Diese Arbeit stellt die Telemedizin in den Mittelpunkt der Betrachtung. Sie ist im heutigen Gesundheitswesen bereits allgegenwärtig und sorgt für den Datenaustausch zwischen den verschiedenen Akteuren. Der moderne Betrieb eines Krankenhauses oder einer Praxis ist ohne diese Systeme des Datenaustausches nicht mehr denkbar. Die Telemedizin macht sich diese Technisierung zu Nutze. Telemedizin bezeichnet alle medizinischen Behandlungen bei denen die Akteure nicht in unmittelbaren Kontakt stehen und zur Überwindung der Distanz elektronische Hilfsmittel benutzt werden. Dies kann sowohl ein Telefon sein, als auch modernste IuKT, die zum Großteil auf der Datenübertragung durch das Internet basieren. Ziel dieser Arbeit ist es den Stand der Telemedizin in Deutschland anhand der Krankheitsbilder der Zukunft darzustellen und zu bewerten. Welche Lösungen kann die Telemedizin für die wichtigsten Krankheitsbilder anbieten und wie verbreitet sind diese Verfahren? Anhand der beiden Säulen Vernetzung und Anwendung wird diese Frage diskutiert und bewertet. Dabei werden verschiedene Praxisbeispiele analysiert und Stolpersteine und Hürden für die Umsetzung telemedizinischer Dienstleistungen beleuchtet.
Die Fragestellung und These, die dabei im Mittelpunkt stehen sollen lauten:
Warum gelingt es in Deutschland bis jetzt nicht, telemedizinische Verfahren flächendeckend umzusetzen?
Bei der Bearbeitung dieser Fragestellung werden einführend die Herausforderungen vor denen das Gesundheitswesen steht anhand des demographischen Wandels und der Finanzierungsproblematik dargestellt. Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse werden die Krankheitsbilder identifiziert, die zukünftig eine große Rolle im Bereich der gesundheitlichen Versorgung spielen werden. Bevor auf die telemedizinischen Anwendungen zu diesen Krankheitsbildern eingegangen wird, soll der Stand der Vernetzung im Gesundheitswesen anhand der Beispiele eGk und ePa diskutiert und bewertet werden. Liegen in diesem Bereich schon Hürden für die Umsetzung von Anwendungen vor? Der Bereich der praktischen Anwendungen wird daraufhin anhand diverser Praxisbeispiele zu den wichtigsten Krankheitsbildern analysiert. Die Frage, wie sich die Telemedizin in den Kreislauf der regulären Gesundheitsversorgung einfügt, und welche Organisationsform zum Einsatz kommt ist ebenfalls Gegenstand der Analyse.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Definitionen um die Telemedizin
