Mittelalterbild, Marktwesen und dessen Umsetzung in der Neuzeit

Am Beispiel des Mittelalterlichen Weihnachtsmarktes auf Burg Satzvey (Eifel)


Bachelorarbeit, 2009
74 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Ausgangssituation und Durchführung:

Theoretischer Teil
Was war der 'Markt' im Mittelalter?
Ein historischer Rückblick – allgemein
Markthistorie rund um Satzvey
Die Vogtei zu Satzvey
Das Burggebäude
Wie fügt sich der 'Weihnachtsmarkt' in diese Historie ein?
Weihnachtsmärkte in Deutschland – ein erster Survey
Emailsurvey
Weihnachtsmarkt – Christkindlmarkt - Burgweihnacht
Anfänge und Entwicklung der Weihnachtsmärkte in Deutschland
Weihnachtsmarkt – Adventmarkt – Namensgebungen der Märkte
Der Weihnachtsmarkt doch eher ein 'Adventsmarkt'? Oder: Warum der Weihnachtsmarkt ein Weihnachtsmarkt ist
Heutige 'mittelalterliche Weihnachtsmärkte'
Historische Wurzeln des Advent und Weihnachtsfestes
'Mittelaltermarkt und mittelalterlicher Markt' – wo ist der Unterschied?
Was macht den Unterschied zwischen 'Historischen Märkten' und 'Mittelalterlichen Märkten' aus?

Praktische Untersuchung und historischer Rückbezug
Setting: Burg, Marktgelände und Weihnachtsspiel
Festspielburg – Historisches Gemäuer für Mittelalterevents
Krippenspielbühnen und Marktflächen auf dem Burggelände
Weihnachtsspiel
Historische Weihnachtsspiele
Das Weihnachts- oder Krippenspiel auf Burg Satzvey
Die Befragung
Der Markt
Dauer der Anwesenheit der Händler
Lokalisation der Stände
Beleuchtung
Zeitphasen
Bekleidung
Marktsprache
Warenangebot (Kräuter, Lederwaren, Stoffe, Gewandung, Weihnachtsartikel, etc.)
Unzeitgemäßes

Zusammenfassung

Literaturliste

Anlagen
Fragebogen
Fragebogen für Marktbeschicker des Weihnachtsmarktes auf Burg Satzvey 2008
Fragen an die Städte und Gemeinden
Bild- und Tabellennachweise
Abbildungen/Fotographien/Graphiken
Tabellen

Ausgangssituation und Durchführung:

In den vergangenen gut über zwanzig Jahren, konnte eine Zunahme von Veranstaltungen mit Bezügen zum Mittelalter beobachtet werden. Neben den Ritterfestspielen und Mittelaltermärkten der Sommermonate verzeichnete sich in den letzten Jahren ein Zuwachs an Mittelalterlichen Weihnachtsmärkten[1].

Dabei fällt auf, dass eine Vielzahl von Begriffen und Vorstellungen zirkuliert, die mit den Bezeichnungen 'Historischer (Weihnachts-)Markt' oder 'Mittelalterlicher (Weihnachts-)Markt' verknüpft sind. Diese werden nicht unwesentlich von den Veranstaltern und Händlern der Märkte generiert. Daher geht es also zunächst im theoretischen Teil darum, einige wichtige Begriffe und deren reale historischen Grundlagen zu klären.

So: Was ist überhaupt ein Weihnachtsmarkt? Hierfür ist die Betrachtung notwendig, was unter diesem Begriff/diesem Phänomen überhaupt zu verstehen ist, in welchen Ausprägungsformen und mit welchen Bezeichnungen er versehen wird. Als Übersichtsarbeit hierzu wurde eine Umfrage bei 2078 deutschen Städten[2] durchgeführt, um eine erste Einschätzung zu erhalten und von hier aus zu der oft so bezeichneten Form des mittelalterlichen oder auch historischen Weihnachtsmarktes überzuleiten.

Im wissenschaftlichen Begriff umfasst das Mittelalter (im deutschsprachigen Raum) eine Zeitspanne von 500 bis 1500 n. Chr[3]. Ein historischer oder mittelalterlicher Weihnachtsmarkt greift damit auf mehrere Jahrhunderte der Zeitgeschichte zurück. Aus diesem Grund wird erwartet, dass sich auf derartigen Märkten zahlreiche Darstellungsformen finden lassen, die dieser Epoche entsprechen.

Deutlich sein muss dabei, dass ein solcher Markt in unserer Zeit auch immer ein Kompromiss ist, der nämlich von den Vorstellungen und Erwartungen an das Mittelalter, der Verfügbarkeit von Waren, und den Möglichkeiten der Warendarbietung abhängt. Viele Faktoren, wie u. a. ein anderes Marktverhalten der Besucher (exempl.: Wer kauft heute noch die Weihnachtsgans[4] lebend auf dem Markt?) haben im Laufe der Jahrhunderte das Marktgeschehen verändert. Auch gibt es moderne Erfordernisse der Warendarbietung (Pfand-/Einweggeschirr/-besteck), die aus wirtschaftlichen und/oder lebensmittelhygienischen Gründen erforderlich sind. Die juristischen Aspekte (Marktrecht, Brandschutzordnungen, etc.) werden dabei hier jedoch nicht beleuchtet, sondern allein auf die 'Erscheinungsform' geachtet – die damit von außen vorgegebene Brüche in der Darstellung des Mittelalterbildes aufweisen kann.

