Tod im Hinduismus


Unterrichtsentwurf, 2006
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Lerngruppenbeschreibung

2. Unterrichtszusammenhang

3. Sachanalyse
3.1 Hinduismus - Grundlagen
3.2 Hinduismus - Wiedergeburt
3.3 Hinduismus - Götterwelt

4. Didaktik
4.1 Relevanz des Themas
4.2 Didaktische Reduktion und Schwerpunktsetzung

5. Lernziele

6. Methodik

7. Verlaufsplan der Unterrichtsstunde: "Kreislauf der Wiedergeburt"

8. Sitzplan

9. Literaturverzeichnis

Anhang

1. Lerngruppenbeschreibung

Die von mir zu unterrichtende Lerngruppe ist eine der 5 Klassen des Gymnasiums X in Y[1]. Die Gruppe ist relativ klein und setzt sich aus 8 Jungen und 8 Mädchen zusammen. Seit Schuljahresbeginn wird die Klasse im Fach evangelische Religion von Herrn S. unterrichtet, der nach erster Einschätzung ein gutes Verhältnis zu den Schülern aufbauen konnte. Der Religionsunterricht findet jeweils montags in der ersten Schulstunde statt. Damit sind die Rahmenbedingungen nicht optimal, denn die Schüler könnten nach dem vorangegangenen Wochenende Schwierigkeiten haben, wieder in den Schulalltag zu finden. Auch dauert die Phase des Kennenlernens bei einem einstündigen Unterrichtsfach länger als bei mehrstündig unterrichteten Fächern.

Die Lerngruppe zeichnet sich durch eine ausgesprochen angenehme Atmosphäre aus. Alle Schüler folgen aufmerksam dem Unterricht und lassen sich wenig vom Unterrichtsgeschehen ablenken. Während Stillarbeitsphasen verhält sich die Klasse sehr ruhig und arbeitet konzentriert. Keines der Kinder zeigte im Verlauf des Unterrichts gravierende Verhaltensauffälligkeiten, lediglich Ronja verspürt zwischenzeitlich manchmal einen Bewegungsdrang und redet meist ohne sich vorher gemeldet zu haben. Sie ist äußerst wissbegierig, hat keine Scheu, Fragen zu stellen sowie ihre Arbeiten der Klasse zu präsentieren. Sie gehört zu einer der leistungsstärksten Schülerinnen und fühlt sich wohl zeitweise unterfordert (kleine Zeichnungen am Rand von Hefter und Klausuren). In der Klasse ist Ronja eher der Außenseiter. Ihre langen Redephasen langweilen die Gruppen und führen dazu, dass sie sich über sie lustig machen. Ein anderer sehr begabter Schüler ist Gordon. Leider schwankt seine Mitarbeit stark, da er relativ oft ruhig im Unterricht ist. Seine Antworten jedoch sind überlegt und vielschichtig. Seine Beiträge im Unterricht sind teilweise sehr präzise und erfreulich detailliert geschildert. Neben den beiden gibt es weitere leistungsstarke Schüler. So scheinen auch Lisa und Dana der oberen Leistungsgruppe anzugehören. Auch Lucas arbeitet aktiv am Unterrichtsgeschehen mit. Seine Fragen können allerdings nicht immer dem Stundenthema zugeordnet werden und müssen daher vom jeweiligen Lehrenden geschickt behandelt werden, dennoch ist sein Interesse als durchaus positiv zu bewerten. Grundsätzlich scheinen alle Schüler für den Religionsunterricht offen zu sein, obwohl lediglich Dana, Mara und Gordan aus christlichen Familien kommen und die Klasse weitestgehend anhand der Schüleräußerungen als säkularisiert bezeichnet werden kann. Dennoch stehen den Kindern, die sich die ganze Stunde hindurch aktiv am Unterrichtsgeschehen beteiligen und sich der Klasse öffnen solche gegenüber, die sich gar nicht oder kaum beteiligen und sich zurückhaltend verhalten, wie beispielsweise Moritz. Keines der Kinder sollte jedoch als schwierig bezeichnet werden.

