprache verstandigten sich die sozialdemokratische AD und die christdemokratische COPEI, „um die Kommunisten auszuschlieBen, die Wahlsiege der jeweils anderen Partei zu akzeptieren und soziale Unzufriedenheit im Wechselspiel zwischen Regierung und Opposition zu kanalisieren."[6] Dieses demokratische System beruhte also auf einerfesten Koalitionszusage zwischen den zwei groBten Parteien vor der Wahl, und wurde als Punto Fjio bezeichnet. Dieser politische Pakt ist nach dem Haus von Rafael Calderas (damals Parteivorsitzender der COPEI) benannt, „wo nach dem Ende der Diktatur Jimenez die demokratische Erneuerung zwischen Sozialdemokraten und Christdemokraten beschlossen wurde."[7] In den ersten Jahren nach der Militardiktatur unter Jimenez, zahlte zum Punto Fjio auch noch die URD. Letztgenannte, ,,die Union Republicana Democratcia, war spater nur noch eine kleine Partei und schied 1962 aus der Regierung aus.“[8] Den Startschuss des Punto Fijo legte die Amtszeit von Romulo Betancourt, der durch die ersten demokratischen Wahlen in Venezuela von 1959 bis 1964 die Staatsprasidentschaft ubernommen hatte.[9] Romulo Betancourt war der Prasidentschaftskandidat der AD und trat u.a. gegen Rafael Calderas von der COPEI an. Calderas bekam insgesamt nur die zweit hochste Stimmenanzahl aber er entschied sich dazu, wie im Punto Fijo beschlossen, den Kandidat der AD anzuerkennen, und seine Partei fur die Wahl des politischen Gegners ins Prasidentenamt zu mobilisieren. In Venezuela war (ist) die parlamentarische Zusammensetzung durch viele Parteien gepragt und fuhrt dazu dass die Regierungskoalitionen entweder durch den Zusammenschluss eines groGen Parteienpools gebildet werden kann. Diese Zusammensetzung hatte jedoch aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Interessen, den Nachteil das der Zusammenhalt und damit die Bestandigkeit einer Regierung und die Politik des Landes fragile Zuge annehmen konnte. Eine Alternative zu dieser politischen Zusammensetzung stellte der Punto Fijo dar, der sich durch die Bildung einer groGen Koalition eine sichere politische Machtstruktur aufbaute. Ausschlaggebend fur die Realisierung des Punto Fijo war die Fahigkeit der Parteien und deren Spitzenpolitikern „auf personalistische und charismatische Weise die Vertreter der << starken Akteure >> Armee, Kirche, Medien, Unternehmer, Arbeiterschaft und Intellektuelle einzubeziehen, pragmatische Wahlformen mit Massenbasis zu schaffen, spektakulare personenbezogenen Wahlkampfe ohne Programmatik zu fuhren und die Mitte der Gesellschaft zu besetzen."[10] Diese Formen der politischen Fuhrung kosteten viel Geld und fuhrten paradoxerweise zu einer politischen Machtverteilung zwischen zwei Parteien in einer Parteienlandschaft die bis heute 200-250 Parteien vorzuweisen hat.[11]

Programmatisch stand in der ersten Legislaturperiode des Punto Fujio unter der politischen Fuhrung von Betancourt die Festigung der politischen Machtverhaltnisse im Fokus. Dabei musste zum einen beachtet werden, dass weder die armen noch reichen Bevolkerungsschichten verprellt wurden. Im Bereich der Landwirtschaft sprach die Regierung den einfachen Bauern mehr Besitzrechte gegenuber den Latifundisten zu. So „Erwarb der Staat mit Erdolgeldern groBe Landflachen und verteilte sie an landlose Bauern"[12]. Da Venezuela zu dieser Zeit noch in vielen Regionen sehr stark landwirtschaftlich gepragt war, konnte die Regierung durch diese MaBnahmen groBe Teile der unteren Wohlstandsschichten befriedigen. Die klientelisitschen oberen Bevolkerungsschichten wiederum, die unter der Militardiktatur Wohlstand generierten, wurden durch eine Nichtzerschlagung ihres „sozialen und politischen Status"[13] besanftigt. Sein groBter politischer Erfolg war zweifellos die „die formale Verankerung eines funktionierenden Modells einer zivilen, reprasentativen, parlamentarischen, durch Parteien, Konsens und Ausgleich zwischen den Machtgruppen gepragten Demokratie"[14], die starke institutionelle Akteure, wie das Militar, einzubinden verstand.