Der historische oder mittelalterliche Weihnachtsmarkt ist also das Produkt der Vorstellung eines Marktes zu Zeiten des Mittelalters, wie er zu den heutigen Bedingungen durchgeführt werden kann. Boockmann spricht in solchen Fällen von einem "rekonstruierten Mittelalter". So heißt es:

"Wo wir überlebendem Mittelalter gegenüberzustehen meinen, haben wir es fast stets mit einer komplexen Wirklichkeit zu tun: mit Überresten aus dem Mittelalter gewiß, aber auch mit den Spuren späterer Zeiten, die aus mittelalterlichen Kirchen etwas fast Neues gemacht haben, obwohl der Raum doch der alte geblieben zu sein scheint. Oft genug ist aber auch das nicht der Fall, ist vielmehr, was wir für verbliebenes Mittelalter zu halten geneigt sind, in Wahrheit ein zurückgewonnenes, unter späteren Überformungen freigelegtes oder gar anstelle von späteren Zuständen rekonstruiertes Mittelalter, ein Mittelalter des 19. Jh. nicht selten, das nur Vorstellungen vom Mittelalter entspricht und tatsächlich bloß altertümlich, pittoresk oder anheimelnd ist."[5]

Dieses Bild vom Mittelaltermarkt – ein rekonstruiertes Mittelalter in der Neuzeit - gilt es anhand der Analyse eines Einzelfalls zu betrachten.

Hierzu wurde der 'Mittelalterliche Weihnachtsmarkt auf Burg Satzvey' ausgewählt. Dieser Markt wird seit 1996 jährlich unter der Bezeichnung "Burgweihnacht", auf dem Gelände der Burg durchgeführt.

Die Idee zur Studie war, die jeweiligen markanten Merkmale der Mittelalterdarstellung herauszuarbeiten. Dazu erschien es zielführend, sich das Waren- und Unterhaltungsangebot der einzelnen Anbieter/Darsteller des Weihnachtsmarktes anzusehen, wie auch die Art und Weise der Auslage und Darbietung.

Dies geschah zum einen durch Beobachtung und Analyse der situativen und szenischen Gegebenheiten. Zum anderen war beabsichtigt, mittels eines Fragebogens die Anbieter von Waren und die Darsteller von Musik- und Schauspielertrupp zu verschiedenen Merkmalen und Ausprägungen ihres Angebots und Tuns zu befragen. Bei Letzteren musste darauf weitgehend verzichtet werden, da der organisatorische Ablauf eine Befragung nur schlecht bzw. in sehr geringem Umfang ermöglichte. Aus diesem Grunde wurde hierzu fast ausschließlich auf das Instrument der Beobachtung zurückgegriffen.

Bei der Untersuchung war also vordergründig interessant, mit welchen Mitteln die Anbieter und Darsteller ihr Mittelalterbild generieren[6].

In dieser Arbeit wird jedoch kontrastierend ein historischer Rückbezug erfolgen, um einen Vergleich zwischen der heutigen Darbietung und der bekannten geschichtlichen Realität herzustellen. Dies geschieht mittels Literaturanalyse zu vorausgegangenen empirischen Studien und theoretischen Untersuchungen. An dieser Stelle kann dann gleichfalls gezeigt werden, wo Brüche in der Darstellung des Mittelalterbildes erscheinen.

Theoretischer Teil

Will man sich Marktgeschehen und Marktentwicklung der Zeit des Mittelalters ansehen, so ist zu bemerken, dass der derzeitige Forschungsstand recht spezifiziert ist, sowohl in zeitlicher, als auch in räumlicher Hinsicht.

Eine Analyse des Marktgeschehens im Mittelalter ist eine potentiell revisionsbedürftige Angelegenheit, die nur durch weitere, zukünftige Arbeiten ausgefüllt werden kann. Historische Daten bieten quasi nur Kristallisationspunkte, an denen Geschichte zu Tage tritt. Dazwischen können Lücken von Jahren, Jahrzehnten, aber auch Jahrhunderten sein, bis erneut durch Quellen Situationen belegt werden, die entweder das bereits bekannte nochmals bekräftigen bzw. wiederholen oder vielleicht sogar gänzlich veränderte Zustände schildern.

Ziel dieses Abschnittes ist es daher, die ersten geschichtlichen Hintergründe des Marktgeschehens im Mittelalter im regionalen Umfeld des Ortes Satzvey herauszustellen. Ein Teil dieser historischen Geschehnisse liegt zeitlich rund drei- bis vierhundert Jahre vor der Errichtung der Burg Satzvey, andere hängen wiederum zeitlich und inhaltlich konkret damit zusammen. Dadurch werden mögliche Produktions- und Handelskontinuitäten beleuchtet, welche die Bedeutung der Burg im Hoch- und Spätmittelalter, für das regionale und auch überregionale Marktgeschehen, verdeutlichen. Die Arbeit orientiert sich dabei an Quellen, soweit diese in Editionen vorliegen, und in der Hauptsache an der Sekundärliteratur.

