Mead argumentiert in seinem Werk „Mind, Self and Society“ für die Auffassung, dass das Selbst in sozialen Kontexten entsteht, sodass eine Person dadurch ein Selbst entwickelt, dass er oder sie die Werte seiner Mitmenschen übernimmt und diese als ihre eigenen Werte internalisiert. Diese Tatsache fasst Mead unter den Begriff „der generalisierte Andere“. Nachdem Mead sich damit beschäftigt hat, wie das Selbst in der Gesellschaft entsteht, versucht er seine eigene Ethik auf dieser Theorie über das Selbst aufzubauen. Diese Ethik ist nicht völlig neu, sondern schließt sich an Kants ethische Theorie über moralische Urteile und Handlungen an. Laut Kant ist insbesondere die Allgemeingültigkeit der moralischen Urteile in Bezug auf Handlungen in verschiedenen Situationen wichtig. Dies bedeutet, dass verschiedene Menschen eine bestimmte Handlung in einem bestimmten aber gleichen Kontext in Hinblick darauf, ob die Handlung moralisch ist oder nicht, d.h. ob sie gut oder schlecht ist, gleich beurteilen würden. Solche allgemeingültigen Urteile sind laut Kant nur möglich, weil die Vernunft des Menschen ein Gesetz gibt (den kategorischen Imperativ), mit dem es möglich ist, Handlungen in Bezug auf ihre Moralität zu beurteilen, sodass nicht der Inhalt, sondern die Form der Handlung das moralische Urteil ausmacht (d.h. dass der moralische Wert theoretisch mit Hilfe dieses allgemeinen Gesetzes, unabhängig von der konkreten Handlung
bzw. Inhalt, bestimmt werden kann). Mead übernimmt diese Bedingung für moralische Urteile, dass sie generalisierbar sein müssen, aber erklärt die Allgemeingültigkeit mit der Entwicklung des Selbst und des Verstandes, so wie er dies in den vorangehenden Kapiteln von „Mind, Self and Society“ ausgeführt hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Ethik im Kontext der Sozialisierung - zu G.H. Meads ethischem Konzept
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das ethische Konzept von G.H. Mead und dessen Verknüpfung mit seiner Theorie der Sozialisierung. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie moralisches Handeln auf Basis der internen Wertebildung durch den "generalisierten Anderen" und unter Berücksichtigung rationaler sozialer Erwartungen begründet werden kann.
- Die Entstehung des Selbst durch soziale Interaktion
- Der "generalisierte Andere" als moralische Instanz
- Die Übertragbarkeit Kantscher Ethik auf Meads Theorie
- Das Verhältnis zwischen individuellem Egoismus und sozialer Verantwortung
- Die Rolle sozialer Konsequenzen bei der moralischen Urteilsbildung
Auszug aus dem Buch
Ethik im Kontext der Sozialisierung
Mead argumentiert in seinem Werk „Mind, Self and Society“ für die Auffassung, dass das Selbst in sozialen Kontexten entsteht, sodass eine Person dadurch ein Selbst entwickelt, dass er oder sie die Werte seiner Mitmenschen übernimmt und diese als ihre eigenen Werte internalisiert. Diese Tatsache fasst Mead unter den Begriff „der generalisierte Andere“. Nachdem Mead sich damit beschäftigt hat, wie das Selbst in der Gesellschaft entsteht, versucht er seine eigene Ethik auf dieser Theorie über das Selbst aufzubauen. Diese Ethik ist nicht völlig neu, sondern schließt sich an Kants ethische Theorie über moralische Urteile und Handlungen an.
Laut Kant ist insbesondere die Allgemeingültigkeit der moralischen Urteile in Bezug auf Handlungen in verschiedenen Situationen wichtig. Dies bedeutet, dass verschiedene Menschen eine bestimmte Handlung in einem bestimmten aber gleichen Kontext in Hinblick darauf, ob die Handlung moralisch ist oder nicht, d.h. ob sie gut oder schlecht ist, gleich beurteilen würden. Solche allgemeingültigen Urteile sind laut Kant nur möglich, weil die Vernunft des Menschen ein Gesetz gibt (den kategorischen Imperativ), mit dem es möglich ist, Handlungen in Bezug auf ihre Moralität zu beurteilen, sodass nicht der Inhalt, sondern die Form der Handlung das moralische Urteil ausmacht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ethik im Kontext der Sozialisierung - zu G.H. Meads ethischem Konzept: Das Kapitel erläutert, wie Mead das Selbst als soziales Konstrukt definiert und auf dieser Grundlage eine Ethik entwickelt, die moralische Urteile als generalisierbare, sozial bedingte Prozesse versteht.
Schlüsselwörter
G.H. Mead, Sozialisierung, Mind Self and Society, generalisierter Anderer, Moralphilosophie, Immanuel Kant, kategorischer Imperativ, soziale Identität, Wertesystem, moralisches Handeln, Egoismus, soziale Interaktion, Vernunft, soziale Normen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das ethische Konzept von G.H. Mead und beleuchtet, wie moralische Urteile in einem sozialen Kontext entstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung des Selbst durch Sozialisierung, die Rolle des "generalisierbaren Anderen" und die Begründung moralischer Handlungen innerhalb einer Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Mead Ethik auf seine sozialpsychologische Theorie des Selbst aufbaut und wie dies mit klassischen ethischen Ansätzen, insbesondere denen Kants, korrespondiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse und Interpretation von Meads Hauptwerk „Mind, Self and Society“ im Abgleich mit ethischen Grundprinzipien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Entstehung sozialer Werte, die Bedeutung des "generalisierbaren Anderen" und die Prüfung moralischer Handlungen durch die Perspektive der Mitmenschen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sozialisierung, generalisierter Anderer, moralische Urteile, Ethik und soziale Interaktion charakterisiert.
Wie definiert Mead das moralisch "Gute" in Bezug auf Handlungen?
Das moralisch Gute definiert sich laut Mead dadurch, dass die Konsequenzen einer Handlung sozial akzeptabel sind und die Interessen aller Beteiligten rational einbeziehen.
Wie begegnet Mead dem Problem des menschlichen Egoismus?
Mead argumentiert, dass auch egoistisch handelnde Individuen soziale Wesen sind, die durch ihre Sozialisierung dazu in der Lage sind, die Perspektive anderer einzunehmen und somit moralische Erwägungen in ihr Handeln zu integrieren.
- Quote paper
- Christine Porath (Author), 2007, Ethik im Kontext der Sozialisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127488