Der Prasidentschaftsnachfolger von Betancourt wurde 1964 Rafael Leoni, der wie Betancourt Parteimitglied der AD war, und seine Amtszeit dauerte 6 Jahre und endete 1969.[15] In dieser Legislaturperiode wurde der politische Weg von seinem Vorganger fortgefuhrt und der verbliebene politische Widerstand in Form von Guerilla- Bewegungen auf dem Land mit aller Harte niedergeschlagen.

Die im Anschluss an Leonis Prasidentschaft im Jahr 1969 durchgefuhrten Wahlen stellten den Pakt des Punto Fijo das erste Mal auf eine Probe. Mit Rafael Caldera siegte der Kandidat der COPEI mit einem relativen geringen Vorsprung vor dem Kandidaten der AD. Doch der Pakt des Punto Fijo offenbarte seine Starke da er trotz neuer Mehrheitsverteilung zwischen den beiden groBen Parteien eingehalten wurde, und die bisherige Partei (AD) die den Prasidenten gestellt hatte ohne groBen Widerstand den Wahlsieger der COPEI ins Prasidentenamt wahlte.[16] Wahrend und nach der ersten Amtszeit von Caldera (1969-1974) entwickelte sich in Venezuela eine Phase der politischen Harmonie in der es immer wieder ein reibungsloser Wechsel der Prasidenten der einzelnen Parteien AD und COPEI vollzogen worden ist. In dieser politischen Phase, die sich bis 1989 zog, profitierte die venezolanische Wirtschaft von den beiden Olkrisen (1973 und 1979), die den Preis des Erdols rasant haben steigen lassen. Die Hauptdeviseneinnahmen des Landes wurden durch Erdol gesichert, und die gesteigerten Erlose die aus dem Preisanstieg je Barrel Erdol hervorgegangen sind, entwickelte in Venezuela die Vorstellung der hohe Preis fur Erdol und die damit einhergehende Investitionsausgaben und Wohlstandsanreicherungen bleiben stabil. Diese falschen Vorzeichen waren ,,mit hohen Sozialausgaben und Lohnen, dem Bau neuer Wohnviertel (urbanizaciones) sowie Versuchen, weitere Industrien neben Ol- und Petrochemie- und Schwerindustrie aufzubauen“[17] verbunden. Ebenfalls durchlebte Venezuela eine starke Immigration aus anderen lateinamerikanischen Landern welche der temporare Wirtschaftsaufschwung ausloste. Dieser Abschnitt wird in Venezuela als „4,30-Ara“[18] bezeichnet, da die Bevolkerung unter diesem Slogan eine romantische Erinnerung an bessere Zeiten verbindet, in der soziale Spannungen und Armut in ausreichendem MaGe durch InvestitionsmaGnahmen, die sich aus den Erdoleinnahmen speisten, decken lieGen. Die 4,30 stehen dabei fur einen fixen Wechselkurs zwischen dem venezolanischen Bolivar und dem US- Dollar.

Da jedoch ein GroGteil der zusatzlichen Deviseneinnahmen nicht ausreichend nachhaltig investiert worden ist, die Ausgaben nach dem Prinzip der groGten Schadensbegrenzung teilweise willkurlich verteilt wurden, Korruption das Wirtschaftsleben bestimmte und ein GroGteil „der Gewinne aus dem Land abflossen, ohne dass das Land zur vereinbarten Halfte daran beteiligt worden ist“[19], nahrte die Vermutung das mit dem Einbrechen der Erdoleinnahmen die politische Legitimierung der regierenden Parteien schwinden wurde. Der Ruckgang der Erdoleinnahmen zu Beginn der 80er Jahre fuhrte zu einer Schuldenkrise die nicht nur die Wirtschaft sonder auch die Politischen Kader erreichte.

