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Ovids "Metamorphosen" im Spiegel der Jugendliteratur

Von Arkadien über New York ins Labyrinth des Minotaurus

Title: Ovids "Metamorphosen" im Spiegel der Jugendliteratur

Essay , 2014 , 21 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Michael Stierstorfer (Author)

Classic Philology - Other
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Der Beitrag bringt in interdisziplinär angelegten Textanalysen die deutlich privilegierte Stellung von Ovids Metamorphosen als gemeinsamem Substrat und nahezu durchgängigem Referenztext der wichtigsten Mythenadaptionen für Jugendliche zur Anschauung.

Zunächst wird der gegenwärtige Boom an Mythenpopularisierungen für jüngere Rezipienten sowohl in der neueren Ovidrezeption als auch in der Historie dieses Genres verankert. Sodann wird anhand der postmodernen Adaption von handlungsbestimmenden mythologischen Orten aus Ovids Weltgedicht gezeigt, wie Ovids komplexe Erneuerung der mythischen Tradition die Gegenwartsautoren zu erstaunlich ähnlichen Verfahren der kreativen Anverwandlung inspiriert hat.

Die international überaus erfolgreichen aktuellen Jugendbuchreihen "Percy Jackson und Helden des Olymp" von Rick Riordan, "Jack Perdu" von Katherine Marsh, "Die sagenhaften Göttergirls" von Suzanne Williams und Joan Holub, "Die Irrfahrer" von Gerd Scherm und "Schwein gehabt, Zeus!" von Paul Shipton bezeugen die bemerkenswerte Dominanz der griechisch-römischen Mythologie in der gegenwärtigen Alltagskultur. Die rezeptionsphilologische und fachdidaktische Erschließung dieser aktuellen Werke stellt ein Desiderat der Altertumswissenschaften dar.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Ovids Metamorphosen im Spiegel der Jugendliteratur

2. Mythologische Orte in Ovids Metamorphosen und mythoshaltiger KJL: „Vom Himmel durch die Welt zur Hölle“

2.1 Olymp: Vom „Palatin des hohen Himmels“ zum Eliteinternat „Olymp High“

2.2 Aether: Phaethon und der Sonnenwagen – Wenn ein Schwein über den Himmel rast

2.3 Delphi: Vom Nabel der Welt zum „stillen Örtchen“

2.4 Aiaia: Wenn die Femme Fatale Circe zum Opfer von sexueller Belästigung wird

2.5 Das kretische Labyrinth – Vom Irrgarten des Minotaurus zum Irrenhaus

2.6 „Arkadien“ – Vom heidnischen locus amoenus zum Refugium für das Goldene Kalb aus dem AT

2.7 „Hölle“: Orpheus und Eurydike – Wenn die New Yorker U-Bahn zur Unterwelt wird…

3. Resümee: Innovationspotential mythologischer Orte aus ovidianischer Dichtung in der Gegenwartsliteratur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die postmoderne Rezeption antiker Mythologie, insbesondere Ovids „Metamorphosen“, in der zeitgenössischen Kinder- und Jugendliteratur (KJL). Ziel ist es, aufzuzeigen, wie moderne Adaptionen das mythologische Material frei transformieren und durch neue, spielerisch-ironische Erzählweisen ein „drittes Ovidianisches Zeitalter“ begründen.

  • Diachrone Rezeptionsgeschichte der antiken Mythologie in der deutschen KJL (18.–21. Jahrhundert).
  • Struktureller und inhaltlicher Vergleich zwischen klassischen Nacherzählungen (u.a. Gustav Schwab) und modernen, freien Adaptionen.
  • Analyse der Transformation zentraler mythologischer Orte und Settings (Olymp, Delphi, Labyrinth, Unterwelt).
  • Untersuchung von narrativen Strategien wie Parodie, Ironisierung und Mythenkorrektur in aktuellen Werken wie „Percy Jackson“ oder „Die Irrfahrer“.

Auszug aus dem Buch

Olymp: Vom „Palatin des hohen Himmels“ zum Eliteinternat „Olymp High“

Auf ähnlich innovative Weise wie bei Ovid wird der Berg Olymp in den Adaptionen dargestellt. An diesem geschützten Ort, der für Feinde, wie z.B. die Titanen, sehr schwer zu erreichen war, residierten die griechischen Gottheiten zusammen mit den tanzenden und singenden Musen in einem himmlischen Idyll. Nach seinen überstandenen Questen und seiner Katabasis stattet Percy dem Olymp einen Besuch ab, um Zeus seinen verschollenen Herrscherblitz auszuhändigen. Der Olymp erscheint hier wie ein bukolisches Idyll, das auf das Empire-State-Building verlegt wurde. Nachdem Percy viele gefährliche Schlachten geschlagen hat, kann sich Percy an diesem hellen und funkelnden Ort sicher und geborgen fühlen und den ausgelassen feiernden Satyrn und Najaden beiwohnen. Rick Riordan modernisiert den Olymp nicht nur, indem er ihn vom höchsten Berg Griechenlands auf eines der höchsten und prestigeträchtigsten Bauwerke der Welt versetzt, sondern parodiert das legendäre Setting zugleich dadurch, dass er den westlichen Kapitalismus einziehen lässt: Dort werden wie bei einer Touristenattraktion Süßigkeiten und Souvenirs an Besucher verkauft:

Meinen [= Percys, Anm. M.S.] Weg durch den Olymp legte ich wie in Trance zurück. Ich kam an kichernden Waldnymphen vorbei, die mich mit Oliven aus ihrem Garten bewarfen. Straßenhändler wollten mir Eis am Stiel verkaufen oder einen neuen Schild oder eine echte Kopie des Goldenen Vlieses, mit eingewebten Glitzerfäden, wie es im Hephaistos-TV zu sehen war. Die neun Musen stimmten ihre Instrumente für ein Konzert im Park, wo eine kleine Menge sich sammelte – Satyrn und Najaden und allerlei gut aussehende Teenager, bei denen es sich um mindere Gottheiten handeln musste. Niemand schien sich Sorgen wegen eines bevorstehenden Krieges zu machen. Alle schienen zum Feiern aufgelegt zu sein. Einige drehten sich um, als ich vorüberkam, und tuschelten miteinander. Ich stieg die Hauptstraße hoch, auf den großen Palast ganz oben zu. Er war das genaue Gegenstück des Palastes in der Unterwelt. Dort war alles schwarz und bronzefarben gewesen. Hier funkelte alles in Weiß und in Silber (Riordan, S. 397).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Ovids Metamorphosen im Spiegel der Jugendliteratur: Diese Einleitung führt in die postmoderne Adaptionsweise mythologischer Settings ein und definiert das Forschungsziel, Parallelen zu Ovids Mythologie in modernen Werken aufzuzeigen.

2. Mythologische Orte in Ovids Metamorphosen und mythoshaltiger KJL: „Vom Himmel durch die Welt zur Hölle“: Der Hauptteil analysiert die Transformation zentraler, archaischer Orte (u.a. Olymp, Delphi, Labyrinth) durch moderne KJL-Autoren anhand von konkreten Textbeispielen.

3. Resümee: Innovationspotential mythologischer Orte aus ovidianischer Dichtung in der Gegenwartsliteratur: Das Fazit fasst die enorme Bandbreite der modernen Adaptionen zusammen und bestätigt die Etablierung eines dritten Ovidianischen Zeitalters in der aktuellen Jugendliteratur.

Schlüsselwörter

Antike Mythologie, Ovid, Metamorphosen, Kinder- und Jugendliteratur, Postmoderne, Mythenadaption, Mythopoesie, Rezeptionsgeschichte, Fantasy, Sagen, Griechisch-römische Mythologie, Erzählstrukturen, Intertextualität, Literaturdidaktik, Mythos.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie moderne Kinder- und Jugendliteratur antike Mythen, insbesondere aus Ovids „Metamorphosen“, aufgreift, verändert und in zeitgenössische Settings transferiert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Fokus stehen die literarische Adaptionsgeschichte, der Wandel von Nacherzählungen hin zu freien mythopoetischen Werken sowie die Bedeutung der Antike für das Genre Fantasy.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Wie lässt sich die signifikante Zunahme und die neue, freiere Art der Mythenrezeption seit ca. 2005 von der bisherigen Tradition abgrenzen und lässt sich dies mit Ovids Erzählweise in Verbindung bringen?

Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewendet?

Die Autorin/der Autor wählt einen diachronen Überblick sowie eine textnahe Analyse ausgewählter Beispiele, um die Transformation spezifischer mythologischer Orte zu belegen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung sieben spezifischer mythologischer Orte (wie Olymp, Delphi oder die Unterwelt) und zeigt anhand von Romanbeispielen die ironische Dekonstruktion und Mythenkorrektur auf.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Zentrale Begriffe sind Postmoderne, Mythen-Translation, Ovid, Mythopoesie, Intertextualität und die diachrone Rezeptionsgeschichte in der deutschen Kinder- und Jugendliteratur.

Inwiefern werden moderne Orte wie eine U-Bahn-Station in New York mythologisch gedeutet?

Die Unterwelt wird in Werken wie „Jack Perdu“ räumlich modernisiert, wobei der Hades unter einer realen U-Bahn-Station angesiedelt wird, was den Zugang für junge Leser erleichtert und eine christlich geprägte Hölle ironisch umsetzt.

Was ist das „dritte Ovidianische Zeitalter“?

Damit beschreibt der Autor eine aktuelle Epoche der Literatur ab ca. 1988/2005, in der Autoren die verschachtelte, metaphorische Webkunst Ovids aufgreifen, um in der Postmoderne neue, komplexe Mythen-Webteppiche zu erschaffen.

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Details

Title
Ovids "Metamorphosen" im Spiegel der Jugendliteratur
Subtitle
Von Arkadien über New York ins Labyrinth des Minotaurus
College
University of Regensburg
Grade
1,0
Author
Michael Stierstorfer (Author)
Publication Year
2014
Pages
21
Catalog Number
V1273798
ISBN (PDF)
9783346718679
ISBN (Book)
9783346718686
Language
German
Tags
ovids metamorphosen spiegel jugendliteratur arkadien york labyrinth minotaurus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Stierstorfer (Author), 2014, Ovids "Metamorphosen" im Spiegel der Jugendliteratur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1273798
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