Die kuriosen deutschen Ortsnamen

Eine namenkundliche Untersuchung


Studienarbeit, 2009

149 Seiten


Leseprobe

Kein Vorwort, daher schon lesenswert

Moment mal - Bremsen quietschen, der Wagen mit dem Kölner Kennzeichen fährt rechts ran. Der Fahrer steigt aus, um zu gucken, ob er da auch richtig gelesen hat. Er hat. Das Ortsschild ist unscheinbar aber wirkungsvoll.

Wer des Öfteren mit der notwendigen Aufmerksamkeit durch deutsche Lande fährt, dessen Blick wird wie bei unserem Fahrer aus der Domstadt irgendwann einmal auf eine Ortseingangstafel fallen, deren Beschriftung im ersten Moment beim Betrachter eine leichte Heiterkeit aufkommen lässt. Denn so selten sind sie gar nicht, die deutschen Städte, Stadtteile und Gemeinden mit den kuriosen Ortsnamen. Nachdem über Namen wie Lederhose, Bösgesäß, Linsengericht, Katzenhirn oder Siedichum herzhaft gelacht wurde, stellt sich der eine oder andere Zeitgenosse doch ernstlich die Frage, wie es zu solch eigentümlichen Namensgebungen gekommen ist. Heißt der Ort Sumpfohren vielleicht deshalb so, weil man beim Aufenthalt in demselben bis zu beiden Ohren im Sumpf versinkt, oder können die karitativen Verbände davon ausgehen, dass die Spendenbereitschaft in der Ortschaft Habenichts gleich Null sein wird und ist es rat-sam, den Ort Prügel nur mit einem Panzer zu durchfahren?

Selbstverständlich treffen alle Überlegungen nicht zu, genauso wenig wie die Annahme, der Rekonvaleszent habe im Kurort Elend definitiv keine Erholungschance und man könne in Saurasen keinen erquickenden Waldspaziergang machen. >>Nomen est omen<< – der Name sagt alles, behauptete einst Plautus, ein Lustspieldichter im alten Rom. Dass dem nicht immer so ist, zeigt sich am Beispiel der kuriosen deutschen Ortsnamen, von denen die meisten einen ganz anderen etymologischen* Hintergrund besitzen und die-ser dann häufig bei weitem nicht so spektakulär ist, wie der Ortsname selbst. Genauso wenig spektakulär sind die Größenverhältnisse der Orte, was ihre Einwohnerzahl und Gemarkungsfläche betrifft und ein Stromausfall ist oft das aufregendste, was die Be-wohner dort je erlebt haben. Aber der exotische Name des Ortes – der macht neugierig!

Aber nicht unbedingt die, die dort wohnen. Schon immer hatten die Bewohner von Orten mit seltsamen Ortsnamen unter den zu Missdeutung und Hänselei verleitenden Namen zu leiden. Folglich ist es nicht immer leicht, taktlosen Fremden zu entgegnen, wenn die sich über den Namen lustig machen.

So z. B. für die Einwohner von Eime, einem kleinen Örtchen im Kreis Hildesheim. Ihnen sind die Witze über sie weder neu noch irgendwie besonders lustig. Allen, die den Ortsnamen noch nie gehört haben – und das dürften die meisten sein – entlockt er aber immer wieder ein Grinsen. Warum? Eime – ist doch gar nicht so schlimm. Nun, jeder Bewohner des Fleckens (so die richtige Gemeinde-Bezeichnung) ist ein Eimer.

Und wer schon länger dort wohnt, kann sich mit Fug und Recht als >>alter Eimer<< fühlen. Eimer veranstaltet auch einen Volkslauf, den >>Eimer-Külf-Lauf<<. Würde ein Einheimischer diesen Lauf gewinnen, so wäre als Schlagzeile in der Lokalpresse zu lesen: >>Eimer gewinnt Volkslauf<< dasselbe gilt für die ca. 230 Bewohner von Alzheim (Gemeideteil zu Mayen/Eifel)

Derartige Eimer voller Spott hat einige Verantwortliche zum Äußersten getrieben: zur Ortsnamensänderung. Klar – ist eine einzelne Person mit einem auffälligen Namen gestraft, betrifft es halt nur diese Unglückliche. Ein kurioser Ortsname kann gleich eine ganze Sippe nerven. Schon 1924 stellte die Gemeindevertretung des Kurortes Elend einen Antrag auf Namensänderung. 1923 änderte das damalige Fickingen (1220 erst-mals unter >>Fuckina<< erwähnt) gemäß Verordnung der Regierungskommission Saar-gebiet seinen Namen in Saarfels. 1971 hat sich die Gemeinde Blödesheim im Landkreis Alzey-Worms den neuen Namen Hochborn gegeben, im selben Jahr hat sich Pissig-hofen im Rhein-Lahn-Kreis in Hainau umbenannt. In Blödesheim kam noch >>erschwe-rend<< hinzu, dass verschiedene Einwohner den Familiennamen >>Ochs<< haben – machen Sie mal mit dieser Kombination Weinwerbung!

Die Gemeinde Rosenheim trug bis zum Mai 1963 den Namen >>Kotzenroth<<.

Der Dichter Friedrich Rückert ärgerte sich derart über den Namen seines Geburtsorts Schweinfurt, dass er sich sogar in einem besonderen Gedicht Luft machte. Dabei beinhaltet dieser Ortsname überhaupt nichts >>tierisches<<, sondern bedeutet schlicht: >>Die Furt am Sumpfwasser (= swin)<<. Das wusste der Barde wahrscheinlich damals noch nicht. Also, zu dem Namen stehen, oder ihn ändern – wohl von Fall zu Fall unter-schiedlich. Nebenbei bemerkt, in anderen Ländern sind die Bewohner von Orten mit kuriosen Ortsnamen teilweise noch >>schlimmer dran<<. Beispielsweise in der Türkei, im Örtchen Deliler = >>Die Verrückten<< oder in der ungarischen Ortschaft Bugyi = >>Damenunterhose<<.

Vorweg – eines der Hauptziele dieses Buches, der etymologische Vergleich zwischen den >>gewöhnlichen<< Ortsnamen und der kuriosen Ortsnamen – ergab, dass die Her-kunft sehr vieler kurioser Ortsnamen häufiger unbekannt ist.

Das Bestreben bei der Namensgebung ist es, etwas persönliches, oder eine Spezies ohne zusätzliche Anhaltspunkte zu identifizieren, das heißt, von gleichartigem Profil zu differenzieren. Ein Name kann vorläufig aus der Benutzung einer Bezeichnung hervor-gehen – so sind viele Ortsnamen und die meisten Familiennamen entstanden. Wenn beispielsweise jemand sagt, >>ich gehe in die >>Molkerei<< und de facto in eine Molkerei geht, dann hat er den Ort, den er meint, charakterisiert. Nennt er aber den Ort immer noch die Molkerei, obwohl die Molkerei dort schon nicht mehr vorhanden ist, dann hat sich diese Bezeichnung schon größtenteils zu einem Namen entwickelt. Wenn dann auch Leute, die überhaupt gar keine Informationen darüber besitzen, dass dort einmal eine Molkerei existierte, ihn als die Molkerei benennen, dann ist der Übergang zu einem Ortsnamen realisiert. Primär erhielt der Begriff seine identifizierende Kraft durch die Ausgangslage, weil man zur einzigen Molkerei im Umkreis einfach die Molkerei sagte, ohne genauere Bezeichnungen zuzusetzen. Hier könnte man von einer Namensent-faltung sprechen. Dazu gegensätzlich steht die ausdrückliche Namengebung. In diesem Fall wird einem Individuum durch einen Einzelnen oder durch eine kleine Gruppe eine Lautfolge als Name zugeteilt. Bei der Namengebung sind ebenfalls wieder zwei Fälle zu differenzieren: einerseits die Namenwahl, andererseits die Namenprägung; im ersten Fall wird aus einer Zahl schon existierender Namen einer ausgesucht und dem Indivi-duum als Name zugeordnet. Das trifft etwa auf unsere Vornamen zu. Im zweiten Fall wird ein neuer Name gebildet, beispielsweise ein neuer Ortsname.

