Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History of Germany - Postwar Period, Cold War

Die Domino-Theorie und der Vietnamkrieg

Title: Die Domino-Theorie und der Vietnamkrieg

Term Paper , 2009 , 11 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Stefan Reiß (Author)

History of Germany - Postwar Period, Cold War
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Kein Krieg im 20. Jahrhundert dauerte so lange an wie derjenige in Vietnam, der zunächst als ein Befreiungskampf der Vietnamesen von der französischen Kolonialherrschaft begann, das Land teilte und schließlich als Auseinandersetzung zwischen dem kommunistischen Norden und dem kapitalistischen Süden bis zum militärischen Engagement der USA gipfelte. Der Glaube an die Notwendigkeit eines Eingreifens der USA gegen eine befürchtete fortschreitende Ausdehnung des Kommunismus – und damit auch die unterstellte Expansion des Einflussbereichs der Sowjetunion – generierte sich in den Reihen der verantwortlichen Strategen schon in den frühen Phasen des kalten Krieges. Eine Argumentationsbasis der Befürworter war die sogenannte „Domino-Theorie“. Sobald in einem Land der Kommunismus zur Staatsform werde, wären auch dessen umliegende Länder durch die populistische Strahlkraft dieser Ideologie gefährdet, ihre auf eine kapitalistische Wirtschaftsform basierende freiheitlich-demokratische Grundordnung zu verlieren. Sie drohten zu Gunsten des Kommunismus umzufallen, sich somit des geostrategischen Einflusses der USA zu entziehen und innerhalb des Ostblockes in Gegnerschaft zur westlichen Welt zu geraten. Dieses Szenario gelte es auch im Falle Indochinas aktiv abzuwenden.
Dabei zeigen aber die tatsächlichen Gegebenheiten in Vietnam und die desaströsen Erfahrungen der USA in diesem Konflikt nicht nur in der Rückschau sehr deutlich, wie eindimensional die Domino-Theorie gedacht wurde. Die vermessene Vereinfachung der wahren Komplexität des Indochina-Konfliktes war nicht nur ein entscheidender Grund für die Niederlage der USA, sondern entzog auch der Legitimation eines gewaltsamen Eingreifens jede Grundlage. Dies anhand der Darstellung der Verhältnisse in Vietnam und des internationalen Kontextes dieses Krieges, sowie einer darin einfließenden Kritik an der Dominotheorie zu zeigen, ist Gegenstand dieser Arbeit. Des Weiteren wird auf die sogenannte Phase der Vietnamisierung dieses Konfliktes eingegangen, in der die USA in den 1970ern lange vergeblich versuchten, aus diesem das ganze Land traumatisierenden Krieg ohne Gesichtsverlust wieder herauszukommen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Argumentationsgrundlagen für die Domino-Theorie

3. Die Intervention in Vietnam

4. Die Fehleinschätzungen der USA

4.1 Vietnam

4.2 Der internationale Kontext

5. Der Rückzug aus dem Krieg

5.1 Die Vietnamisierung

5.2 Das Pariser Abkommen

6. Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht den Einfluss der Domino-Theorie auf die US-amerikanische Interventionspolitik in Vietnam und analysiert, inwieweit Fehleinschätzungen der politischen und sozialen Realitäten sowie des internationalen Kontextes zum Scheitern dieses Engagements beitrugen.

  • Die theoretische Begründung der US-Intervention durch die Domino-Theorie
  • Analyse der Fehleinschätzungen bezüglich der vietnamesischen Motivation
  • Die Rolle der Unterstützung despotischer Regime für die Legitimität des Krieges
  • Die Dynamik des internationalen Kontextes im Kalten Krieg
  • Die Strategie der Vietnamisierung und der Rückzug der USA

Auszug aus dem Buch

4.1 Vietnam

Wie bereits angesprochen, ging man im Rahmen der Domino-Theorie wie selbstverständlich vom allgemeinen Wunsch der südvietnamesischen Bevölkerung aus, in einem ‚freien‘ Land westlichen Vorbilds mit kapitalistischem Wirtschaftssystem leben zu wollen, oder zumindest die kommunistische Option grundsätzlich abzulehnen. Was die USA als einen ideologischen sowie geostrategischen Kampf gegen die weltweite Expansion des Kommunismus postulierten – eben in der Annahme, dass Südvietnam diese Sichtweise mitragen würde – wurde aber von der übergroßen Mehrheit in der südvietnamesischen Bevölkerung völlig anders aufgefasst. Dieser Irrtum wurde viel zu spät erkannt. „We viewed the people and leaders of South Vietnam in terms of our own experience […]. We totally misjudged the political forces within the country […]. We underestimated the power of nationalism to motivate a people (in this case, the North Vietnamese and Vietcong) to fight an die for their beliefs an values […]. Our misjudgements of friend and foe alike reflected our profound ignorance of the history, culture, and politics of the people in the area, and the personalities and habits of their leaders […]. We failed as well to adapt our military tactics to the task of winning the hearts and minds of people from a totally different culture.”

