The phenomenon „Doppelperfekt“ (or according to Litvinov (1998): „doppelte Perfektbildung“) is a neglected subject in the german linguistics. There are just a few workings which are engaged in this topic. This paper is supposed to be an attempt of a historical reconstruction of this development in comparison to Norwegian. German and Norwegian started with a comparable tense system but anyhow the DPF did not emerge in Norwegian in contrast to German. This comparative survey could show that the reason why Norwegian never developed such double perfect periphrasis’ as German did could be found in the fact that the simple perfect forms preserved the original sense with a present reference (as present anterior) and that in addition the subjunctive field has not supported the grammaticalisation of the past participle of the auxiliar as a form for expressing an (additional) past sense. In other words this means that the absence of those factors which the author in a former paper assumed to be crucial for the emergence of the DPF in German can be assumed to be the reason for the absence of the DPF in Norwegian.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die historische Entwicklung des deutschen und norwegischen Vergangenheits-Tempussystems
3. Das gegenwärtige deutsche und norwegische Vergangenheits-Tempussystem
4. Ursachen für die Entwicklung des deutschen so genannten „Doppelperfekts” im Vergleich zum Norwegischen
5. Schlussfolgerung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit rekonstruiert historisch die Entwicklung des deutschen und norwegischen Vergangenheits-Tempussystems, um die Entstehung der deutschen „Doppelperfekt“-Formen zu erklären. Dabei wird untersucht, warum sich diese Strukturen im Deutschen entwickelten, während sie im verwandten Norwegischen ausblieben, wobei insbesondere die unterschiedliche Perfektentwicklung und der Einfluss des Konjunktivs analysiert werden.
- Historische Rekonstruktion des germanischen Tempussystems
- Vergleichende Analyse der Perfektentwicklung im Deutschen und Norwegischen
- Funktion und Entstehung des deutschen Doppelperfekts
- Die Rolle der Aktionsart bei der Reinterpretation von Perfektformen
- Einfluss des Konjunktivverlusts auf die Entstehung doppelter Periphrasen
Auszug aus dem Buch
Ursachen für die Entwicklung des deutschen so genannten „Doppelperfekts” im Vergleich zum Norwegischen
Laut Porath (2007) ist das deutsche doppelte Perfekt in Zusammenhang mit der Entwicklung des Vergangenheits-Tempussystems, so wie es zuvor dargestellt wurde, entstanden. Nach der Reinterpretation des Perfekts zur grammatischen Form, die ein vergangenes Ereignis beschreibt, entstand eine Asymmetrie zwischen der allgemein gebräuchlichen Bedeutung des Perfekts und dem Perfekt mit resulativen und mutativen Verben, bei denen diese Reinterpretation aufgrund der Aktionsart nicht stattgefunden hat. In diesen Fällen hat das Perfekt immer noch die ursprüngliche Bedeutung und – das ist der springende Punkt – um den gleichen Sachverhalt ausdrücken zu können, wurde eine zusätzliche Form notwendig.
Die doppelte Periphrase ist daher notwendig, um ein imperfektives Perfekt (d.h. ein Perfekt, dass semantisch gesehen ein Resultativ ist) zu perfektivieren oder (in der Bezeichnung nach Hanssen (1975)), um aus einem Ereignisperfekt ein Zustandsperfekt zu machen, sodass es schließlich in allen Fällen möglich ist, den Sachverhalt: E vor R = S auszudrücken, auch wenn zwei grammatische Formen dazu erforderlich sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Das Kapitel führt in das vernachlässigte Phänomen des „Doppelperfekts“ ein und formuliert das Ziel, die unterschiedliche Entwicklung der Tempussysteme des Deutschen und Norwegischen historisch zu rekonstruieren.
2. Die historische Entwicklung des deutschen und norwegischen Vergangenheits-Tempussystems: Hier wird der gemeinsame germanische Ursprung des Tempussystems erläutert und die Reanalyse der resultativen Konstruktionen mit „haben“ und „sein“ zu einem allgemeinen Vergangenheitstempus beschrieben.
3. Das gegenwärtige deutsche und norwegische Vergangenheits-Tempussystem: Das Kapitel vergleicht den aktuellen Status der Perfektperiphrasen und zeigt auf, dass das Norwegische ein konservativeres System bewahrt hat, während das Deutsche eine Umstrukturierung erfahren hat.
4. Ursachen für die Entwicklung des deutschen so genannten „Doppelperfekts” im Vergleich zum Norwegischen: Es wird argumentiert, dass das Doppelperfekt als strukturelle Lösung für die resultative Bedeutung bei bestimmten Verben entstanden ist, um eine Lücke im Tempussystem zu schließen, die im Norwegischen nicht auftrat.
5. Schlussfolgerung: Die Untersuchung bestätigt, dass die Bewahrung der ursprünglichen Perfektbedeutung und der Wegfall konjunktivischer Strukturen im Norwegischen die Entwicklung von Doppelperfekt-Formen verhindert haben.
Schlüsselwörter
Doppelperfekt, doppelte Perfektbildung, Tempussystem, Germanisch, historischer Sprachwandel, Perfektperiphrase, Konjunktiv, Reanalyse, resultative Konstruktion, Aktionsart, Sprachvergleich, Deutsch, Norwegisch, Grammatikalisierung, Vergangenheitstempus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Tempussysteme im Deutschen und Norwegischen und sucht nach Gründen, warum im Deutschen doppelte Perfektformen entstanden sind, im Norwegischen jedoch nicht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Linguistik, dem Sprachvergleich zwischen Deutsch und Norwegisch, der Tempussemantik sowie der Entstehung grammatikalischer Formen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die historische Rekonstruktion und Erklärung der strukturellen Bedingungen, die zur Entstehung der deutschen Doppelperfekt-Konstruktionen geführt haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende sprachwissenschaftliche Studie, die historische Quellen und grammatikalische Theorien nutzt, um die Entwicklung beider Sprachen in Relation zueinander zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung der Perfekt-Periphrasen von der germanischen Grundsprache bis zur Gegenwart sowie der speziellen Rolle der Aktionsarten und der Konjunktivformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Doppelperfekt, historischer Sprachwandel, Perfektperiphrase, Reanalyse und Tempussemantik.
Warum haben sich im Norwegischen keine Doppelperfekte entwickelt?
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass das norwegische Perfekt seine ursprüngliche Funktion als Präsens Anterior weitgehend bewahrt hat und keine strukturelle Lücke entstand, die eine doppelte Periphrase notwendig gemacht hätte.
Welche Rolle spielt der Konjunktiv für das Doppelperfekt im Deutschen?
Der Verlust der Konjunktivformen im Norwegischen entzog diesem Sprachbereich den Einfluss auf die Grammatikalisierung, während im Deutschen der Konjunktiv die Entwicklung des Doppelperfekts mit unterstützen konnte.
- Quote paper
- Christine Porath (Author), 2007, Die Entwicklung des deutschen und norwegischen Vergangenheits-Tempussystems im Vergleich – in Hinblick auf das deutsche sog. “Doppelperfekt” , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127484