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Das Gleichnis vom verlorenen Sohn im Religionsunterricht. Analyse und Deutung inklusive Unterrichtsentwurf

Title: Das Gleichnis vom verlorenen Sohn im Religionsunterricht. Analyse und Deutung inklusive Unterrichtsentwurf

Examination Thesis , 2021 , 50 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Melina Rallisch (Author)

Theology - Biblical Theology
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In der vorliegenden Arbeit erfolgt zunächst eine Beschäftigung mit Gleichnissen im Allgemeinen, insbesondere mit den verschiedenen Gleichnisunterformen, der Entwicklung der Gleichnisforschung und aktuellen Ansätzen zur Auslegung von Gleichnissen, um anschließend selbst das Gleichnis vom verlorenen Sohn analysieren und deuten zu können. Daraufhin werden bibel - und gleichnisdidaktische Perspektiven aufgegriffen. Auf Basis der Erkenntnisse aus der Analyse und Deutung des Gleichnisses vom verlorenen Sohn und dem didaktischen Teil der Arbeit wird zuletzt eine selbst entworfene Unterrichtsstunde für eine vierte Klasse vorgestellt, um diese abschließend didaktisch und methodisch genauer zu erläutern.

Es dürfte wohl nicht abzustreiten sein, dass die Gleichnisse Jesu rhetorisch und theologisch gesehen so gestaltet sind, dass sie noch heute die Hörerinnen und Hörer bzw. die Leserinnen und Leser in ihren Bann ziehen. Gleichnisse sind gerade deshalb so interessant, weil es sich bei diesen nicht um einfache Geschichten handelt, sondern um „Erzählungen, die um einer anderen Bedeutung willen vorgebracht werden“. Auf Basis des alltäglich Erfahrbaren werden schwer beschreibbare Dinge, wie bspw. das Reich Gottes oder Gott und dessen Verhalten, so erklärt, dass sie gut und einfach zu verstehen sind. Aufgrund dessen gelten Gleichnisse als zentrale Texte der Lehre und der Botschaft Jesu, weshalb sie auch in den Religionsunterricht der Grundschule Eingang gefunden haben.

Eines der bekanntesten Gleichnisse ist das Gleichnis vom verlorenen Sohn bzw. vom barmherzigen Vater. Hierbei handelt es sich um ein komplexes Gleichnis, das viele didaktische Anknüpfungspunkte besitzt. Im Kontext der Themen von Familie, Schuld und Vergebung, Gerechtigkeit, Verlieren und Finden, Mitleid, Freude und Barmherzigkeit werden den Leserinnen und Lesern drei Figuren vorgestellt, die im starken Kontrast zueinanderstehen. In der Folge entsteht eine Konfrontation mit mehreren Fragen, durch welche letztendlich auch das eigene Verhalten und Handeln infrage gestellt und reflektiert wird: Mit welcher Figur identifiziere ich mich? Wer handelt richtig? Wer handelt gerecht? Sofern eine Analogie zwischen dem Verhalten des Vaters und dem Verhalten Gottes hergestellt wird, stellt sich ferner die Frage, wie Gott handeln würde und ob dessen Verhalten gerecht ist. Aufgrund dieser Komplexität stellt das Gleichnis vom verlorenen Sohn didaktisch gesehen für die Grundschule eine Herausforderung dar.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Gleichnisse als „packende Minidramen“

2. Gleichnisse

2.1 Gleichnisse und ihre Unterformen

2.1.1 Gleichnis im engeren Sinn, Parabel, Beispielerzählung und Bildwort

2.1.2 Kritik an der Unterscheidung in Unterformen

2.2 Entwicklung der Gleichnisforschung

2.3 Auslegung von Gleichnissen

3. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15,11-32)

3.1 Einordnung in den Bibelkanon

3.1.1 Zuordnung zum lukanischen Sondergut

3.1.2 Die drei Gleichnisse vom Verlorenen

3.2 Sprachlich-narrative Analyse

3.2.1 Figurenkonstellation und Aufbau des Gleichnisses

3.2.2 Untersuchung der Sprache und Auffälligkeiten des Gleichnisses

3.3 Der historische Kontext

3.3.1 wirtschaftliche und soziale Stellung der Familie und deren Mitglieder im Gleichnis