2. Unterrichtszusammenhang

Die Unterrichtsstunde "Kreislauf der Wiedergeburt" ist in die schon seit mehreren Wochen unterrichtete komplexe Einheit "Leben und Tod" eingebettet. In den vorangegangenen Stunden haben sich die Schüler bereits mit dem Sterben und Tod in der Antike, mit dem Leben nach dem Tod, mit der Bedeutung des Todes im Vergleich zu früher und heute, mit verheerenden Kriegen, die viele Opfer forderten, mit Todesanzeigen in der Zeitung sowie mit der christlichen Auferstehungshoffnung und der damit verbundenen Kreuzesthematik beschäftigt. Die Unterrichtsstunde "Kreislauf der Wiedergeburt" ist eine Zwischenstunde, die aus dem bekannten christlichen Kontext herausführt und sich mit dem Hinduismus beschäftigt. Die Schüler sollen eine weitere Weltreligion kennen lernen und bemerken, dass es unterschiedliche Systeme gibt, um mit dem Sterben umzugehen.

3. Sachanalyse

3.1 Hinduismus - Grundlagen

Der Hinduismus ist mit seinen 900 Millionen Anhängern die (nach Christentum und Islam) drittgrößte Religion der Welt. Sie gründet sich auf den heiligen Schriften den Veden und hat seinen Ursprung in Indien. Angehörige dieser Religion werden Hindus genannt. Der Hinduismus ist eine Religion, die aus verschiedenen Richtungen, unterschiedlichen Schulen und Ansichten bestehe. Darum gibt es kein gemeinsames für alle gleichermaßen Gültiges Glaubensbekenntnis. Die meisten Gläubigen jedoch gehen davon aus, dass Leben und Tod in einem ständig wiederholenden Kreislauf sind. Das bedeutet, dass sie an die Reinkarnation glauben.[2] Der Kreislauf der Wiedergeburt wird im Hinduismus `Samsara` genannt und wiederholt sich, bis ein Eintritt ins Nirvana ermöglicht wird. So verschieden Handlungen sein können, so unterschiedlich sind auch deren Resultate. Jede Ursache hat ihre bestimmte Wirkung. Jede Situation, jeder Zustand ist eine Folge aus Vorhergehenden. Durch unsere Taten tragen wir zu einer ständigen Entwicklung bei. Resultate entstehen auf Grund unserer eigenen Handlungen. Diese Lehre heißt `Karma` und beschreibt, dass alles Tun Vergeltung nach sich zieht. Während des Lebens wird also je nach Verhalten gutes oder schlechtes Karma angehäuft. Dieses Gesetz von Ursache und Wirkung beeinflusst auch die zukünftige Reinkarnation und die Erlösung (moksha).[3]

Ein Weg um positives Karma anzuhäufen ist es sich dem „dharma“ zu unterwerfen. Im Hinduismus wird der Kosmos als geordnetes Ganzes angesehen, der vom Dharma, dem Weltgesetz, welches die natürliche und sittliche Ordnung darstellt, beherrscht wird. Zu dieser Ordnung gehört auch die Einteilung in die Kasten. Obwohl das Kastensystem auf Grund seiner Ungerechtigkeit bereits abgeschafft wurde, spielt es im Leben der Hindus immer noch eine große soziale Relevanz. Grundsatz der Kastenordnung ist, dass die Lebewesen von Geburt an nach Aufgaben, Rechten, Pflichten und Fähigkeiten streng voneinander getrennt sind. Für die einzelnen Kasten (Varnas) gibt es unterschiedliche spezielle religiöse und kultische Vorschriften, die sich in allen Bereichen des Lebens äußern. Die Durchführung der Pflichten ist ihre unbedingte Pflicht (Dharma). Übertretungen werden noch heute oft als Versäumnis der Pflichten angesehen und ziehen folglich schlechtes Karma und eine schlechte Widergeburt mit sich. Die Hinduistische Gesellschaft war früher in vier Kasten eingeteilt.

