Queere Reproduktionsmöglichkeiten. Welche Argumente für und gegen das Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland gibt es?


Hausarbeit

16 Seiten, Note: 1,0

S. Schubert (Autor:in)


Leseprobe

Literaturverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gesetzeslage der Leihmutterschaft in Deutschland

3. Unterstützende Argumente für das Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland

4. Argumente gegen das Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland

5. Fazit und Schlussüberlegungen

II. Literaturverzeichnis:

I. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

LGBTQIA+1-Personen haben seit jeher eine neue Familienauffassung entwickelt, welche schon durch die eventuelle Abgrenzung zur Herkunftsfamilie sichtbar wurde. Ihre Idee der Familie geht über die leibliche oder genetisch miteinander verbundene Gemeinschaft hinaus. Bereits in den frühen Anfängen der feministischen Bewegungen wurden die Institutionen der Ehe und Familie aufgrund homonormativen, sexistischen und patriarchalen Privilegienvertei- lung infrage gestellt (vgl.Nay 2019: 372). In heutiger Zeit werden LGBTQIA+-Verbindungen mit Kindern als „neue“ und „alternative“ Familien, sowie auch als „Regenbogenfamilien“ be- zeichnet (vgl. Eggen und Rupp 2011).

Der Fortpflanzungswunsch und der Wunsch nach einem genetisch von den Eltern abstam- menden Kind ist eines der grundlegenden Merkmale menschlicher Existenz. Für heterosexu- elle Paare, bei denen die Frau aus biologischen Gründen kein Kind bekommen kann, als auch für queere Paare stellt die Leihmutterschaft die einzige Möglichkeit dar, diesen Wunsch zu erfüllen (vgl. Unger 2020: 40).

Am 11. Januar 2022 trat in Israel eine Gesetzesänderung in Kraft, welche es Single-Männern und homosexuellen Paaren erlaubt, ihren Kinderwunsch mithilfe einer Leihmutter zu erfüllen. Da dieser Weg bisher ausschließlich ledigen Frauen und heterosexuellen Paaren offenstand, ist dies ein bedeutender Schritt für die LGBTQIA+-Bewegung Israels (vgl. Spiegel Ausland). In Deutschland hingegen ist die Leihmutterschaft verboten und im öffentlichen Diskurs nega- tiv konnotiert. Dabei handelt es sich bei der Zuhilfenahme einer Leihmutter nicht um die be- queme Wahl des Reproduktionswegs, sondern eher um die letzte Möglichkeit zur Fortpflan- zung (vgl. Unger 2020: 41).

Angesichts der gravierenden Unterschiede der Gesetzgebungen und der Darstellung der Thematik in den Medien, ist es interessant zu analysieren, welche Argumente für und gegen das Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland gibt. In dieser Arbeit wird demnach unter- sucht, welche Risiken und welche Möglichkeiten die Leihmutterschaft für die queere Fort- pflanzungsmöglichkeit hat und ob das gesetzliche Verbot sinnvoll ist.

Zunächst wird die Gesetzeslage in Deutschland hinsichtlich des Einsatzes reproduktionsme- dizinischer Maßnahmen dargelegt. Im Anschluss werden unterstützende Argumente für die Illegalität der Leihmutterschaft aufgezeigt, Schattenseiten beleuchtet und Risiken kritisch be- trachtet. Daraufhin wird untersucht, welche Möglichkeiten eine Legalisierung der Leihmutterschaft für die queere Reproduktion bieten kann und was gegen das Verbot spricht. Zum Schluss werden Pro- und Contra-Argumente nochmals kurz zusammengefasst und in einem abschließenden Fazit abgewogen.

2. Gesetzeslage der Leihmutterschaft in Deutschland

Zum besseren Verständnis wird zunächst die Fortpflanzungsmethode durch Leihmutterschaft in knappen Zügen erläutert. Unter Leihmutterschaft versteht sich die Geburt eines Kindes durch eine dritte Frau respektive Leihmutter, welche sich dazu verpflichtet, dieses nach der Geburt an die sogenannten Wunscheltern zu übergeben. Dabei variiert der Einsatz der re- produktionsmedizinischen Maßnahmen. Bei heterosexuellen Paaren wäre eine Leihmutter- schaft eine Option, wenn die Eizellen der Wunschmutter zwar intakt sind, sie jedoch aus bio- logischen Gründen kein Kind austragen kann. Liegt zudem eine Fruchtbarkeitsstörung vor, wird der Samen des Wunschvaters und eine gespendete Eizelle der dritten Frau verwendet. Bei schwulen und queeren Paaren, sowie bei alleinstehenden Wunschvätern, kann der Sa- men eines der Wunschväter und eine gespendete Eizelle der Leihmutter oder einer weiteren Frau zur Befruchtung verwendet werden (vgl. Unger 2020: 41f). Bei lesbischen und queeren Paaren werden die Eizellen einer Wunschmutter mit einem gespendeten Samen für die Schwangerschaft der Leihmutter verwendet, sodass nach Geburt eine multiple Mutterschaft gegeben ist (vgl. Bujard/ Thorn 2018: 639).

