Anfangs wird ein historisches, soziolinguistisches Bild des bayerischen Dialekts und der Standard - bzw. Hochsprache gezeichnet, wobei sich in diesem Zusammenhang der Schwerpunkt auf das historisch gewachsene Spannungsverhältnis der beiden linguistischen Strömungen richtet. Den zentralen Gegenstand dieser Arbeit bilden kognitionspsychologische und pädagogisch-linguistische Forschungsergebnisse zum Thema Mehrsprachigkeit und dialektale Präsenz in der Grundschule.
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
3. Bayerische Dialektgeschichte: Zwischen Hochdeutsch und bayerisch
3.1 Frühes Mittelalter: Althochdeutsche Sprachbereich
3.2. Luthers Erbe und das Maul des Volkes
3.3 Die Zeit der Regeln und Normen: Sprachliche Normierung durch Normierungsbücher
4. Der Bayerische Dialekt
4.1 Regionale Eingrenzung
4.2 Binnengliederung
4.3. Sprachdimensionen des Dialekts:
5 Sprachverhältnis: Dialekt-Standardsprache und Aspekte der Mehrsprachigkeit
5.1 Verhältnis Standardsprache und Dialekt
5.2 Rationales Modell und romantisches Modell von Sprache
5.3 Anwendungsbereich Dialekt und Standardsprache
5.4 Schriftspracherwerb in der Grundschule als Erwerb der Standardsprache
5.5 Innere/dialektale Mehrsprachigkeit
6. Potenziale der inneren bzw. dialektalen Mehrsprachigkeit
6.1 Wissenschaftlicher Wegbereiter: Die PISA Studien 2012/13
6.2 Interkomprehensionsfähigkeit als Potenzial für interlinguales Verstehen
6.3 Code Switching Fähigkeit als Potenzial für abstraktes Denken und Erweiterung des Sprachbewusstseins
7. Sprachbarriere im dialektalen Sprachgebrauch
7.1 Der Terminus Sprachbarriere
7.2 Ergebnisse dialektaler Fehlerforschung im Bereich der Sprachbarriere
7.3 Analyse der Fehlerquellen
8. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dialektaler Prägung und dem Schriftspracherwerb in der bayerischen Grundschule, mit dem Ziel, sowohl Sprachbarrieren als auch kognitive Potenziale durch Mehrsprachigkeit aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung der Standardsprache und des bayerischen Dialekts.
- Soziolinguistische Aspekte der inneren Mehrsprachigkeit.
- Kognitive Vorteile von Dialektsprechern (Interkomprehensionsfähigkeit, Code-Switching).
- Analyse dialektbedingter Fehlerquellen bei der schriftlichen Realisierung der Standardsprache.
- Didaktische Implikationen für einen sensiblen Umgang mit Dialekt im Unterricht.
Auszug aus dem Buch
7.3.2 Normwidrige Di- bzw Monophtongisierung
Ein weiteres Fehlerbild ist die, „gelegentlich auftretende Monophtongisierung des standardsprachlichen diphtongs /au/ zu bair. /ai/“ (Reitmajer1979: 127). Dies wird vor allem im mündlichen Bereich als sehr kompliziert eingestuft, „da bei dieser Verbalisierungsform am ehesten die Wahrscheinlichkeit besteht, dass aufgrund mangelnder Reflexionsmöglichkeiten das Diphtongsystem der Primärsprache spontan zum Tragen kommt“ (Reitmajer 1979: 127). Andererseits ist dem Mundartsprecher der Diphtong /eu/, da er ihn in diesem Zusammenhang nur in entrundeter Form als /eu/ kennenglernt hat. Weiterhin ist erwartbar, dass der Mundartsprecher auch bei Verwendung der Standardsprache teilweise die fehlerhaften entrundeten Formen verwendet. „Zum Beispiel winschen statt wünschen oder Büldung statt Bildung“ (Reitmajer 1979: 127).
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die bildungspolitische Relevanz des Dialekts in Bayern und führt in die wissenschaftliche Fragestellung zu sprachlichen Hürden und Potenzialen im Schriftspracherwerb ein.