Die oberste Gruppe waren die Brahmanen. Sie studierten die heiligen Schriften der Veden, erteilten geistliche Unterweisung und führten die rituellen Opfer aus. Die zweite Kaste ist die der Kshatriyas, die Kriegerkaste. Sie sollten die Schwachen schützen, als Könige gerecht regieren und den Brahmanen Schutz und Ermunterung bei ihren gelehrten und priesterlichen Arbeiten gewähren. Die Kaste der Vaishyas, der Händler und Hirten ist die dritte Unterteilung. Sie sollten den Reichtum des Landes durch Handel und Landwirtschaft vermehren. Die 4 Klasse ist die der Shudras, der dienende Kaste. Diese sollten als Bedienstete für die Brahmanen, Kshatriyas und Vaishyas arbeiten. Unterhalb der vier Hauptkasten sind die Dalits (früher als Unberührbare bezeichnet), die für minderwertige Arbeiten wie Toilettenreinigen und Straßenkehren zuständig sind. Heutzutage versucht die Regierung die Stellung der Dalits zu verbessern und stellt eine beträchtliche Anzahl von Arbeitsplätzen im Öffentlichen Sektor für sie bereit. Die Kasten sind wiederum unterteilt in Tausende von "Familiengruppen" oder soziale Gemeinschaften, die Jati genannt werden. In sie wird ein Individuum hineingeboren und sie sind manchmal mit einer beruflichen Tätigkeit verbunden.[4]

3.2 Hinduismus - Wiedergeburt

In der Religion des Hinduismus ist der Gedanke der Reinkarnation seit Jahrtausenden ein wichtiges Grundprinzip. Die Hindus glauben an eine Fortdauer eines wesentlichen Elements nach dem physischen Tod. Jeder Mensch beinhaltet einen Teil des Göttlichen (brahman) in sich. Brahman ist die unbeschreibbare, unerschöpfliche, allwissende, allmächtige, nicht körperliche, allgegenwärtige, ursprüngliche, erste, ewige und absolute Grundregel. Es ist ohne einen Anfang, ohne ein Ende, in allen Dingen versteckt und die Ursache, die Quelle und das Material aller bekannten Schöpfung, selbst jedoch unbekannt und doch dem gesamten Universum immanent. Nach mehrheitlicher Auffassung ist der Mensch in seinem innersten Wesenskern mit dem Brahman identisch bzw. beinhaltet einen Teil dessen. Dieser Teil heißt Atman und ist bedingt mit der Vorstellung von einer Seele zu vergleichen. Die Auflösung des Atman im brahman, die damit verbundene Erlösung und der Eintritt ins Nirwana ist das persönliche Ziel eines jeden Hindu.[5]

