Der Begriff Globalisierung ist seit Anfang der 90er Jahre national und international vor allem in der wirtschaftspolitischen Diskussion zu einem viel zitierten Schlagwort aufgestiegen und hat ein neues Zeitalter eingeleitet. Der Prozess der Globalisierung, wird u.a. auch häufig als Hauptursache der Umweltprobleme unserer Zeit, wie z.B. Treibhauseffekt, Zerstörung der Ozonschicht oder Ausbeutung der Ressourcen angesehen. Die Umweltprobleme haben eine globale Dimension angenommen und berauben als solche die Menschen langfristig ihrer Lebensgrundlage, verursachen globale Schäden in nicht messbaren finanziellen Dimensionen, haben bereits zu Konflikten um knappe Ressourcen geführt und werden auch zukünftig weltweit weitere Konflikte schaffen, die unsere Welt nicht sicherer machen.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie zukunftsfähig die aktuellen Globalisierungsprozesse sind, und wie die Globalisierung zukunftsfähig gestaltet werden kann. Deshalb hat im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit die Idee einer „nachhaltigen Entwicklung“ in den letzten Jahren zunehmende Beachtung gefunden. Ihr Ziel ist nämlich die „langfristige Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen, wirtschaftliche Stabilität und soziale Verträglichkeit“ miteinander zu vereinbaren (Petschow 1998).
Vor diesem Hintergrund ist das Ziel dieser Arbeit nun herauszufinden, ob nachhaltige Entwicklung im Umweltbereich und ökonomische Globalisierung überhaupt vereinbar sind. Es soll untersucht werden, ob und wenn ja inwieweit die Ideen einer nachhaltigen Entwicklung in der gegenwärtigen Globalisierung berücksichtigt werden.
Es sollen zunächst das Phänomen der Globalisierung sowie deren Auswirkungen speziell auf die Umwelt (Kapitel 2) und das Konzept einer nachhaltigen Entwicklung sowie deren bisherige Verwirklichung auf internationaler Ebene getrennt dargestellt werden (Kapitel 3). In einem weiteren Teil wir untersucht, inwieweit ökologische Nachhaltigkeitsaspekte in der wirtschaftlichen Globalisierung berücksichtigt werden (Kapitel 4). Dabei gilt es, sich insbesondere mit den Regeln der Welthandelsorganisation bzw. des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen auseinander zu setzen. In Kapitel 5 werden schließlich die Handlungsspielräume einer nationalen und internationalen Politik der ökologischen Nachhaltigkeit unter den Bedingungen einer sich globalisierenden Ökonomie aufgezeigt und Kapitel 6 wird abschließend auf die Bildungs- und Unterrichtsrelevanz dieses Themas im Biologieunterricht eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Globalisierung
2. 1 Grundzüge der Globalisierung
2. 1. 1 Definition des Begriffs Globalisierung
2. 1. 2 Ursachen und Triebkräfte der wirtschaftlichen Globalisierung
2. 1. 3 Relativierung des Globalisierungsphänomens
2. 2 Auswirkungen der wirtschaftlichen Globalisierung
2. 2. 1 Auswirkungen der wirtschaftlichen Globalisierung auf die Umwelt: Umweltbelastungen und daraus entstehende Umweltprobleme
3. Nachhaltige Entwicklung
3. 1 Definition des Begriffes „nachhaltige Entwicklung“
3. 2 Konkretisierung des Konzeptes einer nachhaltigen Entwicklung
3. 3 Geschichte und die Verwirklichung der nachhaltigen Entwicklung auf internationaler Ebene
3. 3. 1 Die Stockholmer Konferenz
3. 3. 2 Der Brundtlandbericht
3. 3. 3 Die Rio-Konferenz von 1992
3. 3. 4 Der Weltgipfel „Rio + 10“ in Johannesburg 2002
4. Ökologische Nachhaltigkeitsaspekte der wirtschaftlichen Globalisierung
4. 1 Die Institutionen des Welthandels
4. 1. 1 Allgemeines Zoll- und Handelsabkommen und Welthandelsorganisation
5. Herausforderungen und Handlungsansätze für eine Politik der ökologischen Nachhaltigkeit
5. 1 Nationale Handlungsspielräume für eine Politik der ökologischen Nachhaltigkeit
5. 2 Internationale Handlungsspielräume für eine Politik der ökologischen Nachhaltigkeit
5. 3 Konzepte für eine zukünftige globale Umweltpolitik
6. Umweltbildung: Bildungs- und Unterrichtsrelevanz
7. Ergebnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Globalisierung und ökologischer Nachhaltigkeit. Das primäre Ziel ist es, herauszufinden, ob die Konzepte einer nachhaltigen Entwicklung in den derzeitigen Globalisierungsprozessen, insbesondere unter den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO), Berücksichtigung finden und wie eine zukunftsfähige Gestaltung ökologischer Politik möglich ist.
- Analyse der Definitionen und Triebkräfte der Globalisierung sowie deren ökologische Auswirkungen.
- Untersuchung des Konzepts der nachhaltigen Entwicklung und dessen historische Verankerung auf internationaler Ebene.
- Kritische Auseinandersetzung mit den Handelsregeln des GATT/WTO im Kontext von Umweltschutzbestimmungen.
- Diskussion nationaler und internationaler Handlungsspielräume für eine ökologisch nachhaltige Politik.
- Betrachtung der Rolle der Umweltbildung im Kontext globaler Herausforderungen.