Was war der 'Markt' im Mittelalter?

Ein historischer Rückblick – allgemein

Für den Markt des Mittelalters waren vier wesentliche Faktoren konstituierend, die auch für heutige Märkte noch so gelten:

1. Es musste sich um eine Ansammlung oder einen bekannten Ort handeln, an dem Händler und Käufer zum Austausch von Waren und entsprechenden Gegenwerten zusammenkommen konnten. Die Marktdauer konnte dabei auf Tagesmärkte bis hin zu Wochenmärkten aber auch mehrwöchigen Märkten angelegt sein. (Mitunter wurde auch die Anzahl der Markttage pro Jahr bzw. die Art des Marktes konkret geregelt[7] ).
2. Der Marktort musste, wegen des Transports der Waren, über Wasser-/Wege (regelmäßig) erreichbar sein – idealerweise über solche Straßen, die auch eine Fernverbindung zwischen größeren und/oder bekannteren Orten ermöglichten[8].
3. Die Befugnis zur Ausübung des Marktes wurde von einem Grundherrn oder der Kirche wahrgenommen bzw. vom König/Kaiser an Gemeinschaften verliehen[9]. Mit letzterem gingen meist weiterführende Rechte und Pflichten (Zoll, Münze, Marktfrieden, u. a.) einher.
4. Der Markt konnte für Waren des täglichen Bedarfs im allgemeinen (Lebensmittel, Leder-, Töpferwaren, etc.) eingerichtet werden oder ein Spezialmarkt (Butter, Milch, Getreide, Vieh, Holz, Brot, Fleisch, Striezel, etc.) sein[10].

Wie die Generierung und Gestaltung des Marktes zu bestimmten Phasen des Mittelalters vornehmlich war, wird unterschiedlich bewertet. Mitterauer sieht, verweisend auch auf Christaller, Märkte als "zentrale Orte", die "nicht unbedingt mit zentralen Siedlungen gleichzusetzen [sind], wenn auch in der Regel eine derartige Übereinstimmung gegeben ist."[11] So wird in den Märkten des Mittelalters eine Tradition antiker Handelsplätze und -verfahren vermutet, die teils aus der Zeit der römischen Besetzung und Koloniegründungen bis über die Zeit der Völkerwanderung hinaus Bestand hatten und auch die Normanneneinfälle des 9. Jh. (im Rheinland) überstanden. Neben der Entstehung und Durchführung von Märkten an Kultplätzen wird eine Kontinuität des Marktgeschehens über die keltischen Oppida, römischen Castrae und Civitates, dann über die karolingische bzw. fränkische Zeit (mit den frühen Burgmarktgründungen und Marktrechtsverleihungen an geistliche Herrscher) hinweg, bis hin zu den ersten ottonischen Burg-Stadt-Märkten angenommen[12]. Andererseits wird der Markt als spezielles Phänomen des Spätmittelalters gesehen, eng mit der Gründung von Dörfern und Städten verbunden[13].

Bereits im 12. Jahrhundert verfügte Deutschland dann über ein gut ausgebautes System an privilegierten Märkten und Jahrmärkten bzw. Messen[14].

Markthistorie rund um Satzvey

Am Ende des 9. Jh. findet man, in weniger als fünfzehn Kilometern Fußstrecke von Burg Satzvey entfernt, die "villa regia Flameresheim"[15] erwähnt. Ludwig der Deutsche (~806 – 876) nutzte diese auf seinen Visitationen im Land als Königshof, als Residenz für die Dauer seines Aufenthaltes. Heute gehört dieser Ort zur Kreisstadt Euskirchen. Euskirchen selbst, und auch die zugehörenden Ortschaften Euenheim und Billig sollen nach entsprechenden Interpretationen zu jener Zeit ein Zentrum der Tierzucht, insbesondere der Schafzucht, zur Versorgung der königlichen Hofhaltung gewesen sein[16]. Mit diesen Vorstellungen, bspw. des "königlichen Schafstalls", geht auch die Annahme einher, dass die Höfe und Residenzen während des Wanderkönigtums über eine autarke Lebensmittelversorgung verfügten, wie auch alles Lebensnotwendige verfügbar war. So regelte bspw. bereits das Capitulare de villis vel curtis imperii Karls des Großen (~747– 814) in einigen Kapiteln – was für den Fall der königlichen Hofhaltung an Lebensmitteln und Haushaltsgegenständen vorrätig zu halten sei[17]. Es ist davon auszugehen, dass die Gegenstände, die nicht unmittelbar selbst erwirtschaftet oder erstellt wurden, im Tauschhandel anderweitig erworben werden mussten.

