In der heutigen Informationsgesellschaft wird Computer-unterstütztes kollaboratives Lernen immer wichtiger. Es gibt dabei jedoch einige Probleme, die insbesondere die Interaktion der Gruppenmitglieder betreffen. Den Problemen wird unter anderem durch implizite Methoden begegnet, die verschiedene Aspekte der Awareness fördern sollen. Eine neu entwickelte Möglichkeit stellt hierbei ein Tool dar, das „Knowledge and Information Awareness“ unterstützt. Darunter wird die Awareness über das Wissen der Kooperationspartner und über dem Wissen zu Grunde liegender Informationen verstanden. Erste Studien zeigen die Effektiviät dieser Awareness für Computer-unterstütztes kollaboratives Problemlösen im Kontext von Ressourcen-basiertem Lernen. Ziel des angestrebten Projekts ist es, mögliche Wirkmechanismen des „Knowledge and Information Awareness“-Tools zu erforschen und Aussagen über geeignete Einsatzgebiete zu treffen. In vier experimentellen Studien sollen folgende Einflussfaktoren systematisch untersucht werden: Abrufbarkeit von Hintergrund-informationen, ungeteiltes Wissen, Aufgabentyp sowie Tool-Eigenschaften und common ground Bildung
Inhaltsverzeichnis
1 ALLGEMEINE ANGABEN
1.1 ANTRAGSTELLER
1.2 THEMA
1.3 FACHGEBIET UND ARBEITSRICHTUNG
1.5 VORAUSSICHTLICHE GESAMTDAUER
1.6 ANTRAGSZEITRAUM
1.7 GEWÜNSCHTER BEGINN
1.8 ZUSAMMENFASSUNG
2 STAND DER FORSCHUNG, EIGENE VORHABEN
2.1 STAND DER FORSCHUNG UND HERLEITUNG ZU PRÜFENDER HYPOTHESEN
2.1.1 Probleme des Computer-unterstützten kollaborativen Lernens
2.1.2 „Knowledge and Information Awareness“ als Möglichkeit das Computer-mediierte kollaborative Lernen zu unterstützen
2.1.3 Stand der Forschung zu CSCL-unterstützenden Technologien
2.1.4 Concept-Maps als KIA-Tool
2.1.5 Empirische Befunde zur KIA-Umgebung und mögliche Wirkmechanismen
2.1.6 Einfluss der Kollaboration auf Problemlösen und KIA-Effekt
2.1.7 Einfluss ungeteilter Information auf den KIA-Effekt
2.2 EIGENE VORARBEITEN
2.2.1 Teilnehmer
2.2.2 Material und Versuchsdurchführung
2.2.3 Abhängige Variablen
2.2.4 Hypothesen
2.2.5 Ergebnisse und Diskussion
3 ZIELE UND ARBEITSPROGRAMM
3.1 EINORDNUNG IN DAS SCHWERPUNKTPROGRAMM
3.2 ARBEITSPROGRAMM
3.2.1 Entwicklung des experimentellen Szenarios
3.2.2 Entwicklung des Tools zum ungeteilten Wissen
3.2.3 Vorstudien
3.2.4 Erste Studie: Einfluss der Informiertheit und Abrufbarkeit
3.2.5 Zweite Studie: Wechselwirkung der Kollaboration mit dem Aufgabentyp
3.2.6 Dritte Studie: Einfluss ungeteilten Wissens
3.2.7 Vierte Studie: Einfluss des verwendeten Tools und common ground Bildung
3.2.8 Zeitplan
Zielsetzung & Themen
Ziel der Arbeit ist es, die Wirkmechanismen des „Knowledge and Information Awareness“ (KIA)-Tools bei der Unterstützung computer-unterstützter kollaborativer Problemlösungsprozesse zu erforschen, um Einsatzgebiete für entsprechende Software zu definieren und Gestaltungsvorschläge abzuleiten.
- Untersuchung von Barriere-Annahmen im CSCL-Kontext
- Analyse der Rolle von KIA bei der Wissensrepräsentation und Koordination
- Einfluss von Abrufbarkeit von Informationen und ungeteiltem Wissen auf Problemlöseleistungen
- Vergleich der Wirksamkeit von KIA-Tools gegenüber anderen Systemen
- Planung von vier experimentellen Studien zur Validierung der Forschungsannahmen
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Probleme des Computer-unterstützten kollaborativen Lernens
Computer-unterstützes kollaboratives Lernen (CSCL) ist nach Koschmann (2002) definiert als ,practices of meaning-making in the context of joint activity, and the ways in which these practices are mediated through designed artifacts’ (S. 18). Diese Definition beinhaltet zwei Aspekte: Zum einen sind nicht Individuen, sondern Gruppen beteiligt, zum anderen wird die Mediation durch Artefakte betont, was sich auf die Unterstützung der Gruppeninteraktion durch den Computer bezieht.
