Die Domino-Theorie und der Vietnamkrieg


Hausarbeit, 2009

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Argumentationsgrundlagen für die Domino-Theorie

3. Die Intervention in Vietnam

4. Die Fehleinschätzungen der USA
4.1 Vietnam
4.2 Der internationale Kontext

5. Der Rückzug aus dem Krieg
5.1 Die Vietnamisierung
5.2 Das Pariser Abkommen

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Kein Krieg im 20. Jahrhundert dauerte so lange an wie derjenige in Vietnam, der zunächst als ein Befreiungskampf der Vietnamesen von der französischen Kolonialherrschaft begann, das Land teilte und schließlich als Auseinandersetzung zwischen dem kommunistischen Norden und dem kapitalistischen Süden bis zum militärischen Engagement der USA gipfelte. Der Glaube an die Notwendigkeit eines Eingreifens der USA gegen eine befürchtete fortschreitende Ausdehnung des Kommunismus – und damit auch die unterstellte Expansion des Einflussbereichs der Sowjetunion – generierte sich in den Reihen der verantwortlichen Strategen schon in den frühen Phasen des kalten Krieges. Eine Argumentationsbasis der Befürworter war die sogenannte „Domino-Theorie“.[1] Sobald in einem Land der Kommunismus zur Staatsform werde, wären auch dessen umliegende Länder durch die populistische Strahlkraft dieser Ideologie gefährdet, ihre auf eine kapitalistische Wirtschaftsform basierende freiheitlich-demokratische Grundordnung zu verlieren. Sie drohten zu Gunsten des Kommunismus umzufallen, sich somit des geostrategischen Einflusses der USA zu entziehen und innerhalb des Ostblockes in Gegnerschaft zur westlichen Welt zu geraten. Dieses Szenario gelte es auch im Falle Indochinas aktiv abzuwenden.

Dabei zeigen aber die tatsächlichen Gegebenheiten in Vietnam und die desaströsen Erfahrungen der USA in diesem Konflikt nicht nur in der Rückschau sehr deutlich, wie eindimensional die Domino-Theorie gedacht wurde. Die vermessene Vereinfachung der wahren Komplexität des Indochina-Konfliktes war nicht nur ein entscheidender Grund für die Niederlage der USA, sondern entzog auch der Legitimation eines gewaltsamen Eingreifens jede Grundlage. Dies anhand der Darstellung der Verhältnisse in Vietnam und des internationalen Kontextes dieses Krieges, sowie einer darin einfließenden Kritik an der Dominotheorie zu zeigen, ist Gegenstand dieser Arbeit. Des Weiteren wird auf die sogenannte Phase der Vietnamisierung dieses Konfliktes eingegangen, in der die USA in den 1970ern lange vergeblich versuchten, aus diesem das ganze Land traumatisierenden Krieg ohne Gesichtsverlust wieder herauszukommen.

2. Die Argumentationsgrundlagen für die Domino-Theorie

Direkt nach dem Ende des 2. Weltkrieges zerbrach die Anti-Hitler-Koalition zwischen den Westalliierten und der Sowjetunion. In den USA herrschte schnell die Überzeugung eines offensiven Expansionscharakters des sich bildenden Ostblocks vor, welcher sich aufgrund der von Lenin formulierten Zielsetzung der Weltrevolution „prinzipiell auf einen aggressiven Kurs gegenüber dem Westen festgelegt“[2] habe. Diese Wahrnehmung war die theoretische Grundlage für die Perspektive auf eine „globale Interdependenz der Ereignisse, […] die alle […] im Zusammenhang mit dem amerikanisch-sowjetischen Antagonismus stehend gesehen wurden.“[3] Die Befürchtung des Verlustes eines weiteren freien Landes an den Kommunismus implizierte also rechtzeitiges und beherztes Eingreifen der westlichen Welt. Für dieses Eingreifen wurde eine selbstverständliche Zustimmung der bedrohten Länder postuliert.[4] Im Verlauf des sich aufbauenden Kalten Krieges sorgte die Erfahrung des Verlustes Chinas 1949 an den Kommunismus zur Bestätigung dieser Auffassung und zum Vorwurf an die Regierung Truman, den dortigen antikommunistischen Kräften nicht im ausreichenden Maße Hilfe geleistet zu haben.[5] Sie führte sogar zur Teilnahme der USA am Krieg in Korea und zur Konsequenz, Frankreich in seinem Kampf gegen die vietnamesische Freiheitsbewegung unterstützen zu müssen.[6] Schon in seiner frühen Phase waren die USA also in den Indochinakrieg involviert. Dies stellte sich zunächst in Form von Finanzhilfen für Frankreichs Indochinapolitik dar. Ein Schlüsselmoment jedoch war 1950 der Schlagabtausch diplomatischer Anerkennungen. Auf der einen Seite diejenige der kommunistischen Regierung Nordvietnams in Hanoi durch die Sowjetunion und China und auf der anderen Seite die Antwort der USA, nämlich die Anerkennung des Regimes Bao Dais als unter französischer Kolonialverwaltung stehender Regierung Südvietnams in Saigon. Die USA sahen sich nach dieser diplomatischen Initiative der Kommunisten widerwillig dazu gezwungen. Sie interpretierten diese Situation als Bestätigung ihrer Annahme, mit der Sowjetunion, China und Nordvietnam als gemeinsam agierenden Block konfrontiert zu sein.[7] Dies wurde von den Anhängern im Sinne des amerikanisch-sowjetischen Antagonismus verstanden. Sie galt als Bestätigung der Domino-Theorie.

[...]


[1] Kohl, Dominotheorie und amerikanische Vietnampolitik 1954 - 1961. Eine Fallstudie zur Rolle von Leitbildern in der internationalen Politik. S. 36, zitiert nach: The President's News Conference of April 7, 1954, No. 73, Public Papers Eisenhower 1954, S. 382f.

[2] Stöver, Der kalte Krieg. München 2003. S. 10.

[3] Kohl, S. 41.

[4] Ebd., S 41.

[5] Frey, Geschichte des Vietnamkriegs. Die Tragödie in Asien und das Ende des amerikanischen Traums. München 2006. S. 25.

[6] Kahin, Intervention. How America became involved in Vietnam. New York 1986. S. 35-38.

[7] Frey, S. 25.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Domino-Theorie und der Vietnamkrieg
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Department für Geschichte )
Veranstaltung
Proseminar: Die internationalen Beziehungen der 1970er Jahre
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
11
Katalognummer
V127507
ISBN (eBook)
9783640340040
ISBN (Buch)
9783640337323
Dateigröße
388 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vietnamkrieg, Domino-Theorie, Henry Kissinger, USA
Arbeit zitieren
Stefan Reiß (Autor), 2009, Die Domino-Theorie und der Vietnamkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127507

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