Auszug aus dem Buch
Die Berücksichtigung des Umweltschutzes im GATT
An dieser Stelle soll untersucht werden, inwieweit das Regelwerk des GATT umweltpolitische Gesichtspunkte berücksichtigt bzw. zulässt. Artikel XX des GATT (vgl. http://www.admin. ch/ch/d/sr/0_632_21/a20.html) beinhaltet allgemeine Ausnahmeregelungen von den oben genannten Grundprinzipien des GATT, die allerdings nicht als „Mittel zur willkürlichen und ungerechtfertigten Diskriminierung zwischen den Ländern“ angewendet werden dürfen.
Art. XX (b) und XX (g) beziehen sich auf Ausnahmen zum Schutz der Umwelt und stellen damit die einzigen Regelungen des GATT dar, die sich auf die Umwelt beziehen.
Nach Art. XX (b) sollen die GATT-Mitgliedstaaten nicht daran gehindert werden, handelsbeschränkende Maßnahmen zu ergreifen, „die für den Schutz des Lebens oder der Gesundheit von Personen und Tieren oder die Erhaltung des Pflanzenwuchses erforderlich sind.“
Art. XX (g) gesteht den Vertragspartnern auch handelsbeschränkende Maßnahmen zu, die den „Schutz natürlicher Hilfsquellen“ betreffen, bei denen die „Gefahr der Erschöpfung“ besteht. Diese Maßnahmen müssen allerdings gleichzeitig mit „Beschränkungen der einheimischen Produktion oder des einheimischen Verbrauchs“ durchgeführt werden.
Nach Andersson et al. (1995, zitiert nach Petschow 1998:192f) müssen bei Ergreifung solcher handelsbeschränkender Maßnahmen folgende drei Bedingungen erfüllt sein: Erstens muss die Umweltbeeinträchtigung wissenschaftlich fundiert nachgewiesen werden (Kriterium der „Legitimierung“), zweitens muss sichergestellt werden, dass es keine andere Maßnahme zur Problembeseitigung gibt, die „GATT-konform“ ist (Kriterium der „Notwendigkeit“) und drittens darf sich die Maßnahme nur auf das nationale Staatsgebiet beziehen (Kriterium der „Nationalen Souveränität“).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der wirtschaftlichen Globalisierung als Ursache für Umweltprobleme und die Notwendigkeit der Integration nachhaltiger Entwicklung.
2. Globalisierung: Erörterung der Definitionen, Dimensionen sowie der treibenden Kräfte der wirtschaftlichen Globalisierung und deren ökologische Folgen.
3. Nachhaltige Entwicklung: Darstellung der Konzepte, der Historie internationaler Abkommen von Stockholm bis Johannesburg und der Herausforderungen bei der Umsetzung.
4. Ökologische Nachhaltigkeitsaspekte der wirtschaftlichen Globalisierung: Analyse der institutionellen Rahmenbedingungen des Welthandels (GATT/WTO) hinsichtlich ihrer Vereinbarkeit mit ökologischen Schutzmaßnahmen.
5. Herausforderungen und Handlungsansätze für eine Politik der ökologischen Nachhaltigkeit: Aufzeigen nationaler und internationaler Spielräume zur Durchsetzung umweltpolitischer Ziele.
6. Umweltbildung: Bildungs- und Unterrichtsrelevanz: Skizzierung der Bedeutung des Themas für den Biologieunterricht und der Rolle der Jugendlichen als Akteure.
7. Ergebnis: Fazit zur prinzipiellen Vereinbarkeit von Wirtschaft und Ökologie trotz bestehender institutioneller Hindernisse.
Schlüsselwörter
Globalisierung, Wirtschaft, Umwelt, Nachhaltige Entwicklung, Welthandelsorganisation, GATT, Ökologie, Ressourcen, Umweltpolitik, internationale Abkommen, Rio-Konferenz, Handlungsspielräume, Umweltbildung, WTO, Tragfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis zwischen der wirtschaftlichen Globalisierung und dem Leitbild einer nachhaltigen ökologischen Entwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Auswirkungen globaler Handelsströme auf die Umwelt, die Geschichte der nachhaltigen Entwicklung auf internationaler Ebene sowie die institutionellen Regeln des Welthandels.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ermitteln, ob ökonomische Globalisierung und ökologische Nachhaltigkeit vereinbar sind und wo die regulatorischen Konfliktpunkte liegen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die theoretische Konzepte und internationale Abkommen systematisch auf ihren ökologischen Gehalt prüft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der Globalisierung, die Geschichte nachhaltiger Entwicklung, die Kritik an den WTO-Regeln und die Untersuchung politischer Handlungsspielräume.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Globalisierung, ökologische Nachhaltigkeit, GATT/WTO-Regelwerk und internationale Umweltpolitik.
Warum ist das GATT/WTO-Regelwerk problematisch für den Umweltschutz?
Das Regelwerk fokussiert primär auf den freien Handel und die Nicht-Diskriminierung; ökologische Produktstandards oder Produktionsmethoden werden oft als Handelsbarrieren gewertet, was Konflikte mit nationalen Umweltschutzmaßnahmen verursacht.
Welche Rolle spielt die Umweltbildung in diesem Kontext?
Die Umweltbildung ist essenziell, um Jugendlichen die notwendigen Qualifikationen zu vermitteln, damit sie als zukünftige Akteure politische und gesellschaftliche Lebensbedingungen nachhaltig mitgestalten können.
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- Alice Sievers (Author), 2005, Probleme der wirtschaftlichen Globalisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127535