3.3.2 Das Erbrecht

3.3.3 Symbole, Motive und Traditionen

3.4 Analyse des Bedeutungshintergrunds

3.5 mögliche Auslegungen des Gleichnisses (Deutungshorizonte)

3.5.1 Deutung des Gleichnisses vom verlorenen Sohn

3.5.2 Deutung innerhalb des Kontextes der drei Gleichnisse vom Verlorenen

3.5.3 Deutung vor dem Hintergrund des Wirkens und der Botschaft Jesu

3.5.4 Weitere Deutungsmöglichkeiten

4. Didaktische Perspektiven

4.1 Die Bibel im Religionsunterricht

4.2 Beachtenswertes bei der Behandlung biblischer Texte im Unterricht

4.3 Die Entwicklung des Gleichnisverständnisses

4.4 Umgang mit schwierigen biblischen Texten im Religionsunterricht der Grundschule

5. Unterrichtsentwurf

5.1 Vorüberlegungen

5.1.1 Alter und Wissensstand

5.1.2 Einordnung in den LehrplanPLUS

5.1.3 Didaktische Anknüpfungspunkte und mögliche Schwierigkeiten des Gleichnisses

5.2 Angezielter Kompetenzerwerb in der Unterrichtsstunde

5.3 Unterrichtsverlaufsplan

5.4 Darlegung und Begründung der Methoden und Sozialformen

6. Fazit und Resümee

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der Analyse und Deutung des Gleichnisses vom verlorenen Sohn (Lk 15,11-32) und erarbeitet im Anschluss einen didaktisch fundierten Unterrichtsentwurf für die vierte Jahrgangsstufe der Grundschule. Das Ziel ist es, die exegetische Komplexität des Gleichnisses zu durchdringen, um daraus begründete didaktische Perspektiven für den Religionsunterricht abzuleiten, die sowohl der Deutungsoffenheit des Textes als auch dem kindlichen Entwicklungsstand gerecht werden.

  • Exegetische Analyse der Figurenkonstellation und der historischen Hintergründe
  • Deutung des Gleichnisses in verschiedenen Kontexten (Theologie, Psychologie, Ethik)
  • Bibeldidaktik: Umgang mit schwierigen Texten und Entwicklung des Gleichnisverständnisses
  • Praktische Implementierung in den Unterricht der Grundschule
  • Methoden und Sozialformen für eine ganzheitliche Religionspädagogik (z.B. Bodenbilder)

Auszug aus dem Buch

3.2.1 Figurenkonstellation und Aufbau des Gleichnisses

Zu Beginn des Gleichnisses werden die drei Hauptfiguren genannt. So dreht sich das Gleichnis um einen Mann, welcher zwei Söhne hat (vgl. Lk 15,11). Dabei erfolgt keine namentliche Nennung, was es ermöglicht, das Gleichnis auf heutige Personen zu übertragen. Ausgangspunkt des Gleichnisses bildet die Situation, dass der jüngere Sohn seinen Erbteil ausgezahlt haben möchte und daraufhin seine Familie verlässt (vgl. Lk 15,12-13). Dieser kehrt allerdings, nachdem er verschwenderisch mit seinem Erbe umgegangen ist, zurück und wird vom Vater mit einem Fest willkommen geheißen (vgl. Lk 15,14-24). Dies verärgert den älteren Sohn, der dem Vater schon viele Jahre dient und gehorcht, aber nie ein derartiges Fest vom Vater bekommen hat (vgl. Lk 15,28-29). Daraus ist zu schließen, dass es sich um die Figurenkonstellation des dramatisches Dreiecks handelt, bei welchem dem Vater als Handlungssouverän zwei unterschiedliche Söhne, ein antithetisches Zwillingspaar, gegenüberstehen.

Diese drei Personen bestimmen maßgeblich den Aufbau des Gleichnisses. Nach Klein lässt sich eine Zweiteilung des Gleichnisses feststellen, wobei das Ende jeweils mit dem Satz, „er war verloren und ist wiedergefunden worden“ (Lk 15,24.32), markiert wird. Dabei steht im ersten Teil (vgl. Lk 15,11-24) der jüngere Sohn im Fokus, während dies beim zweiten Teil (vgl. Lk 15,25-32) der ältere ist. Diese Teile lassen sich noch weiter untergliedern. So besteht der erste Teil aus dem Weg in die Verlorenheit (vgl. Lk 15,11-16), dem Entschluss des jüngeren Sohnes zur Heimkehr (vgl. Lk 15,17-19) und der Annahme durch den Vater (vgl. Lk 15,20-24), während der zweite Teil aus dem Anstoß an die Annahme (vgl. Lk 15,25-27), dem Entschluss, nicht am Fest zur Wiederkehr des jüngeren Sohnes teilzunehmen (vgl. Lk 15,28-30) und der Bitte und Erklärung des Vaters, doch am Fest teilzunehmen (vgl. Lk 15,30-32), besteht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Gleichnisse als „packende Minidramen“: Einführung in die Bedeutung und Faszination von Gleichnissen Jesu als zentrale Texte für den Religionsunterricht.

