Standarddeutsch in der Nachrichtensprache. Ein empirischer Vergleich der Tagesschau und der RTLZWEI News


Hausarbeit (Hauptseminar), 2022

23 Seiten, Note: 1,0

Lena Morgenstern (Autor:in)


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Allgemeine Darstellung der Nachrichtensendungen
2.1 Nachrichtensprache im Fernsehen
2.2Tagesschau
2.3RTLZWEI News

3. Empirische Analyse
3.1 Methodik
3.2 Standardsprache in derTagesschau
3.2.1 Das e-Schwa
3.2.2 Tilgung und Kontraktion
3.2.3 Syntax
3.2.4 Interjektionen und Modalpartikel
3.2.5 Sonderfälle bei der Aussprache
3.3 Standardsprache in denRTL2-News
3.3.1 Das e-Schwa
3.3.2 Tilgung und Kontraktion
3.3.3 Syntax
3.3.4 Interjektionen und Modalpartikel
3.3.5 Sonderfälle bei der Aussprache
3.3.6 Umgangssprachliche Ausdrücke

4. Interpretation und Vergleich der Analysen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Vor der Entwicklung des Fernsehens als Massenmedium waren Printmedien und der Hörfunk die erste Anlaufstelle der Bevölkerung, um an Nachrichten zu gelangen. Dies änderte sich ab den 1950er-Jahren, als das Fernsehen für mehr Menschen zugänglich wurde. Zwar bildete das neue Medium zu Beginn noch keine Konkurrenz zu Zeitungen und dem Radio, doch im Laufe der Zeit wurde das Fernsehen immer attraktiver für die Bevölkerung. Mit der Initiierung derTagesschauim Jahr 1952 beginnt eine neue Geschichte der Nachrichten. (Vgl. Muckenhaupt 2000, S.36) Seit diesem Jahr ist dieTagesschauein konstanter Begleiter der Menschen und nimmt auch heute noch eine besondere Stellung bei den verschiedenen und neueren Nachrichtensendungen ein.

Die Einführung des dualen Rundfunksystems in den 1980er-Jahren veränderte jedoch diese Monopolstellung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und derTagesschau.(Vgl. Muckenhaupt 2000, S.25) Private und kommerzielle Sender bilden nun eine Konkurrenz zu den herkömmlichen Sendungen, was sich anhand der unterschiedlichen Herangehensweise an der Darstellung der Nachrichten erkennen lässt. Während es bei derTagesschauvor allem um objektive und politische Berichterstattung geht, befassen sich die Nachrichtensendungen des privaten Rundfunks insbesondere mit den sogenannten „Human Interest“-Themen. (Vgl. Hofstätter 2020, S.218) Die Funktion der Nachrichten beschränkt sich nun nicht mehr nur auf Information, sondern auch auf Unterhaltung und Meinungsbildung. (Vgl. Burger 1990, S.41)

Die Sprache der Nachrichten nimmt im Prozess dieser Entwicklung ebenfalls eine große Rolle ein. Aufgrund der Überregionalität des Fernsehens, aber auch anderer Medien, die die Nachrichten in der ganzen Bevölkerung verbreiten, löste die Nachrichtensprache die Literatursprache als Vorgabe für den deutschen Standard ab. (Vgl. Hofstätter 2020, S.74) Die Medien waren entscheidend für die Vereinheitlichung der Sprache, wodurch sich die Menschen nun am Deutsch der Nachrichten orientieren. Findet ein „neuer“ oder auch „umgangssprachlicher“ Ausdruck seinen Weg in dieTagesschau, so wird dieser auch von der Bevölkerung als „Standard“ akzeptiert.

Doch auch die sprachliche „Korrektheit“ wird mit dem Aufkommen des privaten Rundfunks immer unwichtiger. Durch das divergierende Vorgehen bei der Aufarbeitung und Verbreitung von Nachrichten, unterscheidet sich auch die Nachrichtensprache bei Sendungen wie denRTLZWEI Newsvon der derTagesschau.

Diese These soll in der vorliegenden linguistischen Arbeit genauer untersucht werden. Dabei wird exemplarisch die Nachrichtensprache von ausgewählten Sendungen derTagesschaumit der Sprache bei der privaten Sendung derRTLZWEI Newssprachwissenschaftlich analysiert. Daraufhin sollen sprachliche Abweichungen von der Standardsprache miteinander verglichen und hinsichtlich ihres Kontextes interpretiert werden.

