Till Eulenspiegel

Verfasserfrage, Entwicklungs- und Überlieferungsgeschichte und Analyse des Protagonisten


Hausarbeit, 2008

22 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Verfasserfrage

3. Der Verfasser Hermann Bote

4. Überlieferte Drucke

5. Quellenfrage

6. Aufbau des Werkes

7. Der Name Till Eulenspiegel

8. Charakteristik Till Eulenspiegels

9. Eulenspiegel als Ständespiegel

10. Literatur

1. Einleitung

Till Eulenspiegel gehört zu den prominentesten Figuren der literarischen Welt. Kaum ein anderes Buch der deutschen Literatur hat seit seinem Erscheinen einen ähnlichen nationalen und internationalen Erfolg aufweisen können. Insgesamt liegen bis heute um die 650 Ausgaben vor und das Volksbuch wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Zusätzlich gibt es ca. 250 Jugendbuchbearbeitungen. Kein anderer Stoff der Literatur des Spätmittelalters wurde und wird von Literatur, Malerei, Bildhauerei, Film, Oper, Schauspiel, Ballett, Puppenspiel und Musik so oft bearbeitet und verwendet wie der Eulenspiegel.1 Aber was ist das Geheimnis des benannten Volksbuches? Wie schafft es ein ständeloser Narr wie Till Eulenspiegel, der sein Leben einzig und allein der Schälkerei unterworfen hat, die Leser aus nahezu allen Nationen über Jahrhunderte weg zu faszinieren und zu fesseln? Liegt die Faszination in der jahrhundertelang ungeklärte Verfasserfrage oder in dem Protagonisten und den auftretenden Personen?

Die vorliegende Hausarbeit soll zunächst neben der Verfasserfrage die Entwicklungs- und Überlieferungsgeschichte des Volksbuches aufzeigen. Darauffolgend wird der Protagonist der vorliegenden Historien genauer beleuchtet und abschließend

2. Verfasserfrage

Nahezu ein halbes Jahrtausend ist es dem Autor der Eulenspiegel-Geschichten gelungen, sein Antlitz der Öffentlichkeit zu verbergen. Erst der Zürcher Anwalt und Buchliebhaber Dr. Peter Honegger, der sich motiviert durch seinen zufälligen Fund des „kleinen Fragments“ mit der Autorenfrage intensiv auseinandersetzte, konnte zu Beginn der 70er Jahre den Zollschreiber Hermann Bote als Autor identifizieren.2

Ende des 19.Jahrhunderts hatte der deutsche Historiker Hans Martin Lappenberg in seiner Edition des Druckes S1519 als Autor zunächst den Franziskanermönch Thomas Murner vermutet. Diese These konnte allerdings nie bewiesen werden.3 Im Jahr 1893 hatte Walther erstmals die Vermutung aufgestellt, Hermann Bote könne der Autor sein. Bis zu Honeggers Untersuchungen fehlten für diese Annahme jedoch fundamentale Beweise.4

Die genauen geographischen Kenntnisse des Verfassers, die sich vor allem rund um Braunschweig kennzeichneten, sowie die zahlreichen niederdeutschen Ausdrücke, die sich in der hochdeutschen Ausgabe finden ließen, waren Argumente dafür, dass der Autor aus Braunschweig stammen müssen- so wie Hermann Bote. Thomas Murner dagegen stammte aus der Nähe von Straßburg.5 Konträr dazu dieser ersten Feststellung standen allerdings die Unschlüssigkeiten, die Eulenspiegels Historien aufwarfen, denn mehrere Schwänke spielten aus in Mitteldeutschland mit genauen Ortskenntnissen und enthalten keine niederdeutschen Ausdrücke. Ferner differieren die Darstellung des Protagonisten sowie der Erzählstil innerhalb der Historien. Dass einige Schwänke aus anderen Erzählungen entlehnt sind, kommt erschwerend hinzu. Schlussendlich sollte davon ausgegangen werden, dass die überlieferten 96 Eulenspiegel-Historien von mehreren Autoren bearbeitet worden ist.

