Die Erfassung des Zusammenhangs von Persönlichkeit und der Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit bzw. Ausübung von ehrenamtlichen Tätigkeiten bilden den Fokus der Hausarbeit. Da der Begriff „Persönlichkeit“ sehr breit gefächert ist, wird konkret auf Narzissmus als wesentliches Element der Persönlichkeit eingegangen.
Freiwilligenarbeit gilt als Gradmesser für das Gemeinwohl einer Gesellschaft und ist essenziell für ihre Aufrechterhaltung. Auch aus ökonomischer Sicht spielt sie eine wichtige Rolle: In Deutschland liegt ihr wirtschaftlicher Wert bei 1 bis 2% des BIP, bei anderen Ländern wie z.B. Österreich liegt dieser bei 3 bis 5%. Insbesondere nach dem Ausbruch der weltweiten Corona-Pandemie im Jahr 2020 wurde die Bedeutsamkeit der Freiwilligenarbeit und das spontane Engagement der Bürger*innen zur Unterstützung von Hilfsbedürftigen besonders offensichtlich. Lag der Engagement-Indikator in Deutschland unmittelbar nach Ausbruch der Pandemie bereits in einem hohen Wertebereich, stieg er bis November 2020 um weitere elf Prozentpunkte, wie eine Befragung der Zivilgesellschaft in Zahlen (ZiviZ) im Stifterverband und der Bertelsmann Stiftung im April 2021 in 1.000 repräsentativ ausgewählten Unternehmen ergab.
Bisherige Studien zum Thema ehrenamtliche Tätigkeiten begründen die Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit größtenteils aus soziodemographischer, sozioökonomischer oder kontextueller Sicht. Allerdings liefert dieser Ansatz keine Erklärung, weshalb trotz anhaltender Pandemie und unveränderten Bedingungen das ehrenamtliche Engagement unter den Bürgerinnen und Bürgern nicht konstant aufrechterhalten geblieben ist. In einem Bericht, der im Januar 2021 von ZiviZ veröffentlicht wurde, gab die Mehrheit der Befragten in gemeinnützigen Verbänden und Infrastruktureinrichtungen an, dass das umfangreiche und spontane Engagement, wie es zu Beginn der Coronakrise noch vorhanden war, nachlasse. Eine essenzielle Erklärung für die uneingeschränkte Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit liegt laut Clary in den individuellen Persönlichkeitseigenschaften, die aufgrund ihrer Unabhängigkeit von Situationen und externen Faktoren kontextuelle und sozioökonomische Bedingungen überdauern. Dieser Zusammenhang von Anreizen zur Freiwilligenarbeit und Persönlichkeit soll Untersuchungsgegenstand dieser Hausarbeit sein.
Inhaltsverzeichnis
1 Vorgehen und Zielsetzung
1.1 Aufbau der Arbeit
1.2 Ziel der Arbeit
2 Begriffsbestimmung
2.1 Freiwilligenarbeit
2.2 Narzissmus
3 Bisherige Forschung
4 Fazit und Forschungslücke
5 Fragestellungen und Hypothesen
6 Methode
6.1 Design
6.2 Beschreibung der Stichprobe
6.3 Beschreibung der Messgrößen
7 Ergebnisse und Auswertungen
7.1 Soziodemografische Daten
7.2 SEEH
7.3 Narzissmus
7.4 Korrelation
8 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen narzisstischen Persönlichkeitseigenschaften und der Bereitschaft zur Aufnahme von Freiwilligenarbeit sowie der zugrunde liegenden Motivation. Im Fokus steht dabei die Frage, ob narzisstische Personen bei ihrem Engagement primär von eigennützigen Zielen geleitet werden oder eine altruistische Orientierung zeigen.
- Anreizstrukturen für ehrenamtliches Engagement
- Messung von Narzissmus mittels NPI-Skala
- Analyse altruistischer versus selbstdienlicher Motivation
- Empirische Untersuchung von Korrelationen zwischen Persönlichkeit und Hilfsbereitschaft
- Implikationen für das Rekrutierungsmanagement in Non-Profit-Organisationen
Auszug aus dem Buch
3 Bisherige Forschung
Im Nachfolgenden wird der bisherige Forschungsstand hinsichtlich Persönlichkeit und Freiwilligenarbeit beschrieben, welcher als Basis für die Auswertung und Aussage der empirischen Studie dieser Hausarbeit dient.