2.2 Politische Legitimationskrise des Puntofijo- Pakt gegen Ende des 20. Jahrhunderts

Der Verfall der Erdolpreise wahrend der 80er Jahre fuhrte dazu, dass die venezolanische Wirtschaft in eine schwerwiegende Rezession gesturzt wurde. Verstarkt wurde diese negative Entwicklung durch den „starken Anstieg der Zinsen auf den internationalen Kreditmarkten, so dass die offentlichen Unternehmen die Zinsen fur ihre kurzfristigen Kredite nicht mehr zahlen konnten und sich Venezuela 1983 zahlungsunfahig erklaren musste."[20] Venezuela hatte in den 1970er Jahren im Glauben, der Erdolpreis wurde auf dem hohen Niveau bleiben, bei internationalen Finanzinstitutionen hohe Kreditsummen aufgenommen.[21] In Zahlen ausgedruckt bedeutet dies, dass das Bruttoinlandsprodukt welches im Zeitraum von 1950 bis 1980 noch eine Steigerung von 234 Prozent vorzuweisen hatte[22] in den 1980er Jahren einen kumulativen Ruckgang von 31 Prozent verzeichnete (vgl. Abbildung 1). Ebenso musste die venezolanische Wahrung, die von ihrer Einfuhrung bis zu diesem Zeit- punkt nur ein einziges Mai moderate Wechselkursanpassungen durchlebt hatte, aufgrund fehlender Alternativen als Reaktion auf die durch die Olkrise ausgeloste Rezession, den Bolivar einer massiven Abwertung unterziehen. Im Gleichen Atemzug stieg die jahrliche Inflation auf Rekordniveaus und erreichte 1989 mit dem astronomischen Wert von 84 Prozent ihren hochsten Stand.[23] Der rasche Anstieg der Inflation fuhrte dazu das die wohlhabenden Bevolkerungsschichten ihre Ersparnisse auf auslandische Banken transferierten so dass „die venezolanischen Privatguthaben im Ausland sich 1984 auf ca. US$ 30 Mrd.[24] “beliefen. Begleitet und begunstigt wurden diese Entwicklungen von einer politischen Fuhrung die wirtschaftspolitische MaBnahmen ergriffen hatte, die vor allem die armsten Bevolkerungsschichten des Landes in Mitleidenschaft zogen, und einer Wirtschaftspolitik in den 1970er Jahren die sich auf ewig steigende Erdoleinnahmen stutzte. Von 1979 bis 1989 stellten jeweils die COPEI mit Jaime Lusinchi (1979-1984) und AD mit Carlos Andres Perez (1984-1989) das Amt des Prasidenten.[25] Die von diesen Regierungen verabschiedeten MaBnahmen, um die nicht mehr abwendbare Wirtschaftskrise auf einem uberschaubarem Niveau zu halten, stutzte sich im Wesentlichen auf eine Offnung und Liberalisierung der Markte sowie Privatisierung der staatlichen Industriebeteiligungen. Zu den wichtigsten politischen Weichenstellungen in den 1980er Jahren zahlten dabei[26]:

- IWF- Strukturanpassungsprogramme die Marktliberalisierungen in allen Wirtschaftsbereichen umsetzten.
- Privatisierung staatlicher Unternehmungen (u.a. Erdolindustrien).
- Drastische Kurzung der Sozialausgaben.
- Deregulierung der Finanz- und Arbeitsmarkte.