2. Gleichnisse: Theoretische Auseinandersetzung mit der Gattung, ihren Unterformen und der Forschungsgeschichte der Gleichnisauslegung.

3. Das Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15,11-32): Detaillierte exegetische Analyse, historische Einordnung und theologische Deutung des biblischen Textes.

4. Didaktische Perspektiven: Untersuchung der Relevanz biblischen Lernens, der Entwicklung des Gleichnisverständnisses bei Kindern und des Umgangs mit schwierigen Bibeltexten.

5. Unterrichtsentwurf: Konkretes Planungsbeispiel für eine Unterrichtseinheit in der vierten Klasse inklusive Verlaufsplan und Reflexion der gewählten Methoden.

6. Fazit und Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Herausforderungen und des Potenzials bei der Vermittlung des Gleichnisses in der Grundschule.

Schlüsselwörter

Gleichnis, verlorener Sohn, barmherziger Vater, Lukasevangelium, Bibeldidaktik, Religionsunterricht, Grundschule, Deutungshoheit, Umkehr, Vergebung, Metapher, Bodenbild, Judentum, Schuld, Gerechtigkeit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert exegetisch das Gleichnis vom verlorenen Sohn und verknüpft diese Ergebnisse mit theologischen und didaktischen Anforderungen für den Religionsunterricht an Grundschulen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Neben der Struktur und dem historischen Kontext des biblischen Gleichnisses stehen Themen wie Schuld, Vergebung, Barmherzigkeit sowie die Identität von Geschwistern im Zentrum.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor dieser Hausarbeit?

Das Ziel ist die Erstellung eines didaktisch begründeten Unterrichtsentwurfs, der Kindern das komplexe Gleichnis ermöglicht und sie zur Reflexion über eigenes Fehlverhalten und Barmherzigkeit anregt.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Es werden eine sprachlich-narrative Textanalyse, eine sozialgeschichtliche Einordnung sowie eine bibeldidaktische Reflexion auf Basis aktueller Forschung zum Gleichnisverständnis bei Kindern genutzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine exegeseorientierte Analyse des Bibeltextes, gefolgt von einer Auseinandersetzung mit didaktischen Prinzipien für biblische Texte in der Grundschule.

Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?

Typische Begriffe sind Religionsunterricht, Gleichnis, Barmherzigkeit, Schuld, Didaktik und der verlorene Sohn.

Woher stammt die in der Arbeit verwendete Einteilung der Unterrichtsphasen?

Die Methoden, wie das Legen von Bodenbildern, orientieren sich an religionspädagogischen Standards zur ganzheitlichen Erschließung biblischer Geschichten in der Grundschuldidaktik.

Warum wird im Unterrichtsentwurf das Ende des Gleichnisses so betont?

Das offene Ende des Gleichnisses (der Umgang mit dem älteren Sohn) bietet laut Arbeit ein hohes Potenzial für Diskussionen, da es Fragen nach Gerechtigkeit und eigener Positionsbestimmung aufwirft.

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Details

Title
Das Gleichnis vom verlorenen Sohn im Religionsunterricht. Analyse und Deutung inklusive Unterrichtsentwurf
College
LMU Munich
Grade
1,0
Author
Melina Rallisch (Author)
Publication Year
2021
Pages
50
Catalog Number
V1275242
ISBN (PDF)
9783346726148
ISBN (Book)
9783346726155
Language
German
Tags
gleichnis sohn religionsunterricht analyse deutung unterrichtsentwurf
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Melina Rallisch (Author), 2021, Das Gleichnis vom verlorenen Sohn im Religionsunterricht. Analyse und Deutung inklusive Unterrichtsentwurf, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1275242
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