Methoden und Arbeitstechniken im Politikunterricht

Chancen, Grenzen und Probleme bei der praktischen Umsetzung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
46 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

INHALT

Einleitung

1 Der Lehrervortrag

2 Interpretation von Karikaturen

3 Umgang mit Statistiken und Tabellen

4 Textanalyse/ Methode Mind Map

5 Handlungsorientierte Methoden

6 Talk-Show „Direkte Demokratie“

7 Die Pro-Contra-Debatte „Direkte Demokratie“

8 Dilemmadiskussion

Schlussbemerkung

Einleitung

„Methode beschreibt die Grundintention, nach der ein Lehrer seine Schüler zur politischen Denk- und Handlungsfähigkeit bringt.“1

„Ein geregeltes Verfahren, nach dem Unterrichtsstoffe unter Berücksichtigung aller didaktischen Faktoren schülergerecht in Unterrichtseinheiten gegliedert werden, und eine Verfahrensweise, mit der die unterschiedlichen Lernprozesse auf Grund vorgesehener Lernziele und Unterrichtsprinzipien beeinflusst werden.“2

„ Unter Methodenkonzeption soll darum das reflektierte Arrangegement von Artikulationsshemata, Unterrichtsform, Sozialform und Medien zum Nachvollzug und Erlernen didaktischer Fragen verstanden werden.“3

„ Am methodischen Handeln sind alle beteiligt, die am Unterricht teilnehmen. [...] Gestaltung von Unterricht wird so zu einer besonderen Aufgabe und muss durch methodisches Handeln auch der Schüler zu einem gemeinsamen Lernprozess führen. Politische Bildung kann auf Selbsttätigkeit und Aktivität der Schüler in der konkreten Unterrichtssituation schon deshalb nicht verzichten, weil es ihren Auftrag entspricht, Schüler zu Selbstentfaltung, zur Eigenverantwortung und zum Mitbestimmen zu befähigen.“4

Die verschieden aufgeführten Definitionen sollen die Wechselbeziehung, das Zusammenspiel und die Verknüpfung von Methodik und Didaktik aufzeigen. Die Zielsetzung für methodisches Handeln in der Politischen Bildung kann nur im Zusammenhang und in einer ständigen Wechselbeziehung mit didaktischen Überlegungen denkbar sein. Die Gründe sind vielfältig und man könnte noch sehr viel mehr solcher Definitionen hier anbringen, das Fazit bleibt in jedem Fall gleich. Schüler und Lehrer sollten methodisch geschult sein, die Methodik als eine Summe von Verfahrensweisen unterschiedlicher Reichweite ansehen und im bewussten Zusammenhang mit anthropogenen, soziokulturellen Voraussetzungen, Intentionalität, Thematik und Medienwahl anwenden.5

Im Gesamtrahmen geht es in Endeffekt darum, den Schülern Hilfen zu geben, ihnen Angebote zu machen, die sie aktuell und später befähigen, politische bzw. mündige Bürger zu sein. Die Hauptzielrichtung ist heute wie damals das Interesse zu wecken, Aktivität zu stärken, Handlungsfähigkeit entwickeln, die Abschätzung von Handlungsfolgen, Werte, Normen, Ziele zu reflektieren, Einsichten in die Strukturen der Gesellschaft erlangen und vor allem die Entwicklung von Eigenverantwortung, die Selbstkenntnis mit einschließt.6

Die Wirksamkeit der politischen Bildung steht und fällt mit der Methodenkompetenz der Schüler und der Lehrenden7. Nur wenn Schüler und Lehrende wissen und durch Erfahrung abgesichert haben, wie sie zu Bewältigung der jeweiligen Aufgaben methodisch am besten vorzugehen haben, kann ein erfolgreicher, selbstständiger, zielstrebiger und nachhaltiger Unterricht in der Politischen Bildung etabliert werden.

Im Seminar wurden einige ausgewählte Methoden und Arbeitstechniken genauer erläutert und auch simuliert. Die Ergebnisse wurden in einer Arbeitsgruppe erstellt und sollen in den folgenden Kapiteln dargestellt werden. Die Kapitel stehen dabei größtenteils für sich und werden durch eine einleitende und abschließende Bemerkung eingerahmt. Der Arbeitsgruppe war auf der einen Seite die Erläuterung des konkreten Beispiels und auf der Anderen die theoretische Unterfütterung bzw. Reflexion der durchgeführten Unterrichtssimulation wichtig. Die Arbeit soll als in gewisser Weise als Seminarmappe dienen, welche unter der Thematik Chancen, Grenzen und Probleme bei der praktischen Umsetzung, die Veranstaltung Politikdidaktische Unterrichtsverfahren, Methoden und Arbeitstechniken zusammenfasst .

