Erfolgreiche Zweisprachigkeit

Zur Erziehung von Kindern mit bikulturellem Hintergrund


Hausarbeit, 2005

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung:

2 Begriffserklärung: Kultur und Bikulturalität

3 Identität des Kindes
3.1 Selbstbestimmung
3.2 Bikulturelle Identität

4 Zweisprachigkeit
4.1 Druck der Umgebungssprache
4.2 Ratschläge für eine gelungene Zweisprachigkeit

5 Schlussfolgerung

Abstract

Literaturverzeichnis

1 Einführung

Bikulturelle Ehen stellen heute keine Außergewöhnlichkeit mehr dar, weil interkulturelle Partnerschaften oft eingegangen werden und aus ihnen später Kinder hervorgehen. Diese Arbeit betrachtet die Problematik von Kindern aus bikulturellen Familien, welche die Möglichkeit bekommen in zwei Kulturen aufzuwachsen. Kinder aus bikulturellen Ehen sind oft nicht nur bikulturell sondern auch zweisprachig. In diesem Zusammenhang soll vor allem die Frage beantwortet werden, wie man Kinder erfolgreich zweisprachig erziehen kann. Ich stelle die Methoden und Hinweise vor, die eine zweisprachige Erziehung erleichtern können.

Im ersten Kapitel definiere ich, was man unter Kultur verstehen kann, wobei hier die Kultur als ein Ausdruck einer Gemeinschaft bzw. Gesellschaft fungiert. Die nationale Kultur wird in einer Familie mit den eigenen Vorstellungen verbunden. Weiterhin beschreibe ich, was unter dem Begriff bikulturelle Ehe erfasst wird, bei dem man mit fremdkulturellen Eigenschaften zu tun hat. Darüber hinaus stelle ich einige Definitionen von Bikulturalismus als einer neuen Synthese und Zugehörigkeit zu zwei Kulturen vor.

Auf den Begriff der Bikulturalität geht der zweite Teil der Arbeit ein, in welchem die Identität eines bikulturellen Kindes aus einer bikulturellen Beziehung präsentiert wird. Bikulturelle Identität und Zweisprachigkeit können nicht gleich gestellt werden. Die bikulturelle Identität ist eine Wahl der Kinder, die sie selber treffen müssen, wobei diese von den Eltern durch die Erziehung beeinflusst wird. Kinder aus bikulturellen Beziehungen schaffen eine neue zusammengesetzte Welt und bilden im Laufe ihres Lebens eine bikulturelle Identität, welche beispielsweise durch die Namensgebung geprägt ist. Das größte Problem stellt das Zugehörigkeitsgefühl dar, weil die Kinder oft keine eindeutige Antwort geben können und es für andere Menschen schwer ist zu verstehen, dass sie weder die eine noch die andere Kultur wählen, sondern beide repräsentieren. Die bikulturelle Identität ist deswegen ein weiter Begriff und kann nicht eindeutig bewertet werden, weil die bikulturellen Kinder oft sowohl negativ als auch positiv markiert sind.

Die nächsten Kapitel setzen sich mit der Problematik der Zweisprachigkeit auseinander. Am Anfang werden einige Definitionen zu diesem Begriff geliefert, wobei man die Zweisprachigkeit vor allem als das Gefühl verstehen kann, in beiden Sprachen kommunikativ zu sein. Die Zweisprachigkeit erfolgt nicht automatisch und hängt von vielen Faktoren ab, beispielsweise welchen Status die fremde Sprache hat und in wie fern die Eltern die Nicht-Umgebungssprache* unterstützen. Die Eltern selbst können die fremde Sprache auf unterschiedliche Weise fördern, indem sie sich mit den Kindern in dieser Sprache beschäftigen, affektive Bindungen schaffen und längere Besuche von monolingualen Großeltern oder Freunden ermöglichen, damit die Kinder das Bedürfnis spüren, die fremde Sprache zu benötigen. Andere Möglichkeiten bieten Reisen in das fremde Land oder fremdsprachliche Schulen.

Im letzten Teil der Arbeit werden die Ratschläge für eine erfolgreiche Zweisprachigkeit zusammengefasst. Die Eltern sollen vor allem beachten, dass sie bei der Erziehung konsequent bleiben, die Sprachen funktional trennen und jede Sprache eine klare Funktion hat. Es werden auch Modelle der zweisprachigen Erziehung präsentiert u.a. Familiensprache vs. Nicht-Umgebungssprache oder "eine Person = eine Sprache". Anschließend werden praktische Tipps geliefert und zweisprachige erfolgreiche/erfolgslose Familientypen analysiert.

