Mit dem Aufkommen neuartiger Medien folgt häufig der Wunsch danach, diese auch in Lehr- und Lernprozesse einzubinden, verbunden mit der Erwartung, dass sich durch die neuen Werkzeuge und Arbeitsweisen effizientere und fruchtbarere Lernumgebungen schaffen ließen. Mit der fortschreitenden Verbreitung des Internets entwickelte sich geradezu eine Euphorie in Bezug auf technikgestütztes Lernen, das fortan als "eLearning" firmiert. An die neuen Möglichkeiten werden sehr hohe Forderungen gestellt, da die diversen Optionen zur Gestaltung etwaiger Lernumgebungen und/oder Lehrsettings scheinbar grenzenlos sind und „Multimedia“ das neue Leitprinzip der Didaktik im Computerzeitalter sein sollte.
Die vorliegende Arbeit soll zunächst diese anfängliche Euphorie hinter sich lassen und die medienspezifischen Potenziale von eLearning-Elementen möglichst objektiv untersuchen. Auf Grundlage lernpsychologischer Theorien sollen medienbezogene Aspekte des menschlichen Lernprozesses beschrieben und auf spezielle Entwicklungsmöglichkeiten für den Einsatz in computergestützten Lernszenarien geprüft werden. An dieser Stelle sollen vor allem die häufig angebrachten (vermeintlichen) Vorteile der Multimedialität genauer betrachtet und die zugrundeliegenden kognitiven Prinzipien dargestellt werden. Hierbei werden Aussagen für die Gestaltung von multimedialen eLearning-Elementen abgeleitet, um die innovativen Möglichkeiten der neuen Medienlandschaft für einen Lehr-Lernprozess offenzulegen und somit die Konzeption von digitalen Lernmaterialien, anhand kognitionspsychologisch evaluierter Grundsätze, zu ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lernpsychologische Grundlagen und Theorien
2.1 Behaviorismus
2.2 Konstruktivismus
2.3 Kognitivismus
3. Die Cognitive Theory of Multimedia Learning
3.1. Konzeption von eLearning-Elementen gemäß CTML
3.1.1 Multimedia-Prinzip
3.1.2 Kontiguitätsprinzip
3.1.3 Modalitätsprinzip
3.1.4 Redundanzprinzip
3.2 CTML und Praxis
4. Erstellung des moodle-Kurses „Paläographie“
4.1 Vorbereitung und didaktische Grundüberlegung
4.2 Konzept und Umsetzung
4.2.1 Einführung in den Kurs
4.2.2 Einführung in die Paläographie
4.2.3 Entstehung der Schriften
4.2.4 Schriftentwicklung im Mittelalter
4.2.5 Übungsaufgaben
4.2.6 Abschluss
4.3 Das LMS moodle als Grundlage für eLearning
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die kognitionspsychologischen Grundlagen multimedialer Lernmaterialien, um daraus effektive Gestaltungsprinzipien für eLearning-Einheiten abzuleiten, und dokumentiert deren praktische Anwendung bei der Erstellung eines Moodle-Kurses für das Fachgebiet der Paläographie.
- Grundlagen der Lernpsychologie (Behaviorismus, Konstruktivismus, Kognitivismus)
- Anwendung der Cognitive Theory of Multimedia Learning (CTML)
- Didaktische Konzepte für eLearning-Umgebungen
- Praktische Umsetzung eines Online-Kurses mit dem LMS Moodle
Auszug aus dem Buch
3. Die Cognitive Theory of Multimedia Learning
Für den Bereich eLearning lohnt es sich besonders, die spezifischen Möglichkeiten der neuen Medien in den Fokus der Untersuchung zu rücken. Die Multimedialität bietet hierbei die größten materialbezogenen Entwicklungspotentiale für eLearning, da sie durch die neuen Möglichkeiten der digitalen Medien in vielfältiger Weise angewandt werden kann. Um die zentrale Rolle der Multimedialität für die kognitive Verarbeitungsweise zu verstehen und die grundlegenden Ergebnisse für die Gestaltung von Lernmaterialien adäquat nutzbar zu machen, bedarf es einer lernpsychologischen Analyse der speziellen lernwirksamen Modalitäten von Multimedia. Im Sinne des kognitivistischen Modells charakterisiert RICHARD E. MAYER (2014) mit der sogenannte Cognitive Theory of Multimedia Learning (CTML) diese spezifischen Aspekte der kognitiven Verarbeitung von Informationen, die durch multimediale Informationsdarbietungen tangiert werden. Bei dieser Beschreibung von Gedächtnisstrukturen stützt sich diese Theorie ebenfalls auf das Mehrspeichermodell von ATKINSON & SHIFFRIN sowie die kognitiven Prozesse, die zwischen den einzelnen Speichern stattfinden.