Bei der Namensgestaltung von Ortsnamen hat die in der betreffenden Gegend ansässige Gesellschaft eine Art Vorrecht: Sie wird gefragt, wie der betreffende See, Berg, Bach, das Tal, die Landspitze usw. heißt. Das hat zur Folge, dass sich deren zufällige Namen gebungen durchsetzen können, sodass sich Ortsnamen in großem Umfang auf so zufäl-lige Namenmotive beziehen, dass sie nach einiger Zeit nicht mehr durchschaut werden können.

Dies macht nun die etymologische Aufbereitung von Ortsnamen zu einer schwierigen Angelegenheit. Bei Namen, die der uns bekannten am Ort gesprochenen Sprache angehören, können wir zunächst eine Reihe von Motiven finden, die so banal sind, dass wir uns weitere Untersuchungen sparen können: Der Gewässername Mühlbach bei-spielsweise sagt lediglich aus, dass von dem betreffenden Bach zumindest eine Mühle angetrieben wurde - und das ist für die frühere Zeit von jedem größeren Dorfbach vor-auszusetzen. In anderen Fällen muss eine Realprobe durchgeführt werden. Es muss vor Ort nachgeprüft werden, ob das vermutlich zur Benennung verwandte Merkmal tat-sächlich vorhanden ist (etwa, dass sich der Name des Berges Busenberg bei dessen Be-trachtung aus einer bestimmten Richtung verstehbar, der Namenbegriff also bekannt ist), denn die Möglichkeiten der Namensmotive sind so vielfältig, dass bloßes Vermuten nur mit äußerst geringer Wahrscheinlichkeit das Richtige trifft. Was hat zum Beispiel der Ort Faulebutter mit fauler Butter zu tun. Roch es hier häufig nach fauler Butter? Oder musste eine Abgabe in Butter geleistet werden? Oder erhielt man an dieser Stelle ein minderwertiges Milchprodukt? Das alles und noch viel mehr ist denkbar. In einem solchen Fall ist ja nicht einmal bekannt, ob tatsächlich das Wort Fett zugrunde liegt, oder ob es sich nicht eher um eine nachträgliche Umdeutung handelt. Wenn keine dieser Möglichkeiten wahrscheinlich gemacht werden kann, sollten sie trotzdem, näm-lich zum Zwecke weiterer Studien, Erwähnung finden.

Noch kritischer ist es mit den dunklen Namen, die aus der am Ort gesprochenen Sprache (auch unter Berücksichtigung der frühen Belege und der regionalen Formen) nicht verstehbar sind. Hier muss zunächst – da Ortsnamen ja bodenständig sind - damit gerechnet werden, dass sie aus einer anderen, früher am Ort gesprochenen Spra-che stammen. Man könnte also etwa bei einem dunklen Namen in der Schweiz oder in Süddeutschland mit der Möglichkeit rechnen, dass er von den Kelten übernommen wurde. Das bedeutet aber noch nicht unbedingt, dass er damit keltisch ist, denn auch die Kelten könnten ihn ja von noch früheren Einheimischen übernommen haben. Deutungen als Übernahme aus einer früheren Sprache können dann wahrscheinlich gemacht werden, wenn wir die Namengebung in dieser Sprache einigermaßen beurtei-len können, oder wenn sich bestimmte wiederkehrende Namentypen feststellen lassen. So zeigt sich etwa bei der Gewässernamengebung Europas innerhalb bestimmter Gren-zen ein Namengebungssystem, das eine bestimmte Anzahl von Elementen in wechseln-den Kombinationen aufweist.

Können wir einen Namen an ein solches System anschließen, dann ist zunächst Noch kritischer ist es mit den dunklen Namen, die aus der am Ort gesprochenen Sprache (auch unter Berücksichtigung der frühen Belege und der regionalen Formen) nicht ver-stehbar sind. Hier muss zunächst – da Ortsnamen ja bodenständig sind - damit gerech-net werden, dass sie aus einer anderen, früher am Ort gesprochenen Sprache stammen. Man könnte also etwa bei einem dunklen Namen in der Schweiz oder in Süddeutsch-land mit der Möglichkeit rechnen, dass er von den Kelten übernommen wurde. Das bedeutet aber noch nicht unbedingt, dass er damit keltisch ist, denn auch die Kelten könnten ihn ja von noch früheren Einheimischen übernommen haben.

Deutungen als Übernahme aus einer früheren Sprache können dann wahrscheinlich gemacht werden, wenn wir die Namengebung in dieser Sprache einigermaßen beurtei-len können, oder wenn sich bestimmte wiederkehrende Namentypen feststellen lassen. So zeigt sich etwa bei der Gewässernamengebung Europas innerhalb bestimmter Grenzen ein Namengebungssystem, das eine bestimmte Anzahl von Elementen in wech-selnden Kombinationen aufweist. Können wir einen Namen an ein solches System anschließen, dann ist zunächst die Herkunft aus der früheren Sprache wahrscheinlich gemacht - die Entstehung des Namens im engeren Sinn haben wir damit noch nicht geklärt, und können dies auch nur in ganz besonders günstigen Fällen tun. Die Zurück-führung solcher Namen auf Wörter früherer (auch erschlossener) Sprachen wie Keltisch, Indogermanisch usw. ist deshalb nicht selten eine bloße Spekulation, oftmals aber auch der einzige Ausgangspunkt, den wahren Ursprung des Ortsnamens vielleicht doch noch zu ergründen.

Ortsnamen, die zum Kreis der geographischen Namen gehören, sind auch oftmals des-halb schwer zu deuten, weil sie verschiedenen Gruppen angehören (Städte-, Dörfer-, Güter-, Insel-, Berg-, Gewässer- und Flurnamen) und ein Name innerhalb dieser Grup-pen in eine andere Gruppe hinüberwechseln kann. Ein Landschaftsname kann beispiels-weise zu einem Ortsnamen werden. Umgekehrt kann auch ein Ortsname zu einem Landschaftsnamen werden, z. B. Schleswig als Bezeichnung des Herzogtums. Häufig kommt es vor, dass ein alter Gewässername an einer Siedlung haften bleibt, der Wasser-lauf selbst aber einen neuen Namen erhält. So bezeichnete der Name Angeln ursprüng-lich wohl die Schlei. Nach der Wilster (au) hat wiederum die Stadt Wilster ihren Namen. Ein Flurname kann zu einem Ortsnamen werden, wenn auf der betreffenden Flur ein Siedlung erwächst, aber auch ein Ortsname zu einem Flurnamen, wenn eine Ortschaft eingeht, also eine Wüstung entsteht, der Ortsname aber als Flurname weiterlebt.

Es ist übrigens nicht verkehrt, wenn der Namensforscher auch gleichzeitig Geograph ist, oder sich zumindest geographisch orientierten kann.