Für den 13. November des Jahres 898 findet sich, ausgefertigt von König Zwentibold[18], für den ebenfalls unweit von Satzvey gelegenen Ort Münstereifel[19] eine Marktgründungsurkunde. In dieser Urkunde wird für das dortige Kloster, eine Tochtergründung der Abtei Prüm[20], das Marktrecht begründet ("in eodem loco mercatum habeatur"), eine öffentliche Münze eingerichtet ("et publica fiat moneta") und dies kraft der Erlaubnis des Königs und dessen weiterer Nachfahren ("quatinus nostra nostrorumque successorum licentia"). Damit liegt eine bereits sehr frühe Privilegierung vor, welche die Nutznießrechte von Zweidritteln der Zolleinnahmen dem Kloster Münstereifel zuschreibt.

Inwieweit dieser Markt, insbesondere nach der Umwandlung des Klosters in ein Stift, für die Region auch in der Folgezeit des Hoch- und Spätmittelalters noch relevant war, ist derzeit nicht bekannt. Über Handelsbeziehungen zwischen Münstereifel und Satzvey liegen noch keine Ausarbeitungen vor, wenngleich die regionale Beschickung von Märkten im nahen Umkreis wahrscheinlich war und angenommen werden kann. Die landwirtschaftliche Nutzung des Umfeldes ist jedoch bereits früh verbürgt.

Ferner gab es historische Straßen und Wege, die in unmittelbarer Nähe an Satzvey bzw. Euskirchen vorbeiführten. Auch hier liegen keine vollständig umfassenden Belege für die konkreten Streckenführungen vor, jedoch ist die Wichtigkeit dieser Straßen ein möglicher Anhaltspunkt dafür, dass Händler, Pilger und andere Reisende im näheren Umfeld von Euskirchen – und damit vielleicht auch an Satzvey – vorbei kamen und sich ggfs. mit Waren versorgten.

- Zeitlich weit zurückverfolgen lässt sich die alte Römerstraße von Trier nach Köln, die auf den Zwischenstationen von Marmagen (hist. röm. Name: Marcomago vicus) nach Zülpich (hist.: Tolbiaco vicus) fast unmittelbar an den heutigen Ortschafen Satzvey und Euskirchen vorbeiführte. Die römische Besiedelung, des Rheinlandes und des nördlichen Eifelvorlandes, ist durch archäologische Befunde gut gesichert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Tabula Peutingeriana - Streckenführung Köln/Bonn-Trier, über: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Tabula_Peutingeriana_800x350.jpg&filetimestamp=20081015155829

- Ebenfalls über Euskirchen (Ortsteil Wichterich) führte die historische Krönungsstraße von Frankfurt am Main nach Aachen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Aachen-Frankfurter Heerstraße zwischen Aachen und dem Rheintal, entnommen: W. Janssen, S. 179

- Jüngst führte der Jakobus-Pilgerweg von Köln nach Trier über Prüm, dessen Verlauf auch Station in Euskirchen und (Bad) Münstereifel nahm. Die Verehrung des Jakobus setzte im 9. Jahrhundert in der neu errichteten Grabeskapelle des Heiligen (Santiago di Compostela) in Spanien ein, die Hochphase der Pilgerreisen entwickelte sich im 10. Jahrhundert über Frankreich und frühe Belege für einen Pilger aus dem Rheinland finden sich für das späte 11. Jahrhundert[21].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Streckenführung des Jakobspilgerweges Köln/Bonn-Prüm, U. Röbkes

Auf diese Weise lassen sich Reise- und Handelsstraßen durch die Region bis in die Zeit römischer Besiedlung zurückverfolgen und die Weiternutzung bzw. Neuanlage von Strassen im Mittelalter zumindest vermuten.

Besonders hebt sich jedoch hervor, dass der Ort Satzvey spätestens ab dem 11. Jahrhundert Besitztum des Bonner Benediktinerinnenstifts Dietkirchen war, welches in rund 30 Kilometer Fußstrecke Entfernung lag (hierzu s. weiter unten).

Gab es also im Umfeld von Satzvey einen durch einen weltlichen Herrscher (König Zwentibold) und einen geistlichen Herrscher (Äbtissinnen und Stiftsdamen von Kloster Dietkirchen) privilegierten Markt, so führt Irsigler neben den "Herrschaftsträgern" und den "geistlichen und weltlichen Grundherren", die er als einen Typus betrachtet, noch zwei weitere potentielle "Initiatoren der Gründung oder Privilegierung" an, nämlich die "Fernkaufleute und städtische Kommunen"[22]. Die Stadtgründung Euskirchens zu Beginn des 14. Jh. wäre damit potentiell ein entsprechender städtischer Markt gewesen. Inwieweit Initiativen von Fernkaufleuten seinerzeit bestanden, ist derzeit nicht bekannt.

Die Vogtei zu Satzvey

Die Historie der Burg Satzvey ist eng mit den Geschicken des Klosters Dietkirchen[23] bei Bonn verbunden, welches für die Entstehung sogar konstitutiv ist. Daher soll dies hier einleitend geschildert werden.