1. Der Lehrervortrag

Der Lehrervortrag, oft als methodisch veraltet verschrien, ist ein geeignetes Mittel, Informationen zu einem bestimmten Sachverhalt oder Thema in konzentrierter Form und gut strukturiert an die Schüler und Schülerinnen weiterzugeben.

Phase I - Einleitung (ca. 1 Minuten)

- Thema vorstellen sowie Interesse und Aufmerksamkeit der Schüler wecken
- Bedeutung des Inhalts im Rahmen der Unterrichtsreihe deutlich machen, um Bereitschaft zum Zuhören zu bewirken
- Rückbezug auf den vorhergegangenen Unterricht herstellen (Anbindung)
- Informationsquellen nennen
- Gliederung des Vortrags vorstellen

Übergeordnetes Thema: Wirtschaft ( 9/10 Klasse Sek I )

Thema der Stunde: Konkurrenz von Tank und Teller

Inhalt: Analyse von wirtschaftlichen Prozessen zur

Entstehung von Preisen

- Aufgrund von Schülerfragen aus der letzten Stunde zu den steigenden Lebensmittelpreisen, einleitender Lehrervortrag zum Thema.
- Lebensmittelpreise werden tägliche teurer, warum ist das so?
- Die Tankstelle und der Supermarkt konkurrieren um die gleichen Rohstoffe : Mais
und Raps...
- Warum aber sind diese Rohstoffe ausschlaggebend für einen teuren Osterhasen?
Phase II - Hauptteil (ca. 5 Minuten)
- Sachinformationen und Fakten zum Thema präsentieren
- Anbindung an Vorwissen und Einstellung der Schüler versuchen
- Gliederung einhalten und Zwischenüberschriften nochmals deutlich aufgreifen
- Unterkapitel am Ende kurz zusammenfassen (Zwischenzusammenfassungen)
Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten
- Mais und Raps sind Futtermitte, aber gleichzeitig auch grundlegende Rohstoffe zur Gewinnung von Biodiesel – Schaubild an der Tafel als Ergänzung zum Lehrervortrag
- Das Schicksal des Osterhasen (200 Gramm schwere Schokotier Preis: 79 Cent statt 69 Cent) hängt am Preis für Milchpulver, eine der Hauptzutaten, welche sich innerhalb eines Jahres fast verdoppelt hat. Das ist ein Trend für die gesamte Lebensmittelbranche.

Überschrift: „Konkurrenz von Tank und Teller“ (Nach Erarbeitung des Tafelbilds in Phase III anschreiben und Übergang zum Unterricht herstellen.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Industrieller Prozess zur Bsp.: Futtermittel

Herstellung von Biodiesel für Rinder

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bsp.: Herstellung von Milchpulver

Weitere industrielle Prozesse

Biodiesel Lebensmittel

Phase III - Schlussteil (ca. 1-2 Minuten)

- Zusammenfassung der wichtigsten Fakten und Ergebnisse

- evtl. kurze Stellungnahme zum Thema
- Diskussion zu inhaltlichen Punkten des Vortrags
- Übergang zum weiteren Vorgehen im Unterricht/ in der Unterrichtsreihe herstellen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

- Die größere Konkurrenz von Anbauflächen bzw. um den Rohstoff Mai, Raps und Soja lassen die Preise steigen!
- Diese höheren Preise wirken sich auf das Leben der Menschen aus
- Wie ein Preis für ein Produkt entsteht und von welchen Faktoren dies anhängt, sollen euch die folgenden vier Texte zeigen – Gruppen bilden – Erörterung von Preisentstehung und Auswirkung die Bevölkerung