2. Allgemeine Darstellung der Nachrichtensendungen

Um eine differenzierte Analyse der Standardsprache bei derTagesschauund in denRTLZWEI Newsvornehmen zu können, ist eine vorherige Beschreibung des Charakters der Nachrichtensprache unerlässlich. Hierbei soll vor allem auf die Bedingungen eingegangen werden, denen die Nachrichtensprache unterliegt und darauf, was die Sprache in den Nachrichten auszeichnet. Für die anschließende Interpretation der Ergebnisse der empirischen Analyse ist außerdem wichtig zu erläutern, wie die öffentlich-rechtliche SendungTagesschauund die private NachrichtensendungRTLZWEI Newsallgemein dargestellt werden. Schon allein die von der Sprache unabhängige Darstellung der jeweiligen Nachrichtensender gibt nämlich Aufschluss darüber, wie auch etwaige sprachliche Unterschiede interpretiert werden können. Deshalb soll im Folgenden ebenfalls aufgezeigt werden, wie die beiden Formate aufgebaut sind.

2.1 Nachrichtensprache im Fernsehen

Die Sprache in den Nachrichten unterliegt bestimmten Bedingungen. Viele dieser Bedingungen ergeben sich aus dem Medium des Fernsehens an sich. Im Gegensatz zu geschriebenen Nachrichten in Zeitungen oder Artikeln im Internet, ist die Sprache des Fernsehens eine gesprochene Sprache. Wenn eine Aussage somit nicht verstanden wird, kann der Zuschauer den Satz nicht noch einmal hören. Darum ist es wichtig, dass Nachrichtensprache möglichst präzise, kurz und verständlich formuliert wird. (Vgl. Hofstätter 2020, S.81) Aber auch durch die Funktion der Nachrichten als überregionaler Vermittler von Informationen (Vgl. Burger 1990, S.213), ist eine simple und allgemein verständliche Sprache nötig. Nachrichten müssen für alle gleichermaßen zugänglich und begreiflich sein, weshalb die Nähe zur Standardsprache bedeutsam erscheint. Ein weiterer Anspruch an Nachrichtensendungen ist Objektivität und damit auch eine neutrale Sprache. Nachrichtensprecher sollen nicht interpretieren oder bewerten, sondern vor allem informieren. Dies ist vor allem bei derTagesschauso, private Sender verfolgen dieses Konzept von reiner Informationsvermittlung nicht mehr. (Vgl. Burger/Luginbühl 2014, S.26)

Während auf der einen Seite diese simple und neutrale Sprache steht, zeichnet sich die Sprache der Nachrichten auch durch spezielle journalistische Satzkonstruktionen und Ausdrücke aus. (Vgl. Muckenhaupt 2000, S.70) So ist beispielsweise der Konjunktiv I zur Wiedergabe der indirekten Rede typisch für die Nachrichtensprache, während man den Konjunktiv I im alltäglichen Sprachgebrauch so gut wie gar nicht verwendet. Aber auch feste Verbindungen wie in Frage stellen oder in Kauf nehmen kommen häufig in Nachrichtensendungen vor.

Außerdem hat der Inhalt der Nachrichten einen Einfluss auf die Sprache in den Fernsehnachrichten. Die Informationen werden in verschiedene Themenfelder gegliedert, wodurch auch das Vokabular und die Sprache an die bestimmten Themen angepasst werden. So sind feste Ausdrücke wiein ein Rekordtief rutschenvor allem bei politischen Themen sehr beliebt. Aber auch die Kombination aus Namen und Funktionsbezeichnung wieBundeswirtschaftsminister Habeckwird oft in den Nachrichten verwendet, um die Einordnung verschiedener Personen für das gesamte Publikum deutlich zu machen.

Ein letzter Punkt, der wichtig für die Nachrichtensprache ist, ist der Einfluss der Produktion und der internen Normen auf die Texte der jeweiligen Nachrichtensprecher. Die Produktion gibt das Skript für die Sendung vor, weshalb der Sprecher nur als „sekundärer Kommunikator“ (Burger 1990, S.29) agiert, der einen vorgegebenen Text vorliest. Für den Rezipienten ist das auf den ersten Blick nicht klar, da in den Nachrichtensendungen eine direkte Ansprache und eine konzeptionelle Mündlichkeit inszeniert wird. Dies geschieht durch das Ablesen der Texte von einem Teleprompter, der für die Zuschauer nicht sichtbar ist. (Vgl. Burger/Luginbühl 2014, S.189) Die oftmals vorhandenen Blätter auf dem Tisch oder Karteikarten in der Hand sind hierbei ebenfalls Teil dieser Inszenierung. Außerdem ist auch die Professionalität und die Nähe zur Standardsprache abhängig von der Entscheidung der Produktion und vom Senderformat. So ist im Vergleich dieTagesschaunoch deutlich näher an der Standardsprache, während sich dieRTLZWEI Newsmehr der Umgangssprache einer jüngeren Zielgruppe anpassen. Darauf soll bei der folgenden Betrachtung der Darstellung derTagesschauund derRTLZWEI Newsnäher eingegangen werden.

