Die Rolle der Religion in der griechischen Kolonisation


Seminararbeit, 2008

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Forschungsstand

2. Einführung
2. 1 Begriffserklärung
2. 2 Einführung zum Thema griechische Kolonisation

3. Die Religion in der griechischen Kolonisation
3. 1 Die Rolle des Orakels von Delphi
3. 2 Befragung des Orakels und die Bedeutung des Orakelspruchs
3. 3 Der Oikist und seine Herkunft
3. 3. 1 Der Oikist als Kolonisationsleiter
3. 3. 2 Der Oikistenkult
3. 3. 3 Beerdigung auf der Agora, Heroenkult und Bedeutung für die Kolonie
3. 4 Religion innerhalb der Kolonie – Heiliges Feuer und Hestia
3. 4. 1 Heiligtümer für die Götter
3. 4. 2 Ehrung fremder Kulte

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Forschungsstand

Die Religion zur Zeit der griechischen Kolonisation ist ein wichtiger Bestandteil der Archaik. Gerade deshalb habe ich mich dazu entschieden diesem Thema eine Arbeit zu widmen. Der Beweggrund dafür war, dass ich herausfinden wollte, ob die Bindung zwischen Metropolis und Tochterstadt gänzlich aufgegeben wurde, oder ob doch noch eine Verbindung zwischen beiden bestehen blieb. Dabei erschien mir vor allem die Religion mit ihren Kulten das zentrale Verbindungselement zu sein.

Besonders hilfreich für meine Arbeit waren mir die Werke von Theresa Miller „Die griechische Kolonisation im Spiegel literarischer Zeugnisse“, sowie Wolfgang Leschhorn „Gründer der Stadt” und Irad Malkin „Religion and Colonization in Ancient Greece“.

Diese drei Bücher waren sogleich auch die aktuellsten Werke die ich für meine Arbeit nutzte. Obwohl die Werke von Malkin und Leschhorn nunmehr auch schon über zwanzig Jahre alt sind, scheinen sie mir dennoch den aktuellsten Forschungstand zum oben genannten Thema darzulegen. Bis auf Miller fand ich keine hilfreichen Werke, die jünger als zehn Jahre alt waren. Die Artikel in den verschiedenen Nachschlagebänden lasse ich hier außer Acht. Speziell zum Thema fand sich vor allem ältere Literatur aus den fünfziger bis siebziger Jahren, auf die sich die Werke von Malkin, Miller und Leschhorn des Öfteren ebenfalls bezogen.

Zu Beginn gebe ich einen kurzen Abriss der griechischen Kolonisationsgeschichte wieder, um mich dann meinem Thema Religion in der griechischen Kolonisation ausführlich zu widmen. Vor allem werde ich auf die Rolle Delphis, den Oikisten und die Religion innerhalb einer Kolonie eingehen.

2. Einführung

Dieses Kapitel soll einen kurzen Überblick schaffen, welche Merkmale den Kolonialismus der Griechen vom Imperialismus des 19. Jahrhunderts unterscheiden.

2. 1 Begriffserklärung

Unter dem Begriff der griechischen Kolonisation versteht man eine Besiedlungswelle im Mittelmeerraum, die ihren Beginn im 11. Jh. v. Chr. fand. Allein der Begriff Besiedlung lässt schon darauf schließen, dass diese Kolonisation nur wenig mit dem Kolonialismus aus der Neuzeit zu tun hat bzw. Gemeinsamkeiten aufweist. Die größten Unterschiede sind folgende: Die gegründeten Apoikien, so der Name für griechische Kolonien, sind vollkommen unabhängig von ihrer Mutterstadt, im Gegensatz zu neuzeitlichen Kolonien. Des Weiteren führte keine imperialistische Konkurrenz zwischen Großmächten dazu, dass es zur Gründung dieser Apoikien kam. Viel mehr waren es Gründe wie Landnot, politische Unruhen innerhalb einer Polis oder auch Herrschaftsstreben, die zu diesen antiken Kolonien führten. Auf diese Gründe werde ich im Verlauf meiner Arbeit genauer eingehen. Zudem lässt sich noch sagen, dass hinter diesen Siedlungsbewegungen nicht die Absicht steckte, fremde Gebiete zu unterwerfen, diese in Abhängigkeit zur Mutterstadt zu stellen und deren Rohstoffe auszubeuten. Die aufgezeigten Merkmale der griechischen Kolonisation legen deutlich dar, dass es fatal wäre diese mit der Kolonisation aus der Neuzeit zu vergleichen oder in Verbindung zu bringen. Die antike Kolonisation ist strikt vom Kolonialismus der Neuzeit abzugrenzen[1].