Honegger suchte dennoch nach Beweisen, die Hermann Bote wenigstens als Verfasser bestimmen konnten. So verglich Honegger Werke, die nachweislich bereits Bote zuzuschreiben waren mit den vorliegenden Straßburger Drucken und entdeckte verblüffende Parallelen.6 Folgende Argumente untermauern Honeggers Argumentation:

- Kritische Einstellung gegenüber den Handwerkern im Eulenspiegel-Buch und im Schichtbuch
- Herausragende Bedeutung der Hansestädte im Eulenspiegel-Buch, im Radbuch, im Schichtbuch, in einigen Liedern
- Ständische Gliederung als Aufbauprinzip im Eulenspiegel-Buch und im Radbuch
- Teils wörtliche Entlehnungen im Eulenspiegel-Buch aus Radbuch und Braunschweiger Weltchronik
- Sprachlich-stilistische Parallelen zwischen Eulenspiegel-Buch und anderen Bote-Werken
- Alphabetische Akrosticha in den anonym überlieferten Eulenspiegel-Buch und Köker, Verfasserakristicha in Eulenspiegel und Radbuch.7

Der Faktor, der Honeggers Beweisführung jedoch am wirkungsvollsten unterstützte, ist die Vorliebe Botes für akrostichische Spielereien. Nach diesem Prinzip hatte Bote bereits sein Werk „Totentanz“ aus dem Jahr 1518 aufgebaut.8 Honegger änderte die Reihenfolge der Historien der Drucke S1515 und S1519, so dass die Anfangsbuchstaben der Historien viermal hintereinander das mittelalterliche Alphabet ergaben, welches sich zu diesem Zeitpunkt noch aus 24 Buchstaben zusammensetzte. (Das X wurde ausgelassen.) Hierfür stellte Honegger zwölf Historien um und teilte zwei Historien.9

Überraschenderweise offenbarten nach dieser Umstellung der Historien die Anfangsbuchstaben der letzten sechs Historien den gesuchten Verfasser deutlich: ERMAN B.

Zu betonen ist hierbei, dass Honegger die letzten sechs Historien nicht umgestellt hat, so dass der Name des Verfassers der Wissenschaft über die letzten Jahrhunderte bereits vorgelegen hatte.10 Am 01.Juni 1971 veröffentlichte Honegger seine Ergebnisse erstmals auf der Jahresversammlung des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung und publizierte diese 1973 in seinem Buch „Ulenspiegel“.11

Wie bereits im Vorwege angedeutet, kann Bote zwar als Verfasser der Eulenspiegel-Historien gelten, wobei der Autorenbegriff hierbei wesentlich weiter gefasst werden muss als heutzutage üblich. Es sollte eher davon ausgegangen werden, das Bote zu eigenen Historien fremde hinzugezogen hat und zudem die Historien von anderen Autoren redigiert wurden.12 Zusammenfassend lässt sich Hermann Bote damit zwar als Verfasser festlegen, der jedoch aufgrund mehrerer Ungereimtheiten höchstwahrscheinlich nicht alleiniger Autor des benannten Volksbuches ist.

3. Der Verfasser Hermann Bote

Eine umfassende Biographie Hermann Botes gibt es nicht.13 Geboren wurde Bote vermutlich 1467 in Braunschweig. Sein Vater Arnd Bote war Schmiedemeister. In zwei Liedern wird Hermann Bote als „Her umpenlump“ und „amechtig humpeller“ verspottet, so dass sich eine Gehbehinderung Botes vermuten lässt, aufgrund derer er nicht in die väterliche Gilde einsteigen konnte.14 1488 erhielt Bote die Ausbildung eines städtischen Beamten und war als Zollschreiber in der Braunschweiger Altstadt tätig.15

Im gleichen Jahr kommt es aufgrund hoher Abgaben und der Missregierung des Patriziats zu einer offenen Aufruhr gegen dasselbe. Bote als Anhänger der patrizischen Partei wird seines Amtes entlassen. Darauffolgend verfasst er mehrere Spottlieder auf den Anführer der Aufruhr Ludeke Hollant und wird unter Arrest gestellt.16

Nach 1490 ist Bote als Richter an einem Fronhof im Bezirk Papenteich im Nordosten Braunschweigs tätig.17 1493 erscheint in Lübeck Botes Radbuch, so dass ein Aufenthalt in der genannten Stadt möglich ist.18 Da aus den Jahren 1494 bis 1496 Zahlungsbelege überliefert sind, nach denen Bote Geld für Einbecker Bier entgegengenommen hat, ist Bote in dieser Zeit vermutlich Verwalter bzw. Wirt des Braunschweiger Altstadt Ratskellers.19 Ab 1497 ist Bote nachweislich erneut als Zollschreiber tätig.20 Mit dem Aufstand der Armut 1513/14 wird Bote erneut als Zollschreiber entlassen. Da hierbei all diejenigen, die die Ratsbeschlüsse ausführten, ihres Amtes enthoben werden sollten, flüchtete Bote und versteckte sich im Barffüßerklosterr. Er wurde allerdings verraten, gefangengenommen und sollte hingerichtet werden. Nur die Gegenwehr der Altstädter Bevölkerung bewahrte ihm vor dem Tode.21

Bis 1520 wird Bote als Verwalter der Ziegelei vor dem Petritor genannt. Der letzte Beleg für Botes Tätigkeit stammt von einer Quittung für Betriebskapital vom 02.Juni 1520. Die nächste Zahlung ist bereits von einer anderen Person vorgenommen worden.22 Daher kann das Todesjahr Hermann Botes auf 1520 datiert werden.

