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Der Wald als ideologisches Instrument im Dritten Reich

Title: Der Wald als ideologisches Instrument im  Dritten Reich

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 21 Pages , Grade: 2

Autor:in: Karl Kovacs (Author)

History of Germany - National Socialism, World War II
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Zwischen Anspruch und Wirklichkeit der nationalsozialistischen Waldideologie und -politik klaffte eine gewaltige Lücke, da die NS-Machthaber durch eine Stilisierung zu einem Idealwald die kriegspolitischen Realitäten scheinbar außer Acht ließen.
Im Zuge der Autarkiebestrebungen des Dritten Reiches, die das Ziel der Selbstversorgung mit Rohstoffen hatten, wurde die nachhaltige Forstwirtschaft de facto aufgegeben und musste einer Wirtschaft, die zur Deckung des Holzbedarfs diente, weichen. Die von den Nationalsozialisten propagierte naturgemäße Waldwirtschaft wurde durch den naturgemäßen Wirtschaftswald ersetzt.
[...]
Da die Kriegsvorbereitungen bereits vor dem Ausbruch des Krieges im Jahre 1939 auf Hochtouren liefen, versteht es sich von selbst, dass der immens wichtige Rohstoff Holz in großen Mengen benötigt wurde, und somit die Versorgung mit Holz zum wichtigsten Aspekt der Forstwirtschaft wurde.
[...]
„Wir müssen versuchen soviel wie möglich aus dem deutschen Wald herauszuholen.“ Diese Worte Hermann Görings machen deutlich, welche Ziele die nationalsozialistische Wald- und Forstpolitik anstrebte. Des Weiteren stehen sie im Widerspruch zur eigentlichen Waldideologie, die durch eine riesige Propagandamaschinerie ein bestimmtes Waldbild in der deutschen Gesellschaft zu festigen suchte. Der Dauerwaldgedanke, der zum Leitprinzip der deutschen Forstwirtschaft erhoben wurde – also der größtmögliche Holzzuwachs, nicht der höchste Geldertrag – musste der auf kriegerische Bedingungen abgestimmten Forstwirtschaft weichen. Die Dauerwaldidee war ideologisch jedoch viel näher an der NS-Waldideologie als das neue Prinzip des oben schon angeführten naturgemäßen Wirtschaftswaldes.
[...]
Da der Wald eine besondere Bedeutung für Deutschland hatte und noch immer hat, war es enorm wichtig den Wald als etwas exklusiv Deutsches darzustellen. Die lange Verbundenheit zwischen den Deutschen und dem Wald sollte durch das nationalsozialistische Regime unterstrichen und gestärkt werden. Der deutsche Wald und das deutsche Volk wurden als untrennbar dargestellt. Diese Untrennbarkeit basiert auf einer langen Mythengeschichte, in der sich das deutsche Volk als das Waldvolk schlechthin präsentiert, und welche die Nationalsozialisten aufgriffen, um eine weitere Basis für ihre völkischen und rassischen Theorien zu haben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Waldbilder

II. 1. Der Mythos des Waldes wird zum politischen Symbol

II. 2. Die politisch-nationalistische Waldideologie Riehls

II. 3. Die nationalsozialistische Waldideologie

III. Die NS-Instrumentalisierung des Waldes

III. 1. Der NSKG-Film Der ewige Wald

III. 2. Das Forschungsprojekt „Wald und Baum in der arisch-germanischen Geistes- und Kulturgeschichte“ des SS-Ahnenerbes

III. 3. Das Reichsforstamt: Das Projekt Wiederbewaldung des Ostens

IV. Schlussfolgerung/ Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die ideologische Instrumentalisierung des Waldes im Nationalsozialismus und zeigt auf, wie der Wald als politisches Symbol zur Legitimierung der NS-Herrschaft sowie zur völkischen Identitätsstiftung genutzt wurde. Dabei steht die Frage im Zentrum, inwiefern der Wald als "Ersatz" für eine natürliche Ordnung diente, um modernitätsfeindliche und rassistische Denkmuster zu untermauern.

  • Historische Herleitung des deutschen Waldmythos
  • Analyse der NS-Propaganda am Beispiel des Films "Der ewige Wald"
  • Wissenschaftliche Instrumentalisierung durch das SS-Ahnenerbe
  • Forstpolitik als Teil der nationalsozialistischen Siedlungspolitik im Osten

Auszug aus dem Buch

III. 1. Der NSKG-Film Der ewige Wald

Die 1934 gegründete Nationalsozialistische Kulturgemeinde (NSKG) mit Alfred Rosenberg an ihrer Spitze zielte daraufhin, durch die filmische Umsetzung von Propagandainhalten der Volksgemeinschaft, wesentliche Bestandteile der NS-Ideologie näher zu bringen. Rosenberg vertrat eine Weltanschauung, nach der die gesamte Weltgeschichte aus einem stetigen Kampf zwischen nordisch-arischen bzw. germanisch-deutschen und fremdrassigen Mächten bestand. Das NSKG sollte diese Weltanschauung auf kulturellem Wege umsetzten. Deshalb ist es wenig verwunderlich, dass ein beachtlicher Teil der Mitarbeiter aus dem Kampfbund für deutsche Kultur sowie aus dem Reichsverband Deutsche Bühne stammte.

