Stichworte wie Generation @, Cyberjugend, Multimedia Generation Jugend umschreiben das heute vorherrschende Phänomen der Mediatisierung der Lebensphase Jugend. Während meines Studiums habe ich mich intensiv mit dem Zusammenhang der Mediennutzung im Jugendalter und der Identitätsarbeit auseinandergesetzt. Als ich im Jahre 2003 anfing zu studieren, war das Fernsehen noch das Medium, welches von den Jugendlichen am Häufigsten genutzt wurde. Doch nach dem Anwachsen der Nutzungsdaten des Internets im Jugendalter möchte ich auch dieses Medium verstärkt in den Blick nehmen.
Das Internet ist mittlerweile zu einem notwendigen kulturellen Raum geworden. Nach den bisherigen Studienergebnissen, sind es der spielerisch-kommunikative Aspekt und die soziale Interaktivität, die das Medium Internet für Jugendliche attraktiv machen. Heutzutage übernehmen Online Communitys die wichtige Funktion der Darbietung von Gemeinschaftserfahrung. Unter diesem Aspekt möchte ich die Bedeutung des Internets aus pädagogischer Sicht darlegen und seine Chancen und Grenzen für das Jugendalter aufzeigen.
In den letzten Jahren ist eine Fülle von Arbeiten und Studien zum Thema „Gefahren im Internet“ entstanden. Vor dem Hintergrund der Frage, welche Wirkungen die Medien auf die Rezipienten haben, wird das Internet immer wieder als eine Gefahr für die Entwicklung von Jugendlichen postuliert. Neue Studien haben jedoch gezeigt, dass sich Jugendliche kompetent im Internet bewegen und über die Gefahren, die das Internet bieten kann, informiert sind.
So werde ich in meiner Arbeit eine andere Perspektive einnehmen und nicht nach den Wirkungen der Medien auf den Jugendlichen fragen, sondern danach, wie und wozu Jugendliche die Medien – insbesondere das Internet – nutzen. Welche Möglichkeiten (Chancen) und Grenzen bieten die Kommunikationsmöglichkeiten im Internet für ihre Entwicklung? Da die Identitätsarbeit eine der zentralen Aufgaben im Jugendalter ist, möchte ich meine Fragestellung eingrenzen auf: Wie nutzen Jugendliche die virtuellen Räume der Kommunikation für ihre Identitätssuche? Ist die computervermittelte Kommunikationsform „chatten“ pädagogisch vertretbar oder sogar wertvoll?
Ich hoffe mit meiner Arbeit dazu beitragen zu können, dass das Thema der Chat-Kommunikation und der Identität eingehender untersucht und einseitige Hinweise auf die Gefahren der Internetnutzung hinterfragt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Anlass und Fragestellung