Persönlichkeitseigenschaften und ihr Einfluss auf ehrenamtliche Tätigkeiten ist in zahlreichen empirischen Studien erforscht worden. Carlo et. al (1998) untersuchten diesen Zusammenhang unter Studenten in den USA. Zu dem Zeitpunkt waren 19% der Studierenden ehrenamtlich tätig und 90% hatten sich in der Vergangenheit ehrenamtlich engagiert. Die Persönlichkeitseigenschaften der Studenten wurden anhand der Big Five Inventory (BFI) gemessen, die aus 44 Items besteht. Die Fragen zu den Big Five Dimensionen Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit, Offenheit für Erfahrungen, Extraversion und Neurotizismus wurden von den Studenten auf einer Likert Skala beantwortet, wobei 0 „strongly disagree“ (stimme überhaupt nicht zu) und 8 „strongly agree“ (stimme voll und ganz zu) bedeutete. Das einzige Persönlichkeitskonstrukt, das bei der Auswertung nicht mit Freiwilligenarbeit korrelierte, war Neurotizismus. Am stärksten ausgeprägt war der Zusammenhang mit Verträglichkeit. Personen mit hohen Werten in dieser Dimension gehen verstärkter auf die Bedürfnisse anderer ein und erleben in ihren Interaktionen mit anderen Personen eine höhere Zufriedenheit. Sie sind bemüht, Konflikte zu vermeiden und sich konform zu verhalten.
Graziano und Eisenberg (1997) argumentieren, dass sich das Konstrukt Verträglichkeit aus Empathie und Altruismus zusammensetzt und zu prosozialem Verhalten führen kann. Letzteres ist gekennzeichnet durch Selbstlosigkeit und dem Bedürfnis der Förderung des Wohls von anderen und ist eine wesentliche Voraussetzung für Freiwilligenarbeit.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Vorgehen und Zielsetzung: Einführung in die methodische Herangehensweise der Arbeit sowie Präzisierung des angestrebten Ziels, den Zusammenhang zwischen Narzissmus und ehrenamtlichem Engagement zu erfassen.
2 Begriffsbestimmung: Definition der zentralen Konzepte Freiwilligenarbeit als unentgeltliche Tätigkeit und Narzissmus als Teil der Persönlichkeitsstruktur.
3 Bisherige Forschung: Überblick über existierende Studien zu Persönlichkeitstests, insbesondere Big Five und deren Relevanz für prosoziales Verhalten.
4 Fazit und Forschungslücke: Aufzeigen der Notwendigkeit, narzisstische Züge in die Forschung des ehrenamtlichen Engagements einzubeziehen, da aktuelle Modelle vorwiegend altruistische Motive betonen.
5 Fragestellungen und Hypothesen: Herleitung der forschungsleitenden Fragen nach dem Zusammenhang zwischen Narzissmus und eigennütziger Orientierung im Freiwilligensektor.
6 Methode: Detaillierte Darstellung des quantitativen Designs mittels Fragebögen, der Stichprobenwahl und der verwendeten Skalen (SEEH und NPI).
7 Ergebnisse und Auswertungen: Statistische Analyse der erhobenen Daten, inklusive Korrelationsberechnungen und grafischer Darstellung der Mittelwerte und Streuungen.
8 Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse, Validierung der Hypothesen sowie Diskussion der Limitationen und Implikationen für die Praxis.
Schlüsselwörter
Freiwilligenarbeit, Narzissmus, Persönlichkeitseigenschaften, ehrenamtliches Engagement, SEEH-Skala, NPI, altruistische Orientierung, selbstdienliche Motivation, prosoziales Verhalten, Verträglichkeit, Korrelationsanalyse, Rekrutierung, Sozialpsychologie, empirische Forschung, Motivation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen narzisstischen Persönlichkeitszügen und der Bereitschaft sowie Motivation, ehrenamtliche Arbeit zu leisten.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die psychologische Fundierung von Freiwilligenarbeit, die Konstrukte des Narzissmus sowie die Abgrenzung zwischen altruistischen und selbstdienlichen Motiven bei Helfern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist herauszufinden, ob narzisstische Persönlichkeiten bei ihrer Entscheidung für ehrenamtliches Engagement stärker von persönlichen Vorteilen geleitet werden als weniger nazisstisch geprägte Personen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine quantitative Untersuchung durchgeführt, bei der ein Fragebogen (basierend auf den SEEH-Skalen und der NPI- Kurzversion) an 103 Testpersonen verschickt wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Forschungsstands, die methodische Beschreibung der Datenerhebung sowie die detaillierte statistische Auswertung der Korrelationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Freiwilligenarbeit, Narzissmus, eigennützige sowie altruistische Motivation und prosoziales Verhalten beschreiben.
Welche Rolle spielt die selbstdienliche Orientierung?
Die selbstdienliche Orientierung wird als Indikator genutzt, um egozentrische Motive des Helfers, wie etwa Karriereförderung oder soziale Aufwertung, messbar zu machen.
Was ist ein wichtiges Ergebnis in Bezug auf das Geschlecht?
Die Studie deutet darauf hin, dass die befragten Männer im Durchschnitt höhere narzisstische Werte aufweisen als Frauen.
Warum ist die Identifizierung narzisstischer Motive für Organisationen wichtig?
Die Arbeit schlussfolgert, dass Organisationen durch das Wissen um diese Motive den Rekrutierungsprozess optimieren und Personen, deren Engagement rein eigennützig begründet ist, gezielter identifizieren können.
- Quote paper
- Sarah Capozza (Author), 2021, Zusammenhänge zwischen der Persönlichkeit und der Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit. Spielt Narzissmus eine Rolle?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1271511