Kaiser Konstantin der Große und seine Darstellung in den antiken Zeugnissen des Eusebius von Caesarea. Das christliche Kaiserideal?


Hausarbeit, 2022

14 Seiten, Note: 2,7

Jana Olejniczak (Autor:in)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Bischof von Caesarea: Eusebius (*260 n. Chr.)
2.1 Eusebius auf dem Konzil von Nicäa (325 n. Chr.)
2.2 Die Säkularisierung des Kaisers

3. Kaiser Konstantin - ein Christomimet ?
3.1 Die Darstellung des Kaisers in der Vita Constantini
3.2 Bewertung der Historizität der Quelle

4. Fazit und Ausblick

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

IMP Flavius Valerius Constantinus lebte vermutlich zwischen 280-337 n.Chr. und war der Sohn des CAES Constantius Chlorus. Letzterer hatte bis zu seinem Tod als Unterkaiser gemeinsam mit den Oberkaisern AVG Gaius. Aurelius Valerius Diocletianus und AVG Marcus Aurelius Valerius Maximianus Herculius, sowie dem Unterkaiser CAES Gaius Galerius Valerius Maximianus das Römische Reich regiert. Unter Diokletian wird insbesondere die brutale Christenverfolgung verzeichnet. Die Tetrarchie sollte außerdem eine bessere Verwaltung des Reiches ermöglichen, zerfiel jedoch mit den Jahren, spätestens aber mit Konstantins Machtbestrebungen, die er nach dem Tod seines Vaters 306 n. Chr. hegte und die 324 n. Chr. in seiner Alleinherrschaft mündeten. Diokletian hatte als Oberkaiser, bis zu seiner Abdankung 305 n.Chr., diverse Reformen, wie ein neues Steuersystem, die bessere Verwaltung von Provinzen, oder die Münzreform, eingeführt. Diese wurden von Konstantin weitergeführt und stabilisiert. Die Christenverfolgung hingegen war jedoch kein Bestandteil der Politik des Kaisers, der den Christen im Jahr 313 n. Chr. die freie Ausübung ihrer Religion zusicherte. Wie kam es also zu dieser religiösen und politischen Änderung innerhalb des Römischen Reiches? Was ist in den Vorjahren geschehen, um Konstantin im Jahre 313, gemeinsam mit AVG Licinius dazu veranlassen, die Mailänder Vereinbarung abzusegnen, die allen Menschen die Freiheit gewährte, der Religion ihrer Wahl anzuhängen.

Der Sieg Kaiser Konstantins über den Tyrannen Marcus Aurelius Valerius Maxentius im Jahr 312 n. Chr. stellt für Historiker:innen einen Wendepunkt in der Geschichtsforschung dar. Sowohl aus religiöser, als auch aus politischer Sicht, ist die Schlacht an der Milvischen Brücke ein historisches Ereignis, von dem gegenwärtige Quellen auf unterschiedliche Art und Weise Zeugnis legen. Insbesondere die Vision, die Konstantin, mit Gottes Hilfe, den Sieg im Kampf mit Maxentius verschafft haben soll, erhält in der damaligen Geschichtsschreibung viel Aufmerksamkeit; Der pagane Konstantin habe sich nach der göttlichen Begegnung zum Christentum bekehrt und allein den Christengott angebetet. Doch inwiefern kann man antiken Quellen Glauben schenken, insbesondere hinsichtlich ihrer Objektivität und Historizität ? Dieser Frage soll am Beispiel der spätantiken Werke von Eusebius von Caesarea (260-340 n.Chr.) nachgegangen werden.

Dazu wird zunächst die Theologie vom logos skizziert, wie Eusebius sie in seinem Werk Laus Constantini (335 n.Chr.) darstellt. Anhand dieser soll ein Einblick in Eusebius‘ Vorstellung des Kaiserbildes ermöglicht werden. Im zweiten Teil der Arbeit wird die Darstellung des Kaisers in der Vita Constantini, sowie in der Historia Ecclesiastica näher untersucht, um anschließend ihre Glaubwürdigkeit bewerten zu können. Das abschließende Fazit fasst die Untersuchungen zusammen und gibt einen Ausblick auf die gegenwärtige Arbeit mit antiken Quellen, hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit und Verwendung in der Geschichtsforschung.

2. Eusebius von Caesarea (260-340 n.Chr.)

Im Folgenden Kapitel soll ein kurzer Überblick über Eusebius‘ Leben und seiner Theologie des Kaiserbildes präsentiert werden. Des Weiteren wird seine Rolle auf dem Konzil von Nicäa und deren späterer Bedeutung in den Jahren ab 325 n.Chr. beschrieben.