Nach Bromme, Hesse und Spada (2005) beruht jedes technische Artefakt auf Vermutungen über Probleme und deren Ursachen, die damit überwunden werden können. Diese Vermutungen bezeichnen die Autoren als Barriere-Annahmen, welche einerseits einen faktischen Inhalt aufweisen, andererseits auch auf theoretischen Attributionen basieren. Unter Barrieren verstehen die Autoren Herausforderungen, die bewältigt werden müssen, um ein Ziel zu erreichen. Im CMC-Kontext existieren nach Bromme et al. drei grundlegende Barriere-Annahmen, die sich auf Probleme der Kommunikation und Kooperation beziehen: Die erste beinhaltet die individuelle und gegenseitige Konstruktion von Bedeutung und den Austausch von Informationen in Gruppen: Wenn verschiedene Informationen ausgetauscht werden, ist das kooperative Herstellen von Bedeutung die wichtigste Herausforderung (Bedeutungs-Barriere). Diese Barriere kann weiter differenziert werden in eine common ground Barriere und eine epistemische Barriere. Erstere bezieht sich darauf, dass keine Kommunikation ohne gegenseitiges Verständnis zustande kommen kann, letztere darauf, dass sich der Lernende als Individuum der Aufgabe konfrontiert sieht, neues Wissen oder Fertigkeiten aktiv zu erwerben. Die Barriere des ungeteilten Wissens beinhaltet, dass ungeteilte Informationen in Gruppen oft nicht hinreichend eingebracht werden. Die zweite Barriere-Annahme bezieht sich auf Etablierung und Aufrechterhaltung von Struktur in sozialen Interaktionen (Struktur Barriere). Die dritte Barriere-Annahme hat die Etablierung und Aufrechterhaltung von Motivation zur Kooperation und Kommunikation zum Inhalt (Motivations-Barriere).
Zusammenfassung der Kapitel
1 ALLGEMEINE ANGABEN: Dieses Kapitel enthält administrative Rahmenbedingungen, eine Projektskizze sowie eine Zusammenfassung des Forschungsgegenstands.
2 STAND DER FORSCHUNG, EIGENE VORHABEN: Hier werden theoretische Grundlagen zu CSCL und Barriere-Annahmen erläutert sowie eine Vorstudie und deren Ergebnisse zur Wirkung von KIA-Tools detailliert beschrieben.
3 ZIELE UND ARBEITSPROGRAMM: Dieses Kapitel definiert die Ziele für zukünftige Forschungsarbeiten und stellt einen detaillierten Plan für vier geplante experimentelle Studien vor.
Schlüsselwörter
Knowledge and Information Awareness, KIA, Computer-unterstütztes kollaboratives Lernen, CSCL, Problemlösen, Concept-Maps, Workspace Awareness, Barriere-Annahmen, Gruppenarbeit, Wissenskommunikation, ungeteiltes Wissen, transaktives Gedächtnis, common ground, Kooperation, Wissensvisualisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Unterstützung von kooperativen Lern- und Problemlöseprozessen in computervermittelten Umgebungen durch das Konzept der „Knowledge and Information Awareness“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Zentrum stehen die Identifikation von Kommunikationsbarrieren bei Gruppenarbeiten, die Nutzung von Visualisierungstools (speziell Concept-Maps) und die Erforschung von Wirkmechanismen, die die Zusammenarbeit über Distanz effizienter gestalten.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Hauptziel besteht darin, die Effekte von KIA-Tools auf den Problemlöseprozess bei verteilten Gruppen zu evaluieren und Wirkmechanismen wie den common ground oder den Umgang mit ungeteiltem Wissen empirisch zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem experimentellen psychologischen Ansatz, bei dem verschiedene Bedingungen (z.B. mit/ohne KIA-Tool, Variation der Informationsverteilung) in kontrollierten Settings verglichen werden, ergänzt durch Faktorenanalysen der erhobenen Daten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Barrieren in CSCL-Umgebungen, eine Analyse der Konzepte von Awareness und Wissensvisualisierung sowie die Dokumentation einer eigenen Vorstudie nebst einem darauf basierenden Forschungsprogramm.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie KIA, CSCL, Wissensvisualisierung, Gruppenkollaboration und common ground geprägt.
Was ist das „Hidden Profile“ in diesem Kontext?
Das „Hidden Profile“ beschreibt ein experimentelles Szenario, bei dem Informationen ungleich zwischen Gruppenmitgliedern verteilt sind, sodass nur durch den Austausch ungeteilten Wissens die optimale Lösung eines Problems gefunden werden kann.
Wie unterscheidet sich die Gruppenbedingung in der Vorstudie von der Individualbedingung?
In der Gruppenbedingung konnten die Probanden durch das KIA-Tool die Wissensbestände der anderen Experten einsehen, während in der Individualbedingung die Aufgabe alleine bearbeitet werden musste, was jedoch durch die Cover-Story „Öl-Tanker-Katastrophe“ eine zusätzliche kognitive Belastung erzeugte.
Welche Rolle spielen Concept-Maps für die KIA-Umgebung?
Concept-Maps dienen als visuelles Werkzeug, um komplexes Wissen sowie die Struktur der Informationsverteilung zwischen Kooperationspartnern transparent zu machen und so die kognitive Belastung während des Problemlösens zu reduzieren.
Warum wird eine vierte Studie mit einem „UW-Tool“ geplant?
Das UW-Tool soll als Metacognitive Tool fungieren, das den Nutzern direkt widerspiegelt, welche ungeteilten Informationen noch nicht in die Kollaboration eingebracht wurden, um zu prüfen, ob dies den Effekt der bisherigen KIA-Umgebung übertrifft.
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- Janusch Sieber (Author), 2007, „Knowledge and Information Awareness“ zur Förderung computerunterstützter Kollaboration, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127179