Die Fragestellung der Arbeit lautet: Welche praktischen Anwendungen der Blockchaintechnologie existieren aktuell für den deutschen Mittelstand und lassen sich realistisch umsetzen? Damit zusammenhängend werden auch die Fragen danach gestellt, welcher Mehrwert sich dem Mittelstand durch die Nutzung einer solchen Technologie bietet und wie hoch die Bereitschaft zur Adaption der ermittelten Anwendungen ist. Neben den theoretischen Grundlagen zum Thema soll ein Blick auf die gegenwärtige Lage in deutschen Unternehmen, und dort speziell auf den Mittelstand geworfen werden.
Kaum ein Thema polarisiert aktuell nicht nur die Wirtschaftswelt, sondern auch Politik und Gesellschaft wie die vergleichsweise neuartige, digitale Währung Bitcoin. Deren Wert steigt stetig und in ungewöhnlich großen Schritten: während ein Bitcoin laut Coinbase Ende März 2020 noch rund 6.000 EUR wert war, bemisst sich dieser Wert ein Jahr später auf rund 50.000 EUR. Unter anderem führt dieser Wertzuwachs zu einem sehr großen Interesse an Bitcoin.
Dass die Technologie hinter Bitcoin noch zusätzliches Innovationspotenzial in sich trägt, ist in der Wertsteigerung der Kryptowährung nicht einmal erfasst. Hinter der 2008 entwickelten digitalen Währung steckt eine Technologie namens Blockchain. Darunter versteht sich eine dezentrale Datenbank, deren Technologie zeitlich erst nach der Entwicklung von Bitcoin genauer benannt und betrachtet wurde. Mit dieser Technologie ergeben sich bis heute, so der Stand der Literatur, zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten und Entwicklungsansätze für die globale Arbeit mit Datenbanken.
In der vorliegenden Bachelorarbeit wird untersucht, wie die Technologie hinter Bitcoin funktioniert, welche Möglichkeiten sich aus dieser ergeben und wie Unternehmen gegenwärtig mit ihr umgehen.
Aktuell entwickelt sich die Ausrichtung der Forschung weg von Bitcoin über alternative, weiterführenden Anwendungen wie beispielsweise von Ethereum und Hyperledger, hin zu bisher unbekannten Lösungen. Dabei wird versucht, Potenziale und sowohl bestehende als auch neue Anwendungen durch die Blockchain zu erklären und abzubilden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Fundierung
2.1 Grundlagen der Blockchaintechnologie
2.1.1 Terminologie
2.1.2 Theorie und Ablauf der Blockchain
2.1.3 Ursprung und historische Entwicklung
2.1.4 Konsensmechanismen
2.2 Anwendungsbereiche der Blockchaintechnologie
2.2.1 Smart Contracts
2.2.2 Digitale Währung
2.2.3 Supply-Chain-Management
2.2.4 Weitere Anwendungsbereiche
2.3 Stellenwert im Mittelstand
2.3.1 Hindernisse für die Implementierung
2.3.2 Nutzen der Blockchaintechnologie
3 Methodik und Forschungsdesign
3.1 Das leitfadengestützte Expert:inneninterview
3.1.1 Auswahl der Interviewpartner:innen
3.1.2 Entwicklung eines Interviewleitfadens
3.1.3 Auswertung der gewonnenen Daten
3.2 Qualitative Inhaltsanalyse
4 Forschungsergebnisse
4.1 Anwendungsfälle und Hindernisse der Blockchain
4.1.1 Relevanz von Blockchain für Unternehmen
4.1.2 Netzwerkgedanke und Konsortienbildung
4.1.3 Entwicklungsaufwand als Hinderungsgrund
4.2 Unterschied zwischen Blockchain und Digitalisierung
4.2.1 Effizienz als Entscheidungsgrundlage
4.2.2 Kompetenz als limitierender Faktor
4.2.3 Vertrauen als limitierender Faktor
4.3 Konsensmechanismen
4.4 Smart Contracts
4.5 Bitcoin
5 Interpretation und Handlungsempfehlungen
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die aktuelle Bedeutung und das Potenzial der Blockchain-Technologie für den deutschen Mittelstand. Im Fokus steht die Fragestellung, welche praktischen Anwendungsfälle existieren, ob diese einen echten unternehmerischen Mehrwert bieten und welche Hindernisse einer breiten Adaption derzeit entgegenstehen.
- Technische Grundlagen und Konzepte der Blockchain-Technologie (u.a. Konsensmechanismen)
- Relevante Anwendungsbereiche wie Smart Contracts, Supply-Chain-Management und Finanzanwendungen
- Analyse des Status quo und der Herausforderungen speziell im deutschen Mittelstand (KMU)
- Qualitative Erhebung durch Experteninterviews zur praktischen Implementierbarkeit
- Gegenüberstellung von Blockchain-Lösungen und klassischer Digitalisierung
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Smart Contracts
In einer Blockchain kann nicht nur eine Transaktion, sondern auch ein Programmcode abgespeichert und ausgeführt werden (Hinckeldeyn, 2019, S. 1). Solch ein Programmcode kann ein Smart Contract sein. Dieser führt voneinander abhängige, sich automatisch erfüllende Ereignisse aus, welche zuvor vertraglich festgelegt wurden (Efanov und Roschin, 2018, S. 118). Sie können als autonome Programme betrachtet werden, welche in die Blockchain-Implementierung eingebunden sind und definierte Geschäftsregeln als Programmcode darstellen. Dadurch können komplexe Regelwerke digital abgebildet und ihre Bedingungen automatisch geprüft werden. Der Programmcode unterstützt die Automatisierung von Prozessen und trägt somit zur Verkürzung von Transaktionsabwicklungen bei (Adam, 2020, S. 65). Dieser stellt aber keinen rechtsverbindlichen Vertrag dar, sondern kann lediglich ein zwischen den Parteien getroffenes Abkommen widerspiegeln (Urban, 2020, S. 23). Smart Contracts helfen auch dabei, eine intelligentere Steuerung und weniger Asymmetrie zwischen Management und anderen Mitarbeiter:innen zu ermöglichen (Szabo, 1997).