Auch bei eigentlich durchsichtigen Namen können Schwierigkeiten hinzukommen, die eine etymologische Untersuchung erschweren oder verfälschen. So haben wir etwa bei alten Ortsnamen, wie auch bei Götter- und Völkernamen häufig eine Überlieferung, die berichtet, wie es zu dem betreffenden Namen gekommen ist, eine so genannte Herkunftslegende. In manchen dieser Herkunftslegenden mag ein durchaus richtiger Kern stecken, in der Regel sind sie aber – in vielen Fällen sogar nachweislich - erst aus dem Namen herausgesponnen worden, das heißt, man hat den Namen an ein ähnliches Wort angeschlossen und dann eine Geschichte dazu erfunden. Solche Herkunftslegen-den sind für die Etymologie ziemlich ungeeignet, und eine große Gefahr obendrein, denn es kommt vor, dass die Namen nachträglich stärker an die Geschichte angepasst werden, dass Umschreibungen auftauchen, die die falsche Etymologie zu stützen scheinen, und anderes mehr.

Eine andere Gefahr besteht in den Namenübertragungen, dem Vorgang, dass ein bereits bestehender Ortsname auf eine andere Örtlichkeit übertragen wird, besonders wenn Neusiedler Namen aus ihrer alten Heimat mitbringen. So ist ein großer Teil der Orts-namen in Amerika von den europäischen Siedlern mitgebracht worden. In diesen Fällen würde das Namenmotiv, wenn es erkennbar ist, nicht notwendigerweise auf den be-zeichneten Ort zutreffen, sodass die richtige etymologische Erklärung für diesen Namen lediglich aus der Feststellung besteht, dass er von einem anderen Ort her übertragen wurde.

Eine sehr wichtige Rolle bei der Benennung von Ortsnamen spielen die Personenna-men. Dies liegt daran, dass Menschen die Siedlungen gründeten und die Nachbarn oft die Namen der Gründer mit denen der betreffenden Orte verbanden.

Nicht selten stößt man bei der Ortsnamensforschung auf Scherz- und Spottnamen, weil es unter unseren Vorfahren schon den einen oder anderen lustigen Vogel gab. Wer wohl in dem Örtchen Schabernack seine Scherze gemacht hat? Die Kohlentreiber im Ruhrgebiet haben im 18. und 19. Jh. den an ihren Wegen liegenden Häusern häufig Spottnamen gegeben, die später zu >>offiziellen<< Siedlungsnamen wurden, wie >>Schaumlöffel<<, >>An der hölzernen Klinke<<, >>An der Kindtaufe<<, >>Hornissenhütte<<, >>Mückenburg<<, etc. Auch einige Ländernamen als Ortsbezeichnungen (Californien, Brasilien, etc.) sind Scherznamen.

Die Geschichte der Ortsnamen ist die Gegenwart von Gestern. Es ist deshalb oftmals sehr schwer, sie gesichert zu beschreiben. Wer sie zu fassen versucht, lebte nicht in ihrer Zeit. Er muss aus den Belegen, die ihm zur Verfügung stehen, objektive Aussagen formulieren.

Orts- und Ortsteilnamen lassen sich also nicht immer restlos mit definitiven Beweisen erklären und nicht selten kommt es, wie oben schon erwähnt vor, dass die Entste-hungsgeschichte eines Ortsnamens überhaupt nicht mehr bekannt ist. Die Ursachen hierfür sind mannigfaltig; vielfach fehlen die Urkunden oder sie sind durch Kriege und Brände verloren gegangen. In solchen Fällen sollte der Versuch gemacht werden, durch die Begleitumstände einige Informationen über die fehlenden Spuren zu erhalten um dort dann genauer nachzuforschen. Bei verschwundenen Merkmalen und bei der Na-mengebung nach Ereignissen oder Beziehungen kann in manchen Fällen das Studium älterer Quellen oder geschichtliche Nachforschung (etwa Grabungen) die Richtigkeit einer etymologischen Vermutung erweisen. Leider ist die Erkenntnis, dass die einfach-ste und nächstliegende Erklärung besondere Beachtung verdient, weil sie nämlich oft die richtige ist, nicht Allgemeingut. Auch der Versuch einer eigenen Interpretation - nach guter Forschung – sollte erlaubt sein, denn es existieren durchaus noch einige sprachgeschichtlich geradezu unmögliche Interpretationen in den Köpfen unberufener Namensdeuter. Ebenfalls ist es schwer, ein wissenschaftliches Irrlicht wirklich auszubla-sen. In allen anderen Fällen - wenn also nicht begründet werden kann, warum der Ort so benannt wurde - sollte eine Etymologie nur mit größter Umsicht versucht werden. Der erste Schritt zur Deutung eines Ortsnamens muss die Erkundung der ältesten Namensformen sein. Meist hat sich im Laufe der Jahrhunderte die Schreibweise bis zur Unkenntlichkeit verändert. Die in diesem Buch bei den meisten Ortsamen verzeich-neten Jahreszahlen geben jeweils die früheste urkundliche Erwähnung des Ortes an. Die erste schriftliche Erwähnung eines während des Mittelalters im deutschsprachigen Raum entstandenen Ortes stellt aber nur selten das Datum seiner Gründung dar, son-dern befindet sich zumeist in einer Urkunde über ein Rechtsgeschäft innerhalb einer schon bestehenden Ansiedlung. In vielen Fällen ist die Entstehung der betreffenden Siedlungen also in noch früheren Zeiten zu suchen. Die meisten Orte, auch die mit kuriosen Ortsnamen, besitzen demnach keine Geburtsurkunde. Das Jahr der frühesten Nennung kann daher nur als Terminus ante quem betrachtet werden.

Einer der Grundsätze bei der Ortsnamensdeutung – die Beziehung zwischen Ort, Orts-bild und Ortsgeschichte aufzufinden und in einen zufrieden stellenden Einklang zu bringen – ist bei weitem nicht immer erreichbar. Kann also die Etymologie eines Orts-namens nur vermutet werden, sollte von einer Erklärung ganz abgesehen werden, weil eine Deutung mit >>Gewalt-anwendung<<, ausschließlich anhand von Ortsnamensbelegen und ganz ohne genaue örtliche und ortsgeschichtliche Sachkenntnisse unsicher bleibt und ihre Ergebnisse >>Traumbilder<< sein müssen. Vielfach sind es solche Orte, deren Tradition nicht weit genug zurückreicht, und deren Deutungsversuche am besten unter-bleiben. Es widerstrebt einem, z. B. in Ganthem die Bezeichnung der männlichen Gans, in Vorshem den Frosch hineinzudeuten. Manchem Namen lässt sich auf diese Weise vielleicht einen Sinn geben, aber ob er der Richtige ist, dürfte zweifelhaft sein.

Überhaupt keine Chance hat der Historiker allerdings, wenn der Ortsname schlicht falsch ist: Da glaubte bis zum 14. Oktober 1971 eine kleine Gemeinde im Landkreis Tuttlingen, dass ihr Örtchen Irrendorf hieße. (Schade, wäre ein Fall für dieses Buch ge-wesen). Just an diesem Tag entdeckte ein Handwerker bei der Renovierung einer Kirche im Turm eine alte Eichenkiste. Hierin befanden sich in einem Glaskasten Urkunden, in denen stets von Irndorf und nie von Irrendorf die Rede ist. Auch gibt es Irritationen, wenn lediglich die Eigentümlichkeit der Schreiber den Ortsnamen veränderte.