3. Bayerische Dialektgeschichte: Zwischen Hochdeutsch und bayerisch: Dieses Kapitel zeichnet die historische Genese der Trennung und Annäherung von Dialekt und der durch Normierung geprägten Schriftsprache nach.
4. Der Bayerische Dialekt: Es erfolgt eine regionale und linguistische Einordnung sowie eine Spezifizierung auf die mittelbairische Dialektform als Gegenstand der Untersuchung.
5 Sprachverhältnis: Dialekt-Standardsprache und Aspekte der Mehrsprachigkeit: Hier werden theoretische Modelle der Standardsprache und die Konzepte der inneren bzw. dialektalen Mehrsprachigkeit wissenschaftlich fundiert.
6. Potenziale der inneren bzw. dialektalen Mehrsprachigkeit: Das Kapitel analysiert kognitive Vorteile wie die Interkomprehensionsfähigkeit und Code-Switching, die mit der dialektalen Variation einhergehen.
7. Sprachbarriere im dialektalen Sprachgebrauch: Hier werden quantitative Forschungsergebnisse zu Normverstößen bei dialektgeprägten Grundschulkindern analysiert und interpretiert.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und plädiert für einen sensiblen, funktionalen Umgang mit der sprachlichen Identität von Schülern im Unterricht.
Schlüsselwörter
Bayerischer Dialekt, Grundschule, Schriftspracherwerb, Mehrsprachigkeit, Sprachbarriere, Normverstoß, Orthografie, Interkomprehensionsfähigkeit, Code-Switching, Sprachbewusstsein, Sprachdidaktik, Dialektforschung, Standardsprache, Mittelbairisch, Fehleranalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen dem bayerischen Dialekt und dem Erwerb der deutschen Standardsprache in der Grundschule, wobei sowohl die damit verbundenen Lernhürden als auch die kognitiven Potenziale beleuchtet werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung des bayerischen Dialekts, die soziolinguistischen Aspekte der inneren Mehrsprachigkeit und die pädagogischen Auswirkungen dialektaler Prägung auf schulische Leistungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein differenziertes Bild des dialektalen Ausdrucks zu zeichnen, das weder einseitig defizitorientiert noch rein romantisierend ist, sondern die komplexe Realität von Schülern in bayerischen Grundschulen abbildet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse linguistischer Fachliteratur und historischer sowie zeitgenössischer Forschungsergebnisse zur Fehlerforschung im Bereich der Orthografie und Morphologie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Hinführung, die theoretische Fundierung der Mehrsprachigkeit, die Analyse kognitiver Vorteile und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der dialektbedingten Fehlerforschung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bairischer Dialekt, Schriftspracherwerb, Sprachbarriere, kognitive Potenziale, Mehrsprachigkeit und Normverstöße charakterisiert.
Welche Rolle spielt die "Fehlerforschung" von Reitmajer für das Buch?
Reitmajers Untersuchungen dienen als zentrale empirische Grundlage, um exemplarisch zu zeigen, wie sich dialektale Sprachstrukturen spezifisch auf die orthografische Umsetzung im Deutschen auswirken können.
Wie bewertet der Autor den Einfluss der Landesregierung auf das Thema?
Der Autor ordnet politische Vorstöße wie den "Unterrichtsschwerpunkt Mundart" als Ausdruck einer gewissen Romantisierung ein, betont jedoch, dass diese Maßnahmen die Notwendigkeit unterstreichen, sich mit der kulturellen Identität der Schüler auseinanderzusetzen.
Was versteht man in diesem Kontext unter "Innerer Mehrsprachigkeit"?
Unter innerer Mehrsprachigkeit versteht man die Fähigkeit von Sprechern, in verschiedenen Kontexten zwischen Dialektvarietäten und der Standardsprache zu wechseln, ohne dass es sich um fundamental verschiedene Einzelsprachen handelt.
- Arbeit zitieren
- Lorenz Knothe (Autor:in), 2020, Eine dialektologisch-soziolinguistische Untersuchung von sprachlichen Hürden und Potenzialen des bayerischen Dialekts in der Grundschule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1271605