Der deutsche Gesetzgeber verbietet die Leihmutterschaft in §7 Abs. 1 Nr. 7 Embryonen- schutzgesetz (ESchG), welches besagt, dass eine medizinisch assistierte Befruchtung einer Frau verboten ist, wenn diese ihr Kind nach Geburt an Dritte auf Dauer zu überlassen bereit ist. Auch die Übertragung eines menschlichen Embryos ist nicht erlaubt. Nach §13c des Adoptionsvermittlungsgesetztes (AdVermiG) ist die Ersatzmuttervermittlung ebenfalls unter- sagt und nach §14b Abs. 1 und 2 AdVermiG macht man sich auch durch Betreiben einer Er- satzmuttervermittlung strafbar (vgl. Unger 2020: 44).

Als Begründung wird das Wohl des Kindes angegeben (Gesetzesentwurf der Bundesregie- rung zum ESchG, BT-Drs. 11/5460: 7, 15). Bei der Leihmutterschaft teilt sich die biologische, genetische und soziale Elternschaft auf mehrere Personen auf. Das deutsche Abstam- mungsrecht erschwert es den Wunscheltern außerdem, die rechtliche Elternstellung des Kin- des zu erhalten. Nach deutschem Recht ist die rechtliche Mutter die Frau, welche das Kind zur Welt gebracht hat, mithin die Leihmutter. Demnach ist es schwierig, die rechtliche Eltern- schaft nach der Geburt des Kindes von einer ausländischen Leihmutter zu erhalten (vgl. Un- ger 2020: 44).

Zum Zeitpunkt der Verabschiedung des Embryonenschutzgesetz stützte sich der deutsche Gesetzgeber auf Annahmen und Befürchtungen über mögliche negative Auswirkungen die- ser gespaltenen Mutter- und Elternschaft auf das Wohl des Kindes (Wissenschaftlicher Dienst des Bundestages 2018: 9,15). Dieser Standpunkt wird unteranderem im Folgenden diskutiert und die unterstützenden und gegnerischen Argumente des Leihmutterschaftsver- botes in Deutschland dargelegt.

3. Unterstützende Argumente für das Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland

Rechtlich und in der Literatur wird zwischen der altruistischen und der kommerziellen Leih- mutterschaft unterschieden. Bei der altruistischen Vorgehensweise erfolgt die Reproduktion durch Leihmutterschaft entweder ganz ohne Bezahlung, beispielsweise bei Freundinnen oder Kusinen, oder die Leihmutter wird nur durch eine Aufwandsentschädigung entlohnt. Bei der kommerziellen Variante wird die Leihmutter mit einer meist hohen Summe bezahlt (vgl. Imrie/ Jadva 2014: 424-435). In der Realität ist dies jedoch schwierig voneinander zu tren- nen, denn auch Frauen mit einer altruistischen Haltung können sowohl altruistische als auch monetäre Anreize unterstellt werden, denn sie erhalten eine Kompensation. In den seltens- ten Fällen kennen sich Wunscheltern und Leihmütter bereits vorher (vgl. Edelmann 2004: 123- 136). Daraus kann abgeleitet werden, dass der Arbeit als Leihmutter meist eine Mi- schung der Motive, wenn nicht häufig vor allem ein monetäres Motiv zugrunde liegt. Der Be- griff der altruistischen Leihmutterschaft gilt es demnach zu hinterfragen. Die Hinzunahme der materialistischen Perspektive wird außerdem benötigt, um eventuelle im Hintergrund ver- deckt liegende Zwänge aufzudecken. Diese könnten unter dem Deckmantel der Selbstbe- stimmung und individuellen Freiheit liegen (vgl. Reuschling 2011).

Eine Legalisierung der Leihmutterschaft einzuführen, gleichzeitig jedoch jegliche Kompensa- tion zu verbieten, wäre jedoch auch keine Option. Dies würde dazu führen, dass zum einen die Leihmutter für ihren Verdienstausfall, bei Komplikationen bei Schwangerschaft und Ge- burt und auch für die körperlichen Strapazen der neunmonatigen Schwangerschaft und den Risiken der Geburt, legal keinen Anspruch auf Entlohnung hätte. Der Übergang von einer Kompensation zu einer Bezahlung ist ab einer gewissen Höhe ebenfalls fließend, denn diese muss abhängig der Lebensstandards des Heimatlandes der Leihmutter gesehen werden und variiert daher stark (vgl. Bujard/ Thorn 2018: 643f).

Die Kompensationszahlung für Leihmütter muss hinsichtlich der Dauer und den Risiken der Schwangerschaft deutlich über der für Blut-, Samen-, oder Eizellenspende liegen. In der American Society for Reproductive Medicine (ASRM) wurde über eine Kompensation von etwa 4.200 US-Dollar diskutiert. Die durchschnittlichen Zahlungen für Leihmütter in den USA liegen jedoch zwischen 20.000 und 55.000 US-Dollar, da die Kosten für die medizinischen Behandlungskosten relativ hoch sind.

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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Queere Reproduktionsmöglichkeiten. Welche Argumente für und gegen das Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland gibt es?
Note
1,0
Autor
Seiten
16
Katalognummer
V1271517
ISBN (Buch)
9783346714312
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leihmutterschaft, Queere Reproduktionsmöglichkeiten, Queer, LGBTQ
Arbeit zitieren
S. Schubert (Autor:in), Queere Reproduktionsmöglichkeiten. Welche Argumente für und gegen das Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland gibt es?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1271517

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