Aktives Zuhören im LER-Unterricht und Darstellung ausgewählter Seminarinhalte


Hausarbeit, 2022

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Inhaltliche Darstellung ausgewählter Seminarinhalte
2.1 Die Bedeutung der Körpersprache
2.2 Mediation als Situationsanalyse
2.3 Du-Botschaften als Konfliktverstärker

3. Aktives Zuhören nach Carl Rogers
3.1 Grundlagen der klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie
3.2 Möglichkeiten zur Realisierung Aktiven Zuhörens im Alltag

4. Aktives Zuhören im Kontext des LER-Unterrichts
4.1 Bezug zum Rahmenlehrplan LER
4.2 Umsetzungsvorschlag für die Schule 15

5. Fazit

6. Anhang
6.1 Abbildungen
6.2 Literaturverzeichnis

Die Abbildungen sind aus urheberrechtlichen Gründen nicht im Lieferumfang enthalten.

1. Einleitung

Kommunikation als Schlüssel und somit als Zugang zu anderen Menschen weist neben den schier unendlich bereichernden Möglichkeiten des Austauschs eine ungleich hohe Anzahl an Hürden und Schwierigkeiten auf, die wiederum in Form diverser Kommunikationsprobleme wahrgenommen werden. Treffen Menschen aufeinander und treten sie durch Kommunikation in Kontakt, so ist das Auftreten dieser Schwierigkeiten schier unumgänglich. Inhalt dieser Arbeit werden sowohl Kommunikationsschwierigkeiten als auch potentielle -lösungen. Im Folgenden finden sich zunächst drei Darstellungen ausgewählter Inhalte des Seminars vom Januar 2022. In einem zweiten Schritt wird auf die in der Kommunikation oft als selbstverständlich wahrgenommene Tätigkeit des Zuhörens als Aktives Zuhören auf Basis der klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie nach Carl Rogers eingegangen. Abgeschlossen wird die Arbeit mit einem Umsetzungsvorschlag des Aktiven Zuhörens für den Unterricht. Einige Kapitel beginnen zudem einleitend mit einem ausgewählten Zitat, welches lediglich als anregender Hinweisreiz der Veranschaulichung des jeweiligen Themenkomplexes dient.

2. Inhaltliche Darstellung ausgewählter Seminarinhalte

2.1 Die Bedeutung der Körpersprache

„Man lügt zwar mit dem Mund, aber mit dem Maul das man dabei macht, sagt man doch die Wahrheit.“ (Friedrich Nietzsche)1

Die Körpersprache als Form nonverbaler Kommunikation stellt neben dem Zuhören auch einen unterschätzten Aspekt der Vielschichtigkeit zwischenmenschlicher Kommunikation dar. Eine Studie von Mehrabian aus dem Jahr 1971 konnte sogar feststellen, dass unter gewissen Prämissen die Körpersprache in einer Kommunikationssituation neben dem Inhalt und der Stimme den größten Teil bei der Übermittlung einer Nachricht ausmache. Sie hat dabei einen Anteil von bis zu 55% an der Übermittlung einer Nachricht des Senders bzw. der Senderin. Sie liegt damit knapp über der Stimme (38%) und weit über dem Inhalt (7%).2 Anders als angenommen, entscheiden also Aspekte wie Sitzhaltung, Blick, Position der Arme und diverse Gestiken maßgeblich darüber, welche Nachricht jemand an sein Umfeld sendet und weniger, was gesagt wird (Inhalt) und wie es gesagt wird (Stimme). Wenn jemand beispielsweise von einem Vortrag erzählt, der ihn oder sie begeisterte, dann wird etwaige Begeisterung kaum vom Gegenüber als solche wahrgenommen, sollte der oder die Sprechende seine oder ihre Äußerung mit gebeugtem Rücken, verschränkten Armen und gesenktem Blick artikulieren. Besonders beim Ausdruck von Emotionen wie Begeisterung, Interesse und Offenheit kann eine verschlossene Körperhaltung dazu beitragen, die intendierte Emotion nicht adäquat an das Umfeld zu vermitteln. Um dem Umfeld die gemeinten Emotionen zu zeigen, nicht das Gegenteil zu suggerieren und dementsprechend missverstanden zu werden, kann eine offene Körperhaltung funktional eingesetzt werden. Zentrale Aspekte einer offenen Körperhaltung sind ein gerader Rücken bzw. eine generell aufrechte Körperhaltung, Arme an der Seite oder auf dem Schoß und ein konstanter Blickkontakt. Eindeutigkeit in der Kommunikation ist das Ergebnis einer Körperhaltung, die Offenheit artikuliert, wenn Offenheit empfunden und intendiert wird. Ein Bewusstsein für die und die Reflexion der eigenen Körpersprache kann sowohl auf Seiten der sprechenden als auch der zuhörenden Person dazu beitragen, Missverständnissen und Kommunikationsproblemen präventiv entgegenzuwirken. Neben dem Einfluss auf den Verlauf eines Gespräches, kann eine offene Körperhaltung als nonverbaler Teil des sog. „ersten Eindrucks“ zudem als Schlüssel zur Eröffnung eines Gespräches dienen, indem Gesprächsbereitschaft vermittelt wird.

