Als Instrument der politischen Einflussnahme sind Wirtschaftssanktionen stark umstritten. Viele Politik- und Wirtschaftsforscher glauben längst, die universellen Anwendungsmöglichkeiten dieser widerlegt zu haben. So beispielsweise auch der US-amerikanische Politikwissenschaftler Robert A. Pape in seinem bekannten Aufsatz "Why Economic Sanctions Do Not Work", der 1997 erschien. Dennoch ist sein Heimatland der wohl stärkste Verfechter dieser Methodik der politischen Einflussnahme.
Darunter war lange Zeit auch Südafrika. Zwischen 1963 und 1993 waren Wirtschaftssanktionen gegen den damals von der Apartheid geprägten Staat aktiv. Zwar genießen die Maßnahmen gegen die afrikanische Republik einerseits den Ruf, zum Ende der Apartheid im Jahr 1994 beigetragen zu haben, so stehen diesem aber auch viele kritische Stimmen gegenüber. Levy argumentiert beispielsweise, dass die Maßnahmen gegen das Apartheid-Regime für dessen Fortbestand eher förderlich als hinderlich gewesen wären. Diese These könnte durch die Annahme gestützt werden, dass Interessensgruppen, auch aus der freien Wirtschaft, in den sanktionierenden Staaten treibende Kräfte bei der Ausübung der Maßnahmen gegen einen Zielstaat sein können. Eine solche Lobby setzte sich im Jahr 1986 auch in den USA gegen die Regierung Ronald Reagans durch und war schließlich auch an einer Intensivierung der Wirtschaftssanktionen gegen Südafrika beteiligt.
Diesen Prozess haben Kaempfer und Lowenberg in einem mikrofundierten Public-Choice-Ansatz erfasst und anhand dessen erklärt, wie Sanktionsentscheidungen durch Interessensgruppen in Sender- und Zielstaat in Hinblick auf Ausmaß und Wirkung der Maßnahmen beeinflusst werden.
Diese Arbeit soll zeigen, inwieweit die Ergebnisse dieses Modells auf die Wirtschaftssanktionen der USA gegen Südafrika zwischen 1986 und 1993 angewandt werden können und auf diesem Wege die Treibkräfte hinter den Wirkungen der Sanktionen beschreiben. Zuvor wird dafür die Methodik von Wirtschaftssanktionen mit dem Schwerpunkt auf Finanz- und Handelssanktionen erläutert. Der im Anschluss erläuterte Public-Choice Ansatz nach Kaempfer und Lowenberg (1988, S. 786-793) soll im letzten Schritt im Rahmen einer Fallstudie exemplarisch auf die Sanktionen der USA gegen Südafrika angewandt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Methodik von Wirtschaftssanktionen
2.1. Ziele von Wirtschaftssanktionen
2.2. Arten von Wirtschaftssanktionen
2.2.1. Handelssanktionen
2.2.2. Finanzsanktionen
2.3. Public-Choice-Ansatz: Entstehung und Wirkung von Sanktionen
2.3.1. Im sanktionierenden Staat
2.3.2. Im sanktionierten Staat
3. Fallstudie: Wirtschaftssanktionen der USA am Beispiel Südafrikas
4. Fazit
5. Anhang
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Wirksamkeit von Wirtschaftssanktionen der USA gegen Südafrika im Zeitraum von 1986 bis 1993 unter Anwendung des Public-Choice-Ansatzes von Kaempfer und Lowenberg. Das Hauptziel ist es, die treibenden Kräfte hinter den Sanktionsentscheidungen der Interessengruppen in Sender- und Zielstaat zu analysieren und zu erklären, wie diese politischen Einflüsse das Ausmaß und die Wirkung der Maßnahmen bestimmten.
- Grundlagentheorie wirtschaftlicher Sanktionen
- Anwendung des Public-Choice-Ansatzes auf internationale Sanktionen
- Analyse von Handels- und Finanzsanktionen als Instrumente politischer Einflussnahme
- Fallstudie zum Comprehensive Anti-Apartheid Act (CAAA)
- Untersuchung von Interessengruppen und deren Einfluss auf Sanktionsniveaus
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Als Instrument der politischen Einflussnahme sind Wirtschaftssanktionen stark umstritten. Viele Politik- und Wirtschaftsforscher glauben längst, die universellen Anwendungsmöglichkeiten dieser widerlegt zu haben. So beispielsweise auch der US-amerikanische Politikwissenschaftler Robert A. Pape in seinem bekannten Aufsatz „Why economic sanctions do not work“, der 1997 erschien. Dennoch ist sein Heimatland der wohl stärkste Verfechter dieser Methodik der politischen Einflussnahme. Weltweit sind derzeit zehn Staaten von direkten Sanktionen aus den USA betroffen (US Department of the Treasury, 2018).
