Spätestens durch das Bekanntwerden des Interesses der Sparkassen und Genossenschaftsbanken, ihr Angebotsspektrum um den Handel mit Kryptowährungen erweitern zu wollen, ist die Investition in Kryptowährungen in der breiten Masse angekommen. Das Volumen weltweiter Investitionen in Blockchain-Technologien und Kryptowährungen stieg dabei rasant von rd. 5,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 auf rd. 30,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021. Die bekanntesten Vertreter der Kryptowährungen sind zum einen Bitcoin und zum anderen Ether. Beide Kryptowährungen stellen zu diesem Zeitpunkt rd. 55 % der gesamten Marktkapitalisierung des Kryptomarktes dar. Das bisherige Rekordhoch der Marktkapitalisierung betrug im September 2021 knapp 3 Billionen US-Dollar und erreichte damit die Gefilde der Techgiganten Google, Amazon, Meta, Apple und Microsoft. Daher spielt der Kryptomarkt im Vergleich zur weltweiten Wirtschaft schon längst keine untergeordnete Rolle mehr.
Auch für die Finanzierung des deutschen Haushalts stellen die Steuereinnahmen durch Kryptotransaktionen keinen unbedeutenden Beitrag mehr dar. Laut einer Schätzung des Frankfurt School Blockchain Centers könnten dem deutschen Fiskus für das Steuerjahr 2020 Steuereinnahmen in Höhe von rd. 1,2 Milliarden Euro zufließen. Die Summe würde etwa 2% des gesamten veranlagten Einkommensteueraufkommens entsprechen. Hier stellt sich die Frage, wie Kryptotransaktionen – auch aufgrund des verhältnismäßig noch jungem Steuersubjekts Kryptowährungen – in Deutschland überhaupt besteuert werden. Hierzu erschien im Mai dieses Jahres ein Schreiben des BMF, das versucht, die Komplexität der Kryptotransaktionen in den Mantel des bestehenden Steuerrechts einzuordnen.
Im Zusammenhang mit der Frage der Besteuerung von Kryptotransaktionen liegt der Schwerpunkt dieser Arbeit auf der ertragsteuerlichen Einordnung – insbesondere einer einkommensteuerlichen Einordnung – der Kryptotransaktionen unter Berücksichtigung der bisher in der Literatur, im BMF-Schreiben sowie durch die Rechtsprechung diskutierten Besteuerungsgrundlagen. Diese Einordnung erfolgt am Beispiel von Direktinvestments im Privatvermögen auf der Ethereum-Blockchain und versucht die damit verbundenen teilweise komplexen Vorgänge zu erläutern und in den bestehenden deutschen steuerlichen Gesetzesrahmen einzuordnen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Begriff der Distributed-Ledger-Technologie
2.2 Ethereum-Netzwerk
2.2.1 Konsensmechanismus
2.2.1.1 Proof-of-Work
2.2.1.2 Proof-of-Stake
2.2.2 Smart Contracts
2.2.3 Decentralized Finance
2.2.4 ERC20-Token
2.3 Rechtliche Grundlagen
2.3.1 Einordnung als Geld
2.3.2 Einordnung als Wirtschaftsgut
3 Ertragsteuerliche Einordnung
3.1 Überblick über die relevanten Besteuerungsvorschriften
3.2 Besteuerung laufender Einkünfte
3.2.1 Mining
3.2.1.1 Einkünftequalifikation
3.2.1.2 Sonderformen des Minings
3.2.2 Staking
3.2.3 Lending
3.2.4 Hard Fork
3.2.4.1 Technischer Hintergrund
3.2.4.2 Einkünftequalifikation
3.2.5 Airdrop
3.2.5.1 Technischer Hintergrund
3.2.5.2 Einkünftequalifikation
3.2.6 Liquidity Mining
3.3 Besteuerung von Kryptowährungen in Rahmen eines privaten Veräußerungsgeschäfts
3.3.1 Anschaffungsvorgang
3.3.1.1 Anschaffung durch Kauf
3.3.1.2 Anschaffung durch Tausch
3.3.1.3 Anschaffung durch Mining
3.3.1.4 Anschaffung durch Staking
3.3.1.5 Anschaffung durch Lending
3.3.1.6 Anschaffung durch Hard Fork
3.3.1.7 Anschaffung durch Airdrop
3.3.1.8 Anschaffung durch Liquidity Mining
3.3.2 Veräußerungsvorgang
3.3.2.1 Veräußerung durch Lending
3.3.2.2 Veräußerung durch Stellung von Sicherheiten
3.3.2.3 Veräußerung durch Liquidity Mining
3.3.2.4 Veräußerung durch Nutzung als Zahlungsmittel
3.3.2.5 Veräußerung durch Verlust
3.3.2.6 Veräußerung durch Leerverkauf
3.3.3 Haltefrist
3.3.4 Verbrauchsfolgefiktion
3.3.5 Ermittlung des Veräußerungsergebnisses
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Master-Thesis untersucht die ertragsteuerliche Behandlung von Kryptotransaktionen im deutschen Steuerrecht, wobei der Schwerpunkt auf einer einkommensteuerlichen Einordnung für Anleger liegt, die Direktinvestments im Privatvermögen auf der Ethereum-Blockchain tätigen.
