In diesem Essay wird ein Blick auf die Fachdidaktik der Philosophie geworfen. Es wird die Inklusion in das Zentrum des Blickfeldes genommen und diskutiert, ob die Inklusion eine Chance für den Philosophieunterricht oder eine unlösbare Aufgabe ist.
Das Schulsystem steht seit langer Zeit vor einer Herausforderung, die Schritt für Schritt angegangen wird. Es ist um den aktuellen Ausgangspunkt der Situation aufgrund der getätigten Entwicklungen schon deutlich besser bestellt als in der Vergangenheit. Die Rede ist von der Inklusion in dem Bezug auf die Schule. In den letzten Jahren gab es steigende Inklusionsquoten und gleichzeitig langsame, aber stetig abnehmende Exklusionsquoten. Deutschland ist in den letzten Jahren inklusiver geworden, das hat zur Folge, dass Lehrerinnen und Lehrer vor neue Aufgaben gestellt werden. Inklusion ist längst im Schulalltag angekommen. Zukünftige Lehrerinnen und Lehrer (LuL) stellen sich die Frage, wie fortan ihr Fachunterricht aussehen wird und wie sie diesem gerecht werden können. Inklusion ist Teil des Berufsfelds, wenn man Lehrer/-in werden möchte. Wie bei jeder Debatte gibt es Menschen, die positive Ansichten gegenüber dem Thema haben, aber auch solche, die es zum Scheitern verurteilen. Für LuL der Philosophie stellt sich die Frage, ob die Inklusion eine besondere Chance für den Philosophieunterricht ist. Das Verständnis von der Inklusion, wie sie gedacht werden kann, wird im weiteren Verlauf des Textes anhand von unterschiedlichen Inklusionsbegriffen aufgezeigt. In den folgenden Teilen wird auf die theoretischen Grundlagen des Fachunterrichts und die Besonderheiten des inklusiven Unterrichts eingegangen. Am Ende wird vor diesem Hintergrund ein Fazit bezüglich der Problemfrage gezogen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Theoretische Grundlagen des Fachunterrichts
Besonderheiten des inklusiven Unterrichts
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Forschungsfrage, ob Inklusion eine besondere Chance für den Philosophieunterricht darstellt, indem sie die theoretischen Grundlagen des Fachunterrichts mit den Herausforderungen und Potenzialen eines inklusiven Bildungssettings verknüpft.
- Analyse kompetenzorientierter Lehrpläne im Fach Philosophie
- Untersuchung der philosophischen Bildung als inklusiver Prozess
- Anwendung des "Capability Approach" von Martha Nussbaum auf den Unterricht
- Diskussion inklusiver Unterrichtspraxis anhand von Fallbeispielen
- Reflektion über die Rolle der Lehrkraft im inklusiven Fachunterricht
Auszug aus dem Buch
Besonderheiten des inklusiven Unterrichts
Nach Betrachtung der theoretischen Grundlagen des Fachunterrichts widmet sich diese Arbeit nun den Besonderheiten eines inklusiven Unterrichts. Es werden unterschiedliche Ansichten und Inklusionsbegriffe aufgezeigt und dargestellt. Martha Nussbaum ist eine Philosophin, die eine inklusive Theorie entwickelt hat, welche „von der intuitiven Idee eines der Menschwürde gemäßen Lebens ausgeht.“18 Nussbaum geht es in ihrem Fähigkeitenansatz um die grundlegenden menschlichen Ansprüche. Sie hat eine Theorie geschaffen, in der zehn Fähigkeiten enthalten sind, welche ein grundlegender Teil eines menschwürdigen Lebens sind. Die Theorie ist eine Schwellenwerttheorie. Das heißt, es gibt einen Schwellenwert für jede Fähigkeit. Unterhalb der Schwelle ist ein menschenwürdiges Leben nicht mehr gegeben.