Die Ursprünge des Klosters resp. der Pfarrkirche Dietkirchen gehen bereits in die frühe Zeit des Mittelalters zurück, eine erste urkundliche Erwähnung der Kirche lässt sich für das Ende des 8. Jahrhundert nachweisen. Die Ländereien in Satzvey lassen sich ab dem 11. Jahrhundert dem Klosterbesitz zuordnen, seit der zweiten Hälfte des 14. Jh. wurde zur Verwaltung von den jeweiligen Äbtissinnen ein Lehen als Vogtei vergeben, wie auch die Schultheißenposition besetzt. Brosche schreibt hierzu: "Die Äbtissin von Dietkirchen ist danach Inhaberin des hohen und niederen Gerichts, verfügt über den Weinzapf und ist die Lehnsherrin des Dorfes "binnen der veyr steynen", für alle, Ritter, Knechte oder Bauern."[24]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: älteste (erhaltene) Abbildung des Klosters Dietkirchen bei Bonn aus dem 17. Jh. (Quadrant links unten), M. Merian, über: http://www.digitalis.uni-koeln.de/Merian/merian_index.html

Der Stift führte - nachgewiesen seit dem 12. Jh. - alljährlich in der Zeit vom 23. bis 29. Juli in Dietkirchen bei Bonn einen Jahrmarkt, den so genannten Johannesmarkt durch.[25] Weiterhin wurde von einer "jährlichen Zahlung von 3 Mark" berichtet, die der Vogt von Satzvey an das Stift zu leisten hatte – der Vogt selbst erhielt für seine vertretungsweise Ausübung der Gerichtsbarkeit in Satzvey folgendes an Gefällen: "3 M[alter] Weizen, 3 Malter Korn, 17 ½ Malter Hafer, 18 Viertel Wein und 3 Ferkel". Dies findet sich in einem Weistum – dem ältesten erhaltenen aus dem Jahre 1395 – schriftlich bestätigt.[26]

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, also bereits im Spätmittelalter, erfolgte zunächst eine Trennung zwischen Hof und Vogtei in Satzvey. Den Hof übernahm die Witwe des bisherigen Vogtes Heinrich von Kruithusen, Gertrud van me Roede, zur Pacht. Die Vogtei selbst ging an den Nachfolger, Heinrich von Melre. Zwischen letzterem und der Äbtissin von Dietkirchen entspannen sich mehrjährige Streitigkeiten über die Einsetzung eines Schultheißen und wohl auch über das Zapfrecht.

Nicht ganz achtzig Jahre später war der Stift nach anhaltenden Anspruchs- und Zuständigkeitsstreitigkeiten gezwungen, die "Besitzungen in Satzvey den Vögten zu verkaufen".[27]

Die Produktion von landwirtschaftlichen Handelsgütern in Satzvey, die teils zur Deckung des eigenen Bedarfs, teils zur Leistung von Abgaben u.a. an die Äbtissin des Klosters Dietkirchen, aber auch zur Beschickung des Marktes dienten, kann, zumindest für die Zeit des Hoch- und Spätmittelalters, als belegt gelten. Inwieweit auf der Burg selbst bzw. dem umliegenden Gelände oder im zugehörigen Dorf seinerzeit bereits Märkte durchgeführt wurden, ist nicht bekannt. Jedoch erscheint es aufgrund der Streitigkeiten zwischen den Vögten, auch bedingt durch die vertretungsweise ausgeübte Gerichtsbarkeit, nicht abwegig, dass im Rahmen der Muntat auch das (lokale) Marktrecht ausgeübt wurde. Da das Zapfrecht urkundlich scheinbar auch strittig war, erscheint dies sogar recht nahe liegend.

Das Burggebäude

Das Burggebäude Satzvey stammt in den Ursprüngen aus dem Ende des 14. Jh.. Teile und Anbauten der heutigen Burg, wie auch die sich anschließenden Gebäude des Gutshofes sind mit einer Bauzeit Ende des 19. Jh. bedeutend jüngeren Ursprungs. Und auch im 20. Jahrhundert hat die Burg bauliche Veränderungen erfahren.

Wollte man also an dieser Stelle von Authentizität sprechen, so wäre danach zu fragen, wie viel einer mittelalterlichen Burg sich hier noch dem Besucher präsentiert. Für den Betrachter ist dies möglicherweise jedoch gar nicht im Einzelnen erkennbar. Von mancher baulichen Veränderung wird eventuell auch durch das Markttreiben abgelenkt und überblendet. Alleine das historisch belegte Zurückreichen in die Zeit des Mittelalters mag die Illusion erzeugen, sich in einer mittelalterlichen Burg zu befinden, die sie im strengen Verständnis des Begriffes jedoch nicht mehr ist. Wahrnehmbar wird also die erhalten gebliebene Bausubstanz und das als möglicherweise typisch empfundene Umgebungsgelände, welches das 'mittelalterliche Ambiente' szenisch authentisch erscheinen lässt.

Wie fügt sich der 'Weihnachtsmarkt' in diese Historie ein?

Weihnachtsmärkte in Deutschland – ein erster Survey

Um überhaupt eine erste Übersicht über das Marktgeschehen zu erhalten, wurden zwei Untersuchungen durchgeführt. Die erste diente der theoretischen Klärung des Phänomens Weihnachtsmarkt in Bezug auf seine Namensgebung, die durchschnittliche Dauer und auch die Einordnung in die (neuzeitliche) Historie. Die zweite war eine konkrete Befragung der Marktbeschicker zur Analyse der Generierung eines mittelalterlichen Marktes und wird weiter unten in dem Bereich 'Praktische Untersuchung' detaillierter vorgestellt.