Wenn in diesem Buch den vorherigen Aussagen, also der >>Etymologischen Ethik<< in manchen Fällen nicht Folge geleistet wurde, ja in nicht wenigen Situationen sogar wider-sprochen wird, so einmal mit dem Ziel, dem Etymologen, aber auch dem >>Nicht-Ety-gen<< die Problematik der Findung der wahren Grundbedeutung eines Ortsnamens – vor allem eines kuriosen Ortsnamens - darzulegen, aber auch, wie vorher schon erwähnt, der weiteren Erforschung kurioser Ortsnamen als Denkanstoß zu dienen.

Den interessierten Laien sollte bei seinen Nachforschungen die Unsicherheiten der vielen >>Dürfte<<, >>Könnte-wohl<< nicht abschrecken. Auch wenn er bei seinen Recherchen nicht immer die wissenschaftlichen Methoden der Etymologen verwendet, so kann er den >>Fachleuten<< doch häufig wichtige Informationen zur weiteren Verwendung vorlegen. Auffallen wird dem Leser also, dass riesige Diskrepanzen zwischen den Etymologien der einzelnen kuriosen Ortsnamen liegen, sogar nicht wenige völlig unbekannt sind. Bei vielen hat es sicherlich nicht an mühsamen Untersuchungen gefehlt, das konnte man bei den verschiedenen Interpretationsversuchen unschwer feststellen. Andererseits ist aber auch in nicht wenigen Fällen ein erschreckendes Desinteresse der innerhalb dieser Arbeit Befragten (z. B. Bürgermeister(!), an der (Namens-) Geschichte ihres Heimatortes auffällig. Es ist wirklich erstaunlich, mit welcher Akribie und mit welchem Arrangement so mancher Heimatforscher seine Heimat erforscht; um so erstaunlicher ist es, dass der Ortsname, auch (oder gerade) wenn er noch so auffällig ist, von der Forschung ausge-schlossen bleibt.

Auch wird dem Leser nicht entgehen, dass der Umfang der einzelnen Untersuchungen, also bei den allgemeinen Angaben zum Ort, unterschiedlich ist. Das liegt einfach daran, dass die zum Teil jahrelangen Recherchen von recht ungleichem Ausmaß waren. Darum erlaube ich mir bei dieser Gelegenheit und nach einer solch langen Zeit der Nachfor-schungen zu erwähnen, das die relativ hohe Zahl von indiskutablen oder völlig ausblei-benden Informationen den kommunalen Verwaltungen zuzuschreiben ist. Diese leisteten sich im Umgang mit ihren überlegenen Beziehungen eine geradezu beschä-mende Arroganz.

Um zu vermeiden, dass der Leser ihm bekannte kuriose Ortsnamen hier vergebens sucht und so zwangsläufig an eine lasche Recherche denken muss, habe ich Orte mit kuriosen Namen, von deren Verwaltungen wir trotz mehrmaliger Bitte keine Auskünfte bekamen, am Ende der jeweiligen Themengebiete zur Information aufgeführt. Zwei weitere Probleme bei der Erarbeitung des Themas lagen wohl darin, einen Orts-namen objektiv und überhaupt als kurios einzuordnen und diesen dann auf keinen Fall lächerlich zu machen. Wenn die vorliegende Arbeit eine unterhaltende Wirkung hat, ist dagegen nichts einzuwenden; es ist nämlich nicht einzusehen, warum ernsthafte Bücher notwendigerweise knochentrocken und todlangweilig sein müssen. Andererseits sollte hier niemals ein Witzbuch entstehen, sondern der Versuch gemacht werden, innerhalb der Forschung zur deutschen Landeskunde die Genesis kurioser Ortsnamen wissen-schaftlich darzulegen. Von immer wieder im Internet auftauchenden Webseiten von Selbstdarstellern und Pseudowitzbolden, die sich mit der Veralberung von kuriosen Ortsnamen (hier z. B. >>Dämliche Ortsnamen<< genannt) profilieren wollen, distanziert sich der Inhalt dieses Buches ausdrücklich.

Um so wissenschaftlich wie eben möglich zu arbeiten, galt es, die Fülle der kuriosen Ortsnamen in eine gewisse Ordnung und Systematik hineinzubringen. Um ein allzu subjektives Vorgehen zu vermeiden, wurden die Orte hier nicht in alphabetischer Rei-henfolge ausgesucht, sondern die Selektion erfolgte nach festgelegten (unterhaltsamen) Themengebieten. Diese Vorgehensweise erlaubte dann, einer repräsentativen Gruppe Ortsnamen zur Auswahl vorzulegen und damit die subjektive Elektion größtenteils zu relativieren. Bewusst ausgenommen wurden Ortsnamen, die auch nur im weit entfern-testen Sinne mit Religion, und hier insbesondere mit der katholischen Kirche in Verbin-dung zu bringen sind; weil die Kleriker (unter anderem auch) hier keinen >>Spaß<< verstehen und im Schweinsgalopp mit zutiefst beleidigten Reaktionen aufwarten. Orts-namen mit sexuellen Bezeichnungen fanden nur in wenigen, ganz interessanten Fällen Beachtung, weil dieses Buch gerade auch junge Leser an die Etymologie der Ortsnamen heranführen soll und die hier aufgeführten Orte als Denkanstoß dienen sollen. Mannigfaltige Recherchen waren notwendig, um die von den Eingemeindungen betrof-fenen Orte und Ortsteile zu finden, von denen nicht wenige auch den Status des Orts-teils verloren hatten und nur noch Straßennamen darstellen. Diese konnten bei der Auswahl nicht mehr berücksichtigt werden.

Über allem stand der Grundsatz >>ad fontes<< und >>ex fontibus<<.

Düsseldorf, im Sommer 2009

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

EKEL

Stadtteil der Stadt Norden; 5 m ü. M.;

O Aurich; L.: Niedersachsen;

Po 26506 Stadt Norden

Sehenswürdigkeiten:

Das Ekeler Vorwerk als einziger überlieferter Rest einer von mehreren ehemaligen Burgenanlagen im Norder Stadtgebiet und das fürstliche Jagdschloss (Torenhus).

Etymologie: botanisch
Ekel = Eckel = Eiche

Ekel bezeichnet ein Rodungsdorf in Eichen-und Lindenwald. Ekel hat eine Parallele in Etzel, wobei auffällt, dass die friesische Um-formung von k in z bei Ekel nicht eingetre-ten ist.

In der Sandbauernschaft – Teil Ekel – stand bis ca. 1900 noch teilweise ein Eichenwald. Ekel hat eine Parallele in dem Bottroper Stadtteil Ekel. Hier wird übereinstimmend festgestellt, dass der Ortsname Ekel übersetzt nichts anderes heißt als >>lichter Eichen-wald<<.

Ekelsdorf

Kreis Ostholstein

Zur Großgemeinde Süsel; O Ostholstein;

L.: Schleswig-Holstein; Ei.: 180;

Po.: 23701 Süsel;

Etymologie: botanisch, siehe oben bei Ekel Ist es in Ekelsdorf wirklich >>eklig<<?