2. 2 Einführung zum Thema griechische Kolonisation

Die Kolonisation in der Antiken Geschichte fand ihre Anfänge schon um 1100 v. Chr. Doch soll sich diese Arbeit speziell mit der Griechischen Kolonisation befassen. Somit sei nur erwähnt, dass es schon vor der ‚Großen Griechischen Kolonisation’, zwischen der Mitte des 8. Jh. v. Chr. bis zum 5. Jh. v. Chr., auch andere Kolonisationsbewegungen gab. Dazu zählen unter anderem die Ionische Wanderung und die Phönizische Kolonisation.

Die ersten griechischen Kolonien waren Naxos auf Sizilien um 734 v. Chr. und Kyme zur etwa selben Zeit[2].

Die Frage, die sich stellt ist, welche Gründe zu dieser Kolonisationsbewegung führten.

Einer der Hauptgründe für diese Bewegung war die Landnot. Besonders anschaulich wird dies, wenn man sich vor Augen führt, dass sich die Bevölkerung Attikas innerhalb von nur 60 Jahren, in der Zeit zwischen 780 bis 720 v. Chr. versiebenfachte[3]. Man benötigte neue Gebiete, die besiedelt werden konnten, da einfach zu wenig Raum für die Bürger der attischen Poleis vorhanden war. Dass sich mit diesem extremen Bevölkerungszuwachs selbstverständlich auch Nahrungsmittelknappheit ergab, ist nur eine logische Konsequenz. Darum wurden auch viele Kolonien zum Ackerbau oder für die Viehzucht genutzt[4]. Neben diesen wirtschaftlichen Interessen gab es aber auch politische Gründe durch die Kolonien entstanden. Dorieus ist ein gutes Beispiel dafür, dass aus einem Herrschaftsstreit heraus eine Kolonie entstehen kann. Dorieus verlor die Thronfolge an seinen „geistig nicht ganz gesunden und am Rande des Wahnsinns“[5] stehenden Bruder Kleomenes. Daraufhin beschloss Dorieus auszuwandern. Sein erstes Ziel war Libyen. Da sich Dorieus jedoch keinen Rat bei dem Orakel von Delphi einholte, scheiterte sein Unternehmen. Als er in seine Heimat Sparta zurückkehrte, holte er sich Rat beim Orakel von Delphi. Mit Gottes Unterstützung wanderte Dorieus um 515/14 v. Chr. nach Italien aus[6]. Durch dieses Beispiel wird die Wichtigkeit des delphischen Orakels schon in der Einführung angeschnitten. Genauer wird dieser Punkt im Verlauf der Arbeit betrachtet.

Neben dem Streit zwischen Herrschaftsanwärtern können auch Konflikte innerhalb einer Polis zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen auftreten, die zur Kolonisation führen[7], ebenso wie Verbannungen zu solchen Unternehmen führen können. Als Beispiel für solch eine Verbannung sei Peisistratos genannt[8]. Es ist zu erkennen, dass es vielerlei Gründe für Bürger der verschiedenen Poleis gab, auszuziehen und Kolonien, die so genannten Apoikien, zu gründen. Natürlich führten auch Kriege zu solchen Apoikien. Die Perserkriege seien hier als Beispiel zu erwähnen, bei dem ganze Bürgerschaften gezwungen waren, auszuwandern um sich in neuen Kolonien Schutz zu suchen[9]. Ab dem 5. Jh. trat vor allem bei athenischen Kolonien ein neuer Faktor auf, der zu Kolonisationsbewegungen führte. Es war politische Macht. Die Athener entwickelten eine neue Form von Kolonien, die Kleruchie. Im Gegensatz zur Apoikie, die politisch absolut unabhängig von der Mutterstadt war, blieben die Einwohner der Kleruchie athenische Bürger. Somit unterstanden sie direkt der athenischen Polis[10]. Diese genannten Beispiele verdeutlichen eine Vielzahl verschiedenster Gründe, warum Kolonien gegründet wurden. Diese Koloniengründungen wurden meist immer mit einem Oikisten an führender Stelle und nach religiösen Riten durchgeführt. Auf die Rolle des Oikisten in den Kolonien, der Bedeutung des delphischen Orakels und auf die Religion und Kulte in den Apoikien möchte ich nun im folgenden Kapitel genauer eingehen.

[...]


[1] Eder 1999, Sp. 646

[2] Briese 1999, Sp. 653 f.

[3] Miller 1997, S. 31

[4] Miller 1997, S. 32

[5] Miller 1997, S. 48

[6] Ebd.

[7] Miller 1997, S. 50

[8] Miller 1997, S. 51

[9] Miller 1997, S. 60

[10] Miller 1997, S. 70

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der Religion in der griechischen Kolonisation
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Entstehung der Demokratie
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V127546
ISBN (eBook)
9783640340187
ISBN (Buch)
9783640338757
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rolle, Religion, Kolonisation
Arbeit zitieren
Tony Haufe (Autor), 2008, Die Rolle der Religion in der griechischen Kolonisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127546

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