Allgemein kann der Lehrervortrag den Charakter einer Hinführung, Problematisierung, Verdeutlichung, Exemplifizierung oder Zusammenfassung haben. Er sollte nicht dem „Schreckbild von der monologisierten Lehrkraft“ entsprechen und zum stummen Zuhören verurteilen. Wie auch das Unterrichtsgespräch soll die Methode des Lehrervortrags nur in Verbindung bzw. Ergänzung gebraucht werden und zum Verständnis beitragen. In diesem Fall ergänzte sich der Lehrervortrag mit dem Tafelbild und visualisierte den erklärten Prozess. Das Tafelbild wurde in diesem Fall auch sehr kurz gehalten, so dass sich während des Lehrervortrages keine Eigendynamik entwickeln konnte. Wenn der Lehrer während des Vortrages sich laufend unterbricht, um etwas an die Tafel zu schrieben, so muss er immer wieder das Hauptgeschehen stören, die Aufmerksamkeitsrichtung der Schüler umlenken und die Hauptlinie des Geschehens verlassen. Eigentlich soll das Tafelbild ein Art Nebenprodukt sein, aber es kann einen zu hohen Stellenwert erlangen und kann zur Hauptsache werden.8

Im bearbeiteten Fall der Arbeitsgruppe handelte es sich um einen vorbereiteten Lehrervortrag, bei dem wir bewusst auf eine übersichtliche Gliederung und möglichst direkten Weg zum Unterrichtsthema, gesetzt haben. D.h. ein mit wenigen Gedankengängen, Prägnanz und Einfachheit gestalteter Einstieg in die wirtschaftlichen Prozesse bzw. Entstehung von Preisen anhand des gewählten Beispiels.9

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quellenmaterial für die Simulation:

Lebensmittel werden knapp und teuer

6. April 2008, 04:00 Uhr Welt Online
Von Frank Stocker http://www.welt.de/finanzen/article1874436/Lebensmittel_werden_knapp_und_teuer.html (letzter Aufruf 29.04.08 15:07 Uhr)

Politiker verdammen Biosprit als Hunger-Ursache

13. April 2008, 17:54 Uhr Welt Online
Von Hannelore Crolly http://www.welt.de/politik/article1897857/Politiker_verdammen_Biosprit_als_Hunger-Ursache.html

(letzter Aufruf 29.04.08 15:07 Uhr)

Landwirtschaft steckt in der Manipulationsfalle

16. April 2008, 08:15 Uhr Welt Online
Von Hannelore Crolly http://www.welt.de/wirtschaft/article1906506/Landwirtschaft_steckt_in_der_Manipulation sfalle.html

(letzter Aufruf 29.04.08 15:07 Uhr)

Warum Lebensmittel plötzlich teurer werden

15. Juli 2007, 18:19 Uhr Welt Online
Von Anja Struve und Viktoria Unterreiner

http://www.welt.de/finanzen/article1481986/Warum_Lebensmittel_ploetzlich_teurer_wer

den.html (letzter Aufruf 29.04.08 15:07 Uhr)

Agrarprodukte – In den Tank statt auf den Teller?

April 2007 www.wirtschaftundumwelt.at

Dr. Christoph Streissler / Dipl.-Ing. Alexander Bachler

Wirtschaft und Umwelt. Zeitschrift für Umwelt und Nachhaltigkeit, Ausgabe 4, 2007

http://www.wirtschaftundumwelt.at/2656/2657/2665/2666/2751/

(letzter Aufruf 14.08.08 13:54 Uhr)

Merret, Gary, Marktwirtschaft in Schulbüchern, Liberales Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Berlin 2008.

http://www.fnst-freiheit.org/uploads/896/Martkw_Schulbuecher.pdf

(letzter Aufruf 14.08.08 14.05 Uhr)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Interpretation von Karikaturen

Definitionsversuche

Karikaturen...

... sind „satirische Darstellungen von Menschen oder gesellschaftlichen Zuständen.“

... sind „ein subjektiver politischer Kommentar“ des Zeichners.

... sind „parteilich“ und durch eine durch die Verzerrung der gewohnten Wirklichkeit

geschaffene Distanz wir die Chance eröffnet, „politisch-gesellschaftliche Alternativen“ zu

denken.10

... „betrachten Politik aus der Froschperspektive, sozusagen „von unten“ [...]“. 11

... „spitzen Sachverhalte zu [...] und erhöhen damit ihre Wirkung“.

Das didaktische Potential guter Karikaturen...