Bereits im Jahre 1197 wurde die Siedlung im Urkundenbuch des Bistums Lübeck erstmalig erwähnt, damals jedoch unter dem Namen >>Ecoluesthorp<<. Im Laufe der Jahrhunderte änderte sich der Name über >>Ekolvestorp<<, >>Egkoluesdorpe<< und >>Ekleuestorpe<< zu >>Ekelstorpe<<,

>>Ekelewestorpe<<, >>Ekelstorpe<< und >>Ekels-dorp<< und schließlich zum heutigen Ekels-dorf, daß erstmalig im Jahre 1855 aufaucht. Namensgeber war der Ritter Nicolaus Ekolf. Anfang des 13. Jahrhunderts ging der Rittersitz dann in den Besitz des Ritters Lemmeke von Buchwald über. Dessen Fa-milie verkaufte den Hof 1488 mit allem >>Drum und Dran<< an das Ahrensböker Kloster. Dessen Prior übergab die Hofstätte schließlich den Süseler Bauern zur Bewirt-schaftung.

Naheliegener ist allerdings die Version oben bei Ekel, so dass der genannte Ritter Nicolaus Ekolf seinen Namen wohl vom Eichenwald >>geklaut<< hat.

Jeden Monat macht die Polizei in der Orts-durchfahrt mindestens einmal Geschwin-digkeitskontrollen. An einem Tag wurden einmal über 300 Raser geblitzt! So kann es also sein, dass einige Autofahrer, obwohl der Name Ekelsdorf ja eigentlich einen ganz anderen Ursprung hat, das kleine Dorf im Zuge der Landesstraße 309 >>doch ganz schön eklig<< finden ...

HAUE

Ortsteil der Stadt Winsen; O Harburg;

L.: Niedersachsen; Po.: 21423 Winsen (Luhe)

Etymologie: wahrscheinlich ein Gewässer-(Moor/Sumpf) Name.

Meinung vor Ort:

Der Name ist offenbar plattdeutschen Ursprungs: >>Hau<< = Heu. >>Haubarch<< = Heuberg, Heuhaufen, das zu einem Berg aufgestapelte Heu, >>Hauboen<< = Heuboden auf der Scheune, >>Hauhüpper<< = Heu-hüpfer (Heuschrecke), >>Hauschün<< = Heu-scheune, >>Hauwer<< = (Wer, Wier = Wetter); Wetter zum Heuen, >>Hauland<< = Heuland. Hau bedeutet also Mähwiese, wobei das Gras gehauen (gemäht) wurde.

Andere Überlegung: Haue ist ein Paradebei-spiel für das Versagen unmethodischer Nachforschung, welche uralte Namen nur als >>sprachliche Konstrucktionen<< ansieht, ohne Beachtung der morphologischen Zu-sammengehörigkeit mit vergleichbaren

Die kuriosen deutschen Ortsnamen

Namen: Haueda a. d. Diemel,urkdl. Hown-idi ist ein Kollektiv auf – ithi, ede (im hessischen Raum) und eine Ableitung von alten, teil-weise vorgermanischen Wörtern für Sumpf, Moor, Moder, Schmutz. Ebenfalls für hou läßt sich der Wortsinn >>Sumpf, Moor, Mo-der<< mit Houmere (Heumar/Sieg), Heusiepen, Mortsiepen) erklären. Hou ist auch eine Al­ternative zu hu >>Moder<<, siehe auch Hustedt.

Zur Gemeinde Altenkunstadt; O Lichtenfels; L.: Bayern; E.: 160; Po.: 96220 Burgkunstadt;

Etymolgie: geographisch

Möchte man die Ursprung des Ortsnamens Prügel erforschen, muss man sich mit den mittelhochdeutschen Formen brüel, bruel, und auch brueel auseinandersetzen, von de-nen sich im Laufe der Jahrhunderte Brueel, Brügel, Brigell ableiteten. Brüel kann mit Aue übersetzt werden. Jedoch ebenfalls als sump-fige, mit Buschwerk bewachsene Wiese und Brühl als Proprium, für Wiesen, Felder, Wäl-der und Ortschaften mit Mooren und Sümp-fen.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfolgte die endgültige Schreibweise Prügel.

Prügeldorf

Ortsteil der Gemeinde Gößweinstein; 500 m ü. M.; O Forchheim; L.: Bayern; Ei 10; Po.: 91327 Gößweinstein;

Etymologie: Volksmundbildung, geographisch

Der mündlichen Überlieferung nach soll sich ein Bewohner der Gegend, der nicht über die nötigen Mittel verfügte, ein regulä-res Haus zu bauen, aus Prügelholz** eine Behausung an dieser Stelle errichtet haben, der man dann, nachdem ein weiteres Haus dort entstanden war, den Namen Prügeldorf gab.

* Die Volksmundbildung kann einer ernst-haften Betrachtung deswegen nicht stand-halten, weil sie von der hochdeutschen Schreibweise des Namens Prügel ausgeht, Etymologie siehe also bei Prügel!

**Prügelholz = ca. 6 – 8 cm dicke Äste >>Prügel<<, die beim Baumfällen von dem Hauptstamm getrennt werden; findet meist als Brennholz Verwendung.

NIEDERSCHLAG

Ortsteil von Hammerunterwiesenthal (bei >>Die Kieferbrecher<<); Fl.: 295 ha; 750 m ü. M.; O Annaberg-Buchholz; L.: Sachsen; Ei.: 161: Po.: 09484 Hammerunterwiesenthal;

Sehenswürdigkeiten: Toscabank (markanter Felsen, Gneis-Formation), Luxbachtal (hi-storischer Bergbau, Silber, Blei, Kobald, Zinn).

Etymologie: Urwaldrodung

1610 Erwähnung >>Kützners Haus ufm Niederschlag<<. Wahrscheinlich schlugen hier >>Wäldner<< auf einer größeren Fläche die Baumriesen des Urwaldes nieder.

WÜRGENDORF

Ortsteil der Stadt Burbach; 310 – 619 m ü. M.; O Siegen-Wittgenstein; Nordrhein-West­falen; Ei.: 1650; Po.: 57299 Burbach;

Etymologie: wahrscheinlich Gewässername

Der Legende nach soll der Ortsname aus frühchristlicher Zeit von >>Virginendorf<< abzuleiten sein. >>Virgin<<= lat. Jungfrau.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Angstmacher

Im Dorf steht eine Kirche aus dem 11. Jahr-hundert ohne Namen. Es wird angenom-men, dass es sich hier um die Kirche der Hei-ligen Jungfrau handelt.

Ortsnamen, deren Etymologie mit sakralen Belegen gedeutet wird, sind immer mit sehr viel Vorsicht zu betrachten, weil man früher gerne Unverständliches >>eine Etage höher reichte<<. Der o. a. Erklärungsver- such zum Ortsnamen Würgendorf liegt >>mindestens zwei Etagen<< zu hoch.

Realistischer ist: Würges im Taunus sowie Wirges im Westerwald gründen urkund-lich auf Widergis, einem prähistorischen vorger-manischen Bachnamen wie Navi-gis, und Nevi-ges (Bergischen Land) im Tal des Hardenberger Baches, Navigisa, der Bezeich-nung des Hardenberger Bachs. Beide Namensbestandteile (nava, gisa) bedeuten soviel wie Gewässer, Fluss.Würgendorf ist also ein Ort an einem Bach.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zur Gemeinde Neuenkirchen; Fl.: 963,5 ha;

60 m ü. M.; O Soltau-Fallingbostel;

L.: Niedersachen; Ei.: 360;

Po 29643 Neuenkirchen;

Etymologie: nicht ganz geklärt

Aufgrund einer Untersuchung (1953 an Hand von Verkopplungskarten) liegt es nahe, dass die Langstreifenfluren Grauens und die benachbarter Dörfer auf die Ansied-lung von Königsfreien im 9./10. Jahrhundert während der fränkischen Zeit zurückzufüh-ren sind. Es wird daraufhingewiesen, dass im Raum Neuenkirchen ein Freibann mit besonderen Gerichtsnamen bestanden hat. Das Grundwort - loh = lichter Wald, siedlungsfähiges Gehölz, auch verändert zu - el, findet sich bei Ortsnamen im Neuen-kirchener und Schnever-dinger Raum häu-fig. Grauen zählt ebenfalls zu den -loh-Na-men. Noch im Jordebuch von 1699 findet sich die Bemerkung >>Grauen oder Grauel<<.