Bei der Nachrichtensprache spielen somit auch die außersprachlichen Umstände und das Medium eine große Rolle. Nachrichtensprache besitzt ihre eigenen Ausdrücke und ist abhängig von der jeweiligen Produktion und Nachrichtensendung. Die Nähe zur Standardsprache erscheint aufgrund der Überregionalität der Fernsehnachrichten essenziell für das Verstehen der Informationen durch ein gemischtes Publikum.

2.2 Tagesschau

DieTagesschauist die älteste und auch heute noch bestehende Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen. Sie existiert seit 1952 und ist seitdem auch weitestgehend ihrem klassischen Modell der Sprechersendung treu geblieben. (Vgl. Burger 1990, S.153) Wichtig sind bei diesem Modell die reine Informationsvermittlung sowie die Seriosität und Objektivität der Nachrichten. (Vgl. Burger/Luginbühl 2014, S.271) Da dieTagesschauim öffentlich-rechtlichen Fernsehen mehrmals täglich ausgestrahlt wird und somit für ein großes Publikum jederzeit zugänglich ist, ist ebendiese Objektivität von großer Bedeutung.

Aber auch der Sprecher trägt in der Sprechersendung derTagesschauzu der Objektivität der Nachrichten bei. In den Anfängen derTagesschauwurde der Sprecher so entpersonalisiert und abstrakt gehalten, dass dieser als Garant für die Objektivität der Informationen galt. (Vgl. Burger/Luginbühl 2014, S.7) Eine persönliche und subjektive Untermalung der Nachrichten sollte damit verhindert werden, da die Informationsvermittlung im Vordergrund stand. Auch heute noch sind die Sprecher derTagesschauTeil einer ritualisierten Form der Sprechersendung. Zwar sind die verschiedenen Sprecher und Sprecherinnen bekannt, der Fokus liegt aber immer noch auf dem Inhalt und der Weitergabe von Nachrichten.

Ein weiterer Faktor ist das äußerliche Erscheinungsbild des Studios, der Sprecher und Sprecherinnen und der Internetseite derTagesschau. Die Umgebung des Studios in einem neutralen Blauton und zudem die professionelle Kleidung der Sprecherinnen und Sprecher vermitteln ein seriöses Erscheinungsbild. (Vgl. Burger/Luginbühl 2014, S.278) Auch die Internetseite, auf der die verschiedenen Formate derTagesschaujederzeit abrufbar sind, ist in dem gleichen Blauton gehalten. Die Seite ist in verschiedene Themenblöcke gegliedert, was das Bedienen der Webseite erleichtert. Einzelne Videos besitzen eine schlagkräftige Überschrift mit einer Kurzbeschreibung des Inhalts, was ebenso eine einfache Ordnung und Auswahl ermöglicht. Auch hier wird somit ersichtlich, dass dieTagesschaugroßen Wert auf eine einfache und seriöse Handhabung und Darstellung Wert legt.

Schon der äußere Aufbau und die Gestaltung derTagesschaudeuten auf die Seriosität der Sendung hin. Aber auch die Sprache selbst soll den Anspruch dieser Seriosität erfüllen. DieTagesschauist bedacht darauf, ihre Nachrichtenbeiträge grammatikalisch korrekt und genau ausgesprochen zu präsentieren. Sprachliche Auffälligkeiten sollen vermieden werden, um die Zuschauer nicht vom erzählten Inhalt abzulenken. Deswegen ist von derTagesschauauch eine sehr stark an die Standardsprache angelehnte Ausdrucksweise zu erwarten.

Es ist deutlich geworden, dass dieTagesschauin allen Bereichen ein seriöses und objektives Bild vermitteln möchte. Der Inhalt der Nachrichten und die Vermittlung dieser Informationen stehen im Vordergrund, während die Gestaltung des Studios oder auch die verschiedenen Sprecher und Sprecherinnen eine untergeordnete Rolle einnehmen. Ob auch die Sprache einen Teil des äußerlich geschaffenen Eindrucks von Objektivität und Seriosität darstellt, soll im empirischen Teil dieser Arbeit untersucht werden.