Dieser MaBnahmenkatalog machte sich insbesondere unter der armen Bevolkerung bemerkbar, die zusatzlich durch die entstandene Massen- arbeitslosigkeit unterhalb des Existenzminimum leben musste. Im Jahr 1989 - Rezessionstiefpunkt der 1980er Jahre - betrug die „offizielle Arbeitslosigkeit fast zehn Prozent. Das ist in einem Land mit burokratisch geschaffenen Scheinjobs extrem viel; inoffizielle Zahlen sprechen von 20 Prozent Arbeitslosigkeit und 40 Prozent Unterbeschaftigung Die Einkommen sanken um 11 Prozent und das verfugbare Einkommen um 14 Prozent."[27] Vergleichend bedeutete dies, das „dass durchschnittliche Realeinkommen 1995 einen Stand erreicht hatte, der der Kaufkraft zu Beginn der 1950er Jahre entsprach.[28] Dies fuhrte dazu, dass „Ende der 90er Jahre etwa 80% der Bevolkerung in Armut lebte [...] und von politischer und gesellschaftlicher Partizipation, Bildung und Gesundheitsversorgung und selbst der materiellen Grundversorgung weitgehend ausgeschlossen war."[29]

Diese soziookonomischen Rahmenbedingungen waren der Ausloser fur den groBten MVolksaufstand - „El Caracazo0[30] - seit Beendigung der Militardiktatur. Am 27. Februar 1989 bringt eine Anordnung des damaligen Prasidenten Carlos Andres Perez auf Empfehlung des IWF, die „eine Erhohung des Benzinpreises und der Tarife der offentlichen Verkehrsmittel"[31] vorsah, die Bevolkerungen in allen groBen Stadten des Landes eruptionsartig auf die Barrikaden. Allein in der Hauptstadt „ziehen Hunderttausende Menschen aus den an den Hangen Caracas’ gelegenen Elendssiedlungen gemeinsam in die Innenstadt."[32 ] Dieses Szenario vollzog sich sechs Tage lang und wurde neben der durch die Armut ausgeloste Hilflosigkeit insbesondere von wutenden Vorwurfen gegenuber der Regierung getrieben, der immer wieder die gleiche Frage artikulierten:

[...]


1 Becker, E (2003): Chavez: Ein Einschnitt in die Geschichte Venezuelas. In: KAS - Auslandsinformationen 5/2003, S. 4.

2 Azzellini, D (2006): Venezuela Bolivariana, Revolution des 21. Jahrhunderts? Koln. S. 16-17.

3 Becker, E (2003): Chavez: Ein Einschnitt in die Geschichte Venezuelas. In: KAS - Auslandsinformationen 5/2003, S. 19.

4 Vgl. Zeuske, M (2007): Kleine Geschichte Venezuelas. Munchen. S. 159.

5 Zeuske, M (2007): Kleine Geschichte Venezuelas. Munchen. S. 159.

6 Twickel, C (2006): Hugo Chavez - Eine Biographie, 1. Auflage, Nautilus Verlag, Hamburg. S. 28.

7 Lingenthal, M (2004): Venezuela, Die so genannte bolivarianische Revolution. In: KAS - Auslandsinformationen 1/2004. S. 64-81. Berlin.

8 Zeuske, M (2007): Kleine Geschichte Venezuelas. Munchen. S. 160.

9 Vgl. Muno, W (2005): Ol und Demokratie - Venezuela im 20. Jahrhundert. In: Diehl, O / Muno, W (Hrsg.): Venezuela unter Chavez - Aufbruch oder Niedergang. Frankfurt/Main. S. 15.

10 Zeuske, M (2007): Kleine Geschichte Venezuelas. Munchen. S. 162.

11 Vgl. Zeuske, M (2007): Kleine Geschichte Venezuelas. Munchen. S. 163.

12 Zeuske, M (2007): Kleine Geschichte Venezuelas. Munchen. S. 164.

13 Zeuske, M (2007): Kleine Geschichte Venezuelas. Munchen. S. 165.

14 Zeuske, M (2007): Kleine Geschichte Venezuelas. Munchen. S. 165.

15 Vgl. Muno, W (2005): Ol und Demokratie - Venezuela im 20. Jahrhundert. In: Diehl, O / Muno, W (Hrsg.): Venezuela unter Chavez - Aufbruch oder Niedergang. Frankfurt/Main. S. 15.