Es existiert noch ein zweiter Ort mit dem Namen Grauen. Er gehört zur Gemeinde Appel im Landkreis Harburg/Winsen. Etymologie: siehe vorher Grauen, Gemeinde Neuenkirchen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zur Gemeinde Niedermurach; O Schwan-dorf; L.: Bayern; Po.: 92545 Niedermurach

Etymologie: unterschiedliche Auffassungen, am ehesten wohl ein Eponym

Unterschiedliche Theorien vor Ort: Man bezieht sich hier auf einen >>Zanken-Käs<<, der bei einem Taufmahl, und zwar vorzugs-weise wenn der neue Erdenbürger ein Kna-be war, aufgetischt wurde. Dies würde auf einen Milchverarbeitenden Ort hinweisen. Ein zweiter Versuch wird bei Hans Sachs (1612) gesucht, >>das Leder mit den Zähnen zanken<<, es strecken und dehnen, wie der Schuster; ein solcher wird Zankenfleck ge-nannt. Es könnte bei Zankendorf zutreffen, weil es keinen geschlossenen Dorfkern auf-weist. Weiter wird überlegt ob >>Zank“ (zän-kisch = streitsüchtig, <<Zank(e)l>>, >>Zanke<< (mhd. >>Zacken<<!) für die Ortsna-menbezeichnung herangezogen werden könnte.

Ein Personenname ist wohl am nächsten >>dran<< (siehe nachfolgend bei Zanken-hausen). >>Zänkisch<<, also streitsüchtig, ist unwahrscheinlich.

ZANKENHAUSEN

Teil der Gemeinde Türkenfeld; Fl.: 548 ha;

584 m ü. M.; O Fürstenfeldbruck;

L.: Bayern; Ei.: 267; Po.: 82299 Türkenfeld;

Etymologie: verschiedene Interpretationen.

Erste schriftliche Nennung 1371 bereits (!) als Zankenhausen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die kuriosen deutschen Ortsnamen

Die erste Theorie geht davon aus, dass die nach der Rodung entstandene Grenzlinien-form zwischen Wald und offener Heide (Zacken) zu dem Ortsnamen geführt hat.

Der Bildung des Ortsnamens kann aber auch ein Eponym, also eine Eigenname, hier ein Personenname, zugrunde gelegen haben. In der Umgebung sind nämlich ähnliche Namen häufig wie: Zangel, Zengel, Zänkl, Zengl, Zangl, Zanggl, Zänkhl.

Die vermutete Ableitung des Ortsnamens von der Tätigkeit >>Sengen<< bei der Brand-rodung ist abwegig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ortsteil der Gemeinde Neuenstein; Fl.: 395

ha; 295 m ü. M.; O Hersfeld Rotenburg;

L.: Hessen; Ei.: 192; Po.: 36286 Neuenstein;

Etymologie: Name für Aue

Erste Erwähnung 852 als >>Owe<<, >>Ouwe<< >>Ouwo<<, >>Owo<<, >>Auwo<< meinen alle: Aue.

Weiler zur Gemeinde Amtzell; 680 m ü. M.; O Ravensburg; L.: Baden-Würtemberg; Ei.: 20; Po.: Amtzell;

Etymologie: nicht ganz geklärt, Klima-situation?

Erste Erwähnung 1352.

Über >>Niemandtzfrundszhoff<< (1413), >>Niemandtsfraindtshoff<< (1621), >>Niemandtsfreundtshoff<< (1630), >>Niemandtsfreündtshoff<< (1675), >>Niemandtsfreündthoff<< (1684), >>Niemandsfreundshof<< (1753), >>Niemandsfreundhof<< (1817), zu >>Niemandsfreund<< (1850).

18

Die Ursache für diesen abweisenden Ortsna-men ist nicht bekannt. Es wird angenom-men, dass die raue Allgäulage auf der Hoch-ebene von Niemandsfreund zu dem Namen geführt hat: Den West- und Ostwinden stark ausgesetzt, wasserarm, daher auch heute noch bei trockenen Sommern Wasser-not auf den Höfen.

Zur Gemeinde Pittenhard; O Traunstein; La.: Bayern; Ei.: 18; Po.: 831132 Pittenhard;

Etymologie: zwei Interpretationen.

Zur Zeit Erzbischofs Odalbert von Salzburg wird ein Aribone Chadalhoch, als comes und advocatus der Vogt bei Rechtsgeschäf-ten erwähnt. Er tauschte nach Hauthaler, Salzburger Urkundenbuch I

84 Nr 19 mit dem Erzbischof Odalbert den Ort Fredinghowa vor 926 im südlichen Raum des Landgerichts Kling ein. Es dürfte das heutige Fremdling sein. Andererseits wird Fremdling von >>Froemlingen<< abgelei-tet, das vom Personennamen >>Fromilo<<, zum Stamme fruma gehörend, stammt.

Möglich ist aber auch: Frömmstedt im Unstrut-Tal ist bedeutungsgleich mit Topfstedt, Griefstedt, Schwerstedt, Gün-stedt, Klettstett (ebenfalls dort), womit aller-orts Wasser- und Sumpfausdrücke gemeint sind. So kann auch from, frum nichts ande-res meinen. Das Frome-lo in Westfalen, lo meint sumpfiges Gelände. Auch Frömmersbach b. Gummersbach. gum und from sind Bezeichnungen für Moder, Sumpf. Der Ortsname Fremdling könnte also auch >>Ansiedlung an einem Sumpf<<. bedeuten.

MORDBERG

Zur Marktgemeinde Rohr i. Niederb.; 450 m

ü. M.; O Kelheim; L.: Bayern; Ei.: 7;

Po.: 93352 Rohr;

Die Angstmacher

Etymologie: unklar, Marterberg?

Im 13. Jahrhundert: >>Martperge<<. 1425 verkauft Precht der Mordperger eine Wiese. Hier berühren sich die Grenzen von Ober-und Niedereulenbach und da mag vor lan-ger Zeit eine Martersäule als Grenzzeichen gestanden haben. In alter Zeit war es Brauch, an Kreuzungen von Wegen, an Flurgrenzen Darstellungen der Marter Chri­sti für die Armen Seelen zu errichten. Diese Martersäulen werden heute noch an Stellen errichtet, an denen sich ein Unglücksfall er-eignete. So haben wir es hier mit dem Marterberg zu tun.

Zur Verwaltungsgemeinschaft >>Altmärki-sche Höhe<<; O Stendal; L.: Sachsen-Anhalt; Po.: 39606 Lückstedt;

Etymologie: Personen- oder Gewässername

1238 >>ballerstede<<, 1443 >>balrestede<<. Der Name ist deutschen Urprungs und geht auf eine Personenbezeichnung aus der alt-hochdeutschen Wurzel bald, palt = kühn, wagehalsig zurück; daraus Baldher, Baldo, Baldro, Balter, Baldir, Archibald, Regibald und außer vielen anderen folgende Ortsna-men: Baltersheim, Ballersen, Belstädt, Balterwil, Ballstedt: Wohnplatz des Baldo.