2.3 RTLZWEI News

DieRTLZWEI Newsetablieren sich im Jahr 1993 als Nachrichtensendung des privaten SendersRTL. Das Konzept dieser Sendung ist stark beeinflusst von amerikanischen Nachrichtensendungen, worauf schon der Begriff der „News“ im Namen der Sendung hindeutet. (Vgl. Muckenhaupt 2000, S.28) Im Gegensatz zurTagesschausind dieRTLZWEI Newskeine Sprechersendung, sondern ein Magazin mit einem Moderator. (Vgl. Burger 1990, S.164) Hierbei spielen nicht nur rein objektive Informationen eine Rolle, sondern auch der Unterhaltungsfaktor. Dies wirkt sich auf die Gestaltung und den Inhalt der Sendung aus.

Zum einen nimmt die Rolle des Moderators eine maßgebende Funktion ein. Er strukturiert die Sendung, was bei den Sprechern und Sprecherinnen der Tagesschau ähnlich ist, zusätzlich übernimmt er aber auch eine interpretierende Funktion. (Vgl. Burger 1990, S.168) Subjektive Kommentare zu verschiedenen Nachrichten sollen die Nähe zu den Zuschauern herstellen und ihnen eine Hilfestellung bei der Bewertung und Meinungsbildung bei gewissen Themen geben. Außerdem stellt der individuelle Moderator bei diesem Format eine Bezugsperson dar, die auf parasozialer Ebene agiert. (Vgl. Burger/Luginbühl 2014, S.333) DieRTLZWEI Newswerben hierbei unter anderem auch damit, dass ihre Nachrichtensendung „[…] von jungen Menschen für junge Menschen […]“ (https://www.rtl2.de/sendungen/rtlzwei-news, abgerufen am 11.08.2022) gemacht wird. Somit wird auch eine deutliche Abgrenzung zum Format derTagesschaudeutlich, die den Anspruch hat, Nachrichten an die gesamte Bevölkerung unabhängig der Altersklasse zu senden.

Diese Abgrenzung äußert sich ebenfalls im äußeren Erscheinungsbild des Studios und der Internetseite derRTLZWEI News. Der Moderator in Alltagskleidung bewegt sich frei durch den gesamten Studioraum, der bunt und hell eingerichtet ist. (Vgl. Burger/Luginbühl 2014, S.272) Die Farben sollen hierbei ein freundliches und unterhaltsames Bild vermitteln, was mehr junge Zuschauer und Zuschauerinnen animieren soll, die Nachrichten beiRTL2zu verfolgen. Dieser Eindruck wird auch durch den Aufbau der Internetseite bestätigt. Die verschiedenen Nachrichtensendungen sind in Episoden oder Folgen unterteilt, was dem Aufbau einer Serie entspricht und nicht unbedingt die Seriosität von Nachrichten deutlich macht. Direkt unter diesen Episoden wird für weitere Unterhaltungsprogramme des SendersRTL2geworben, die nichts mit den Nachrichten zu tun haben.

Auch sprachlich gesehen steht eine unterhaltende und publikumsnahe Sprache im Vordergrund. Da dieRTLZWEI Newsvor allem die jüngere Generation ansprechen sollen, wird auf eine einfache Sprache Wert gelegt, die vermehrt Anglizismen und umgangssprachliche Ausdrücke enthält. Dieser Eindruck soll ebenfalls anhand der empirischen Analyse der Standardsprache in denRTLZWEI Newsbelegt werden.

Mittels dieser beiden Darstellungen der NachrichtenformateTagesschauundRTLZWEI Newszeichnet sich ein klares Bild ab. Während dieTagesschauauf Seriosität und Informationsvermittlung bedacht ist, stehen bei denRTLZWEI Newsdas Infotainment (Vgl. Burger/Luginbühl 2014, S.272) und die Rolle des Moderators im Vordergrund. Die Nachrichten beiRTL2orientieren sich an einem jungen Publikum und werden dementsprechend auch in ihrer äußerlichen Gestaltung, der Sprache und dem Inhalt an eine neue Generation angepasst.

3. Empirische Analyse

3.1 Methodik

Für die empirische Analyse sollen jeweils drei Sendungen derTagesschauund derRTLZWEI Newsauf von der Standardsprache abweichende Auffälligkeiten untersucht werden. Im Anschluss sollen die daraus gewonnenen Erkenntnisse miteinander verglichen und interpretiert werden.

