Die Lexeme "Frieden" und "Krieg" in den Reden von Bundeskanzlern zwischen 1982 und 2020. Eine Analyse


Akademische Arbeit, 2022

29 Seiten, Note: 1.0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1. Einführung mit Problemaufriss

2. Lexeme Krieg und Frieden – theoretischer Überblick

3. Forschungsfragen und Forschungsziele
3.1. Frequenz und Kookkurrenz
3.2. Krieg und Frieden – Wortbildungen und deren Gebrauch

4. Datenerfassung - Frequenz und Kookkurrenz von Krieg und Frieden

5. Analyse und Hypothesen zur ersten Forschungsfrage
5.1. Corpus – driven - Begründungen und Ausführung
5.2. Analyse der Ergebnisse zur ersten Forschungsfrage

6. Datenerfassung der zweiten Forschungsfrage – Wortbildungen mit den Lexemen Frieden und Krieg
6.1. Wortbildungen mit Frieden und Krieg
6.2. Auswahl der Wortbildungen
6.3. Datenerfassung der Wortbildungen mit Frieden und Krieg
6.4. Analyse der Datenerfassung

7. Fazit/Diskussion

8. Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einführung mit Problemaufriss

In dieser Untersuchung und wissenschaftlichen Arbeit werden politische Reden der deutschen Bundeskanzler*innen zwischen dem Jahr 1982 und 2020 untersucht. Dabei wird der Sprachkorpus von DWDS verwendet, der die Korpusbelege von politischen Reden zwischen 1982 und 2020 in deutschen Parlamenten gesammelt und sortiert hat. Politische Reden, insbesondere Regierungserklärungen, sollen der Zeit und den Umständen entsprechend angemessen sein und deren Stil spiegelt oft die jeweiligen gesellschaftlichen Debatten sehr gut wider. Für die jeweiligen Forschungsfragen und Hypothesen, die in einer Datenaufarbeitung beantwortet und hinterfragt werden sollen, ist der Korpus von DWDS gut geeignet. Budenhofer beschreibt den Sprachkorpus so. „Das DWDS-Portal ist weit mehr als nur ein Korpus, denn es vereinigt Wörterbücher, verschiedene Korpora und statistische Auswertungen.“1 Dazu zählt auch die Datensammlung der politischen Reden, die dementsprechend ausführlich zur Verfügung steht. Der Untersuchungsgegenstand basiert auf die politischen Reden von Bundeskanzler*innen zwischen 1982 und 2020 in Bezug auf die Lexeme Krieg und Frieden. Dabei sollen vor allem die jeweiligen sprachlichen Felder und Räume betrachtet werden, die sich in Zusammenhängen mit diesen Lexemen zu einem gewissen chronologischen und somit auch politischen Zeitpunkt zwischen 1982 und 2020 verändert und entwickelt haben. Auch die politische Stimmung und die damit verbundene gegenseitige Auswirkung auf Sprache von Regierungserklärungen und Reden können damit erfasst und dokumentiert werden. „Gleichwohl muss beachtet werden, dass politische Sprache – insbesondere in politischen Reden – vor allem einen persuasiven oder auch werbenden Grundcharakter verfolgt und nicht in erster Linie der Wahrheitsfindung verpflichtet ist.“2 Franziska Wittau weist in ihrem Online – Beitrag zurecht darauf hin, dass politische Sprache immer gesellschaftliche und politische Vorgänge aus einer subjektiven oder parteipolitischen Perspektive darstellt. Jedoch können eben durch diesen erwähnten persuasiven oder auch werbenden Grundcharakter Rückschlüsse auf die politische Stimmung und das politische Framing in den Reden gemacht werden. Dadurch kann man auch die politische Sprache in ihrer Entwicklung, welche unausweichlich mit den politischen Charakteren und gesellschaftlichen Gegebenheiten verbunden sind, begutachten. Deswegen gilt über allem die Feststellung, dass man sich von der Vorstellung verabschieden solle, Sprache diene in erster Linie der Informationsvermittlung.3

2. Lexeme Krieg und Frieden – theoretischer Überblick

Krieg und Frieden unterliegen einer semantischen Assoziation, die diese Begriffe miteinander verbindet. Dadurch spricht man hier von einer Kollokation, die bei diesen Lexemen semantisch begründet ist.