2.2 Mediation als Situationsanalyse

Treten Kommunikationsprobleme, Konflikte und daraus resultierende Beziehungsprobleme zutage, so überwiegt der erste Impuls unter den Konfliktbeteiligten und Beobachtenden, das Problem schnellstmöglich lösen zu wollen. Diese Lösung wird dann zunächst auf inhaltlicher Ebene gesucht, indem Handlungsmöglichkeiten ausgelotet und abgewogen werden. Der Konflikt und die damit einhergehenden unangenehmen Gefühle sollten dadurch schnellstmöglich verschwinden. Es gilt, sie weitestgehend zu verhindern und wenn sie auftreten, so schnell wie möglich wieder loszuwerden. Doch nicht selten führt das Befolgen dieses Impulses einhergehend mit einem fast zwanghaften Suchen nach und dementsprechend wenig erfolgsversprechenden Finden von Lösungen -die bestenfalls für beide Parteien noch den perfekten Kompromiss beinhalten- zu keinerlei Konfliktlösung. Es könnte ganz einfach sein, dass die sich aufgrund des Konflikts im Stress befindenden Konfliktbeteiligten in der aktuellen Situation rein kognitiv nicht in der Lage sind, angemessene Lösungen zu finden oder angemessen klingende Lösungen gar nicht zu den Bedürfnissen der Beteiligten passen. Um nicht diesem impulsartig auftretenden Drang nach schnellstmöglicher und damit oft unpassender Lösungssuche zu verfallen, kann eine Methode zur rein deskriptiven Situationsanalyse effektiv zur Konfliktlösung beitragen: die Mediation. Bei der Mediation handelt es sich um eine Herangehensweise, die zunächst einmal „einen Schritt zurückgeht“ und prinzipiell entgegengesetzt zur o.g. rigorosen Lösungsfindung verläuft. Die zentrale Frage der Mediation lautet dabei: „Worum geht es eigentlich?“ Dieser Frage kann entnommen werden, dass der sichtbare und objektiv wahrgenommene Konflikt nur einen Teilaspekt des gesamten Problems darstellt, vor dem die Konfliktbeteiligten stehen. Eigentlich steckt hinter dem offensichtlichen Konflikt das „wirklich Wichtige“, welches durch Mediation in den Bereich des Sichtbaren überführt werden kann. Die eigentlich relevanten Aspekte des nur teilweise ersichtlichen Problems sind dabei die Bedürfnisse und Werte der Konfliktbeteiligten, die zwar nicht direkt verbalisiert werden, aber ohne die der Konflikt gar nicht hätte existieren können. Zusätzlich dienen die im Konflikt auftretenden Emotionen als Brücke zwischen den unsichtbaren Bedürfnissen und Werten des sichtbaren Konflikts.3 Emotionen ermöglichen dabei zwar die Transferierung der unbefriedigten Bedürfnisse und unerfüllten Werte, tun dies aber nur auf unkonkrete und indirekte Art und Weise. Dieser unkonkreten und indirekten Ausdrucksweise auf zudem emotionaler Ebene kann eine Mediation Abhilfe verschaffen und den Konfliktbeteiligten die Möglichkeit eröffnen, das Eigentliche, ihre Bedürfnisse und Werte, zu verbalisieren. Um in einem Konflikt wirksam Hilfe zu leisten und die Konfliktbeteiligten zusammenzubringen, ohne als dritte Partei selbst zu einem Konfliktbeteiligten zu werden, bedarf es dabei eines spezifischen Mediationsverlaufes. Zunächst ist es notwendig, von den Beteiligten das Einverständnis einzuholen, als Dritte:r die Mediation durchzuführen und daraufhin gemeinsam verbindliche Regeln für die Umsetzung festzulegen. Dieser Schritt basiert auf der Freiwilligkeit, die Mediation als Mittel zur Konfliktlösung zu wählen, denn für eine erfolgreiche Durchführung ist der Wille der Beteiligten unabdingbar. In einem nächsten Schritt erfolgt die einleitende Darlegung des Konflikts durch die Erklärung der einzelnen Perspektiven. Als Mediator:in besteht die Aufgabe hierbei in der Wiederholung des Gesagten zur Vermeidung von Missverständnissen. Daraufhin gelingt die sog. Konflikterhellung, die dazu beträgt, die o.g. verborgenen Bedürfnisse und Werte, aber auch Wünsche des Einzelnen näher zu beleuchten. Es sollte zwingend beachtet werden, diese so eindeutig und detailliert wie möglich zu beschreiben. Hierbei können nun die Konfliktbeteiligten ein tiefgreifendes Verständnis für die eigentlichen Anliegen des Gegenübers entwickeln. Auch dabei ist es wieder vonnöten, als Mediator:in das Gesagte zu wiederholen. Erst der vierte Schritt besteht in der Problemlösung, wobei die Beteiligten selbstständig Lösungen formulieren, aus denen dann gemeinsam eine Einigung gefunden wird. Die Problemlösung kann dann als abgeschlossen gelten, wenn beide Parteien mit der Lösung einverstanden sind. Der Lösungs- und damit auch Mediationsprozess wird mithilfe eines Mediationsvertrages abgeschlossen, der von den Konfliktbeteiligten mit einem Handschlag besiegelt und somit als verbindlich gekennzeichnet wird. Nicht unerheblich für die Ernsthaftigkeit des Vertrages ist dabei das banal wirkende Ritual des Handschlags, dessen Wirkung zusätzlich unter Aufrechterhaltung von Blickkontakt verstärkt wird.4 Die Mediation stellt eine ziemlich erfolgsversprechende Methode dar, Konflikte nachhaltig zu lösen. Die große Stärke einer Mediation besteht darin, die Fronten zwischen den Konfliktbeteiligten nicht verhärten zu lassen, sich auf menschlicher Ebene zu begegnen, indem tiefgreifende Bedürfnisse und Wünsche angesprochen werden und gleichzeitig die mit einem Konflikt einhergehenden unangenehmen Gefühle zuzulassen, d.h. sie nicht schnellstmöglich loswerden zu wollen. Für den Einzelnen ergibt sich zudem ein nachhaltiger Effekt aus dem Bewusstwerden der eigenen Bedürfnisse und Wünsche, deren Verbalisierung bestenfalls dafür sorgt, diese zukünftig eindeutiger zu kommunizieren.