Emailsurvey

In einem Emailsurvey wurden in der Zeit vom 03.-28.11.2008 die Städte und Gemeinden in Deutschland hinsichtlich der Durchführung von allgemein so genannten 'Weihnachtsmärkten' befragt[28]. Dabei war der Name des Marktes, die Dauer der Durchführung und die Historie (erste Durchführung und belegende Quellen) von Interesse. Da es sich um einen 'Survey at first glance' handelte, ging es zunächst nur um die Varianz der Veranstaltungsformen und –namen. Die Rückläufe wurden bis zum 15.02.2009 mit in die Auswertung aufgenommen, spätere Eingänge wurden nicht mehr berücksichtigt.

Weihnachtsmarkt – Christkindlmarkt - Burgweihnacht

Was ist also alles unter dem Begriff des 'Weihnachtsmarktes' zu subsumieren? Diese Fragestellung erschien interessant, um zu bewerten, ob es sich bei der Namensgebung einer 'Burgweihnacht' damit gleichermaßen um einen 'Weihnachtsmarkt' handelt, wie bspw. bei einem unter etwas anderem Namen firmierenden 'Christkindlmarkt' oder 'Striezelmarkt'.

Auch die gewöhnliche Dauer solcher Märkte sollte einen ersten Anhaltspunkt über die Bedeutsamkeit und Gewichtung geben können. Die Frage nach der ersten Veranstaltung dieses jeweiligen Marktes und der historischen Belegung diente einer ersten Übersicht, ob es sich bei den Märkten mehr um neuere Gründungen oder um Märkte mit einer langjährigen Tradition handelt. Die Quellenangabe war insofern von Interesse, als dass hiermit zunächst abgefragt werden konnte, ob diese Informationen bei den Städten und Gemeinden in aufbereiteter Form überhaupt vorlagen. Weiterhin war die Art der Quellen (Marktordnungen, Stadtrechtsverleihungen, etc.) interessant[29].

Insgesamt wurden in dem Survey von 788 Städten und Gemeinden 1013 aktive Märkte zurückgemeldet, weitere 77 Städte gaben an, dass keine Weihnachtsmärkte (mehr) durchgeführt werden[30]. Damit ergab sich die folgende Darstellung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Rückläufe der Städte und Gemeinden

[...]


[1] Vgl. hierzu bspw. Hoffmann – Mittelalterfeste in der Gegenwart – Die Vermarktung des Mittelalters im Spannungsfeld zwischen Authentizität und Inszenierung, 2005, S. 95 (als Ausweitung der "'Saison' für Mittelalterfeste" über die Schaffung einer weiteren "Kurzsaison im Dezember") und Anhang V, S. 1, zur Anzahl der jährlich stattfindenden Mittelalterfeste ab dem Jahr 1993. Weiterhin in dieser Arbeit Tabelle 3)

[2] Grundlage hierfür war die 2078 Städte und verwaltungsrechtlich selbständige Gemeinden umfassende alphabetische Liste der Städte in Deutschland des Internetportals Wikipedia (Link s. Literaturangabe).

[3] Der Begriff des Mittelalters, mit der Eingrenzung auf den tausendjährigen Zeitraum zwischen dem 6. und 16. Jahrhundert, hielt in den wissenschaftlichen Sprachgebrauch ab dem 17. Jahrhundert verstärkten Einzug. Auch wenn die Bezeichnung des "medium aevum" bereits davor eingesetzt wurde, so erfolgte die wissenschaftlich-kritische Auseinandersetzung mit diesem Terminus in der Hauptsache zum Ende des 20. Jhs. Als wesentliche deutschsprachige Publikationen der neueren Zeit sind hier zu nennen: Reinisch – Vom Sinn der Geschichte, 1974; Wapnewski – Mittelalter-Rezeption, 1986; Boockmann – Die Gegenwart des Mittelalters, 1988; Kühnel/Mück/Müller et al. – Mittelalter-Rezeption, 1988;

Kahl – Was bedeutet: "Mittelalter"?, 1989; Althoff – Die Deutschen und ihr Mittelalter, 1993, Heinzle – Modernes Mittelalter, 1994; Fuhrmann – Überall ist Mittelalter – von der Gegenwart einer vergangenen Zeit, 1996; Fried – Die Aktualität des Mittelalters – Gegen die Überheblichkeit unserer Wissensgesellschaft, 2002; Fryde/Monnet/Oexle – Die Deutung der mittelalterlichen Gesellschaft in der Moderne, 2006 und Hartmann/Meyer/Mohrmann – Historizität – Vom Umgang mit Geschichte, 2007.