Möglich ist aber auch: Balde, ein vorge-schichtlicher Bachname bei Laasphe im obe-ren Lahntal, dem historischen Las-apa = Sumpfwasser, welches zum Wasserwort bald gehört. bald steht in Beziehung zum indo-germanisch bal = >> Sumpf<<. Es gibt ein Ballenstedt am Harz.

Ballerstedt könnte also auf eine Ansiedlung an einem Sumpf(-Wasser) hindeuten.

Stadtteil von Burladingen; 650 m ü. M.;

O Zollernalbkreis; L.: Baden-Würtemberg, Ei.:600; Po.: 72386 Burladingen;

Etymologie: Gewässername

Die Ortschronisten meinen, dass die Namen-gebung auf die im 7. Jahrhundert entstande-ne und damals einzige Kirche der ganzen Umgebung zurückzuführen ist.

Der Ort Killer liegt an der Killer, einem Zufluss der Starzel/Neckar. So gefährlich der Name Killer in der heutigen, anglisierten Sprachweise auch klingt, hat er doch eine ganz andere Bedeutung. Im 7. Jahrhundert in alemannischer Mundart hieß der Kirchweiler >>Kilchwilari<<. Daraus wurde später >>Kilchwilar<<, 1255 >>Kilwi-lar<<, 1377 >>Kilwar<<, ab ca. 1400 Killer.

Killer enthält prähistorisch >>kil<< = Schmutz-wasser, (Kiel!), auch der Killbach (z. Boden­see), Killwangen, Schweizer Kanton Aargau und Killingen/Aalen.

Gemeindeteil der Gemeinde Maisach; 531 m ü. M.; O Fürstenfeldbruck, L.: Bayern; Ei.: 21, Po.: 82216 Maisach;

Etymologie: Gerichtsstätte

Nicht so schwer zu verstehen ist wohl, dass innerhalb der Räumlichkeit des o. a. Gemeindeteils ein Galgen aufgestellt war (diese mussten übrigens bis 1815 in ganz Bayern verschwunden sein.). Bemerkens-wert ist jedoch, dass sich der Ortsname

Die kuriosen deutschen Ortsnamen

Galgen unverändert erhalten hat. Eine Tatsache, welche nirgends in Deutschland mehr zu konstatieren ist; es gibt wohl >>Galgenhöfe<<, >>Galgenmühle<< oder >>Galgenauen<<, aber nirgendwo mehr einen Ort >>Galgen<<.

Gemeinde; Fl.: 10,55 qkm; 153-276 m ü. M.; O Gießen; L.: Hessen; Ei.: 8.000; Po.: 35452 Heuchelheim.

Etymologie: Eponym

Aufassung vor Ort: Personenname. Älteste Form des Namens ist >>Huchilen-heim<< = Heim des Hucho oder vielmehr des Huchilo (mit langem u).

Anmerkung: Heuchelheim (urkdl. Huchel-heim) gibt es fünf mal allein in Hessen, aber auch im Wormsgau, in der Pfalz und in Württemberg (heute Heuchlingen), dem-nach viel zu häufig für einen Personenna-men.

Gemeinde des Amtes Wilstermarsch, Fl.: 5,77 qkm, 3 m bis 3,5 m unter M.; O Steinburg; L.: Schleswig-Holstein; Ei.: 134; Po.: 25554 Wilster;

Etymologie: Besiedlung

Der Geestrand war von Sachsen besiedelt, während sich die Holländer südlich der Wilsterau ansiedelten. In alten Unterlagen wird erwähnt, das die Krützflether und Dückerstieger Streugründe als zur eigentli-chen Dorfschaft Sachsenbande gehörig an-gesehen, weil die Ländereien völlig in einem Verbande liegen. Daraus erklärt sich der Name Sachsenbande.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ortsteil der Stadt Freudenberg; Fl.: 160 ha;

360 m ü. M.; O Siegen-Wittgenstein;

L.: Nordrhein-Westfalen; Ei.: 600;

Po.: 57251 Freudenberg;

Etymologie: nicht zufriedenstellend

Der Ort, der erstmals 1079 in einer Urkunde der Gebrüder Gerung und Heribert als Holzeclaen erwähnt wurde, liegt an einem kleinen Fluss mit dem Namen Clave. Aus den früheren Schreibweisen hat sich aus Clave langsam die Schreibweise >>- klau<< ent-wickelt.

Zur Gemeinde Tiefenbach; O Passau; L.: Bayern; Po.: 94113 Tiefenbach;

Etymologie: unklar, Eponym?

der Name leitet sich vom mittelhochdeut-schen. >>etzen<<: zu essen geben, >>veretzen<<: zu fressen geben ab.

Dieser nicht gerade enladende Ortsname könnte aber auch auf fränkischen Einfluss um das Jahr 1000 n. Chr. zurück zu führen sein und mit dem Namen Frankilo in Ver-bindung gebracht werden.

Siehdichum

Zum Ort Schernsdorf; 80 m ü. M.;

O Oder-Spree, L.: Brandenburg; Ei.: 8;

Po.: 15890 Schernsdorf;

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Etymologie: topographische Lage

Der Ortsname geht auf einen alten Flurna-men zurück, der die Beschaffenheit des Bo-dens mit Moor, Sumpf und dunklen, fast undurchsichtigen Wäldern charakterisiert. Nur mit Vorsicht war dieses Gebiet zu durchqueren.

Um 1555 trug das Gelände den Flurnamen >>uffn Sihe dich four<<. Damit war die er-wähnte sumpfige, moorige Bodenbeschaffen-heit bezeichnet. 1583 erste urkundliche Er-wähnung als >>Siehdichfuer<<.

REISSAUS

Ortsteil der Stadt Reichenbach; O Oberlau-sitz; L.: Sachsen; Ei.: 13; Po.: 02892 Reichen-bach;

Eymologie: Mündliche Überlieferung

Im Spätsommer 1813 wurden die Franzosen vom preußischen General Blücher am schlesischen Fluss Katzbach geschlagen. Das bedeutete Rückzug, noch eiliger als zuvor. Die französischen Soldaten gelangten so an die Stelle, an der sich heute die Kreuzung in Reißaus befindet. Dort kam es zu einer wei-teren Auseinandersetzung zwischen Franzo-sen und Preußen, worauf die Franzosen die Flucht ergriffen und >>ausrissen<<.

Übrigens: Eine interessante Parallele zu der o. a. Volksmundetymologie ist der Beiname des Stadtbezirkes Castlebar in Nordwest-irland. Er lautet: >>Das Heim (oder das Zu-hause) des Castlbar Rennen<<: Im Jahre 1798 ergriff in Castlebar eine englische Einheit

Gemeinde; Fl.: 550 ha, 20,9 m ü. M.;

O Nordvorpommern; L.: Mecklenburg-

Vorpommern; Ei.: 100; Po.: 18507 Grimmen;

Etymologie: unbekannt

Es ist möglich, dass der Name auf das nicht mehr genau greifbare slawische Wort >>uni nade<< zurückgeht.