Im Wesentlichen fußt die CTML auf drei Prämissen: Die erste Grundannahme ist die sogenannte dual channel assumption. Sie geht davon aus, dass das Verarbeiten von aufgenommenen Informationen in zwei getrennten Verarbeitungskanälen stattfindet. Demnach werden visuelle Reize und auditive Stimuli generell getrennt voneinander verarbeitet. Allerdings können Signale von einem Kanal in den anderen überführt werden: einerseits werden beispielsweise gelesene Worte zunächst im visual channel aufgenommen, in ihrer mentalen Repräsentation jedoch vom auditory channel verarbeitet; andererseits können auch gesprochene Worte zu einer entsprechenden bildhaften Verarbeitung durch den visuellen Kanal führen (vgl. MAYER 2014, S. 48f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Motivation zur Einbindung digitaler Medien in Lehr-Lern-Prozesse und definiert das Ziel, die Potenziale von eLearning objektiv auf Basis lernpsychologischer Theorien zu untersuchen und praktisch umzusetzen.
2. Lernpsychologische Grundlagen und Theorien: Erläutert die zentralen lerntheoretischen Ansätze des Behaviorismus, Konstruktivismus und Kognitivismus als funktionale Basis für die Gestaltung von eLearning-Szenarien.
3. Die Cognitive Theory of Multimedia Learning: Führt die CTML als theoretischen Rahmen ein, um durch Prinzipien wie Multimedialität, Kontiguität und Modalität eine kognitiv entlastende und lernförderliche Gestaltung digitaler Materialien zu ermöglichen.
4. Erstellung des moodle-Kurses „Paläographie“: Dokumentiert die didaktische Planung und technische Umsetzung eines Moodle-Kurses unter praktischer Anwendung der zuvor erarbeiteten lerntheoretischen Prinzipien.
5. Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen, unterstreicht die Notwendigkeit einer fundierten didaktischen Gestaltung und betont die wachsende Bedeutung von eLearning in einer digitalisierten Bildungslandschaft.
Schlüsselwörter
eLearning, Kognitionspsychologie, Multimedialität, CTML, Moodle, Didaktik, Lernpsychologie, Cognitive Load Theory, Paläographie, Wissensvermittlung, Instruktionsdesign, Digitale Lernmedien, Informationsverarbeitung, Online-Lehre, Lehr-Lern-Prozesse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der kognitionspsychologischen Fundierung von eLearning-Materialien, um durch gezielte Gestaltung eine höhere Lerneffektivität zu erreichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen lernpsychologische Theorien, das multimediale Instruktionsdesign (CTML) sowie die praktische Anwendung in einem Moodle-Kurs zur Paläographie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die theoretischen Erkenntnisse über kognitive Verarbeitungsprozesse in effektive Gestaltungsgrundsätze für digitale Lernmedien zu übersetzen und deren Umsetzung in einem LMS zu reflektieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Abhandlung lernpsychologischer Konzepte, gefolgt von einer fallstudienbasierten Dokumentation der Kursentwicklung und didaktischen Reflexion.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch die CTML und die detaillierte Darstellung der didaktischen Konzeption sowie technischen Implementierung des Moodle-Kurses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie eLearning, Kognitionspsychologie, Multimedialität, Instruktionsdesign und didaktische Gestaltung definieren.
Warum wird für den Moodle-Kurs das Fach Paläographie gewählt?
Die Paläographie dient als exemplarischer Lerngegenstand, um die Planung und Gestaltung von eLearning-Einheiten in einem Learning Management System unter Berücksichtigung von Theorie und Praxis zu demonstrieren.
Welche technischen Herausforderungen traten bei der Kurserstellung auf?
Die größte Herausforderung lag in der Komplexität der Moodle-eigenen Testtools, was dazu führte, dass vermehrt auf intuitivere H5P-Elemente zurückgegriffen wurde.
- Arbeit zitieren
- Tim Szczygiel (Autor:in), 2019, Konzeption von eLearning-Einheiten. Kognitionspsychologische Grundlagen zur Gestaltung multimedialer Lernmaterialien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1274457