...resultiert aus dem „Spannungsverhältnis aus den eindeutigen Zeichen, die auf einen

Blick erkannt werden, und der irritierenden Montage, die politisches Denken produziert“12

Gute Karikaturen bieten den Vorteil, „dass sie viele Ansatzpunkte für die folgende Analysebieten, die Hilfen für die weitere Unterrichtsplanung liefern können.“13

Da Karikaturen immer ein einseitiges politisches Urteil abbilden, muss die Position überprüft werden und um Gegenargumente relativiert werden (Kontroversitätsgebot).

"Karikaturen sollten sowohl Mittel des Unterrichts sein (Motivationseinstieg, Veranschaulichung, Dokumente parteilicher historischer Standpunkte und Argumentationen, Reflexe auf politische Prozesse) als auch bewusst Gegenstand sein. Der erste emotionale Anstoß, die spontane Reaktion sind wichtig. Doch bleibt die Aufgabe, die Sicherheit im kritischen Umgang mit Karikaturen zu fördern, ein wichtiges Ziel. [...]Dabei wird deutlich, dass politische Karikaturen nicht Selbstzweck sind, sondern zielgerichtete, satirische Kritik, die bei allem Lustgewinn etwas bewirken will, die über das Lachen betroffen, nachdenklich, im optimalen Fall politisch aktiv machen will." 14

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ein Interpretationsmodell nach dem klassischen Stufenmodell der Hermeneutik

Erste Stufe: VERSTEHEN – Beschreibung

Thema, Anlass, Politikfeld, Problemstellung

Genaue Beschreibung aller Stilelemente der Karikatur (Schrift, Akteure, Symbole,

grafische Elemente (z.B. Perspektive, Zoomeffekte), Farbsymbolik)

Zweite Stufe: AUSLEGEN – Interpretation

Erkennen des Sinns und der Aussage der Karikatur

Ideen des Zeichners, seine Motive

Systematische Klärung der Einzelelemente (welche kulturell geprägt sind; einige der

Elemente kommen immer wieder vor kumulativer Lernprozess)

Dritte Stufe: ANWENDEN – Überprüfung der Aussage der Karikatur

Bündelung der Aussage der Karikatur, um sie anhand von Zusatzmaterialen zu

überprüfen

Karikatur als Impuls, um in eine systematische Analyse eines Themas einzusteigen15

Die Karikatur im Unterricht – praktische Tipps

A. Auswahl

Es wird empfohlen, sich ein eigenes Archiv – nach den Rahmenplanthemen sortiert –

anzulegen. Für die Auswahl benötigt man fachdidaktisches Bewusstsein und Wissen um Ziele des Unterrichts. Als Fundorte für so eine Auswahl können Karikaturen in Tageszeitungen, Karikaturenbände und die Archive der Karikaturisten im Internet dienen. Aufgepasst werden muss bei den Copyright Bestimmungen der jeweiligen Seite. www.stuttmann-karikaturen.de: Archiv geordnet nach Ereignissen, Ländern, Namen, Daten etc. suchen kann. Außerdem kann man die „Karikatur des Tages“ abonnieren (als Lesezeichen) http://www.karikatur-cartoon.de .

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

15 Vgl. Uppendahl, Herbert, Die Karikatur im historische-politischen Unterricht. Eine Einführung mit Unterrichtsbeispielen, Freiburg 1978, S. 23 ; Kuhn, Hans Werner, Karikaturen , in: Methodentraining I für den Politikunterricht , Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2006, S. 27.

B. Vorbereitung

Impulse (3-5) vorformulieren, dann Deutung im Unterrichtsgespräch... „Der Lernweg führt also von spontanen Reaktionen über Impulse zu offenen Assoziationen (dem „Ausdeuten“ der Elemente und des Zusammenhangs) bis hin zur Verdichtung, die die zentrale Botschaft als politisch gefasste [...] Aussage enthält.16

C. Auswertung

Die Botschaft der Karikatur ist der Ausgangspunkt der Prüfung – es sollte überlegt werden,

wie man die Phase der Überprüfung gestalten wird:

Fragen der Schüler festhalten und als Leitfaden für die Überprüfung nehmen

Drei Zeitungen eines Tages zu dem Thema vergleichen

Kommentare und/ oder Nachrichten ( Hintergrundberichte, Reportagen...) als

Überprüfungsmaterial17

Karikaturen sind besonders geeignet als problemorientierter Einstieg in eine neue Thematik. Natürlich können Karikaturen auch kleinere thematische Einheiten einleiten. Ihr pädagogisches Plus ist ihre Problemhaltigkeit, die Fragen aufwirft und damit Lernmotivation schafft. GUGEL nennt weitere Einsatzmöglichkeiten:

Untertitel finden: Die Schüler sollen zu vorgegebenen Karikaturen Untertitel finden. Dies dient entweder auch als Einstieg oder kann zur Vertiefung einer schon bekannten Problematik genutzt werden.