Das Ziel, was M. Nussbaum formuliert, lautet, dass alle Bürger und Bürgerinnen über diese Schwellenwerte gehoben werden sollten. Nussbaums Theorie ist unterhalb des Schwellenwerts im Minimalkonsens eine Theorie der Gerechtigkeit, so stellt sie nämlich dar, dass eine Gleichverteilung von Ressourcen in keinem Fall ein Maßstab für das Wohlergehen sein kann. Sie stellt Verteilungsfragen unterhalb der Schwelle, damit alle Menschen die Schwellenwerte erreichen. Zwei Menschen mit den exakt gleichen Ressourcen, können in Hinblick auf die soziale Gerechtigkeit weit auseinanderdriften. Ein Beispiel dafür ist die Korrelation des soeben Genannten mit Fällen von Behinderung oder Beeinträchtigung. Für den inklusiven Unterricht heißt das widerrum, dass Aufgabenstellungen und Ressourcen je nach Schüler oder Schülerin angepasst werden müssen, um einen gerechten und inklusiven Unterricht nach Nussbaums Vorstellungen zu gewährleisten. Nussbaum geht es darum die Rechte der Behinderten zu stärken, es ist keine didaktische Theorie des Unterrichts, es können lediglich Schlüsse gezogen werden, die die Lehrkräfte bei einem inklusiven Unterricht unterstützen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die aktuelle schulpraxisbezogene Relevanz der Inklusion ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Chancen für den Philosophieunterricht.
Theoretische Grundlagen des Fachunterrichts: In diesem Kapitel werden der kompetenzorientierte Kernlehrplan, das Methodenparadigma nach Ekkehard Martens und das Transformationsmodell nach Johannes Rohbeck erläutert.
Besonderheiten des inklusiven Unterrichts: Hier wird der Fähigkeitenansatz von Martha Nussbaum sowie verschiedene Inklusionsbegriffe (UNESCO, HRK-KMK, UN-BRK) zur Fundierung inklusiver Schulpraxis analysiert.
Fazit: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Inklusion eine Chance für den Philosophieunterricht darstellt, sofern Lehrkräfte das Potenzial der Heterogenität aktiv ermöglichen.
Schlüsselwörter
Inklusion, Philosophieunterricht, Kompetenzorientierung, Capability Approach, Didaktik, Schulpraxis, Bildungsgerechtigkeit, Methodenkompetenz, Diversität, Martha Nussbaum, Ekkehard Martens, Philosophische Bildung, Heterogenität, Perspektivwechsel, UN-BRK.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit Inklusion als Chance für den Philosophieunterricht an Schulen verstanden und praktisch umgesetzt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die theoretischen Fundamente des Philosophieunterrichts, die Konzepte philosophischer Bildung sowie inklusive Theorien und rechtliche Rahmenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, zu untersuchen, ob der inklusive Philosophieunterricht durch die gezielte Anpassung didaktischer Ansätze einen Mehrwert für alle Lernenden bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse und die diskursive Auswertung didaktischer Modelle sowie Praxisbeispiele (Fallstudien), um inklusive Strategien zu erörtern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der fachdidaktischen Grundlagen (Kompetenzorientierung, Methoden der Philosophie) und die Analyse inklusiver Ansätze (Fähigkeitenansatz nach Nussbaum, Inklusionsbegriffe der UNESCO/UN).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Inklusion, Philosophiedidaktik, Kompetenzorientierung, Capability Approach und Heterogenität definiert.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Lehrers bei der Inklusion?
Der Autor betont, dass Inklusion eine pädagogische Leistung ist, die von Lehrkräften aktiv ermöglicht werden muss; sie müssen den Unterricht so gestalten, dass unterschiedliche Bedürfnisse Berücksichtigung finden.
Welche Bedeutung hat das Beispiel des Schülers Malte für die Argumentation?
Maltes Beispiel verdeutlicht, dass Perspektivwechsel und die Wertschätzung unterschiedlicher Sichtweisen in einem inklusiven Philosophieunterricht nicht nur möglich sind, sondern auch die Empathiefähigkeit aller Mitschüler fördern.
Welche Kritikpunkte werden im Hinblick auf Inklusion im Fach Philosophie genannt?
Ein potenzieller Kritikpunkt ist die Verschiebung der Bewertung von "richtig" und "falsch", wenn alle Ansichten nur als individuelle "Sicht der Dinge" akzeptiert werden, was in anderen Fächern fachlich problematisch sein könnte.
Was schlussfolgert die Arbeit hinsichtlich der "Leistung" von Inklusion?
Inklusion wird als eine Leistung der Schülerinnen und Schüler untereinander verstanden, vorausgesetzt, die Lehrkräfte schaffen die notwendigen Rahmenbedingungen und Lernumgebungen dafür.
- Quote paper
- Oliver Busch (Author), 2020, Ist Inklusion eine besondere Chance für den Philosophieunterricht?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1274137