„Ganz allgemein gesprochen bezieht sich der Terminus Kollokation auf das sprachliche Phänomen, dass manche Wörter bevorzugt mit bestimmten anderen vorkommen. Oft bedingt das Auftreten eines Wortes beim Hörer oder Leser die Erwartung, dass in unmittelbarer Umgebung auch ein bestimmtes anderes Wort erscheint.“4

Diese kurze Definition von Birgit Steinbügl zeigt die sprachlichen Räume auf, mit denen sich der erste Teil diese Arbeit befasst. Dabei sind nicht nur die Frequenz der untersuchten Lexeme, ob alleinstehend oder eben durch die semantische Assoziation verbunden, von Bedeutung, sondern auch die sprachlichen Gegebenheiten, die die beiden Lexeme miteinander verbinden lassen. Wenn der Hörer oder Leser erwartet, dass nach Krieg in einer politischen Rede Frieden folgt oder umgekehrt, soll geklärt werden, in welchen Zusammenhängen und mit welchen Wörtern diese beiden Lexeme vom Kommunikator in einer wörtlichen Ausführung verknüpft werden. Wenn man von Kollokationen, semantischen und lexikalischen Assoziationen ausgeht, kann man verschiedene Muster erkennen, die auch immer einer zeitlichen Ebene unterliegen und im Fall einer Rede auch anders aufgebaut sind, als bei einem ausschließlich schriftlich verfasstem Text. Budenhofer hat in seinen Ausführungen im Netz ein Wortschatz Lexikon von der Universität Leipzig zitiert und auch den Begriff der Kollokation mit nachfolgender Grafik dargestellt.5 Damit wird beispielhaft aufgezeigt, welche verschiedenen Begriffe in diesem speziellen Korpus gemeinsam mit Frieden auftauchen und in einem semantischen Kontext miteinander verbunden werden. Auffällig dabei ist vor allem, dass auch Ländernamen und verschiedene Regionen in Verbindung stehen. Alleine dadurch kann man schon die chronologischen Verknüpfungen erfassen, und vor allem auch die subjektive Priorität der Rednerin oder des Redners bei der nachfolgenden Untersuchung. So kann man durch die Analyse dieses Korpus deutlich ergreifen, wann welche Begriffe von einer Bundeskanzlerin oder eines Bundeskanzler ganz bewusst geprägt worden sind. Dies sagt dann im Umkehrschluss auch immer viel über die gesellschaftlichen Debatten aus, da der Regierungschef Deutschlands von der Gesellschaft und auch umgekehrt beeinflusst.