Darunter war lange Zeit auch Südafrika. Zwischen 1963 und 1993 waren Wirtschaftssanktionen gegen den damals von der Apartheid geprägten Staat aktiv. Zwar genießen die Maßnahmen gegen die afrikanische Republik einerseits den Ruf, zum Ende der Apartheid im Jahr 1994 beigetragen zu haben, so stehen diesem aber auch viele kritische Stimmen gegenüber. Lee Jones von der Queen Mary University in London beispielsweise sagte im August 2018, dass die südafrikanische Wirtschaft unter den internationalen Sanktionen sogar gewachsen sei (The Week, 2018). Levy (vgl. 1999: S. 419) argumentiert außerdem, dass die Maßnahmen gegen das Apartheid-Regime für dessen Fortbestand eher förderlich als hinderlich gewesen wären.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Kontroverse um Wirtschaftssanktionen und stellt das Ziel der Arbeit vor, die USA-Sanktionen gegen Südafrika mittels des Public-Choice-Ansatzes zu analysieren.
2. Methodik von Wirtschaftssanktionen: Dieses Kapitel erläutert verschiedene Formen von Sanktionen sowie den Public-Choice-Ansatz, der das Verhalten von Interessengruppen bei der Sanktionspolitik erklärt.
3. Fallstudie: Wirtschaftssanktionen der USA am Beispiel Südafrikas: Die Fallstudie wendet den theoretischen Rahmen auf den "Comprehensive Anti-Apartheid Act" an, um die selektive Anwendung und Dynamik der spezifischen US-Sanktionen zu untersuchen.
4. Fazit: Das Fazit bewertet die Wirksamkeit des Modells kritisch und diskutiert den Beitrag der Sanktionen zur Beendigung der Apartheid.
5. Anhang: Der Anhang enthält die detaillierte formale Herleitung des Public-Choice-Modells sowie die Auflistung der Forderungen des CAAA.
Schlüsselwörter
Wirtschaftssanktionen, USA, Südafrika, Apartheid, Public-Choice-Ansatz, Handelssanktionen, Finanzsanktionen, Interessengruppen, Comprehensive Anti-Apartheid Act, CAAA, Nutzenmaximierung, Politikwissenschaft, Sanktionspolitik, Instrumente politischer Einflussnahme, Wirtschaftliche Sanktionen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Instrument der Wirtschaftssanktionen der USA am historischen Beispiel Südafrikas zwischen 1986 und 1993.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung von Sanktionen mittels des Public-Choice-Ansatzes sowie die praktische Anwendung auf ein reales Fallbeispiel.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu zeigen, inwieweit das Modell von Kaempfer und Lowenberg die Treibkräfte und Wirkungen der US-Sanktionen gegen das südafrikanische Apartheid-Regime erklären kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Methode der Public-Choice-Theorie angewandt, bei der angenommen wird, dass politische Akteure eigennützig handeln und Sanktionen zur Befriedigung von Interessengruppen im Senderstaat dienen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen des Public-Choice-Ansatzes, die Definition verschiedener Sanktionsarten (Handel/Finanzen) und die Fallstudie über den Comprehensive Anti-Apartheid Act.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Wirtschaftssanktionen, Public-Choice-Ansatz, Apartheid, USA, Südafrika und Interessengruppen charakterisieren.
Warum spielt die Textil- und Stahlindustrie im Modell eine Rolle?
Laut dem Modell übten diese durch Druck auf die US-Regierung einen protektionistischen Einfluss aus, um vorteilhafte Sanktionen zu erwirken, da sie als Produzentengruppe organisierter waren als Konsumenten.
Welche Rolle spielt der "Rally around the flag"-Effekt?
Er beschreibt die zusätzliche Solidarität der Bevölkerung im Zielland mit ihrer Regierung nach der Verhängung von Sanktionen, was die Effektivität und Durchschlagskraft der Maßnahmen beeinflussen kann.
- Citar trabajo
- Lennart Wunderlich (Autor), 2019, Das Instrument der negativen Wirtschaftssanktionen der USA im geschichtlichen Kontext. Das Beispiel Südafrika, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1274827