[4] Die Weihnachtsgans ist hier mehr ein symbolträchtiges Medium bzw. ein Substitut für den Weihnachtsschmaus, der regional verschieden gartet sein konnte, aber u.a. mit Schlachtereien vor den Festtagen einherging. Das Vieh für den Festtagsbraten konnte bis zu einem gewissen Zeitraum vor den Feiertagen noch auf dem Markt erworben werden. Derartige Viehmärkte sind in der aktuellen Zeit nicht mehr sehr weit verbreitet, entsprechen jedenfalls kaum noch den heutigen Vorstellungen und Gepflogenheiten. Darin allein liegt schon ein Wandel des Marktgeschehens.

[5] Boockmann, S. 27

[6] Eine Befragung der Besucher des Marktes, wie auch eine aus ökonomischen Aspekten durchaus interessante Marktanalyse in Bezug auf Warenangebot und Kaufinteressen konnte aus zeitlichen und personellen Gründen nicht erfolgen. Hierzu sei auf entsprechende Impulsstudien verwiesen, wie: Imoha – Weihnachtsmärkte als Wirtschaftsfaktor, 2001; Stadt LEIPZIG, Amt für Statistik und Wahlen – Besucherbefragung Weihnachtsmarkt 2008 – Ergebnisbericht, 2008 oder auch Wieland – Göttinger Weihnachtsmarkt 2008, 2009. Für den Tipp zur Imoha-Studie bedanke ich mich an dieser Stelle bei Herrn Thomas Wieland.

[7] Irsigler – Jahrmärkte und Messesysteme im westlichen Reichsgebiet bis ca. 1250; in: Johanek/Stoob - Europäische Messen und Märktesysteme in Mittelalter und Neuzeit, 1996, S. 11. Irsigler – Messen, Jahrmärkte und Stadtentwicklung in Europa - Mittelalter und frühe Neuzeit, in: Irsigler/Pauly – Messen, Jahrmärkte und Stadtentwicklung in Europa [...], 2007, S. 2-4, 6. Dort auch Anregung einer Unterscheidung zwischen "Messen, größeren Jahrmärkten und kleinen Jahrmärkten", wie auch der Kategorie "permanenter Markt", worunter ein Wochenmarkt bzw. täglicher Markt, in der Abgrenzung zu den periodischen Märkten, zu verstehen sei.

[8] Irsigler, 2007, S. 10. Schwinges – Straßen- und Verkehrswesen im hohen und späten Mittelalter – eine Einführung; in: Ders. – Straßen- und Verkehrswesen im hohen und späten Mittelalter, 2007, S. 11.

[9] Sofern der Markt nicht an einem "freien Ort" stattfand. Ehmann – Markt und Sondermarkt – Zum räumlichen Geltungsbereich des Marktrechts im Mittelalter, 1987, S. 13; auch verweisend auf weitere Literatur. Irsigler, 2007, S. 4-6.

[10] Zum Begriff des "Sondermarktes" und der Durchführung bei Ehmann insbesondere S. 247 u. 284. Irsigler, 2007. S. 23 - er regt hier an, "eine eigene Typologie der Jahrmärkte und Messen von den jeweils wichtigsten Waren oder Warengruppen her zu entwickeln." Dies ist reizvoll, kann jedoch an dieser Stelle leider nicht erfolgen – die Arbeit wird sich auf die reine Feststellung des thematischen Warenschwerpunktes "Weihnachten" beschränken müssen.

[11] Mitterauer – Markt und Stadt im Mittelalter – Beiträge zur historischen Zentralitätsforschung, 1980, S. 22, 27, Zitat S. 31.

[12] Ausführlicher bei Mitterauer, S.50-68. Bei Irsigler heißt es jedoch: "Mit einer gewissen Kontinuität der Einrichtung des periodischen Marktes von der Spätantike zum frühen Mittelalter muß gerechnet werden, vor allem in Räumen mit ungebrochener oder kaum beeinträchtigter Tradition urbaner Lebens- und Wirtschaftsweise, [...]. In peripheren Regionen des Römischen Reiches, an Rhein und Donau, kann eine solche Kontinuität nicht ausgeschlossen werden [...], aber zweifelsfrei nachweisbar ist sie nicht", 2007, S. 3. Es bleibt also damit lediglich bei der Vermutung, die durch Quellen nicht eindeutig belegt werden kann.

[13] Dies ist zumindest die Position, die sich mittels existierender Marktgründungsurkunden oder gleichwertigen Quellen historisch genauer begründen und vor allem auch datieren lässt

[14] Vgl. Irsigler, 1996, S. 8-12, Abbildung, S. 13, 14, 26 und 27.

[15] Heute heißt der Ortsteil 'Flamersheim'. Historisch ist mit der 'regia villa nomine Flameresheim' aber ein Hofgut im Bereich des heutigen Ortsteils Kirchheim zu suchen. Siehe hierzu bei Mürkens – Die Ortsnamen des Kreises Euskirchen, 1958, S. 39. Dort auch verweisend auf die Annalen des Regino von Prüm. Hiernach ist die "villa regia" Königshof und Raststätte zur Zeit des Wanderkönigtums (dort explizit: Ludwig der Deutsche, 843-876 n. Chr.).'

