Der Bereich der Materialbedarfsplanung spielt in der Wirtschaft seit jeher eine bedeutende
Rolle, hat jedoch in jüngster Zeit und allgemein in Zeiten schlechter Wirtschaftslage weiter an
Wichtigkeit gewonnen. Ohne vernünftige, d.h. rational nachvollziehbare und tragfähige Konzepte
für Disposition und Einkauf ist ein wirtschaftliches Führen einer Unternehmung nicht
möglich. Diese Aussage trifft selbstverständlich auch auf andere Bereiche innerhalb eines
Unternehmens zu, aber im Einkauf eines durchschnittlichen Industrieunternehmens des produzierenden
Sektors liegt einer der Kostenschwerpunkte, und so kommt ihm eine erhöhte
Bedeutung und damit auch mehr Aufmerksamkeit im Vergleich zu anderen Abteilungen zu.
Die Materialbedarfsplanung unterstützt die Disposition und den Einkauf in ihrem Bestreben
nach Kosteneffizienz, indem sie u.a. über diverse in den Kapiteln 2 und 3 kurz vorgestellte
Techniken und Methoden die zu bestellende Menge eines Gutes so zu bestimmen versucht,
dass Bestell- (sekundär) und Lagerkosten (primär) minimal gehalten werden.
Nun lohnt sich eine exakte Planung nicht für jedes zu beschaffende Teil, so dass sich die
Bedarfsplanung selbst auf Methoden stützt, welche die Güter klassifizieren und so kennzeichnen,
ob eine Detailplanung sinnvoll ist oder nicht. In den meisten Fällen wird dazu die
ABC-Analyse (z.T. in Kombination mit der XYZ-Analyse) genutzt, die durch relativ simple
mathematische Verfahren die zu betrachtenden Güter klassifizieren kann. Das Ergebnis
kann anschließend z.B. in einer Tabellenkalkulation grafisch dargestellt und so anschaulich
gemacht werden. Im Rahmen dieser Arbeit wird dazu MS Excel benutzt, das mittlerweile als
Standardwerkzeug gilt und weit verbreitet ist.
Gleichwohl ist zu beachten, dass durch die fortschreitende Verbreitung der EDV-Systeme die
hier getroffenen Aussagen relativiert werden; heutzutage ist es ohne weiteres möglich, für
jedes Teil in einem Unternehmen mit Hilfe des Computers eine exakte Planung zu erstellen.
Aus Effizienz- und Zeitgründen wird jedoch weitgehend darauf verzichtet, da die zu erwartenden
Einsparungen nicht nur bei C-Teilen selbst in der Summe nahezu unbedeutend wären.
So spricht PULIC unter anderem von einer „Steigerung der Wirtschaftlichkeit“.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Materialbedarfsplanung im Unternehmen
2.1 Datenbasis
2.2 ABC-Analyse
2.2.1 Allgemeines
2.2.2 Beispiel in Excel
2.3 XYZ-Analyse
2.3.1 Allgemeines
2.3.2 Beispiel in Excel
2.4 Die ABC- und XYZ-Analyse in Kombination
2.4.1 Allgemeines
2.4.2 Beispiel in Excel
3 Methoden der Bedarfsplanung
3.1 Materialbedarfsarten
3.2 Deterministische Methoden
3.2.1 Analytische Betrachtung
3.2.2 Synthetische Betrachtung
3.3 Verbrauchsgebundene Methoden
3.3.1 Mittelwert
3.3.2 Gleitender Mittelwert
3.3.3 Gewichteter gleitender Mittelwert
3.3.4 Exponentielle Glättung 1. Ordnung
3.4 Subjektive Schätzung
4 Bereitstellungsprinzipien
4.1 Einzelbeschaffung im Bedarfsfall
4.2 Verbrauchssynchrone Beschaffung
4.2.1 Reines JIT
4.2.2 Nachfragemonopolistisches JIT
4.3 Produktionsentkoppelt
4.4 Verbrauchsentkoppelt
4.4.1 Angebotsmonopolistisches JIT
4.4.2 Konzept des Konsignationslagers
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung und Anwendung von Methoden zur Materialbedarfsplanung, um eine effiziente Disposition in Industrieunternehmen zu ermöglichen. Im Fokus steht dabei die Klassifizierung von Gütern mittels ABC- und XYZ-Analysen, um basierend darauf die jeweils optimalen Beschaffungsstrategien auszuwählen.