3. Forschungsfragen und Forschungsziele

3.1. Frequenz und Kookkurrenz

Als erster wesentlichen Punkt soll untersucht werden, in welch einer Häufigkeit die Lexeme Krieg und Frieden in den Reden der Bundeskanzler*innen auftauchen. Man soll also die aufeinander basierte Kookkurrenz bestimmen und untersuchen. Kookkurrenz kann man wie folgt definieren. „Im Rahmen des Kontextualismus definierter Begriff für das gemeinsame Vorkommen sprachl.[sic!] Einheiten in einem Kontext von fest definierter Größe.“6 Wichtig bei dieser Untersuchung ist, dass man die definierte Größe in einem festgelegten Kontext nicht außer Acht lässt. Denn diese ist maßgeblich für die Reliabilität der gesamten Datenerfassung und Datenauswertung entscheidend. Diese erste Forschungsfrage, die thematisiert werden soll ist aber der erste Schritt, denn „im ersten Abschnitt dieses Beitrags ist zur Veranschaulichung des lexikologischen Nutzens der Korpuslinguistik nur die Frequenzanalyse herangezogen worden. Sie ist zwar die Basis jeder korpuslinguistischen Lexikologie, aber, wie sich schon andeutete, keineswegs deren Grenze.“7 Wie auch Ulrike Haß-Zumkehr in Ihren Ausführungen feststellt, ist dies der erste Schritt, um eine linguistische Analyse durchführen zu können. Dies gilt auch für die Untersuchung von Politischem Framing und seinen Auswirkungen und Gegebenheiten. Dabei kann man auch in einem ersten Schritt noch weiter gehen. Wie bereits im vorherigen Kapitel beschrieben und im Anhang versehen, kann man auch Krieg und Frieden mit anderen Begriffen verbinden und so die dadurch entstehende Kookkurrenz zu weiteren Wörtern feststellen und analysieren. Dadurch kann man schon sehr früh erkennen, welche verschiedenen Begrifflichkeiten zu den jeweiligen Lexemen eine Assoziation aufbauen. Um nun neben den grundsätzlichen linguistischen, theoretischen Ansätzen die thematische Auseinandersetzung mit Politischem Framing zu beachten muss man zur Untersuchung der Forschungsfrage und des Forschungszieles folgendes begreifen. Elisabeth Wehling stellt in ihrem Buch die Bedeutung eines semantischen Frames dar. So beschreibt sie, dass wenn wir ein Wort hören oder lesen, wir nicht nur das jeweils repräsentierte einzelne Konzept simulieren würden, sondern zusätzlich auch noch eine ganze Reihe weitere Konzepte. So verberge sich hinter Wörtern und Sätzen immer mehr als eine Bedeutung, die zunächst mit bloßem Auge nicht erkennbar sei.8 Damit bringt sie sehr deutlich zum Ausdruck, dass ein Frame erstens nur eine begrenzte Aussage hergibt, wenn man diesen isoliert und alleinstehend betrachtet und zweitens die genaueren Hintergründe dazu untersuchen muss, um nicht nur Intention des Redners oder der Rednerin zu begreifen, sondern auch die daraus resultierende Aussagekraft der verwendeten Lexeme zu erfassen. Insgesamt soll also diese erste Forschungsfrage erfassen, welche Bundeskanzler*innen in ihren politischen Reden und Regierungserklärungen die Lexeme eingesetzt und auf unterschiedliche Art und Weisen zur politischen Übermittlung von ihren Aussagen verwendet haben. Ziel ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, auf welche Art von Kommunikation die verschiedenen Bundeskanzler*innen gesetzt haben, und welche Schlussfolgerungen man daraus ziehen kann. Besonders interessant ist dann hierbei zu sehen, wie auf verschiedene Formen von Krisen und anderen brisanten Situationen reagiert worden ist. So stellt sich auch die Frage, ob sich die Art des politischen Redens zwischen den beiden Parteien CDU und SPD, die bis jetzt eine Kanzlerin oder einen Kanzelr stellten, stark unterscheiden oder sogar ähneln. Hierbei kann man dann auch zeitliche Unterschiede und Entwicklungen sehr schön ablesen und vergleichen, um Erkenntnisse zu gewinnen. Im Grundsatzprogramm der SPD aus dem Jahre 2007 ist ein Unterkapitel auch dem Frieden gewidmet. So spricht das Programm von Konfliktverhinderung und einer dauerhaften Friedenschaffung. Auch von einer Friedenskraft wird gesprochen. Hier merkt man sehr schnell, dass Krieg hier bewusst gemieden wird.9 Dabei ist der Vergleich zu den Reden der sozialdemokratischen Bundeskanzler noch viel wichtiger. So kann man in einem abschließender Analyse auch Auszüge von Grundsatzprogrammen mit der realen politischen Sprache vergleichen. Auch Wahlprogramme können dabei eine Grundlage für einen Vergleich darstellen. Die oben genannten Begriffe, in denen das Lexem Frieden mit einem anderen Lexem verbunden worden ist, führt zur zweiten, wichtigen Forschungsfrage.