1.1 Die Geschichte der Telemedizin
1.2 Eingrenzung und Verwendung der Begriffe
1.2.1 Vernetzung
1.2.2 Anwendung
1.3 Zwischenfazit: Begriffsbildung und Definition
2. Warum Telemedizin? Problemlage und Überblick.
2.1 Die Zukunft des Gesundheitswesens unter Berücksichtigung des demographischen Wandels
2.1.1 Die Folgen der „neuen“ Altersstruktur
2.2 Krankheitsbild und Krankheitskosten in Deutschland – ein Grund für Telemedizin?
2.2.1 Im Fokus: Erkrankungen des Kreislaufsystems
2.2.2 Im Fokus: Chronische Erkrankungen
2.2.3 Krankheitskosten und Reformen im Überblick
2.3 Zwischenfazit
3. Praktische Anwendungen
3.1 Vernetzung: Die elektronische Gesundheitskarte
3.1.1 Kritik an der elektronischen Gesundheitskarte
3.1.2 Die elektronische Gesundheitskarte und die Relevanz der freiwilligen Zusatzanwendungen
3.2 Vernetzung: Die elektronische Patientenakte
3.2.1 Die elektronische Patientenakte als eHealth Entwicklungsprojekt: Die Beispiele Krankenhaus und Krankenkasse
3.3 Zwischenfazit
3.4 Anwendung
3.4.1 Eingrenzung der Praxisbeispiele: Telemonitoring als erster Schritt und doctor 2 patient vs. doctor 2 doctor
3.5 Anwendung: Diabetes und Telemedizin
3.5.1 Diabetes: Eine Volkskrankheit
3.5.2 Telemedizinische Betreuungsansätze
3.6 Exkurs: Integrierte Versorgung und Disease Management Programme
3.7 Anwendung: Herz-Kreislauferkrankungen und Telemedizin
3.7.1 Das Institut für angewandte Telemedizin (IFAT) am Herz- und Diabeteszentrum NRW
3.7.2 Angebote des IFAT: ESCAT I-III
3.7.3 Angebote des IFAT: NOPT/AUTARK
3.7.4 Ergebnisse der Befragung bei AUTARK
3.7.5 Akzeptanz des IFAT und der ambulanten Rehabilitation
3.7.6 Kooperation und Belastbarkeit bei AUTARK
3.7.7 Zusammenfassung der Befragung bei AUTARK
3.7.8 Angebote des IFAT: Herz-AS
3.8 Anwendung: Ambient Assisted Living oder der Haushalt als dritter Gesundheitsstandort
3.9 Der Gesamtmarkt für telemedizinische Anwendungen
3.10 Zwischenfazit
4. Schlussfolgerungen, Stolpersteine und Hürden auf dem Weg zu telemedizinischen Anwendungen
4.1 Recht
4.2 Ökonomie und Finanzierung
4.2.1 Krankenhäuser
4.2.2 Niedergelassene Ärzte
4.2.3 Krankenkassen
4.2.4 Telemedizin Unternehmen
4.3 Akzeptanz
4.4 Organisation
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den aktuellen Stand telemedizinischer Verfahren in Deutschland und analysiert, warum trotz des hohen Potenzials bisher keine flächendeckende Umsetzung erfolgt ist. Dabei werden insbesondere die Herausforderungen des demografischen Wandels sowie die Finanzierungsproblematik im Gesundheitswesen beleuchtet und anhand konkreter Praxisbeispiele bewertet.
- Demografischer Wandel und die Auswirkungen auf das Gesundheitssystem.
- Krankheitsbilder der Zukunft (insb. chronische Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Leiden).
- Die Rolle der Vernetzung (eGK, ePa) und ihre Hürden bei der Implementierung.
- Analyse praktischer Telemedizin-Projekte und deren wirtschaftlicher Nutzen.
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Eingrenzung der Praxisbeispiele: Telemonitoring als erster Schritt und doctor 2 patient vs. doctor 2 doctor
In Abb. 2 sind die d2p Anwendungen nach Telediagnostik, Telemonitoring und Teletherapie unterteilt. Würde man hier eine Reihenfolge herstellen, so stünde am Anfang dieser Liste das Telemonitoring gefolgt von der Telediagnostik und abschließend der Teletherapie. Zur Stellung einer Diagnose und anschließend der Anwendung einer Therapie muss erst ein Problem bei dem betroffenen Patienten bestehen. Dieses Problem wird dann an den behandelnden Arzt per IuKT übertragen. Dieser erste Schritt erfolgt über das Telemonitoring:
„Telemonitoring ermöglicht die kontinuierliche Überwachung von Körperfunktionsdaten (Vitalparameter, physiologische Messdaten) insbesondere bei chronisch erkrankten oder risikogefährdeten Patienten.“ (Heinen-Kammerer et al., 2006, S.3)
Das Prinzip der Telemedizin, also der Übertragung dieser Daten über eine geographische Distanz hinweg, kommt natürlich auch hier zum tragen (siehe Definition Kapitel 1). Dem Telemonitoring kommt demnach eine besondere Bedeutung im Erfassen und Feststellen eines gesundheitlichen Problems zu. Es ist der erste Schritt, der zu einer Behandlung bzw. zum Eingreifen führen kann und stellt damit eine der wichtigsten Anwendungen bei telemedizinischen Verfahren dar vgl. Heinen-Kammerer et al., 2006, S.4 ff.). Es können zwei wesentliche Anwendungsbereiche unterschieden werden:
Risikomonitoring
Therapiemanagement
Das Risikomonitoring ermöglicht eine Überwachung von Patienten, die nicht direkt gefährdet sind, aber das Risiko einer möglichen Zustandsverschlechterung haben. Das Therapiemanagement hilft dem Patienten dabei, seine Therapie zu verbessern und einzuhalten (vgl. Häcker/Reichwein/Turad, 2008, S.10; vgl. Heinen-Kammerer et al., 2006, S.4). Das Telemonitoring ist Bestandteil fast aller telemedizinischen Anwendungen und steht bei den Betrachtungen der Fallbeispiele im Mittelpunkt der Funktionen. Dies wird bei der Vorstellung der Praxisbeispiele noch deutlicher werden. Die Beispiele konzentrieren sich dabei auf den Bereich d2p. Dies erfolgt v.a. aus der Überlegung heraus die Gruppe der Patienten mit einzubeziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definitionen um die Telemedizin: Dieses Kapitel erläutert die geschichtliche Entstehung des Begriffs Telemedizin und grenzt ihn von verwandten Feldern wie eHealth und Gesundheitstelematik ab.