Da die Propaganda den Film als neues Medium für sich erkannte, wurde in diesem Zusammenhang 1934 auch die längste und aufwendigste von mehr als 200 Produktionen, Der Ewige Wald, von der NSKG in Auftrag gegeben. Der Anspruch der NSKG war somit, die „neue Form des kulturell und weltanschaulich wertvollen Films“ zu produzieren.

Zur Umsetzung dieses gewaltigen Projekts wurden in allen Produktionsbereichen Fachleute herangezogen, wie z.B. die Produktionsfirma Lex-Film unter der Leitung von Albert Graf von Pestalozza oder der Regisseur Hannes Springer, sowie der oft für Leni Riefenstahl arbeitende Kameramann Sepp Allgeier. Ebenfalls nicht gespart wurde bei der Inszenierung, da ca. 1200 Laiendarsteller das Volk spielten, um dem Film die gewünschte Authentizität zu verleihen. Schließlich feierte man die Uraufführung des fertig gestellten Filmes am 16. Juni 1936 auf der Reichstagung der NSKG in München. Neben Rosenberg feierten die anwesenden Vertreter des Reichsforstamtes die Aufführung als gelungen. Laut Generalforstmeister Walter von Keudell, glückte dem Film die „künstlerisch-filmische[..] Erschaffung des deutschen Waldes“.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Widerspruch zwischen der autarkieorientierten NS-Forstpolitik und der ideologischen Stilisierung des Waldes als germanisches Heiligtum.

II. Waldbilder: Dieses Kapitel arbeitet die historische Genese des deutschen Waldmythos auf, von den Schriften des Tacitus bis hin zur nationalistischen Instrumentalisierung durch Denker wie Wilhelm Heinrich Riehl.

III. Die NS-Instrumentalisierung des Waldes: Der Hauptteil analysiert drei konkrete Propagandaprojekte: den Film "Der ewige Wald", das Forschungsprojekt des SS-Ahnenerbes sowie die forstpolitische Planung der "Wiederbewaldung des Ostens".

IV. Schlussfolgerung/ Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die NS-Waldideologie trotz institutioneller Unterschiede innerhalb des NS-Apparates ein konsistentes Instrument zur Legitimierung rassistischer Herrschaft darstellte.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, Waldideologie, NS-Propaganda, Germanenmythos, SS-Ahnenerbe, Reichsforstamt, Autarkiebestrebungen, Volksgemeinschaft, Waldvolk, Rassenhygiene, NSKG, Kulturfilm, Der ewige Wald, Wiederbewaldung des Ostens, Wilhelm Heinrich Riehl.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der Rolle des Waldes als ideologisches und propagandistisches Instrument im Dritten Reich.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Fokus stehen die Verknüpfung von Waldmythos und Identitätspolitik, die filmische Propaganda, wissenschaftliche Legitimationsversuche durch das SS-Ahnenerbe sowie forstpolitische Siedlungspläne.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie das NS-Regime den Wald zur Stärkung eines exklusiv deutschen Nationalgefühls und zur Rechtfertigung seiner Rassenideologie missbrauchte.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die Primärquellen der NS-Zeit mit zeitgenössischer Sekundärliteratur vergleicht, um die Diskrepanz zwischen Ideologie und kriegswirtschaftlicher Realität darzustellen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des Films "Der ewige Wald", des Forschungsprojekts "Wald und Baum" des SS-Ahnenerbes sowie des Projekts "Wiederbewaldung des Ostens" durch das Reichsforstamt.

Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Waldideologie, Nationalsozialismus, Mythenbildung, Propaganda und rassistische Instrumentalisierung charakterisiert.

Inwiefern unterschieden sich NSKG und SS-Ahnenerbe in ihrer Herangehensweise?

Während die NSKG den Wald vor allem emotional und kulturell als filmisches Propagandamittel nutzte, versuchte das SS-Ahnenerbe, die rassische Überlegenheit der Deutschen durch pseudo-wissenschaftliche Forschungen und Monographien scheinbar empirisch zu belegen.

Welche Rolle spielten die "Wiederbewaldung des Ostens" und das Reichsforstamt?

Das Projekt diente dazu, eroberte Ostgebiete landschaftlich zu "germanisieren", um dort die Ansiedlung von Deutschen durch die Gestaltung einer imaginierten deutschen Heimatlandschaft zu festigen.

Wie wurde die historische Verbindung zwischen dem "Waldvolk" und dem deutschen Volk konstruiert?

Die Nationalsozialisten griffen auf romantisierte Deutungen antiker Quellen, etwa von Tacitus, zurück und interpretierten den Wald als Ort, an dem die vermeintliche rassische Reinheit und Kraft des germanischen Volkes über Jahrtausende bewahrt wurde.

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Details

Title
Der Wald als ideologisches Instrument im Dritten Reich
College
University of Freiburg
Course
Wissenschaften im Nationalsozialismus
Grade
2
Author
Karl Kovacs (Author)
Publication Year
2006
Pages
21
Catalog Number
V127321
ISBN (eBook)
9783640339792
ISBN (Book)
9783640337088
Language
German
Tags
Geschichte Nationalsozialismus Ideologie Wald Politik Ewiger Wald Nazis
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Karl Kovacs (Author), 2006, Der Wald als ideologisches Instrument im Dritten Reich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127321
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