Karikaturen selbst anfertigen: Zur Vertiefung oder als Abschluss eines Themas können die Schüler selbst Karikaturen zeichnen. Daraus kann eine kleine Ausstellung zusammengestellt werden. Hier ist auch eine fächerübergreifende Kooperation mit dem Kunstunterricht sinnvoll („Die Karikatur als politische Waffe“ o.ä.).18

Einige Symbole und Stilmittel kehren immer wieder (Deutscher Michel, Friedenstauben, der Stier (Zeus) und das Mädchen (Europa)19, „Der Lotse geht von Bord“...) – deren Hintergrund und die Verwendung in der jeweiligen Karikatur muss mit den Schülern genau geklärt werden. Ein stilistisches Mittel ist z.B. die Verwandlung – die Metamorphose. Das erste Mal von Leonardo da Vinci benutzt, seitdem vielfach kopiert. Siehe Beispiel:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mit Karikaturen die eigene Meinung ausdrücken

Die Schüler sollen selbst Karikaturen entwerfen um bestimmte Elemente dieser Methode

stärker zu verinnerlichen. Sie sollen auf andere Probleme aufmerksam machen, provozieren und auch amüsieren. Der oben beschriebene Weg muss dabei in umgekehrter Richtung angewendet werden. Zu beachten ist, auch wenn Karikaturen als „schreckliche Vereinfacher“ gelten, müssen die Schüler doch über ein Problem genau bescheid wissen, um dann das Wesentliche darstellen bzw. karikieren zu können. Sie müssen sich eine Meinung bilden und diese dann auf den Punkt bringen.20

3. Umgang mit Statistiken und Tabellen

Diagramme sind ein wichtiger Bestandteil im Politikunterricht. Allerdings werden die Schüler vorwiegend mit ausgearbeiteten Diagrammen konfrontiert, die von ihnen gedeutet werden sollen. Zu wenig berücksichtigt wird im Allgemeinen die Fähigkeit, statistische Daten in schematische Darstellungen zu übersetzen oder andersherum. Dies hat zur Folge, dass es vielen Schüler Schwierigkeiten bereitet, vorliegende Daten schaubildlich aufzubereiten bzw. Schaubilder inhaltliche auszuwerten.

Der Umgang mit Statistiken setzt „Lesekompetenz“ und „Zahlenkompetenz“ voraus. D.h. grundlegende Kenntnisse über die verwendeten Zahlenarten und Darstellungsformen von Statistiken. Nur so können Schüler die Wirkung und Aussagekraft solcher Quellen ermessen.21

Statistiken und Tabellen eigenen sich, wenn man die nötige Kompetenz voraussetzen darf, besonders für den Einstieg in die Unterrichtsstunde und für die Informationsphase. Der Lehrer sollte sich vorher entscheiden, warum er Statistiken oder Tabellen im Unterricht einsetzen will. Sollen die Schüler:

lernen mit Statistiken und Tabellen zu arbeiten oder

sich inhaltlich informieren?

Je nach Inhalt der Unterrichtsstunde kann man mit den Schülern daran anknüpfend

Erschließungs- bzw. Auswertungsfragen zur Methode und

zum Inhalt stellen.

Besonders wichtig ist es zu überprüfen, ob die Erschließungsfragen überhaupt aus der

Statistik bzw. aus der Tabelle heraus beantwortet werden können. Die Formulierung eines

Erwartungshorizontes kann den Lehrer bei der Überprüfung unterstützen.

Die Erschließungsfragen sollten aus jedem der drei Anforderungsbereiche stammen: beschreiben, analysieren und beurteilen.22

Bsp.:

Die folgenden Statistiken/Tabellen stammen von der OECD.23 Sie umfassen das Thema des demographischen Wandels in Deutschland. Die Statistiken geben in unterschiedlicher Form und mit unterschiedlichen Zahlenarten die Entwicklung der Demographie in Deutschland wieder.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Inhalt: 1980/2000 etwa 1% der Menschen um die 80 Jahre alt; 2050 sind es bereits viermal so viele.