2.1 Eusebius auf dem Konzil von Nicäa (325 n. Chr.)

Der christliche Theologe Eusebius wurde circa 260 n. Chr. in Caesarea, Palästina geboren. Zu seinen Lehrmeistern zählten neben dem christlichen Autoren Origines, auch der Märtyrer Pamphylus, dessen Namen Eusebius annahm. Während der großen Welle der Christenverfolgung 303 n. Chr. hielt sich Eusebius vorübergehend in Ägypten auf und hielt die Verfolgungen schriftlich fest. Im Jahr 313 wurde Eusebius zum Bischof von Caesarea geweiht und bemühte sich fortan um den Wiederaufbau von Kirchenbauten und die Wiederherstellung des kirchlichen Lebens. Seine Werke umfassen neben der hier behandelten Vita Constantini, auch die Demonstratio Evangelica und die Praeparatio. Insbesondere die Historia Ecclesia bildet eine der wichtigsten Quellen der antiken Kirchengeschichte und verlieh Eusebius den Titel ,,Vater der Kirchengeschichte‘‘.1

Der Historischen Forschung nach zu urteilen, begegneten sich Kaiser Konstantin und Eusebius wahrscheinlich erstmals während des Konzils von Nicäa, 325 n. Chr. Das von Konstantin geführte Konzil sollte unter Einberufung von Bischöfen aus dem ganzen Reich, darunter Eusebius, Klarheit in die Frage nach der göttlichen Trinität bringen; Über mehrere Jahrhunderte führte die Begrifflichkeit der Wesensgleichheit zu Diskussionen und Splittergruppen im kirchlichen Zusammenhalt, so beispielsweise zu der Verurteilung der Anhänger des Arius, zu der auch Eusebius gezählt worden war. Der Arianismus verfolgte die Theologie, dass Gottes Sohn dem Gottvater untergeordnet sei. So kam es, dass Eusebius ein Jahr vor dem Konzil exkommuniziert wurde. Er erhielt jedoch die Gelegenheit zur Rehabilitierung und durfte sich folglich in Nicäa verteidigen. Mithilfe des Kirchensymbols von Caesarea konnte der Bischof seine Bekundung des Glaubens bestätigen und wurde vereidigt.2

In der Geschichtsforschung gilt das Konzil von Nicäa als erstes ökumenisches Konzil. Nach zwei Monaten, in denen die Gelehrten unter der Leitung des Kaisers über die Wesensgleichheit diskutierten, wurde die Formel, die Heiligen Geist und Gottes Sohn dem Gott Vater gleichstellen, letzten Endes in das Glaubensbekenntnis aufgenommen.3

2.2 Die Säkularisierung des Kaisers

Eusebius von Caesareas Historia Ecclesiastica ist eines der wichtigsten antiken Zeugnisse des Christentums, berichtet sie über Märtyrertode und religiöse Verfolgungen, wie die der Christen in den Jahrhunderten nach Jesus Christus‘ Geburt.4 Der Theologe Eusebius unternahm in seiner berühmten Kirchengeschichte Überlegungen, die das Verhältnis von Gott, Christus und Kaiser darstellte.

In seinem Buch ,,Geschichte des politischen Denkens‘‘ beschreibt Henning Ottmann, wie Eusebius die Sakralisierung des Kaisertums versteht: ,,Für Eusebius ist der Kaiser ein Abbild, ein eikon. Er ist ein Abbild des Urbildes des logos. (...) Für Eusebius ist Christus der l ogos, und der Kaiser wird zu einem Nachahmer dieses Vorbildes gemacht. Er wird zum Christomimeten‘‘. 5 Weiterführend sei es die Aufgabe des Kaisers, seine Untertanen zu Christus zu führen und als Herold des logos, in allen Völkern den Glauben Gottes zu sähen und sie zur Frömmigkeit und Vernunft zu bringen. Um den logos nachahmen zu können, muss der Kaiser folglich selbst ,,logi kos‘‘ werden, vernünftig und weise. Er ist bedacht darin, seine Untertanen zu retten, während Christus ihnen die Himmelstore öffnet und zu Gott leitet.6 Zusammenfassend. versucht die politisch-theologische Theorie von Eusebius, ,,den Kaiser durch eine dire kte göttliche Legitimation zu sakralisieren‘‘. Die Funktion als Christomimet habe laut Ottmann die Funktion, den Kaiser in eine Reihe mit Gott und Christus zu stellen.7

3. Kaiser Konstantin - ein Christomimet ?

Das folgende Kapitel hat zum Ziel, die politisch-theologische Vorstellung des idealen christlichen Kaisers, auf die Werke des Eusebius zu beziehen, die das Leben Kaiser Konstantins erzählen. Vordergründig beziehen sich die Ausführungen auf Ausschnitte der Vita Constantini und der Vision Konstantins vor dem Kampf mit Maxentius, sowie auf Konstantins Triumphzug.in Rom. Anschließend wird mit Hilfe wissenschaftlicher Standpunkte, eine kritische Bewertung der antiken Zeugnisse vorgenommen, hinsichtlich ihrer Objektivität.