3.2. Krieg und Frieden – Wortbildungen und deren Gebrauch

In einem zweiten Analyseschritt sollen Wortverbindungen mit den Lexemen Frieden und Krieg in den Reden untersucht werden. Dabei spielt dann vor allem die kontextuelle Umgebung eine sehr wichtige Rolle. Denn so kann man dann auch linguistische Phänomene erkennen, die in verschiedenen Phasen des politischen Lebens entstanden sind, und womöglich durch einzelne Personen geprägt worden sind. So kann im thematischen Feld Corona beispielsweise das Wort Coronawelle als ein neues Phänomen in der politischen Sprache verbucht werden. Mit den politischen Reden, welche auf das Zeitgeschehen reagieren, verändert sich auch die Sprache und es entstehen ständig neue Neologismen. Neben dem kann es auch zu einer neueren, häufigeren Verwendung von älteren Begriffen kommen, welche vielleicht zu früheren Zeiten schon mal eine Rolle gespielt haben. Um zu verstehen, wie Wortbildungen entstehen und wieso sie gerne verwendet werden, muss man als Rezipient, in diesem Fall die Bevölkerung und andere Parlamentarier, begreifen, dass hinter jeder gebrauchten Wortbildung eine Botschaft steckt. Prof. Dr. Alexander Ziem hat in einem Interview im Jahr 2019 dazu folgendes gesagt:

„Man sehe sich einen Ausdruck wie Kostendämpfungspauschale an, vielleicht ein schönes Beispiel für eine komplexe Wortbildung, über die man sicherlich nicht nur bei der ersten Begegnung stolpern muss.[…] Jemand zahlt offensichtlich eine Pauschale, es gibt einen Empfänger der Pauschale, die Pauschale hat eine bestimmte Höhe, also einen bestimmten Wert, und sie hat auch einen bestimmten Zweck, den sie erfüllt. In diesem konkreten Fall soll sie offensichtlich Kosten dämpfen. Man kann nun fragen: Kosten für wen? Wer kommt für sie auf? Wie kommen sie auf?“10

Man kann hier folglich erkennen, dass es immer um eine Botschaft seitens der Rednerin oder des Redners geht. Dies ist also auch Teil des zweiten Forschungsziels. In einem ersten Schritt will man diese Phänomene identifizieren und in einem zweiten Schritt muss man untersuchen, in welche sprachlichem Kontext diese Wortbildungen verwendet worden sind. So kann man das Einsetzen dieser neuen Wortbildungen in einem politischen Kontext identifizieren und besser nachvollziehen. Dieser politische Kontext muss auch immer in seiner Eigenbetrachtung wahrgenommen werden. Deswegen ist es auch immer wichtig, die Wortbildungen, also die Sprache, als eine von der Alltagssprache abgesetzten Sprache zu betrachten.

„Da viele aber nicht sagen können, wie sie erleben, fühlen sie sich verpflichtet, so zu erleben, wie diese Herrschaftssprache es der schweigenden Mehrheit vorschreibt. Wie man erlebt. Die Herrschaftssprache hat die Tendenz, uns zu entmündigen, um uns verfügbar zu machen. Sie kastriert uns politisch Tag für Tag. Was Literatur leistet: [...] Der Schriftsteller blickt um sich. Indem er den Redensarten (der politischen Sprache, Anm. d. A.) eine andere Sprache entgegensetzt, die Sprache seiner Erfahrung, entlarvt er die Herrschaftssprache als Herrschaftssprache, als Trug-Sprache [...]."11

In diesem zugegebenen heftigen Statement von Max Frisch wird aber sehr deutlich, wieso es wichtig ist die Form der Sprache zu betrachten und zu analysieren. Denn dadurch zeigt sich erst der eigentliche Hintergrund der Botschaften durch Politiker*innen. In diesem Fall wird hier jedoch nicht eine andere Sprache als Gegensatz verwendet, sondern eine linguistische Analyse von politischer Sprache als Grundlage für eine solche Auseinandersetzung durchgeführt. Dies ist auch ein Grund dafür, weswegen man es als eine eigenständige Disziplin bezeichnen kann. Die grundsätzliche Herangehensweise, mit welcher die jeweiligen Forschungsfragen beantwortet und die Forschungsziele erreicht werden sollen, werden auch in der Fachliteratur als solche durchaus legitime Methodik begründet.