- Technische und rechtliche Grundlagen der Ethereum-Blockchain (DLT, Smart Contracts, Konsensmechanismen)
- Differenzierung zwischen privater Vermögensverwaltung und gewerblichen Einkünften bei Krypto-Aktivitäten
- Steuerliche Einordnung laufender Einkünfte aus Mining, Staking, Lending und Liquidity Mining
- Besteuerung von privaten Veräußerungsgeschäften sowie Anschaffungs- und Veräußerungsvorgängen
Auszug aus dem Buch
2.1 Begriff der Distributed-Ledger-Technologie
Um Aussagen zur rechtlichen Behandlung von virtuellen Währungen treffen zu können, braucht es ein Verständnis der hinter dieser Währung stehenden Technologie. Die dahinterstehende Technologie ist die sog. Distributed-Leder-Technologie (DLT). Wörtlich übersetzt bedeutet das so viel wie „verteiltes Kontobuch“. Die DLT ist ein öffentliches, dezentral geführtes Kontobuch, das bei virtuellen Währungen wie Kryptowährungen auf Grundlage der Blockchain abgebildet wird. Die Blockchain kann als eine öffentliche Datenbank beschrieben werden, die dezentral über viele beteiligte Knotenpunkte sog. „Nodes“ in einem globalen Netzwerk ständig aktualisiert wird. Jede Node hat dabei Zugriff auf die gesamte Datenbank. Das System wird dabei auch als Peer-to-Peer-Anwendung bezeichnet, da der Datenaustausch direkt zwischen den Teilnehmern erfolgt. Der Begriff der Blockchain ist dabei auf ihre funktionsweise zurückzuführen. Die in dieser Datenbank gespeicherten Daten werden in Blöcken (Block-) zusammengefasst. Diese Blöcke werden kryptografisch so aneinander verkettet (-chain), dass jeder Block auf den vorherigen Block aufbaut. Ein Block speichert, bestätigt und verschlüsselt dabei eine bestimmte Anzahl an Daten. Die Codierung der Blöcke erfolgt auf Grundlage eines sog. Hash-Algorithmus, der anhand der Blockdaten eine Art einzigartigen digitalen Fingerabdruck (Hash) generiert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beleuchtung der zunehmenden Bedeutung von Kryptowährungen und der Notwendigkeit einer steuerlichen Einordnung unter Berücksichtigung aktueller BMF-Schreiben.
2 Grundlagen: Technische Fundierung durch Erläuterung der Blockchain-Technologie, des Ethereum-Netzwerks und rechtlicher Einordnungsaspekte als Geld oder Wirtschaftsgut.
3 Ertragsteuerliche Einordnung: Detaillierte Analyse laufender Einkünfte aus Krypto-Aktivitäten (Mining, Staking, Lending) sowie die steuerliche Behandlung privater Veräußerungsgeschäfte.
4 Fazit: Zusammenfassung des Untersuchungsstands und Ausblick auf notwendige laufende Aktualisierungen der Finanzverwaltung bei technischer Weiterentwicklung.
Schlüsselwörter
Kryptowährungen, Ethereum, Blockchain, Distributed-Ledger-Technologie, Einkommensteuer, Mining, Staking, Lending, Liquidity Mining, Veräußerungsgeschäft, Wirtschaftsgut, BMF-Schreiben, Smart Contracts, Krypto-Token, Steuerrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Thesis befasst sich mit der ertragsteuerlichen, insbesondere der einkommensteuerlichen Einordnung von Kryptotransaktionen im Rahmen der privaten Vermögensverwaltung, basierend auf der Ethereum-Blockchain.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Abgrenzung zwischen privatem und gewerblichem Handeln, die Einordnung von Krypto-Assets als Wirtschaftsgüter sowie die steuerliche Behandlung verschiedener Ertragsformen wie Mining, Staking und Lending.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, komplexe Kryptovorgänge in den bestehenden deutschen steuerlichen Gesetzesrahmen einzuordnen und insbesondere die einkommensteuerliche Behandlung unter Berücksichtigung aktueller Rechtsprechung und BMF-Schreiben zu klären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, der Auswertung von BMF-Schreiben sowie der Analyse von Rechtsprechung und technischen Grundlagen, um eine systematische steuerrechtliche Einordnung vorzunehmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die technischen Grundlagen (DLT/Ethereum), die ertragsteuerliche Qualifikation laufender Einkünfte (Mining, Staking, Lending, Hard Fork, Airdrop, Liquidity Mining) und die Besteuerung privater Veräußerungsgeschäfte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kryptowährungen, Ethereum, Blockchain, Einkommensteuer, Mining, Staking, Lending, Liquidity Mining, privates Veräußerungsgeschäft und BMF-Schreiben.
Warum ist die Unterscheidung zwischen „Block Reward“ und „Transaktionsgebühren“ wichtig?
Die Unterscheidung ist für die Einkünftequalifikation relevant, da sich die steuerliche Einstufung bei Mining und Staking je nach Ursprung der Vergütung und dem damit verbundenen Dienstleistungscharakter unterscheiden kann.
Wie werden Airdrops steuerlich behandelt?
Die steuerliche Behandlung hängt von der Art des Airdrops ab; bei Standard-Airdrops liegt oft eine unentgeltliche Zuwendung nahe, während bei Reward-Airdrops eine Veranlassung durch das Verhalten des Nutzers vorliegen kann, was zur Einstufung als sonstige Leistung führen kann.
- Arbeit zitieren
- Florian Esser (Autor:in), 2022, Die ertragsteuerliche Behandlung von Distributed-Ledger-Systemen am Beispiel der Ethereum-Blockchain, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1275863