2.3 Du-Botschaften als Konfliktverstärker

Neben dem Widerspruch zwischen eigentlich Gemeintem und dann tatsächlich Gesagtem, besteht ein weiteres Kommunikationsproblem in Konflikten darin, den Lösungsprozess durch affektive Schuldzuweisungen zu verhindern. Das Bedürfnis einer eindeutigen Schuldzuweisung und das damit einhergehende impulsartige Suchen nach einem oder einer Schuldigen für das Problem ist vergleichbar mit dem o.g. Verlangen, Konflikte schnellstmöglich lösen zu wollen und unangenehme Gefühlszustände zu vermeiden. Beiden Prinzipien liegt die Vereinfachung und das Herunterbrechen komplizierter Kommunikationssituationen und -lösungen auf handhabbare Schemata zugrunde. Und dies scheint nur verständlich, führt es doch zu einer schnellen Abwicklung eines sehr komplexen Prozesses. Langfristig wirkt sich derartiges Ausweichen jedoch weder für den Einzelnen gut auf die intensive Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen aus, noch stellt es eine nachhaltige Bewältigung von Konflikten dar.

[...]


1 Celebi, C.: Powerpointpräsentation, 2022, S. 31

2 Vgl. Mehrabian, A.: Silent Messages: Implicit Communication of Emotions and Attitudes. 1971

3 Vgl. Celebi, C.: Powerpointpräsentation, 2022, S. 95-96

4 Vgl. Celebi, C.: Powerpointpräsentation, 2022, S. 103-104

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Aktives Zuhören im LER-Unterricht und Darstellung ausgewählter Seminarinhalte
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,3
Autor
Jahr
2022
Seiten
20
Katalognummer
V1273733
Sprache
Deutsch
Schlagworte
aktives, zuhören, ler-unterricht, darstellung, seminarinhalte
Arbeit zitieren
Eva Renz (Autor:in), 2022, Aktives Zuhören im LER-Unterricht und Darstellung ausgewählter Seminarinhalte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1273733

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