[16] Vgl. Mürkens, S. 66-68

[17] Eine nützliche Übersicht und Ausführung hierzu bietet Strank/Schultheiß – Die Landgüterverordnung Karls des Großen: Das Capitulare de ville vel curtis imperii; in: Strank/Meurers-Balke – ...dass man im Garten alle Kräuter habe... Obst, Gemüse und Kräuter Karls des Grossen, S. 10-37.

[18] Hergemöller, mit weiteren Quellen- und Editionsangaben, S. 68-71.

[19] Heute: Bad Münstereifel

[20] Vgl. bei Hergemöller FN 2, S. 70/71

[21] Heusch-Altenstein – Der Jakobsweg und die Wege der Jakobspilger im Rheinland; in: Landschaftsverband Rheinland: Jakobswege – Wege der Jakobspilger im Rheinland, 2007, S. 8. Zu beachten ist, dass es zwar eine Anregung des Europarates gegeben hat, die historischen Jakobspilgerwege zu rekonstruieren, jedoch werden Lücken in archäologischen Befunden derzeit noch mit 'vermuteten Anschlussstrecken' geschlossen – oder die Anschlusswege durch ansprechende(re) Gelände geführt, auch da teils durch die moderne Straßenführung und Bebauung die historische Wegstrecke nicht mehr nutzbar ist.

[22] Irsigler, 2007, S. 4

[23] Die Dietkirche ist die älteste Bonner Kirche (Ende 8. Jh.) und befand sich ursprünglich außerhalb der 'Bonn-Burg', im heutigen Ortsteil Castell. Brosche – Zur Geschichte des Frauenklosters und späteren Kanonissenstiftes Dietkirchen bei Bonn von den Anfängen der Kirche bis zum Jahre 1550, 1951

[24] Vgl. Brosche, S. 42 (teils mit weiteren Quellen- und Literaturangaben).

[25] Brosche, S. 37, mit weiterführenden Verweisen

[26] Brosche, S. 42, mit weiteren Quellenangaben.

[27] Hierzu bei Brosche - 1951, S. 42/43, mit Verweisen auf weitere Quellen. Die Burg und Vogtei blieb damit während des Mittelalters beständig Lehen des Stiftes Dietkirchen. Zur Allodialherrschaft und Usurpation der Burg durch die Nachfolger von Melres, ausführlicher bei Schulzke – 2000. Letzteres greift jedoch dann mit dem Ende des 16. Jh. zeitlich bereits über das Mittelalter hinaus und sei hier daher nur kurz erwähnt.

[28] Fragebogen - siehe Anlage.

[29] Die Auswertung der Städte-und-Gemeinde-Umfrage war daher in dieser Form noch nicht auf Repräsentativität ausgelegt. So wurde z.B. keine Analyse nach den Rücklaufquoten bezüglich bestimmter Bundesländer oder Regionen vorgenommen. Auch wurde nicht nach 'historischen' und 'modernen' Städten und Gemeinden (nach den letzten Gemeindereformen) unterschieden. In Anbetracht der Tatsache, dass auch historische Stätten, soweit sie nicht gänzlich untergegangen sind, in moderne lokale Verwaltungsformen eingegangen sind, wurde vorausgesetzt, dass diesem historischen Faktum bei der Beantwortung Rechnung getragen würde. Dies wäre jedoch nur dann der Fall, wenn die Markthistorie des Ortes historisch aufgearbeitet ist. Da derzeit eine Anzahl von über 2078 Städten und Gemeinden in Deutschland besteht, ist eine Autopsie der historischen Quellen in den Orts-, Landes- und Hauptarchiven nur mit großem Zeit-, Personal- und Finanzmittelaufwand möglich und konnte daher nicht geleistet werden. Daher war die Selbstauskunft der Städte und Gemeinden erforderlich. Damit wird weder die Bedeutung der Repräsentativität noch die Relevanz einer gründlichen Archiv- und Quellenstudie negiert, sondern eigentlich sogar noch betont. Beiden Faktoren kann jedoch nur mit einem wesentlich höheren personellen, zeitlichen und auch finanziellen Aufwand Rechnung getragen werden, welcher in diesem Ausmaß im Rahmen einer Anschlussarbeit erfolgen konnte.

[30] Verweise auf Homepages etc. wurden nicht weiter verfolgt. Auch zugesagte Rückmeldungen, die unterblieben, wurden nicht erneut angefragt.

Ende der Leseprobe aus 74 Seiten

Details

Titel
Mittelalterbild, Marktwesen und dessen Umsetzung in der Neuzeit
Untertitel
Am Beispiel des Mittelalterlichen Weihnachtsmarktes auf Burg Satzvey (Eifel)
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
74
Katalognummer
V127413
ISBN (eBook)
9783640339969
ISBN (Buch)
9783640338719
Dateigröße
4099 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Marktwesen, Mittelaltermarkt, Mittelalterbild, Weihnachtsmarkt, Adventsmarkt, Christkindlmarkt, Mittelalter, Marzipan, Waffeleisen, Marktsprech, Markt, Weihnachten
Arbeit zitieren
Marion Röbkes (Autor), 2009, Mittelalterbild, Marktwesen und dessen Umsetzung in der Neuzeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127413

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