In diesem Praxisbericht werden zwei didaktische Unterrichtsmethoden für den Philosophieunterricht präzise beschrieben, sowie vorgestellt. Ebenfalls wird eine spezifische Unterrichtsplanung für beide Methoden vorgestellt.
Der heutigen Gesellschaft liegen ein Wertesystem und ein Leistungsprinzip zugrunde. Die Institution Schule trägt ihren Teil dazu bei, dass die gesellschaftliche Kohäsion, sprich der innere Zusammenhalt gewährleistet wird. Die Stabilisierung der Gesellschaft in der Art und Weise, wie wir sie kennen, ist eine Funktion der Schule. Die sogenannte Legitimationsfunktion der Schule beinhaltet die "Weitergabe der Normen und Werte, die für den Erhalt und die Fortentwicklung der Gesellschaft tragend sind". Stark auseinander gehende Wertesysteme, beziehungsweise entgegengesetzte Werte-/ und Normensysteme können ein Faktor für die Erschütterung des bestehenden gesellschaftlichen Zusammenlebens darstellen. An der Erfüllung der Legitimationsfunktion und somit der Vermittlung der Werte ist das Unterrichtsfach Philosophie/praktische Philosophie maßgeblich beteiligt.
Es stellt sich somit die Frage, wie bei einer offenen und toleranten Gesellschaft der Vielfalt in der Unterrichtspraxis eine Wertebasis vermittelt werden kann, die dazu imstande ist, den Zusammenhalt und die Reproduktion der Gesellschaft zu schultern. Eine weitere Funktion der Schule ist die Qualifikationsfunktion, die dafür Sorge trägt, dass die Kompetenzen, die in den curricularen Vorgaben festgehalten werden und die eine Gesellschaft zur Reproduktion benötigt, weitergegeben werden. Die Kompetenzen, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und aktiv zu partizipieren, werden auf dieser Funktionsebene vermittelt. Gerade im Philosophieunterricht können Kompetenzen geschult werden, die den Schülerinnen und Schülern eine bewusste Partizipation ermöglichen, sowie Kompetenzen, die den SuS es ermöglichen, kognitive Positionen und Meinungen anderer Menschen kritisch zu prüfen. Neben der Vermittlung der Wertebasis ist somit auch eine Schulung unterschiedlicher Kompetenzen vonseiten der Schule vorgesehen. Die Kopplung aus den beiden Perspektiven, Vermittlung einer Wertebasis und Vermittlung von entscheidenden Kompetenzen, gelten als das Ziel eines guten Fachunterrichts. Es gilt dabei allerdings die Altersspezifität der SuS zu beachten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie
2.1. Dilemmadiskussionen
2.2. Gedankenexperimente
3. Unterrichtsvorhaben
3.1. Lehr-Lernsituation 1/Unterrichtsentwurf 1
3.2. Lehr-Lernsituation 2/Unterrichtsentwurf 2
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Dieser Praxisbericht untersucht die didaktische Eignung von Dilemmadiskussionen und Gedankenexperimenten im Philosophieunterricht, um Kompetenzen schülerorientiert zu vermitteln und einen lebensweltlichen Bezug herzustellen. Das Hauptziel ist es, aufzuzeigen, wie diese Methoden die Urteilsfähigkeit fördern und wie sie unter Berücksichtigung unterschiedlicher Leistungsniveaus in heterogenen Klassen sinnvoll eingesetzt werden können.
- Didaktik des Philosophie- und Ethikunterrichts
- Einsatz von Dilemmadiskussionen zur moralischen Urteilsbildung
- Methodik und Anwendung von Gedankenexperimenten
- Binnendifferenzierung in heterogenen Lerngruppen
- Verknüpfung von Unterrichtsplanung mit Kernlehrplänen
Auszug aus dem Buch
Unfaire Hilfe
Anna ist gut in Mathematik. Sie versteht die Themen schnell und schreibt gute Noten. Ihr bester Freund Tom hat große Mühe im Fach Mathematik. Trotz vieler gemeinsamer Nachhilfestunden mit Anna und zusätzlichem Übungsmaterial von der Lehrperson schreibt er keine besseren Noten. Morgen folgt nun ein großer Test. Diese Note wird doppelt für das Zeugnis zählen. Wenn Tom in dem Test keine gute Note schreiben wird, hat er im Zeugnis schon wieder eine ungenügende Note und muss deswegen die Klasse verlassen. Er bittet Anna darum, bei ihr abschreiben zu dürfen. Was soll Anna tun?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Legitimations- und Qualifikationsfunktion der Schule und betont die Relevanz des Philosophieunterrichts für die Vermittlung von Werten und Kompetenzen.
2. Theorie: Dieser Abschnitt erläutert die theoretischen Grundlagen von Dilemmadiskussionen und Gedankenexperimenten als methodische Ansätze zur Förderung moralischer Urteilskompetenz und kritischen Denkens.
3. Unterrichtsvorhaben: Hier werden zwei konkrete Unterrichtsentwürfe für die Sekundarstufe I und II vorgestellt, die zeigen, wie die theoretischen Konzepte in die Schulpraxis umgesetzt und differenziert werden können.
4. Fazit: Das Fazit resümiert die Bedeutung einer methodisch reflektierten Unterrichtsplanung und unterstreicht die Notwendigkeit, individuelle Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler stets zu berücksichtigen.
Schlüsselwörter
Philosophieunterricht, Ethikunterricht, Dilemmadiskussionen, Gedankenexperimente, Didaktik, Urteilsfähigkeit, Binnendifferenzierung, Moral, Wertevermittlung, Kompetenzorientierung, Unterrichtsplanung, Heterogenität, Pädagogik, Partizipation, Lehr-Lernsituation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Gestaltung eines kompetenzorientierten Philosophieunterrichts unter Berücksichtigung von Werten und Normen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentral sind der Einsatz von Dilemmadiskussionen und Gedankenexperimenten sowie die Frage nach der Differenzierung in heterogenen Schulklassen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Lehrkräften methodische Wege aufzuzeigen, um Schülerinnen und Schüler zur moralischen Urteilsbildung zu befähigen und dabei einen starken Lebensweltbezug zu wahren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf didaktische Fachliteratur, analysiert Kernlehrpläne und konzipiert unterrichtspraktische Entwürfe für unterschiedliche Jahrgangsstufen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen moralpädagogischer Methoden und zwei detaillierte Unterrichtsentwürfe für die Sekundarstufe I und II.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Dilemmadiskussion, Gedankenexperiment, Kompetenzorientierung, Binnendifferenzierung und Urteilsfähigkeit.
Wie unterscheidet sich die Zielgruppe für die beiden Unterrichtsentwürfe?
Der erste Entwurf ist für die Jahrgangsstufe 6 konzipiert, während der zweite Entwurf für die leistungsstarke Einführungsphase am Gymnasium entworfen wurde.
Welchen Stellenwert hat der "Lebensweltbezug" in den Entwürfen?
Der Lebensweltbezug ist essenziell, da er die Schülerinnen und Schüler motiviert und abstrakte philosophische Probleme durch konkrete Anwendungssituationen greifbar macht.
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- Oliver Busch (Author), 2021, Philosophie in der Unterrichtpraxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1274140