Auch in Südvietnam blieb vor allem in der Landbevölkerung der Personenkult um Ho Chi Minh „als Vater der vietnamesischen Unabhängigkeit” während des 30 Jahre andauernden Indochinakrieges weit verbreitet. Im agrarisch geprägten Vietnam ging es der Bevölkerung nicht um die Frage einer kommunistischen oder kapitalistischen Wirtschaftsordnung, sondern um die Freiheit von der kolonialen Fremdherrschaft, wobei es auch hinfällig blieb, ob es nun eine französische oder eine amerikanische Hegemonie abzustreifen galt. Für die amerikanische Sache wäre aber gerade die Gewinnung der Landbevölkerung besonders wichtig gewesen, da sich aus ihr stattdessen während des Konflikts zunehmend Vietcong generierten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Ausgangslage des Vietnamkrieges ein und stellt die Domino-Theorie als zentrales Leitbild der amerikanischen Interventionspolitik vor.

2. Die Argumentationsgrundlagen für die Domino-Theorie: Dieses Kapitel beleuchtet den ideologischen Kontext des Kalten Krieges und wie der Antagonismus zwischen Ost und West zur Rechtfertigung für das militärische Eingreifen in Indochina führte.

3. Die Intervention in Vietnam: Hier wird der Prozess der militärischen Verstrickung der USA beschrieben, beginnend bei finanzieller Hilfe bis hin zum massiven Truppeneinsatz nach 1965.

4. Die Fehleinschätzungen der USA: Dieses Kapitel analysiert die gravierenden Fehlurteile der USA bezüglich der vietnamesischen Bevölkerung sowie die falsche Wahrnehmung des internationalen Kontextes, insbesondere der Beziehungen zwischen den kommunistischen Mächten.

5. Der Rückzug aus dem Krieg: Das Kapitel behandelt die Phase der Vietnamisierung, die diplomatischen Bemühungen um einen Rückzug sowie die Bedingungen und Folgen des Pariser Abkommens.

6. Fazit: Das Fazit resümiert die gescheiterte Strategie der USA und ordnet den Vietnamkrieg als einen der schwersten geostrategischen Fehler der amerikanischen Politik des 20. Jahrhunderts ein.

Schlüsselwörter

Vietnamkrieg, Domino-Theorie, USA, Kalter Krieg, Kommunismus, Vietnamisierung, Ho Chi Minh, Vietcong, Außenpolitik, Kissinger, Nixon, Indochina, Geopolitik, Entspannungspolitik, Pariser Abkommen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die US-amerikanische Interventionspolitik im Vietnamkrieg unter besonderer Berücksichtigung der sogenannten Domino-Theorie als strategisches Leitbild.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die ideologischen Grundlagen der US-Politik, die Fehleinschätzungen über die politische Lage in Vietnam sowie die diplomatischen Bemühungen um den Ausstieg aus dem Konflikt.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie eine eindimensionale theoretische Vereinfachung (die Domino-Theorie) in Verbindung mit kulturellen und politischen Fehleinschätzungen zur militärischen Niederlage der USA führte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur und zeitgenössischer Quellen basiert, um die Zusammenhänge zwischen Theorie und politischer Praxis darzustellen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Entstehung der Domino-Theorie, der Intervention in Vietnam, den Fehleinschätzungen der USA hinsichtlich der lokalen Bevölkerung und des internationalen Kontextes sowie der Phase der Vietnamisierung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Vietnamkrieg, Domino-Theorie, Geopolitik, Vietnamisierung und die Rolle der USA im Kalten Krieg geprägt.

Warum war die Domino-Theorie aus Sicht des Autors eine Fehleinschätzung?

Der Autor argumentiert, dass die Theorie die komplexe Realität in Vietnam und die internen Spannungen zwischen den kommunistischen Mächten (Sowjetunion und China) ignorierte und zu einer unnötigen Eskalation führte.

Welche Rolle spielte die Watergate-Affäre für den Rückzug der USA?

Die Watergate-Affäre schwächte die politische Handlungsfähigkeit und Glaubwürdigkeit der US-Administration erheblich, was die Hoffnungen der südvietnamesischen Regierung auf weitere militärische Unterstützung vollends zerstörte.

Excerpt out of 11 pages  - scroll top

Details

Title
Die Domino-Theorie und der Vietnamkrieg
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Department für Geschichte )
Course
Proseminar: Die internationalen Beziehungen der 1970er Jahre
Grade
1,7
Author
Stefan Reiß (Author)
Publication Year
2009
Pages
11
Catalog Number
V127507
ISBN (eBook)
9783640340040
ISBN (Book)
9783640337323
Language
German
Tags
Vietnamkrieg Domino-Theorie Henry Kissinger USA
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefan Reiß (Author), 2009, Die Domino-Theorie und der Vietnamkrieg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127507
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  11  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint