Wer ist die wirkliche Mutter des Kindes und wonach soll dies entschieden werden? Diese Frage wird in dem 1944/45 von Bertolt Brecht verfassten Werk Der kaukasische Kreidekreis behandelt. Deshalb soll im Folgenden auf die Frage nach der wahren Mutterschaft innerhalb des Werkes eingegangen werden, wobei die Mutterfiguren genauer betrachtet, charakterisiert sowie miteinander verglichen werden sollen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Mutterfiguren in Der kaukasische Kreidekreis
2.1 Charakterisierung der Mutterfiguren
2.1.1 Grusche Vachnadze
2.1.2 Natella Abaschwili
2.1.3 Vergleich der Mutterfiguren
2.2 Wie wird der Mutterbegriff durch das Werk gezeichnet?
2.3 Wann steht die wahre Mutterschaft fest?
3 Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Definition von Mutterschaft im Werk "Der kaukasische Kreidekreis" von Bertolt Brecht. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob die biologische Herkunft oder das soziale Handeln einer Mutter für die wahre Mutterschaft entscheidend ist, indem die beiden Protagonistinnen Grusche Vachnadze und Natella Abaschwili vergleichend analysiert werden.
- Differenzierung zwischen biologischer und sozialer Mutterschaft.
- Kontrastreiche Charakterisierung von Grusche Vachnadze und Natella Abaschwili.
- Analyse des Mutterbegriffs und dessen Darstellung durch das Werk.
- Untersuchung der Kreidekreisprobe als ethisches und rechtliches Urteil.
- Bewertung der sozialen Eignung als Kriterium für Mutterschaft.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Grusche Vachnadze
Grusche Vachnadze ist am Hofe des Gouverneurs als Küchenmädchen angestellt. Im Werk wird Grusche als treue, wenn auch einfache und naive Person charakterisiert. Brecht selbst beschreibt in seinen Notizen, dass er mit Grusche eine Figur schaffen wollte, die:
einfältig sein [sollte] [...]. Sie sollte [...], willig statt gut, ausdauernd statt unbestechlich [sein] und so weiter und so weiter. Diese Einfalt sollte keineswegs `Weisheit´ bedeuten [...], jedoch ist sie durchaus vereinbar mit praktischer Veranlagung, selbst mit List und Blick für menschliche Eigenschaften. - Die Grusche sollte, indem sie den Stempel der Zurückgebliebenheit ihrer Klasse trägt, weniger Identifikation ermöglichen und so als in gewissem Sinne tragische Figur [...] objektiv dastehen.3
Die „einfältige“ und naive Art Grusches macht sich beispielsweise dadurch bemerkbar, dass sie dem Kindermädchen während des Aufruhrs glaubt, als dieses ihr das Baby „für einen Moment zum Halten“4 gibt, obwohl es offensichtlich ist, dass das Kindermädchen nur die Verantwortung für das Kind abgeben will, um sich selbst in Sicherheit bringen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Themenfelder Biologie und soziale Rolle der Mutterschaft ein und formuliert die zentrale Leitfrage bezüglich der wahren Mutterschaft in Brechts Drama.
2 Mutterfiguren in Der kaukasische Kreidekreis: Dieses Kapitel widmet sich der detaillierten Vorstellung der beiden Kontrahentinnen Grusche Vachnadze und Natella Abaschwili sowie deren Vergleich im Hinblick auf ihre Eignung als Mutter.
2.1 Charakterisierung der Mutterfiguren: Hier werden die Charaktereigenschaften von Grusche und Natella sowie deren gegensätzliche Rollen gegenüber dem Kind Michel zentral untersucht.
2.1.1 Grusche Vachnadze: Analyse der treuen, aufopferungsvollen und verantwortungsbewussten Art von Grusche als soziale Mutterfigur.
2.1.2 Natella Abaschwili: Betrachtung der egozentrischen und habgierigen Wesenszüge von Natella, die das Kind primär als Statusobjekt betrachtet.
2.1.3 Vergleich der Mutterfiguren: Direkte Gegenüberstellung der beiden Frauen, wobei insbesondere der Unterschied in ihrer Priorisierung des Kindeswohls versus persönlicher Vorteile hervortritt.
2.2 Wie wird der Mutterbegriff durch das Werk gezeichnet?: Untersuchung des gesellschaftlichen Mutterbildes, das durch den Richterspruch des Dramas gegenüber traditionellen Vorlagen revolutionär neu definiert wird.
2.3 Wann steht die wahre Mutterschaft fest?: Erläuterung der Funktion der Kreidekreisprobe und der Frage, inwieweit das Urteil bereits vor der eigentlichen Probe feststand.
3 Schlussfolgerung: Zusammenfassende Betrachtung, dass Mutterschaft bei Brecht primär durch soziale Verantwortung und nicht durch Blutsverwandtschaft definiert wird.
Schlüsselwörter
Bertolt Brecht, Der kaukasische Kreidekreis, Mutterschaft, Grusche Vachnadze, Natella Abaschwili, soziale Eignung, Sorgerecht, Kreidekreisprobe, soziale Rolle, leibliche Mutter, Ziehmutter, Kindeswohl, Familienverständnis, aufopfernde Sorge, Gerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Definition von Mutterschaft in Bertolt Brechts Drama "Der kaukasische Kreidekreis" unter besonderer Berücksichtigung der unterschiedlichen Mutterfiguren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Konflikt zwischen biologischer Abstammung und sozialer Fürsorge sowie die Frage, welche Kriterien eine "wahre Mutter" ausmachen.
Was ist das Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Brecht das traditionelle Mutterbild durch die soziale Eignung der Ziehmutter Grusche ersetzt und neu bewertet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine interpretative Literaturanalyse, die auf Primär- und Sekundärliteratur basiert, um die Charaktere und die rechtlichen Aspekte des Dramas zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Charakteranalyse von Grusche und Natella, ihrem direkten Vergleich und der philosophischen sowie rechtlichen Bedeutung des Mutterbegriffs innerhalb des Werkes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Mutterschaft, soziale Eignung, Kindeswohl, Sorgerecht und der Gegensatz zwischen Grusche Vachnadze und Natella Abaschwili.
Warum wird Grusche Vachnadze in der Arbeit als "Bilderbuch-Mutter" bezeichnet?
Grusche stellt das Idealbild dar, da sie trotz großer persönlicher Entbehrungen die Bedürfnisse des Kindes über ihr eigenes Überleben und ihren sozialen Status stellt.
Welche Bedeutung hat das Urteil des Richters für das moderne Familienverständnis?
Das Urteil markiert einen Wandel, in dem die soziale Bindung und das tatsächliche Handeln für eine Familie als wichtiger angesehen werden als die bloße biologische Herkunft.
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- Anonym (Autor:in), 2020, Mutterbilder in Bertolt Brechts "Der kaukasische Kreidekreis", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1273951