1.2 Methode und Material
1.3 Aufbau der Arbeit
2. Die mediatisierte Lebensphase Jugend
2.1 Gibt es die Jugend?
2.2 Entwicklungsaufgaben im Jugendalter
2.3 Identität: das zentrale Thema des Jugendalters
2.3.1 Identitätsentwicklung vs. Identitätssuche
2.3.2 Das Patchwork der Identitäten in der Spätmoderne
2.4 Medienkompetenz als Voraussetzung der Mediennutzung
2.5 Medienwelten von Jugendlichen
2.6 Mediennutzungsdaten in der BRD
2.6.1 Quantitative Aspekte der Mediennutzung Jugendlicher
2.7 Funktionen der Medien im Alltag Jugendlicher
2.8 Zusammenfassung
3. Kommunikation im Internet
3.1 Exkurs: Historischer Abriss der Geschichte des Internets
3.2 Typen von Internetnutzern und Nutzungsstile
3.3 Theorien und Konzepte der Medienwirkungsforschung
3.3.1 Wirkungsansatz vs. Nutzenansatz
3.3.2 Das Internet als virtueller „Realitätsraum“?
3.4 Kommunikationsermöglichende Internetdienste
3.5 Computervermittelte Kommunikation
3.5.1 Grundlagen der Kommunikation
3.5.2 Formen der computervermittelten Kommunikation
3.5.3 Theorien der computervermittelten Kommunikation
3.6 Räume der Kommunikation im Internet
3.6.1 Chats
3.6.2 Internet - Communitys
3.7 Zusammenfassung
4. Identität und soziale Beziehungen via Internet
4.1 Internet und Identitätsarbeit
4.1.1 Medien und Identität
4.1.2 Veränderung bestehender Identitäten durch Internet-Nutzung
4.1.3 Entwicklung neuer Identitäten durch Internet-Nutzung
4.2 Soziale Beziehungen und virtuelle Gemeinschaften
4.2.1 Veränderung bestehender sozialer Beziehungen durch Internet-Nutzung
4.2.2 Entwicklung neuer sozialer Beziehungen durch Internet-Nutzung
4.3 Zusammenfassung
5. Untersuchung der Internet-Community Knuddels.de
5.1 Wie nutzen Jugendliche die Internet-Community Knuddels.de?
5.1.1 Aufbau der Online-Community
5.1.2 Interaktionsmöglichkeiten
5.1.3 Sprachliche Besonderheiten
5.1.4 Kontrollen und Regeln der Chat-Kommunikation
5.2 Wozu nutzen Jugendliche die Internet-Community Knuddels.de?
5.2.1 Themen und Motive
5.2.2 Suche nach Freundschaften / Gemeinschaften
5.2.3 Selbstdarstellung
5.3 Zusammenfassung
6. Fazit
7. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht aus pädagogischer Perspektive, wie Jugendliche die virtuellen Kommunikationsräume des Internets, insbesondere die Community Knuddels.de, für ihre Identitätssuche nutzen. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit das „Chatten“ als computervermittelte Kommunikationsform zur Bewältigung jugendtypischer Entwicklungsaufgaben beitragen kann und welche Chancen oder Gefahren dies birgt.
- Identitätsarbeit im Jugendalter
- Mediennutzung und computervermittelte Kommunikation
- Soziale Beziehungen in virtuellen Gemeinschaften
- Die Online-Community Knuddels.de als Fallbeispiel
- Medienpädagogische Förderung von Medienkompetenz
Auszug aus dem Buch
3.5.2 Formen der computervermittelten Kommunikation
Die Kommunikationsmedien befreien die interpersonale Kommunikation von der räumlichen Einschränkung. Sie lassen sich nach Sinnesmodalitäten und nach Zeit typologisieren. Ein weiterer Aspekt zur Unterscheidung der Kommunikationsmedien wäre auch, danach zu unterscheiden, wie viele Personen jeweils beteiligt sind (zwei Personen, begrenzte Gruppe oder Masse). Diesen Aspekt habe ich hier jedoch vernachlässigt.
Synchrone Kommunikationsmedien ermöglichen, dass eine wechselseitige Kommunikationsverbindung hergestellt wird, die Kommunikationspartner zur gleichen Zeit aktiv sind und eine unmittelbare Rückkoppelung (Antwort) möglich ist. Asynchrone Kommunikationsmedien stellen eine zeitlich verzögerte Kommunikationssituation her, bei der Botschaften mit zeitlicher Verzögerung den Empfänger erreichen und diesem offensteht wann und ob er diese Botschaften rezipiert. Die CvK bzw. die Netzkommunikation, bei der vernetzte Computer als Kommunikationsmedien fungieren, ermöglicht sowohl synchrone als auch asynchrone Kommunikationsverbindungen. Damit handelt es sich bei CvK um einen enorm weit gefassten Begriff, da unter diesen jegliche Situationen fallen, in denen Menschen Botschaften über vernetzte Computer austauschen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung legt den Anlass und die Fragestellung fest, erläutert die verwendete Methode der Literaturauswertung sowie der nicht-teilnehmenden Beobachtung und gibt einen Ausblick auf den Aufbau der Arbeit.