2. Warum Telemedizin? Problemlage und Überblick.: Hier werden die Treiber der Telemedizin, insbesondere der demografische Wandel und die Kostenbelastung durch chronische Erkrankungen, detailliert analysiert.
3. Praktische Anwendungen: Dieses Hauptkapitel untersucht konkrete Projekte und Anwendungen (wie eGK, ePa, DiabCareOnline und AUTARK) und bewertet deren Erfolg und Hürden.
4. Schlussfolgerungen, Stolpersteine und Hürden auf dem Weg zu telemedizinischen Anwendungen: Der Autor identifiziert rechtliche, ökonomische, organisatorische und akzeptanzbedingte Barrieren, die einer breiten Einführung entgegenstehen.
5. Fazit und Ausblick: Das Kapitel resümiert die Ergebnisse und betont, dass die Telemedizin trotz bestehender Hindernisse aufgrund des demografischen Wandels unumgänglich ist.
Schlüsselwörter
Telemedizin, eHealth, Gesundheitstelematik, Demografischer Wandel, Chronische Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Telemonitoring, Elektronische Gesundheitskarte (eGK), Elektronische Patientenakte (ePa), Integrierte Versorgung (IV), Disease Management Programme (DMP), Praxismanagement, Kostensenkung, Patientenakzeptanz, Datensicherheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Rolle der Telemedizin im deutschen Gesundheitswesen, ihre Notwendigkeit angesichts aktueller demografischer Herausforderungen und die Gründe für die bisher nur zögerliche flächendeckende Implementierung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den technologischen Grundlagen (Vernetzung), den konkreten Anwendungsbereichen (Telemonitoring) sowie den ökonomischen und regulatorischen Rahmenbedingungen des deutschen Gesundheitsmarktes.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Warum gelingt es in Deutschland bis jetzt nicht, telemedizinische Verfahren flächendeckend umzusetzen?“
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer Auswertung von Praxisbeispielen und Datensätzen (wie dem Projekt AUTARK), um eine fundierte Bewertung des Status quo vorzunehmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben der Theorie der Telemedizin diverse Praxisbeispiele, wie die elektronische Gesundheitskarte und spezifische Telemonitoring-Programme für Diabetiker und Herzpatienten, detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Telemedizin, eHealth, demografischer Wandel, chronische Erkrankungen, Integrierte Versorgung (IV) und die verschiedenen organisatorischen Hürden im Gesundheitssektor.
Welche Bedeutung hat das „Projekt AUTARK“ in der Arbeit?
Das Projekt dient als Fallbeispiel für eine telemedizinisch unterstützte ambulante Rehabilitation nach Herzoperationen, um den konkreten Nutzen, die Patientenzufriedenheit und die Hürden der sektorenübergreifenden Versorgung aufzuzeigen.
Welche Rolle spielt die elektronische Gesundheitskarte (eGK)?
Die eGK wird als zentrale Infrastrukturkomponente betrachtet, deren Einführung jedoch aufgrund technischer, rechtlicher und akzeptanzbedingter Schwierigkeiten und langwieriger Entscheidungsprozesse als symbolhaft für die Probleme der Telemedizin-Implementierung gilt.
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- Robert Schwanitz (Author), 2009, Telemedizin. Notwendigkeit, Herausforderungen und Finanzierung in der Diskussion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127351