3.1 Die Darstellung des Kaisers in der Vita Constantini

,,Er rief folglich diesen in Gebeten an, indem er sich ihm entgegen warf und bat, ihm zu zeigen, wer er sei, und seine rechte Hand über das vor ihm Liegende auszustrecken. Aber während der Kaiser um dies betet und heftig fleht, erscheint ihm ganz unerwartet ein göttliches Zeichen (...). ‘‘ 8

Die Vita Constantini erzählt über das Leben des Kaiser Konstantins und dessen Regierungszeit und wurde kurze Zeit nach dessen Tode im Jahr 337 n. Chr. von Eusebius publiziert. Vor allem Konstantins Verbindung zum Christentum wird von dem Theologen beschrieben. Jedoch ist die Vita aufgrund von Eusebius‘ Tod im Jahre 340 n. Chr. wohl niemals fertiggestellt worden. In dieser Ausarbeitung liegt der Hauptfokus auf dem ersten von insgesamt vier Büchern, die über die Lebensgeschichte des Kaisers berichten. Insbesondere die göttliche Vision des Kaisers, die ihm vor der Schlacht an der Milvischen Brücke, im Jahr 312 n. Chr. ereilte, wird hier genauer betrachtet. Zuvor hatte der Bürgerkrieg gegen Maxentius vom Mont Genevre über Susa/ Segusio, Turin, Mailand, Brescia, Verona, Aquileia, Modena, Ravenna, Ariminum/ Rimini nach Rom.9

Ausgangspunkt in der Erzählung von Konstantins Vision ist die Schreckensherrschaft des Tyrannen Maxentius, der in Rom sein Unwesen treibt: ,,Als er darauf (...) die kaiserliche Stadt der Römer-Herrschaft, durch tyrannische Sklaverei unterworfen sah, überließ er zuerst die Abwehr für diese denjenigen, die die Macht über die anderen Teile hatten‘‘.10 Im römischen Reich herrschte eine angespannte Stimmung: Konstantin wollte seinem Gegner, AVG Maxentius, die Herrschaft des Westens entziehen. Obwohl die Truppen des Gegners gut aufgestellt waren, wagte Konstantin den Feldzug nach Italien, da das Leben für ihn nicht lebenswert sei, ,,wenn er die kaiserliche Stadt so notleidend sehe, und rüstete sich zur Beseitigung der Tyrannis‘‘.11 Konstantin wird in diesem Abschnitt des Buches als ehrenhafter Retter der Stadt Rom dargestellt. Von Konstantins Mitkaisern, die über die anderen Teile des Landes regierten, wurde Rom im Stich gelassen, doch Konstantin zog allen Zweifeln trotzend in den Kampf.12

[...]


1 Vgl. Wallace-Hadrill, David S.: Eusebius von Caesarea, Theologische Realenzyklopädie Online, Berlin 2010 , S.537, aufgerufen am 13.07.2022

2 Ebd. S.538

3 Vgl. Schäfer, Joachim: Konzile von Nicäa, Ökumenisches Heiligenlexikon Online, aufgerufen am 14.07.2022

4 Vgl. Ottmann, Henning: Geschichte des politischen Denkens, Stuttgart 2002, S.338

5 Ebd. S.340

6 Ebd. S.340

7 Ebd. S.339

8 Eusebius von Caesarea: De vita Constantini, herausgegeben und übersetzt und kommentiert von Paul Dräger, Oberhaid 2007, S.69

9 Vgl. Grünewald, Thomas: Constantinus Maximus Augustus, Stuttgart 1990, S. 60f

10 Vita Const. I , 28, 1 (= Vita Constantini, Buch 1, Kapitel 28, Satz 1)

11 Vita Const. I, 26

12 Vita Const. I, 26

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Kaiser Konstantin der Große und seine Darstellung in den antiken Zeugnissen des Eusebius von Caesarea. Das christliche Kaiserideal?
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Veranstaltung
Konstantin der Große
Note
2,7
Autor
Jahr
2022
Seiten
14
Katalognummer
V1273670
ISBN (Buch)
9783346724212
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konstantin, Kaiser, Römisches Reich, Konstantinische Wende, Eusebius, Christentum
Arbeit zitieren
Jana Olejniczak (Autor:in), 2022, Kaiser Konstantin der Große und seine Darstellung in den antiken Zeugnissen des Eusebius von Caesarea. Das christliche Kaiserideal?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1273670

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