- Grundlagen der Materialbedarfsplanung und Datenanalyse
- Durchführung und Visualisierung der ABC- und XYZ-Analyse mittels MS Excel
- Kombination von Analysetechniken für präzisere Beschaffungsentscheidungen
- Vergleich deterministischer und verbrauchsgebundener Bedarfsplanungs-Methoden
- Darstellung verschiedener Bereitstellungsprinzipien wie Just-in-Time (JIT)
Auszug aus dem Buch
3.3.4 Exponentielle Glättung 1. Ordnung
Dieses ist das komplexeste und aufwendigste, aber auch das genaueste der hier vorgestellten Verfahren. Die mathematische Formel dazu lautet:
PW_t+1 = α·r_t + (1-α)·PW_t
Der Prognosewert für die folgende Periode (PW_t+1) berechnet sich aus der Summe aus zwei Produkten. Der erste Summand ist das Produkt aus dem sog. Glättungsfaktor (α) und dem tatsächlichen Verbrauch der aktuellen Periode (r_t), der zweite Summand ist das Produkt aus dem Abstand von α zu 1 und dem Prognosewert für die aktuelle Periode (PW_t).
Ein hohes α berücksichtigt die Vergangenheitswerte nur gering und glättet die entstehende Zeitreihe nur mäßig, hat aber den Vorteil, dass Niveauverschiebungen recht schnell antizipiert werden. Ein niedriger Wert für α hat entsprechend genau die gegenteiligen Effekte.
Problematisch ist regelmäßig die Bestimmung des Startwertes, denn zu Beginn verfügt man noch nicht über einen Prognosewert PW_t. Eine Möglichkeit ist, diesen Wert über Mittelwertbildung abzuschätzen, was allerdings die Genauigkeit des Ergebnisses der Prognose (jedoch in vertretbarem Ausmaß) beeinflusst.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung der effizienten Materialbedarfsplanung in Zeiten wirtschaftlicher Herausforderungen und führt in den methodischen Rahmen der Arbeit ein.
2 Materialbedarfsplanung im Unternehmen: Dieses Kapitel erläutert die Grundlagen der Bedarfsplanung und führt detailliert in die Anwendung der ABC- und XYZ-Analyse sowie deren Kombination ein.
3 Methoden der Bedarfsplanung: Es werden verschiedene Verfahren zur Bedarfsbestimmung vorgestellt, von deterministischen Methoden bis hin zu verbrauchsgebundenen mathematischen Schätzungen.
4 Bereitstellungsprinzipien: Der Abschnitt diskutiert unterschiedliche Strategien der Materialbereitstellung, insbesondere verschiedene Formen der Just-in-Time-Beschaffung.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die vorgestellten Analysetools unverzichtbare Instrumente für eine wirtschaftliche Planung sind, wobei moderne EDV-Systeme deren Anwendung effektiv unterstützen.
Schlüsselwörter
Materialbedarfsplanung, ABC-Analyse, XYZ-Analyse, Beschaffungsstrategie, Just-in-Time, Lagerhaltung, MS Excel, Deterministische Methoden, Verbrauchsgebundene Planung, Prognosewert, Bedarfsanalyse, Logistik, Wirtschaftlichkeit, Produktionsplanung, Datenbasis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Methoden der Materialbedarfsplanung und zeigt auf, wie durch systematische Klassifizierungen die Beschaffungsprozesse in Industrieunternehmen optimiert werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Materialklassifizierung durch ABC- und XYZ-Analysen, die Anwendung mathematischer Prognoseverfahren sowie die Analyse verschiedener Bereitstellungsprinzipien.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, ein transparentes Verfahren aufzuzeigen, wie Unternehmen mittels MS Excel eine exakte Planung für verschiedene Materialgruppen durchführen können, um Kosten zu minimieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt betriebswirtschaftliche Analysemethoden wie die ABC- und XYZ-Analyse und verknüpft diese mit mathematischen Prognosemodellen wie dem gleitenden Mittelwert oder der exponentiellen Glättung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Analyseinstrumente (ABC/XYZ) vorgestellt, gefolgt von einer detaillierten Erläuterung der Bedarfsermittlungsmethoden und der verschiedenen Logistikkonzepte der Bereitstellung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Materialbedarfsplanung, ABC/XYZ-Analyse, Just-in-Time, Bestandsoptimierung und wirtschaftliche Effizienz in der Beschaffung.
Wie wird die Kombination von ABC- und XYZ-Analyse visualisiert?
Der Autor verwendet hierfür ein Blasendiagramm, bei dem die Güter nach ihrer Wertigkeit (ABC) und ihrer Vorhersagegenauigkeit (XYZ) sortiert und in Kombinationsklassen dargestellt werden.
Warum ist die Wahl des Startwertes bei der exponentiellen Glättung problematisch?
Da zu Beginn der Prognose noch keine historischen Daten für den Vorwert (PW_t) vorliegen, muss der Startwert oft geschätzt werden, was die initiale Genauigkeit der Prognose beeinflussen kann.
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- Jochen Schneider (Author), 2003, Methoden der Materialbedarfsplanung unter besonderer Berücksichtigung der ABC- und XYZ-Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/12728