2. DIE MEDIATISIERTE LEBENSPHASE JUGEND: Dieses Kapitel betrachtet die Jugend als mediatisierte Lebensphase, beleuchtet Entwicklungsaufgaben, Identitätsarbeit in der Spätmoderne sowie Mediennutzungsdaten und Funktionen von Medien im Alltag Jugendlicher.
3. KOMMUNIKATION IM INTERNET: Es erfolgt eine historische Einordnung des Internets, die Vorstellung von Nutzertypen, medienwissenschaftliche Theorien zur Internetnutzung sowie eine Darstellung verschiedener Internetdienste und Räume der Kommunikation wie Chats und Communitys.
4. IDENTITÄT UND SOZIALE BEZIEHUNGEN VIA INTERNET: Hier wird der Zusammenhang von Medien, Identitätsarbeit und sozialen Beziehungen analysiert, inklusive der Selbstdarstellung, dem Aufbau neuer Identitäten und dem Wandel sozialer Kontakte.
5. UNTERSUCHUNG DER INTERNET-COMMUNITY KNUDDELS.DE: Dieses Kapitel liefert eine empirische Fallstudie zu Knuddels.de, in der Nutzungsmotive, Interaktionsmöglichkeiten, sprachliche Besonderheiten sowie die geltenden Kontrollen und Regeln innerhalb der Community analysiert werden.
6. FAZIT: Das Fazit fasst die Chancen und Grenzen der Identitätssuche mittels Internet zusammen und reflektiert die medienpädagogische Bedeutung für Jugendliche.
7. AUSBLICK: Der Ausblick thematisiert die Notwendigkeit der Förderung von Medienkompetenz und die zentrale Rolle der Medienpädagogik bei der Begleitung Jugendlicher im digitalen Raum.
Schlüsselwörter
Jugend, Medienkompetenz, Identität, Identitätssuche, Internet, Knuddels.de, Chat, computervermittelte Kommunikation, virtuelle Gemeinschaften, Mediennutzung, Sozialisation, Uses-and-Gratification, Patchwork-Identität, Online-Community, Medienpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Jugendliche das Internet, insbesondere die Community Knuddels.de, für ihre Identitätssuche einsetzen und wie sich dies pädagogisch bewerten lässt.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Autorin?
Die Schwerpunkte liegen auf der mediatisierten Lebensphase Jugend, Identitätsentwicklung, computervermittelter Kommunikation sowie den Funktionen und Risiken von Online-Communitys.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einseitige Warnungen vor Internetgefahren zu hinterfragen und die positiven Möglichkeiten der Identitätsarbeit und sozialen Vernetzung im Internet pädagogisch aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit kombiniert eine fundierte Auswertung aktueller medienpädagogischer und sozialpsychologischer Fachliteratur mit einer qualitativen, nicht-teilnehmenden Beobachtung in der Internet-Community Knuddels.de.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Jugendphase, Internetkommunikation, Identität) und die praktische Untersuchung der Community Knuddels.de (Nutzungsweisen, Regeln, Selbstdarstellung).
Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Identitätsarbeit, computervermittelte Kommunikation, Medienkompetenz, Patchwork-Identität, virtuelle Gemeinschaft und das Uses-and-Gratification-Modell.
Wie trägt die Knuddels.de-Community zur Identitätssuche bei?
Laut Arbeit bietet die Community einen Schonraum zum spielerischen Experimentieren mit verschiedenen Identitätsfacetten, Rollen und sozialen Interaktionen außerhalb elterlicher Aufsicht.
Welche Rolle spielt der sogenannte "Chat-Knigge"?
Der Knigge dient der sozialen Selbstregulierung innerhalb der Community; er definiert Verhaltensstandards, fördert ein respektvolles Miteinander und bildet die Basis für erfolgreiche soziale Interaktion.
- Quote paper
- Melanie Aschert (Author), 2008, Wie nutzen Jugendliche die virtuellen Räume der Kommunikation im Internet für ihre Identitätssuche? , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127509