"[I] n Korpuslinguistik Quantitative und qualitative Methoden werden häufig in Kombination verwendet. Es ist auch charakteristisch für die Korpuslinguistik, mit quantitativen Befunden zu beginnen und auf qualitative Befunde hinzuarbeiten. Aber [...] das Verfahren kann zyklische Elemente aufweisen. Im Allgemeinen ist dies der Fall. Es ist wünschenswert, quantitative Ergebnisse einer qualitativen Prüfung zu unterziehen, um beispielsweise zu erklären, warum ein bestimmtes Frequenzmuster auftritt.“12

Man kann also feststellen, dass die jeweiligen Herangehensweisen bei beiden Forschungszielen valide sind. Eine quantitative Analyse wird zunächst die Frequenz und Kookkurrenz erfassen, um in einem weiteren Schritt dann die Qualität der sprachlichen Phänomene untersuchen zu können.

4. Datenerfassung - Frequenz und Kookkurrenz von Krieg und Frieden

Als ersten Bestandteil der Datenerfassung greifen wir die Frequenz und die Kookkurrenz auf. Bevor man die aus den Forschungsfragen und Forschungszielen durchgeführte Datenerfassung aufzeigt und durchführt muss man an diesem Punkt erwähnen, dass die Datenerfassung an sich noch keine tiefgreifendere Erkenntnisse liefert, sondern in einem ersten Effekt nur die sprachliche Oberfläche wiederspiegelt.

„In Korpora sind die Äußerungskontexte der gesammelten Sprachdaten unsichtbar, sieht man von den spärlich vorhandenen Metadaten ab. Korpusanalytische Tools erlauben keinen Zugriff auf die Bedeutung, sondern lediglich auf die sprachliche Oberfläche. Sie bilden keine komplexen Verweiszusammenhänge ab, sondern liefern Listen isolierter Einzelphänomene.“13

Nach dieser Klarstellung kann man Datenerfassung und Analyse gut voneinander unterscheiden. In einem ersten Schritt soll man dann im DWDS – Sprachkorpus zu politischen Reden eine Abfrage zu Erfassung einer solchen Frequenz und Kookkurrenz durchführen. Mit der Abfrage „Frieden && Krieg #has[country,DE] #has[role,Bundeskanzler]“ lässt sich die gemeinsame Verwendung der Lexeme Krieg und Frieden in den Reden der Bundeskanzler*innen ermitteln. Nach der durchgeführten Suchanfrage im Korpus kann man verschiedene Ergebnisse feststellen. Helmut Kohl hat in seinen Reden beide Lexeme gemeinsam in einer Rede genau 60 mal in fast 16 Jahren Regierungszeit verwendet. Wenn man nun die Reden von Angela Merkel betrachtet, kann man feststellen, dass diese in einer ähnlich langen Regierungszeit die beiden Wörter miteinander oder im gleichen Kontext insgesamt 51 mal verwendet hat. Dabei ist dann auch der Vergleich zu Gerhard Schröder durchzuführen, der in seiner siebenjährigen Regierungszeit die beiden Lexeme miteinander nur 18 mal in einer Rede verbunden und aufgegriffen hat. Damit ist erst einmal festgestellt, dass beide Lexeme insgesamt 129 mal seit dem Jahr 1983 in Reden von Bundeskanzler*innen gemeinsam in einer Rede genannt wurden. In einem weiteren Schritt wird jetzt der sprachliche Kontext der der beiden Lexeme Krieg und Frieden betrachtet. Dabei findet jetzt hier eine getrennte Betrachtung statt. Das heißt, in diesem Fall betrachtet man die beiden Begriffe isoliert, um die beiden sprachlichen Kontexte vergleichen zu können. Dabei erfolgt bei der Betrachtung des Lemmas Frieden die Eingabe „"$p=ADJA 'Frieden'" #has[country,DE] #has[role,Bundeskanzler]“ in den Sprachkorpus, um die Adjektive, welche mit dem untersuchten Lemma in den Reden verwendet worden sind, zu analysieren. Dabei werden nun hier die jeweiligen Fundwörter aufsteigend angezeigt, um die Verwendung zu vergleichen. Dabei werden im Anhang verschiedene Abbildungen gezeigt, um die nachfolgende Datenerfassung verständlicher zu gestalten.14 Zunächst fällt dabei auf, dass das Adjektiv „dauerhaft“ insgesamt 81 mal in verschiedenen Deklinationen gemeinsam mit dem Lemma Frieden in einer Rede von einer oder einem Bundeskanzler*in verwendet worden ist. Neben dem Adjektiv „dauerhaft“ ist auch immer wieder das Adjektiv „sozial“ gebraucht worden. Insgesamt wurde es in den Reden 51 mal in diesem Zusammenhang hergenommen. Neben dem Sozialem wurde auch noch häufig von einem „inneren Frieden “ gesprochen. Dieser wurde in verschiedenen Deklinationen insgesamt 37 mal in diesem Kontext gebraucht. Diese drei Adjektive werden am häufigsten verwendet. Wenn man dann die drei Bundeskanzler*innen gesondert betrachtet, dann stellt man fest, dass Gerhard Schröder vor allem von einem „dauerhaften Frieden“ und einem „sozialem Frieden“ in seiner Regierungszeit gesprochen hat. Angela Merkel hat diese drei Wortphrasen etwas seltener als ihre Kollegen verwendet, hat sich wenn dann, vor allem in ihren Reden auf den „sozialen Frieden“ konzentriert. Helmut Kohl hingegen hat vor allem sehr häufig, insgesamt sogar überproportional mit 31 mal von einem sogenannten „inneren Frieden“ gesprochen. Von einem inneren Frieden wurde von Gerhard Schröder oder Angela Merkel sehr selten bis gar nicht gesprochen. Wenn man nun die selbe Untersuchung mit dem Lemma Krieg durchführen will, muss man nach „"$p=ADJA 'Krieg'" #has[country,DE] #has[role,Bundeskanzler]“ suchen, um die Adjektive mit diesem Lemma zu untersuchen. Dabei fällt zunächst vor allem auf, dass im Zusammenhang mit Krieg vor allem der „Kalte Krieg“ in den verschiedenen Reden häufig gebraucht worden ist. Von insgesamt 513 Treffern bei der Untersuchung von Adjektiven, die gemeinsam mit Krieg verwendet worden sind, ist dabei 375 mal der „Kalte Krieg“ gemeint gewesen. Danach gab es auch noch verschiedene andere Kriege, auf denen Bezug genommen wurde. So tauchen auch die Begrifflichkeiten „30-jähriger Krieg“ und „deutsch-französischer Krieg immer wieder auf. Jedoch wird Krieg in den Reden vor allem immer mit einem negativ konnotierten Adjektiv in Verbindung gesetzt. Häufig wird von einem schrecklichen Krieg gesprochen. Auch Wörter wie furchtbar oder auch entsetzlich werden immer mal wieder aufgenommen, um einen jeweiligen Krieg zu beschreiben. Des Weiteren kann man auch betrachten, welche Bundeskanzler*innen den Kalten Krieg am häufigsten thematisiert haben. Hier fällt Eines besonders auf. Die Häufigkeit, in der vom sogenannten „Kalten Krieg“ gesprochen wurde, nahm chronologisch stets zu. So erwähnte Helmut Kohl diesen in fast 16 Jahren nur 51 mal, Gerhard Schröder in seinen sieben Jahren als Kanzler ganze 50 mal und Angela Merkel schließlich insgesamt 274 mal.

5. Analyse und Hypothesen zur ersten Forschungsfrage

5.1. Corpus – driven - Begründungen und Ausführung

Für die Analyse und die Hypothesenbildung der beiden Forschungsfragen und der beiden Forschungsziele ist eine Methodik von Nöten, die auf corpus-driven basiert. Dies ist vor allem immer bei einer Untersuchung notwendig, die sich intensiv mit Kookkurrenz beschäftigt. Und genau dies wurde unter der ersten großen Datenerfassung vorgenommen. Kathrin Steyer und Meike Lauer haben dies in ihren Ausführungen auch nochmal so dargelegt.

„Die linguistische Interpretation der Kookkurrenzdaten erfolgt also konsequent nachgelagert (a posteriori). A posteriori heißt jedoch nicht voraussetzungslos und theoriefrei. Ohne Zweifel haben wir Ordnungssysteme im Kopf, die je nach Datenbefund die Interpretation der Daten mit bedingen. Diese Ordnungssysteme sind nicht immer gebunden an linguistische Kategoriensysteme. Spezifische linguistische Kategorien bilden demzufolge nicht den erfahrungsunabhängig vorgelagerten Erklärungsrahmen für das zu Analysierende und Bewertende. Sie dienen höchstens als ein Mittel der ‘a posteriori-Kommentierung’, und zwar in den Fällen, in denen sich ein interpretiertes Phänomen mit vorhandenen linguistischen Kategorien fassen lassen kann. Prinzipiell ist es aus korpusgesteuerter Sicht sinnvoller, die beobachteten Phänomene zunächst theorienneutral heuristisch zu beschreiben“15

Hiermit wird folglich auch die Herangehensweise in der Datenerfassung begründet, welche sich vor allem auf deskriptive Formulierungen konzentriert hat. Eine vorübergehende Darstellung der Oberfläche ist notwendig, um daraus eine analytische Ausführung bis hin zu einer Hypothesengestaltung durchführen zu können. In einem nachfolgenden Schritt wird nun die dargestellte Evidenz akzeptiert, um dann aufgrund der Sprachdaten eine Konkretisierung anstreben zu können. Zudem solle die evidenzbasierte Analyse deskriptive Aussagen beinhalten, die die Evidenz reflektieren sollen.16 Mit dieser Methodik wird nun die erste Datenerfassung im Sprachkorpus aufgearbeitet. Beispielhaft für so eine Forschung ist auch die sogenannte move-analysis, die einer quantitativen Typizität unterliegt.17

[...]


1 Budenhofer, 2022.

2 Wittau, 2016.

3 Vgl. Niehr, 2014, S. 13.

4 Steinbügl, 2005, S.3.

5 Budenhofer (Anhang Bild 1), 2022.

6 Glück, Rödel, 2016, S.368.

7 Haß- Zumkehr, 2002, S.54.

8 Wehling, 2018,

9 Vgl. Grundsatzprogramm SPD, 2007, S.19.

10 Ziem, 2019, S.7

11 Frisch, 2008, S.67-68.

12 Kübler, Zinsmeister, 2015,

13 Kupietz, Schmidt, 2020, S.61.

14 Anhang Bild 2.

15 Lauer, Steyer, 2007, S.494.

16 Vgl. Lauer, Steyer, 2007, S.493.

17 Vgl. Biber, Connon, Upton 2007.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Die Lexeme "Frieden" und "Krieg" in den Reden von Bundeskanzlern zwischen 1982 und 2020. Eine Analyse
Hochschule
Universität Passau
Note
1.0
Jahr
2022
Seiten
29
Katalognummer
V1274838
ISBN (Buch)
9783346724465
Sprache
Deutsch
Schlagworte
lexeme, frieden, krieg, reden, bundeskanzlern, eine, analyse
Arbeit zitieren
Anonym, 2022, Die Lexeme "Frieden" und "Krieg" in den Reden von Bundeskanzlern zwischen 1982 und 2020. Eine Analyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1274838

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