Das Seminar „Verfahrensqualität durch Hilfeplanung“ bezog sich auf das Sozialgesetzbuch VIII, das Kinder- und Jugendhilfegesetz, und hierbei speziell auf Hilfeplanung nach § 36 SGB VIII. Es wurden grundlegende Merkmale der Hilfen zur Erziehung nach §§ 27 ff. SGB VIII erläutert. Durch ein Planspiel über zwei fiktive Fallgeschichten sollten die Studierenden konkret erfahren, wie eine Hilfeplanung vonstatten geht. Dazu konnte sich das Plenum in Arbeitsgruppen aufteilen. Nach einer Einführung in das Thema „Hilfeplanung gemäß § 36 SGB VIII“ wird ein Fall in der folgenden Ausarbeitung näher erläutert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Hilfeplanung gemäß § 36 SGB VIII
2 Fallgeschichte – Der Fall Esther
2.1 Esthers Mutter
3 Ablauf der Plangespräche
3.1 Erstes Gespräch - Abklärung mit der Familie
3.2 Zweites Gespräch - Hilfeplangespräch
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Durchführung von Hilfeplangesprächen nach § 36 SGB VIII auseinander. Anhand einer fiktiven Fallgeschichte wird der Prozess von der Abklärung der familiären Situation bis zur Erarbeitung konkreter Hilfeziele durch das Jugendamt und die betroffene Familie nachgezeichnet und reflektiert.
- Rechtliche Grundlagen der Hilfe zur Erziehung gemäß SGB VIII
- Prozessuale Gestaltung von Hilfeplangesprächen
- Bedeutung der Einbeziehung von Sorgeberechtigten und Kindern
- Analyse der Zusammenarbeit zwischen Jugendamt und Familien
- Bewertung von Veränderungsprozessen im Kontext von Suchterkrankungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Erstes Gespräch - Abklärung mit der Familie
Beim ersten Fallgespräch des zweiten Durchgangs am 10.06.2005 kamen zwei Mitarbeiter des ASD, Herr Claus und Frau Müller, sowie Esther und ihre Mutter zusammen.
Vordergründig dieses Gesprächs war eine Entscheidung zur nachhaltigen Verbesserung der derzeitigen Familiensituation und vor allem der Lebensumstände von Esther.
Frau Kremer zeigte eine klare Abwehrhaltung gegenüber den ASD-Mitarbeitern. Sie fühlte sich bei einigen Äußerungen Frau Müllers angegriffen und antwortete mit verachtenden Äußerungen. Sie gab ihre Überforderung nicht zu, sondern versuchte, alles zu schlichten. Ihren Kindern ginge es ihrer Meinung nach gut und sie führen ein gutes gemeinsames Familienleben.
Esther wirkte verstört, schaukelte leicht mit ihrem Oberkörper. Sie blieb die gesamte Zeit still, mit Ausnahme, als sie auf einige Fragen von Frau Müller antwortete. Sie sprach dabei sehr langsam und zögerlich. Ihre Mutter sei immer zu Hause und es sind immer viele Freunde da. Sie selber fühle sich allein. Auf eine Frage, wie sie die Familiensituation einschätze, sagte sie, dass ihre Mutter immer schimpfe. Im Urlaub war alles besser als im Moment und daher wünsche sie sich einen gemeinsamen Urlaub. Sie will nicht, dass ihre Mutter weg ist, was sie auf die Frage antwortete, ob sie sich vorstellen könne, dass ihre Mutter alleine Urlaub macht.
Frau Kremer wurde dargelegt, dass sich die Situation in der Familie stabilisieren muss. Um das zu erreichen, ist es notwendig, sich mit ihrer Sucht auseinander zusetzen. Sie hatte bisher nicht mit dem Jugendamt kooperiert, was jedoch eine große Voraussetzung ist, vor allem eine Besserung für Esther zu erreichen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt den Bezug zum Sozialgesetzbuch VIII her und erläutert die methodische Herangehensweise der Arbeit durch ein seminarbegleitendes Planspiel.