Um eine Vergleichsbasis zu schaffen, wurde immer eine Nachrichtensendung derTagesschaueiner am gleichen Tag ausgestrahlten Sendung derRTLZWEI Newsgegenübergestellt. Es kann somit eine aussagekräftigere Analyse gewährleistet werden, da für ähnliche Themen auch ein ähnliches Vokabular verwendet wird, wodurch etwaige Auffälligkeiten deutlicher herausgestellt werden können. Sowohl bei derTagesschauals auch bei denRTLZWEI Newswerden die Sendungen am 07.07.2022 und 08.07.2022 von einer innerhalb der jeweiligen Sendung gleichbleibenden Sprecherin geleitet, während beide am 12.07.2022 einen männlichen Sprecher haben. Diese Auswahl hat zwei verschiedene Gründe. Zum einen sollen Unterschiede bei sprachlichen Auffälligkeiten, die bei der gleichen Person an verschiedenen Tagen auftreten, deutlich gemacht werden. Zum anderen soll die Analyse eines zweiten Sprechers grundlegende Unterschiede bei der Orientierung an der Standardsprache zwischen derTagesschauund denRTLZWEI Newsim Allgemeinen sichtbar machen. Dies stellt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder allgemeingültige Aussagen über die Verwendung der Standardsprache in den jeweiligen Nachrichtensendungen dar, sondern soll lediglich exemplarisch die Tendenzen der sprachlichen Verwendung aufzeigen.

Des Weiteren wird nicht nur die Sprache des Sprechers und der Sprecherin bei derTagesschausowie die des Moderators und der Moderatorin bei denRTLZWEI Newsanalysiert, sondern auch die Sprache der verschiedenen Sprecher und Sprecherinnen anderer Bereiche der Nachrichtensendungen, da sich die Sprache innerhalb der verschiedenen Formate unterscheiden kann. (Vgl. Bucher/Straßner 1991, S.177) Diese sind Nachrichtenberichte mit off-Text, Bilder oder Grafiken mit off-Text, Übersetzungen sowie Statements eines Sprechers oder einer Sprecherin vor Ort im On. Andere Personen, die nicht Teil des Nachrichtensenders sind, sollen aufgrund der nicht vorhandenen Vergleichsmöglichkeit und dem inexistenten journalistischen Hintergrund außen vorgelassen werden.

Aufgrund der nicht vorhandenen Archivierung von Sendungen derRTLZWEI Newskann auch kein Vergleich mit älteren Ausstrahlungen stattfinden und somit auch keine Entwicklung der Sprache zu verschiedenen Zeitpunkten analysiert werden.

Die These, die der empirischen Analyse zugrunde liegt, ist, dass sich dieTagesschausehr stark an der Standardsprache orientiert, während die Sprache derRTLZWEI Newsnäher an der Umgangssprache liegt.

Um sprachliche Abweichungen von der Standardsprache feststellen zu können, ist eine Definition von Standardsprache unerlässlich. Für die Aussprache wird hier dasDuden-Aussprachewörterbuchals grundlegende Norm für die Standardaussprache verwendet. Andere Auffälligkeiten sollen dann als von der Standardsprache abweichend gelten, wenn sie in umgangssprachliche Formen und Ausdrücke einzuordnen sind oder wenn sie konzeptionell stark an Mündlichkeit orientiert sind.

3.2 Standardsprache in derTagesschau

3.2.1 Das e-Schwa

DasDuden-Aussprachewörterbuchgibt vor, dass das e-Schwa in unbetonten Silben vokalisiert wird. Im Folgenden sollen demnach insbesondere Wörter, die auf -enund-emenden auf die Aussprache des e-Schwas analysiert werden. Wird das Schwa nicht vokalisiert, so ist die Aussprache näher an der Umgangssprache, wird es allerdings deutlich hervorgehoben, so kann man von einer Hyperkorrektur sprechen.

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Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Standarddeutsch in der Nachrichtensprache. Ein empirischer Vergleich der Tagesschau und der RTLZWEI News
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2022
Seiten
23
Katalognummer
V1271842
ISBN (Buch)
9783346724052
Sprache
Deutsch
Schlagworte
standarddeutsch, nachrichtensprache, vergleich, tagesschau, rtlzwei, news
Arbeit zitieren
Lena Morgenstern (Autor:in), 2022, Standarddeutsch in der Nachrichtensprache. Ein empirischer Vergleich der Tagesschau und der RTLZWEI News, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1271842

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