16 Vgl. Zeuske, M (2007): Kleine Geschichte Venezuelas. Munchen. S. 166.

17 Zeuske, M (2007): Kleine Geschichte Venezuelas. Munchen. S. 168.

18 Zeuske, M (2007): Kleine Geschichte Venezuelas. Munchen. S. 167.

19 Zeuske, M (2007): Kleine Geschichte Venezuelas. Munchen. S. 167.

20 Muno, W (2005): 01 und Demokratie - Venezuela im 20. Jahrhundert. In: Diehl, O / Muno; W ^Hrsg.): Venezuela unter Chavez - Aufbruch oder Niedergang. Frankfurt/Main. S. 17.

21 Vgl. Azzellini, D (2006): Venezuela Bolivariana, Revolution des 21. Jahrhunderts? Koln. S.18.

22 Vgl. Zehetmayer, B (2007): Die (latein-)amerikanische Herausforderung - Venezuela und die bolivarianische Revolution. In: Berger, H / Gabriel, L (Hrsg.): Lateinamerika im Aufbruch, Soziale Bewegungen machen Politik. Budapest. S. 162.

23 Vgl. Zehetmayer, B (2007): Die (latein-)amerikanische Herausforderung - Venezuela und die bolivarianische Revolution. In: Berger, H / Gabriel, L (Hrsg.): Lateinamerika im Aufbruch, Soziale Bewegungen machen Politik. Budapest. S. 162.

24 Muno, W (2005): Ol und Demokratie - Venezuela im 20. Jahrhundert. In: Diehl, O / Muno, W (Hrsg.): Venezuela unter Chavez - Aufbruch oder Niedergang. Frankfurt/Main. S. 17.

25 Vgl. Muno, W (2005): Ol und Demokratie - Venezuela im 20. Jahrhundert. In: Diehl, O / Muno, W (Hrsg.): Venezuela unter Chavez - Aufbruch oder Niedergang. Frankfurt/Main. S. 15.

26 Vgl. Azzellini, D (2006): Venezuela Bolivariana, Revolution des 21. Jahrhunderts? Koln. S.101.

27 Zeuske, M (2007): Kleine Geschichte Venezuelas. Munchen. S. 173.

28 Burchardt, H (2008): Venezuelas neue Antworten auf die soziale Frage: Eine Perspektive fur Lateinamerika. In: Lateinamerika Analysen 19, 1/2008, S.37-54. Hamburg. S. 40.

29 Azzellini, D (2006): Venezuela Bolivariana, Revolution des 21. Jahrhunderts? Koln. S.18.

30 Vgl. Twickel, C (2006): Hugo Chavez - Eine Biographie, 1. Auflage, Nautilus Verlag, Hamburg. S. 70.

31 Zehetmayer, B (2007): Die (latein-)amerikanische Herausforderung - Venezuela und die bolivarianische Revolution. In: Berger, H / Gabriel, L (Hrsg.): Lateinamerika im Aufbruch, Soziale Bewegungen machen Politik. Budapest. S. 165.

32 Azzellini, D (2006): Venezuela Bolivariana, Revolution des 21. Jahrhunderts? Koln. S.17.

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Details

Titel
Politik und Wirtschaft in Venezuela
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Entwicklung Lateinamerikas
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
34
Katalognummer
V127122
ISBN (eBook)
9783640335473
ISBN (Buch)
9783640335053
Dateigröße
872 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hugo Chavez, Venezuela, PDVSA, Bolivarische Revolution, Caracazo
Arbeit zitieren
Alexander Aust (Autor), 2008, Politik und Wirtschaft in Venezuela, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127122

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