In einem der wichtigsten Texte des Hinduismus, der Bhagavad-Gita, wird die Seelenwanderung erläutert. Es wird dabei zwischen der vergänglichen Materie (dem Körper) und ewiger Spiritualität (der Seele) unterschieden. In der Bhagavad-Gita wird davon ausgegangen, dass der vergängliche Körper und die ewige Seele zwei Dinge sind, die nicht miteinander identisch sind. Sobald ein Körper Bewusstsein hat, muss eine Seele gegenwärtig sein, denn ein toter Körper hat kein Bewusstsein. Die Verbreitung von Bewusstsein beschränkt sich jedoch nur auf den eigenen Körper, deshalb ist jedes Lebewesen eine individuelle Seele. Weitere Merkmale der Seele sind, dass sich der Körper ernähren muss und sich fortpflanzen kann. Da auch Tiere und Pflanzen diese Merkmale aufweisen, gelten sie ebenfalls als beseelt. Der Unterschied liegt darin, dass das Bewusstsein eines Tieres bzw. einer Pflanze und eines Menschen sich nicht auf der gleichen Ebene befinden; die Seelen jedoch, die den ganzen Körper intakt halten, unterscheiden sich nicht. Weiter ist der Körper sechs Arten von Wandlungen unterlegen: er wird geboren, wächst heran, bleibt eine Zeitlang bestehen, erzeugt Nachkommen, beginnt zu altern und vergeht schließlich. Diese Wandlungen zeigen, dass der Körper von Natur aus vergänglich ist. Die Bhagavad-Gita sagt weiter, dass die Seele im Gegensatz zum vergänglichen Körper ewig ist und diese sechs Arten von Wandlungen weder durchläuft noch von ihnen beeinflusst wird: wir alle waren einmal Kinder und sind jetzt Erwachsene; der Körper hat sich gewandelt, aber die Lebenskraft im Körper, die Seele, hat sich nicht gewandelt. Wir sind immer noch wir selbst. Im Vers 2.20 steht, dass es für die Seele zu keiner Zeit Geburt oder Tod gibt, dass sie ungeboren und ewig ist und dass sie nie getötet werden kann. Es mag wahr sein, dass sich im Laufe des Lebens unser Denken, Fühlen und Wollen ändert, aber dies ist nicht mit der Seele zu verwechseln. Der Tod bedeutet für die Seele nur ein Wechseln vom Körper, ähnlich wie die ständigen Wechsel, die sie bereits im gegenwärtigen Leben durchläuft. „So wie die verkörperte Seele in diesem Körper fortgesetzt von Knabenzeit zu Jugend und zu Alter wandert, so geht die Seele beim Tod in ähnlicher Weise in einen anderen Körper ein.“ (Bhagavad-Gita, Vers 2.13) Neben unserem grobstofflichen, vergänglichen Körper, der aus Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther besteht, wird die Seele von einem feinstofflichen Körper umgeben. Der feinstoffliche Körper setzt sich aus Intelligenz, falschem Ego und Geist bzw. Verstand zusammen. Unter ‚falschem' Ego versteht man im Hinduismus unsere fälschliche Identifikation mit dem Körper: der Körper, der mich umhüllt, bin nicht ich. (Vers 3.27) Zu den Tätigkeiten des feinstofflichen Körpers gehören das Denken, das Fühlen und das Wollen. Wenn die Seele nun ihren Körper wechselt, begleitet der feinstoffliche Körper (das Denken, Fühlen und Wollen) die Seele in den neuen Körpern hinein. Doch da wir zum Vergessen neigen, wissen wir nicht mehr, was wir im letzten Leben waren. Da nun einige mehr vergessen und andere weniger, gibt es immer wieder Menschen, die sich an ihr letztes Leben erinnern. Ob die Seele nach dem Tod einen menschlichen, tierischen oder pflanzlichen Körper bekommt und ob sie in der Hölle, im Himmel oder wieder auf der Erde wiedergeboren wird, hängt von zwei Faktoren ab: von ihrem Karma und ihrem Bewusstsein zum Zeitpunkt des Todes. Wenn das Lebewesen das Bewusstsein eines Tieres angenommen hat, wird es den Körper eines Tieres annehmen müssen, ist das Bewusstsein göttlicher Eigenschaften, wird es zu einer göttlichen Form überwechseln.[6]

[...]


[1] Die folgenden Namen der Schüler wurden verändert.

[2] www.wikipedia.org

[3] Georg Schwikart, Tod und Trauer in den Weltreligionen, Gütersloh 1999. S. 77.

[4] Metz, Wulf: Handbuch Weltreligionen, Wuppertal 52003. S.175.

[5] www.heiligesindien.de

[6] Bhagavad-Gita

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Tod im Hinduismus
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Theologie)
Veranstaltung
Schulpraktische Übungen
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
20
Katalognummer
V127475
ISBN (eBook)
9783640371679
ISBN (Buch)
9783640371914
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hinduismus
Arbeit zitieren
Anja Frank (Autor), 2006, Tod im Hinduismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127475

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