Ziel dieses Beitrags ist es, am Beispiel der aktuellen und für namhafte Preise nominierten Literaturverfilmung des Roman-Klassikers "Krabat" von Marco Kreuzpaintner (2008) vorzuführen, wie intermedialer Unterricht kompetenzorientiert in der Sekundarstufe I umgesetzt werden kann. Es soll zudem demonstriert werden, dass Schüler mithilfe einer Analyse medialer Mittel Rückschlüsse auf den Inhalt und den ästhetischen Wert eines Filmes ziehen können, um zu einer kritischen Beurteilung zu gelangen. Dadurch sind sie in der Lage, mithilfe der Signifikanten die Signifikate besser zu verstehen.
Neue Medien haben im Deutschunterricht zwar bereits ihren Platz gefunden, wie diverse Unterrichtsmodelle zum Einsatz von Literaturverfilmungen im Deutschunterricht zeigen, jedoch wird dabei zumeist wenig auf das Phänomen der Intermedialität und auf genuin mediale Mittel eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
Der Krabat-Stoff als intermediales Phänomen
Forderungen an eine intermedial-ästhetische Bildung im Schulkontext
Medienwechsel als Lesemotivation
Unterrichtssequenz zu filmischen Mitteln unter Zuhilfenahme von Fragebögen
Zusammenhang zwischen Prä- und Posttest
Fazit: Intermedialität als Vehikel zu einem kritischen Umgang mit Literaturverfilmungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial intermedialen Lernens im Deutschunterricht der Sekundarstufe I am Beispiel der Romanverfilmung "Krabat" von Marco Kreuzpaintner. Ziel ist es, durch die Analyse filmischer Mittel wie Kameraführung und Farbgebung die Medienkompetenz der Schüler zu fördern, um sie zu einer kritischen Rezeption und Beurteilung von Literaturverfilmungen zu befähigen.
- Grundlagen der Intermedialität nach Rajewsky (Medienkombination, Medienwechsel, intermediale Bezüge)
- Forderungen an eine intermedial-ästhetische Bildung im schulischen Kontext
- Das lesefördernde Potenzial von audiovisuellen Adaptionen
- Umsetzung einer Unterrichtssequenz zur Filmanalyse in der Sekundarstufe I
- Empirische Evaluation des Wissenszuwachses über filmische Mittel mittels Prä- und Posttest
Auszug aus dem Buch
Der Krabat-Stoff als intermediales Phänomen
Da es sich bei dem Phänomen der Intermedialität um ein vielseitiges Konstrukt handelt, ist es zunächst notwendig, diesen Fachterminus nach der etablierten und viel zitierten Definition von Rajewsky einzugrenzen. Um den abstrakten Begriff greifbarer zu machen, sieht sie eine Dreiteilung vor: Medienkombination, Medienwechsel und intermediale Bezüge. Medienkombination bezeichnet ein Zusammenspiel von mehreren Medien. Solch eine Kombination von eigenständigen Medien, wie zum Beispiel eine Verknüpfung aus Text und Bild, führt nach Ansicht Rajewskys meist zu einer Herausbildung eigenständiger Kunst- oder Mediengattungen, bei denen die Qualität von der Art der Kombination der Einzelmedien abhängt. Als Beispiele für durch Medienkombination neu entstandene Gattungen nennt sie das Theater, die Oper oder den Film. Bei diesen verschmilzt die visuelle Komponente mit der auditiven.
Der zweite Unterbereich von Intermedialität, der Medienwechsel, wird auch als Medientransfer bezeichnet. Konkret sind damit Literaturverfilmungen, Verarbeitungen als Oper und die Entstehung eines Buches zum Film gemeint. Als Beispiel kann hier wiederum die gerade erwähnte Krabat-Verfilmung dienen. Denn der Stoff um den Zauberjungen Krabat hat hier eine Transformation in ein audiovisuelles Medium durchgemacht. Bei der Beurteilung wird die Qualität der Umsetzung des einen in ein anderes Medium bemessen, im Mittelpunkt steht also der jeweilige Produktionsprozess.