Ungnade bedeutet aber mittelniederdeutsch auch: Unruhe, Mühsal, Plage, feindliches (widerrechtliches) Benehmen. So könnte der Name auf die mit der Bearbeitung des Bo-dens verbundene Mühsal und Plage Bezug nehmen.

Etymologie: Volksmundetymologie

Die Entstehung dieses Ortsnamens soll mit der Erbauung einer Glashütte eng zusam-menhängen, die ganz in der Nähe von Stützerbach im Jahre 1691 errichtet werden sollte. Dort stand schon eine Glashütte mit 30 Besitzern, darunter auch Witwen und Waisen. Aus diesem Grund baten die Stütz-rbacher den Herzog, dass die neue Hütte nicht „allzunahe“ an den Stützerbacher Forst gesetzt werde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tanzfleck

Markt Freihung

Kreis

Amberg Sulzbach

Dorf, zur Gemeinde Freihung;
O Amberg-Sulzbach; L.: Bayern;
Ei.: 144; Po. 92271 Freihung,

Etymologie: nicht ganz geklärt

1483 wird der >>Tanntzflecken<< in einer Grenzbeschreibung zwischen den Ämtern Vilseck, Parkstein, Weiden und Grafenwöhr erwähnt. 1531 Bergwerk >>aufm Tanntz-flegken<<.

1536/37 >>vff beden Zechen nemlich den Nackathen Weybern am Aynsydl vnnd vnser lieben Frauen Zwergentantz an den Tantzflecken<<. 1550 Bleibergwerk >>Dantz-flegken<<. 1588 >>Tanntzfleckhen<<.

1597 >>der Tantzfleck<<. 1657 >>auf dem Tannz-fleckhen<<. 1792 und 1841 „Tanzfleck“. Eine Deutung, wonach der Platz, an dem früher häufig im Freien Volksspiele und Tänze stattfanden, Tanzplatz bzw. Tanzfleck genannt wurde oder wo sich vor allem Bergleute zu frohen Tanz zusammengefun-den haben, dürfte bei diesem Ortsnamen nach dem Beleg von 1536/37 wohl ausschei-den.

Es ist eher anzunehmen, das der Name der Zeche >>Unserer lieben Frau<< mit einer Zwergensage in Verbindung gebracht wurde und dieser Zwergentanz bei der Namenge-bung eine Rolle spielte.

DREISPRUNG

(Fast schon) logisch: der Ort Dreisprung existiert – dreimal. Auf der Insel 25845 Nordstrand, in 25924 Rodenäs und in 25813 Simonsberg

Alle drei Orte sind nur kleine Hausgruppen mit wenigen Einwohnern

O Nordfriesland; L. Schleswig-Holstein; Etymologie: topographisch

Niederdeutsch >>Dreesprung<<. 1804/05: >>Drej Sprung<<, 1854 >>Dreisprung<< – Nie-derdeutsch Dreesprung<< als Benennung für eine Weggabelung oder auf das Zusammen-treffen dreier Deiche bezogen.

MÄGDESPRUNG

Ortsteil von Harzgerode; Fl. 80 ha;

275 m ü. M.; O Quedlinburg; L.: Sachsen-Anhalt; Ei.: 142; Po. 06493 Harzgerode;

Sehenswürdigkeiten: Durch den Ort fährt die Selketalbahn der Harzer-Schmalspur-Bahnen (HSB). Oberhalb des Ortes befindet sich die Burgruine >>Heinrichsburg<<.

Etymologie: Gewässername

Der Name des Ortsteiles Mägdesprung geht wahrscheinlich auf den Begriff >>Maide-sprung<< zurück, was bedeutet, dass eine Quelle im Ort entspringt, die einen Mäd-chennamen trägt. Dies soll die heutige >>Ernaquelle<< sein, welche aus dem Helenen-stollen unter dem Zirlsberg entspringt.

URSPRUNG

Gemeinde; Fl.: 385 ha; 409 m ü. M.;

O Stollberg; L.: Sachsen; Ei.: 600; Po. 09385;

Etymologie: wahrscheinlich Gewässername

Die Gründung von Ursprung geht auf das Jahr 1235 zurück. Es wurde damals unter dem Namen >>Morspringen<< genannt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde daraus der Name >>Ourspringen<<. Seit dem 17. Jahr-hundert hat die Gemeinde den Namen Ur-sprung. Es gibt ein Urentrup bei Biele­feld, Eine Ura = Our fließt in Luxemburg, mehrere Ura = Heure fließen in Frankreich. Auch Euren/Mosel hieß Ura. Noch heute im Schweizerischen ur als >>Feuchtigkeit, Sumpf<< (Kanton Uri). Uhrleben b. Erfurt, Uhrs-, Morsleben (siehe oben Morspringen!) Urenweiler, Urenheim. Also: ein (Sumpf-)Bach/Gewässername.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ortsteil der amtsfreien Gemeinde Gumtow; 57 m ü. M.; O Prignitz, L.: Brandenburg; E.: 45: Po. 16866 Gumtow;

Etymologie: Quelle an einem Sumpf

Die vor Ort erzählte haarsträubende Sage zur Namensentstehung soll hier erst gar nicht abgedrucken werden.

Fakt ist: Wie oben steht Sprung für Quelle. Zu Bären: Ein wiederholt vorkommender Name für sumpfige Stellen verrät schon durch seine Häufigkeit, dass ein Naturwort zugrunde liegt: ber ist eine uralte Bezeich-nung für Sumpf, Morast (Berne).

Ein Bärbroich bei Bergisch Gladbach, ein Barnbruch an der Aller und ein Berendonk bei Kevelar beweist den Wortsinn (donk meint Sumpfhügel).

ABSTOSS

Weiler, zur Stadt Wipperfürh; 235 m ü. M.; Oberbergischer Kreis; L.: Nordrhein-

Westfalen; Ei.: 85; 51688 Wipperfürth; Etymologie: verschiedene Deutungen

Wie Schoß zu schießen, gehört Stoß, stoßen zu mundartlich >>stiezen<<. Es bezeichnet

ursprünglich ein rundlich vorstehendes oder stumpf zulaufendes Etwas, woraus

sich dann Absatz, Abhang, Knapp, Hügel entwickelte. >>Stoß<< wurde an der unteren Wupper, an der oberen >>stöt<< oder >>stüt<< für Hügel, Berg gebraucht. Stöt, >>Stuten<< Backwerk, das durch Kerben in einzelne rundliche Stücke zerfällt. Mundartlich >>stut<< dickes Ende des Oberschenkels, >>Steiß<<. Stoß kann andererseits aber auch etwas Aufgehäuftes, einen Haufen bezeich-net (Holz-, Bücherstoß) und in einem Stein bruch mehrere Lagen übereinander bezeich-nen. Ferner bedeutet bei Bergleuten >>langer Stoß<< soviel wie lange, breite Seite eines Bergwerks.

[...]


* Etymologie = Lehre von der »wahren« Bedeutung der Wörter, d. h. vom Ihrem Ursprung und ihrer Grundbedeutung

Ende der Leseprobe aus 149 Seiten

Details

Titel
Die kuriosen deutschen Ortsnamen
Untertitel
Eine namenkundliche Untersuchung
Autor
Jahr
2009
Seiten
149
Katalognummer
V127325
ISBN (eBook)
9783640345601
ISBN (Buch)
9783640345526
Dateigröße
3421 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ortsnamen, Eine, Untersuchung
Arbeit zitieren
Manfred Schmidt (Autor), 2009, Die kuriosen deutschen Ortsnamen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127325

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