1 Hilfeplanung gemäß § 36 SGB VIII: Dieses Kapitel erläutert die gesetzlichen Anforderungen, den Entscheidungsprozess und die zentrale Rolle der Kooperation zwischen Jugendamt und Familie.
2 Fallgeschichte – Der Fall Esther: Hier wird die fiktive Ausgangslage von Esther und ihrem Bruder sowie die belastende Lebenssituation der Mutter detailliert beschrieben.
2.1 Esthers Mutter: Dieser Abschnitt analysiert die persönliche Vorgeschichte und die Suchtproblematik der Mutter als Kernfaktoren der familiären Instabilität.
3 Ablauf der Plangespräche: Dieses Kapitel führt in die Dokumentation der nachgestellten Gespräche ein, die den Kern der Untersuchung bilden.
3.1 Erstes Gespräch - Abklärung mit der Familie: Zusammenfassung der ersten, von Abwehr geprägten Kontaktaufnahme zur Problemlösung zwischen Jugendamt und Mutter.
3.2 Zweites Gespräch - Hilfeplangespräch: Dokumentation des sechs Monate später geführten Gesprächs, das von der Kooperationsbereitschaft der Mutter nach einer Therapie geprägt ist.
5 Zusammenfassung: Die Arbeit reflektiert den Erfolg des Hilfeplanprozesses und diskutiert alternative Interventionsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Hilfeplanung, SGB VIII, Jugendamt, Kindeswohl, Hilfe zur Erziehung, Fallgeschichte, ASD, Suchtberatung, Kooperation, Familienhilfe, Sozialpädagogik, Erziehung, Kindeswohlgefährdung, Hilfeplangespräch, Psychologische Unterstützung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Prozess der Hilfeplanung nach § 36 SGB VIII am Beispiel eines fiktiven Falls, um die Qualität und die Herausforderungen der Zusammenarbeit zwischen Jugendamt und Familien aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Ausarbeitung?
Zentrale Themen sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Hilfe zur Erziehung, die Durchführung von Fachgesprächen und die Bedeutung der elterlichen Mitwirkung für das Kindeswohl.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den konkreten Ablauf einer Hilfeplanung zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie durch eine strukturierte Vorgehensweise eine Verbesserung der Lebensumstände von betroffenen Kindern erreicht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Verfasserin nutzt ein Planspiel als methodische Grundlage, um theoretische Konzepte der Hilfeplanung in der praktischen Anwendung innerhalb der Fallarbeit zu reflektieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erläuterung der rechtlichen Grundlagen sowie die detaillierte Darstellung und Analyse zweier nachgestellter Plangespräche im Fall der Familie Kremer.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit den Begriffen Hilfeplanung, Kindeswohl, Kooperation, SGB VIII und Fallanalyse beschreiben.
Wie verändert sich die Haltung der Mutter zwischen dem ersten und dem zweiten Gespräch?
Während die Mutter im ersten Gespräch abwehrend und uneinsichtig reagiert, zeigt sie sich im zweiten Gespräch nach einer absolvierten Entziehungskur kooperativer und einsichtiger hinsichtlich des Hilfebedarfs ihrer Kinder.
Warum wird im Fazit eine Familientherapie als Alternative angeregt?
Die Autorin weist darauf hin, dass eine systemische Familientherapie oder Sozialpädagogische Familienhilfe möglicherweise effektiver gewesen wäre, um die grundlegenden Dynamiken zwischen Mutter und Kind nachhaltiger zu verändern.
Welche Rolle spielt Esther in den Hilfeplangesprächen?
Esther wird als Kind mit überdurchschnittlicher Intelligenz, aber starker emotionaler Belastung beschrieben, das im Prozess der Hilfeplanung durch eine eigene Therapie unterstützt werden soll.
- Quote paper
- Katharina Gorski (Author), 2005, Hilfeplangespräche gemäß § 36 SGB VIII anhand eines fiktiven Falls, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127289