[...]


1 Dosch, Roland, Lernzielorientierter Politikunterricht an berufsbildenden Schulen, Rinteln 1983, S. 26.

2 Köck, Peter/ Ott, Hans, Wörterbuch für Erziehung und Unterricht : 3100 Begriffe aus den Bereichen Pädagogik, Didaktik, Psychologie, Soziologie, Sozialwesen, 7. Auflage, Donauwörth 2002, S. 419.

3 Gagel, Walter, Unterrichtsplanung: Politik/Sozialkunde, Opladen 1986, S. 182.

4 Sandmann, Fritz, Zum Verhältnis von Methodik und Didaktik, in: Nitzschke, Volker/ Sandmann, Fritz (Hrsg.), Neue Ansätze zur Methodik des Politischen Unterrichts, Stuttgart 1982, S. 29.

5 Franke, Peter, Methoden und Medien aus der Sicht sozialer und politischer Bildung , Donauwörth 1981, S. 11-13. 1

6 Nitzschke, Volker/ Sandmann, Fritz, Einleitung, in: Nitzschke, Volker/ Sandmann, Fritz (Hrsg.), Neue Ansätze zur Methodik des Politischen Unterrichts, Stuttgart 1982, S. 19-21.

7 Die Begrifflichkeit von Schüler und Lehrende sind in der gesamten Arbeit in femininen sowie maskulinen Zusammenhang zu sehen.

8 Wenzel, Birgit, Das Gespräch im historisch-politischen Unterricht. ein Kurs für Studenten und Lehrer, München 1973, S. 82-92 ; Meyer, Hilbert, Unterrichtsmethoden II. Praxisband, Frankfurt am Main 1987,S.217-223; Gudjons, Herbert, Methodik zum Anfassen, Bad Heilbrunn 2000, S. 59-64.

9 Massing, Peter, Der Lehrervortrag , in: Methodentraining I für den Politikunterricht , Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2006, S.13-20.

10 George, Siegfried, Karikatu r, in: Kuhn, Hans Werner/ Massing, Peter (Hrsg.), Methoden und Arbeitstechniken, Lexikon der politischen Bildung, Band 3, Schwalbach 2000, S. 85-86.

11 Kuhn, Hans Werner, Karikaturen , in: Methodentraining I für den Politikunterricht , Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2006, S. 24.

12 Ebenda S. 25.

13 Ebenda S. 27.

14 Grünewald, Dietrich, Bild und Karikatur, in: Wolfgang W. Mickel (Hrsg.), Handbuch zur politischen Bildung, Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Band 358,

16 Kuhn, Hans Werner, Karikaturen , in: Methodentraining I für den Politikunterricht , Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2006, S. 29.

17 ebenda S.29.

18 Gugel, Günther, Methoden-Manual.... „Neues Lernen“. Tausend neue Praxisvorschläge für Schule und Lehrerbildung, Basel/Belz 1998, S.22.

19 Ortner, Heinz, Metamorphose, Heinz Ortner/Karikaturmuseum http://www.zeit.de/online/2008/09/bgemkarikaturen? ( letzter Aufruf 1. Juni 2008).

20 Ackermann, Paul/ Gaßmann, Reinhard, Arbeitstechniken politischen Lernens kurzgefasst , Stuttgart 1991, S. 28-39.

21 Lach, Kurt/ Massing, Peter, Umgang mit Statistiken und Tabellen, in: Methodentraining II für den Politikunterricht , Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2006, S. 22.

22 Ackermann, Paul/ Gaßmann, Reinhard, Arbeitstechniken politischen Lernens kurzgefasst, Ernst Klett-Verlag, Stuttgart 1991, S. 40.

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Methoden und Arbeitstechniken im Politikunterricht
Untertitel
Chancen, Grenzen und Probleme bei der praktischen Umsetzung
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut)
Veranstaltung
Politikdidaktische Unterrichtsverfahren, Methoden und Arbeitstechniken
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
46
Katalognummer
V127247
ISBN (eBook)
9783640333059
ISBN (Buch)
9783668094307
Dateigröße
1611 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Methoden, Arbeitstechniken, Politikunterricht, Chancen, Grenzen, Probleme, Umsetzung
Arbeit zitieren
Sebastian Woye (Autor), 2008, Methoden und Arbeitstechniken im Politikunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127247

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