Die nachfolgende Abbildung stellt einen schematisch beispielhaften Aufbau einer Smart-Contract-Transaktion dar. Die Parteien vereinbaren ihre Konditionen im Smart Contract nach vertragsrechtlichen Vorgaben. Das Ergebnis des Vertrags wird in Form des Programmcodes in der Blockchain gespeichert und ist damit für beide Parteien einsehbar. Zu beachten ist, dass der einmal in der Blockchain gespeicherte Programmcode ab dem Moment der Speicherung unveränderbar ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, Relevanz von Bitcoin und Blockchain sowie Erläuterung der methodischen Vorgehensweise mittels Literaturrecherche und Experteninterviews.
2 Theoretische Fundierung: Detaillierte Einführung in die technologischen Grundlagen, Konsensmechanismen, Anwendungsfelder sowie eine spezifische Betrachtung des Stellenwerts im Mittelstand.
3 Methodik und Forschungsdesign: Erörterung der qualitativen Forschungsmethoden, insbesondere des leitfadengestützten Experteninterviews und der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring.
4 Forschungsergebnisse: Darstellung und Analyse der Erkenntnisse aus den Interviews hinsichtlich praktischer Anwendungsfälle, Hindernisse, des Vergleichs zur klassischen Digitalisierung sowie spezifischer Technologien wie Smart Contracts.
5 Interpretation und Handlungsempfehlungen: Zusammenführung der Ergebnisse zur Beantwortung der Forschungsfrage und Ableitung von Empfehlungen für den Mittelstand.
6 Fazit: Zusammenfassende Reflexion der Arbeit und Ausblick auf die zukünftige technologische Entwicklung.
Schlüsselwörter
Blockchain, Smart Contracts, KMU, Digitalisierung, Supply-Chain-Management, Konsensmechanismen, Unternehmensanwendung, Experteninterviews, Proof-of-Work, Proof-of-Stake, Kryptotechnologie, Deutschland, Netzwerkeffekte, Implementierungshürden, Prozessautomatisierung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung und dem praktischen Anwendungspotenzial der Blockchain-Technologie mit einem besonderen Fokus auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Thematisiert werden technische Grundlagen, aktuelle Anwendungsbereiche wie Smart Contracts und Supply-Chain-Management sowie die spezifischen Chancen und Hindernisse, die sich für den deutschen Mittelstand bei der Einführung dieser Technologie ergeben.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Welche praktischen Anwendungen der Blockchaintechnologie existieren aktuell für den deutschen Mittelstand und lassen sich realistisch umsetzen?“ Dabei soll auch geklärt werden, welcher Mehrwert besteht und wie hoch die Adaptionsbereitschaft ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine fundierte Literaturrecherche mit einer qualitativen Inhaltsanalyse, welche auf der Basis von leitfadengestützten Experteninterviews mit Fachleuten aus der Forschung durchgeführt wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Blockchain (Terminologie, Konsensmechanismen) und eine empirische Analyse der Forschungsergebnisse, in der Anwendungsfälle, der Vergleich zur klassischen Digitalisierung und Hürden wie hoher Entwicklungsaufwand kritisch beleuchtet werden.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Blockchain, KMU, Smart Contracts, Prozessautomatisierung, Implementierungshürden, Supply-Chain-Management und digitale Infrastruktur.
Warum fällt es vielen mittelständischen Unternehmen schwer, Blockchain-Lösungen umzusetzen?
Die Ergebnisse zeigen, dass es KMU oft an der notwendigen digitalen Infrastruktur, an spezifischem Know-how sowie an finanziellen und personellen Ressourcen mangelt, um komplexe Blockchain-Projekte eigenständig zu realisieren.
Wie bewerten die befragten Experten das Potenzial von Smart Contracts?
Smart Contracts werden als hilfreiche Erweiterung zur Prozessautomatisierung gesehen. Experten betonen jedoch, dass eine juristische Prüfung notwendig ist und der Mehrwert nicht zwingend an die Blockchain-Technologie gekoppelt sein muss, da auch zentralisierte digitale Systeme ähnliche Abläufe realisieren können.
Welche Rolle spielt der Netzwerkgedanke in dieser Arbeit?
Die Arbeit verdeutlicht, dass Blockchain-Anwendungen aufgrund ihres Netzwerkcharakters selten als Einzellösungen für Unternehmen funktionieren. Konsortien könnten zwar Verbundeffekte erzielen, jedoch steht dem oft ein starkes Konkurrenzdenken innerhalb der Branchen gegenüber.
Ist eine Blockchain für alle Unternehmen die richtige Lösung?
Nein. Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass viele Problemstellungen im Mittelstand bereits durch klassische Digitalisierung, wie sie unter Industrie 4.0 verstanden wird, effizienter gelöst werden können, bevor der oftmals unverhältnismäßig aufwendige Schritt zur Blockchain gegangen werden sollte.
- Quote paper
- Jan-Niklas Studt (Author), 2021, Blockchain. Bedeutung und Potenzial der Kryptotechnologie für den deutschen Mittelstand, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1274131