Wenn sich ein Medium auf ein anderes bezieht, indem es dessen spezifische Wirkungsweise nachahmt, spricht man nach Rajewsky von intermedialen Bezügen. Dieses Phänomen führt sie als dritte Subfacette von Intermedialität an. Beispiele hierfür sind eine filmische Schreibweise, Literarisierung von Film oder auch eine Musikalisierung literarischer Texte, wie z.B. Onomatopoesie. Intermediale Bezüge liegen also dann vor, wenn ein Medium Elemente oder Strukturen eines als distinkt wahrgenommenen Mediums mit eigenen charakteristischen Mitteln nachahmt.
Zusammenfassung der Kapitel
Der Krabat-Stoff als intermediales Phänomen: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Intermedialität anhand der Dreiteilung von Rajewsky und wendet diese theoretischen Grundlagen auf die Krabat-Verfilmung an.
Forderungen an eine intermedial-ästhetische Bildung im Schulkontext: Basierend auf Kaspar Spinner wird dargelegt, warum die Schulung des Imaginationsvermögens und der Empathiefähigkeit durch intermediales Lernen für Schüler unerlässlich ist.
Medienwechsel als Lesemotivation: Hier wird diskutiert, wie audiovisuelle Adaptionen als Brücke zur Literatur dienen können und welche Rolle "Bücher zum Film" bei der Leseförderung spielen.
Unterrichtssequenz zu filmischen Mitteln unter Zuhilfenahme von Fragebögen: Das Kapitel beschreibt das praktische Design einer Studie, bei der Schüler durch Training zur Filmsprache ihre Medienkompetenz erweitern.
Zusammenhang zwischen Prä- und Posttest: Es wird die statistische Auswertung präsentiert, die einen deutlichen Wissenszuwachs über filmische Mittel bei den Schülern nach der Unterrichtseinheit belegt.
Fazit: Intermedialität als Vehikel zu einem kritischen Umgang mit Literaturverfilmungen: Das Fazit fasst zusammen, dass intermediales Vorgehen sowohl medienspezifische als auch literaturspezifische Lernziele unterstützt und zu einem bewussteren Medienumgang führt.
Schlüsselwörter
Intermedialität, Film, Literaturverfilmung, Deutschunterricht, Medienkompetenz, Medienwechsel, Medienkombination, Krabat, Filmanalyse, Sekundarstufe I, Lesemotivation, Didaktik, Intermediale Bezüge, Filmsprache, Ästhetische Bildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das komplexe Phänomen der Intermedialität durch die Analyse von Literaturverfilmungen effektiv in das Fach Deutsch der Sekundarstufe I integriert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die medientheoretischen Grundlagen der Intermedialität, die Bedeutung der ästhetischen Bildung, die Förderung der Lesemotivation durch Verfilmungen sowie die praktische Umsetzung einer didaktischen Unterrichtssequenz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Schüler durch ein gezieltes Training zur Filmsprache in die Lage zu versetzen, mediale Mittel wie Kamera und Lichtsetzung zu analysieren und so zu einer kritischen Medienbeurteilung zu gelangen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein empirischer Ansatz gewählt, der mit einer Treatment- und Kontrollgruppe arbeitet und mittels Prä- und Posttests den Wissenszuwachs der Schüler misst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Fundierung, didaktische Begründungen, praktische Anwendungsbeispiele sowie die quantitative Auswertung der durchgeführten Unterrichtsmodule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Intermedialität, Medienkompetenz, Krabat, Literaturverfilmung und didaktische Filmanalyse beschreiben.
Wie bewertet der Autor die didaktische Qualität der Krabat-Verfilmung von 2008?
Trotz inhaltlicher Kritik an der Vorlage durch Experten erkennt der Autor ein hohes didaktisches Potenzial, da der Film hervorragend dazu geeignet ist, Schüler an ein kritisches Medialitätsbewusstsein heranzuführen.
Gab es bei der Untersuchung geschlechterspezifische Unterschiede bei den Schülern?
Zu Beginn zeigte sich ein leichtes Wissensgefälle, jedoch konnten durch das Training beide Geschlechter gleichermaßen kompetent agieren, was das Klischee von technikuninteressierten Mädchen entkräftete.
- Arbeit zitieren
- Michael Stierstorfer (Autor:in), 2016, Der Adoleszenzroman "Krabat" und Kreuzpaintners Verfilmung im Deutschunterricht. Intermediales Lernen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1273793