Bote kann als gebildeter Mann angesehen werden, auch wenn er letztlich keine entsprechende schulische Ausbildung genossen hat. Die vielen lateinischen Ausdrücke in seinen Werken sind erstes Zeugnis hierfür. Ferner ist anzumerken, dass die Quellenbezüge der Eulenspiegel-Historien ein umfangreiches Wissen über deutsche, französische und italienische Schwank-und Exempelliteratur voraussetzt. Als Autor der Braunschweiger Weltchronik (1493-1502) und der Hannoverschen Weltchronik (1502-1518) zeigen zudem, dass Bote geschichtlich und geographisch ebenfalls bewandert war. Seine Fachbücher wie beispielsweise das Kirchen- und Klösterverzeichnis (1514/16) oder dem Wappenbuch (1514/16) beweisen außerdem umfangreiche

Kenntnisse in Ökonomie, Finanzwesen, Steuerverwaltung,
Kommunalverwaltung und Wappenkunde.23

Als Zollschreiber und überzeugter patrizischer Parteigänger wurde Bote von Gilden und Handwerkern angefeindet.24 Honegger vermutet, dass Hermann Bote sich aus Angst vor rachsüchtigen Handwerkern nicht als Verfasser des Eulenspiegel-Buches bekannte.25 Das Amt des Zollschreibers war im Allgemeinen nicht sehr angesehen und gehörte zu dieser Zeit eher zu den unehrlichen Berufen.26

[...]


1 Vgl. Wunderlich, Werner: Till Eulenspiegel. München: Wilhelm Fink Verlag.1984. S.86.

2 Vgl. Bote, Hermann: Ein kurzweiliges Buch von Till Eulenspiegel aus dem Lande Braunschweig. Wie er sein Leben vollbracht hat. Sechsundneunzig seiner Geschichte. Herausgegeben, in die Sprache unserer Zeit übertragen und mit Anmerkungen versehen von Siegfrid H. Sichtermann. Mit zeitgenössischer Illustrationen. Zweite, durchgesehene Auflage. Frankfurt am Main: Insel Verlag.1981.S.9.

3 Vgl. Ebd.S.10.

4 Vgl. Wunderlich: Till Eulenspiegel.1984.S.11.

5 Vgl. Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Murner (01.10.2008)

6 Vgl. Wunderlich: Till Eulenspiegel.1984. S.10ff.

7 Vgl. Ebd. S.11.

8 Vgl. Ebd. S.11.

9 Vgl. Bote: Ein kurzweiliges Buch von Till Eulenspiegel aus dem Lande Braunschweig.1981. S.11.

10 Vgl. Wunderlich: Till Eulenspiegel.1984.S.11.

11 Vgl. Bote: Ein kurzweiliges Buch von Till Eulenspiegel aus dem Lande
Braunschweig.1981.S.12.

12 Vgl. Wunderlich: Till Eulenspiegel.1984. S.12f.

13 Vgl. Ebd. S.10.

14 Vgl. Ebd. S.20.

15 Vgl. Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Bote (01.10.2008)

16 Vgl. Wunderlich: Till Eulenspiegel.1984.S.20f.

17 Vgl. Ebd. S.22.

18 Vgl. Ebd.

19 Vgl. Ebd. S.23.

20 Vgl. Bote: Ein kurzweiliges Buch von Till Eulenspiegel aus dem Lande Braunschweig.1981.S.10.

21 Vgl. Wunderlich: Till Eulenspiegel.1984.S.26.

22 Vgl. Ebd.S.28.

23 Vgl. Wunderlich: Till Eulenspiegel.1984.S.20.

24 Vgl.Ebd. S.21.

25 Vgl. Bote: Ein kurzweiliges Buch von Till Eulenspiegel aus dem Lande Braunschweig.1981.S.11.

26 Vgl. Wunderlich: Till Eulenspiegel.1984.S.21.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Till Eulenspiegel
Untertitel
Verfasserfrage, Entwicklungs- und Überlieferungsgeschichte und Analyse des Protagonisten
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)
Veranstaltung
Schelmenliteratur
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
22
Katalognummer
V127308
ISBN (eBook)
9783640339730
ISBN (Buch)
9783640336722
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Till, Eulenspiegel, Verfasserfrage, Entwicklungs-, Analyse, Protagonisten
Arbeit zitieren
Kerstin Lilienthal (Autor), 2008, Till Eulenspiegel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127308

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