2 Begriffserklärung: Kultur und Bikulturalität

Der Begriff Kultur bedeutet laut Meyers Lexikon Sprache, Religion, Ethik, Institutionen, Recht, Technik, Kunst, Musik, Philosophie und Wissenschaft. Kultur ist auch der Prozess des Hervorbringens der verschiedenen Kulturinhalte und Kulturmodelle und entsprechender individueller und gesellschaftlicher Lebens- und Handlungsformen (vgl. Meyers Lexikon 1990: 257). Im Duden kann man folgende Definition von Kultur finden: "Gesamtheit der geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen einer Gemeinschaft als Ausdruck menschlicher Höherentwicklung" (Duden Universal Wörterbuch 1996: 908). Relevant ist die Tatsache, dass Kultur viele unterschiedliche Bereiche umfassen kann und ein sehr umfangreiches Feld darstellt. Im Rahmen dieser Arbeit wird die Kultur als nationale gemeinschaftliche und gesellschaftliche Kultur verstanden, welche mit einem Land verknüpft ist.

Varro gibt zu, dass der kulturelle Raum als Begriff nicht klar definiert ist und es deswegen auch schwer festzustellen ist, was die neue kulturelle Zone bei den Familien bildet. Kulturen bestehen aus nicht abgeschlossenen und dynamische Praktiken und Werten (vgl. Varro 1997a: 125f.).

"Die 'Kulturen väterlicher- und mütterlicherseits', eigentlich die Kulturen des Vaters und der Mutter als einmaliger Wesen, sind 'unscharf abgegrenzte' Ensembles, die sowohl aus den Herkunftssprachen und den früheren Erfahrungen jedes Elternteils (unter anderem ihrer eigenen Familiengesichte) bestehen als auch aus ihrem jeweils eigenen 'Stil'. Diese für die Kinder stets gleichzeitig präsenten 'Kulturen' bilden das Milieu, in das sie hineingeboren werden, unabhängig davon, ob ihre Eltern unterschiedlicher Nationalität sind oder nicht." (Varro 1997c: 206)

Eine bikulturelle Familie bedeutet, dass den fremdkulturellen Merkmalen eine Wertschätzung gegeben wird und diese Werte den Kindern vermittelt werden, wobei diese Situation nur subjektiv betrachtet werden kann (vgl. Lesbet/Varro 1997: 159).

Bikulturell als Begriff definiert Varro wie folgt:

"Bikulturell heißt hier, daß sich in den Praktiken der Partner als Individuen, in der Paarbeziehung, der Familie oder der Gruppe die sogenannten kulturellen Attribute (Sprachen, Religionen, Sitten und Gebräuche, Traditionen usw.), die meist mit einer jeweils anderer Herkunft assoziiert werden, zu einer neuen Einheit (Individuum, Paar, Familie oder Gemeinschaft) verbinden." (Varro 1997c: 203)

Kielhöfer und Jonekeit beschreiben Bikulturalismus als das Gefühl zu zwei Kulturen zu gehören, wobei Sprachkenntnisse nicht den Kulturkenntnissen gleichen (vgl. Kielhöfer/ Jonekeit 1995: 95). Nach Grosjean muss eine bikulturelle Person nicht zweisprachig sein und umgekehrt. Eine zweisprachige Person ist nicht unbedingt bikulturell (vgl. Grosjean 1996: 178). Im weiteren Verlauf der Arbeit werden daher erst die bikulturellen Kinder vorgestellt, um anschließend das Phänomen der Zweisprachigkeit genauer zu betrachten.

3 Identität des Kindes

Das "deutsch-französische Paar" ist ein Begriff, der die Herkunft der Eltern offenbart, aber das "deutsch-französisches Kind" ist eine Beschreibung eines zusammengesetzten Wesens und einer neuen Mischung (vgl. Varro 1997b: 191). Auch Grosjean weist auf den Aspekt der Synthese hin, indem er feststellt, dass Bikulturalität vor allem durch die Synthese zweier Kulturen widergespiegelt wird. Das bikulturelle Wesen nimmt am Leben zweier Kulturen teil, kann sich an die entsprechende Kultur anpassen und verbindet die Eigenschaften von beiden (vgl. Grosjean 1996: 177).

Bikulturelle Kinder kommen aus Familien, wo ein Elternteil aus dem Ausland stammt und sich dadurch seine Werten und Praktiken von diesen des Wohnlandes unterscheiden. Zu Hause werden oft zwei Sprachen gesprochen und das andere Land wird besucht (vgl. Varro 1997a: 133).

Varro (1997b: 190) beschreibt zwei Kindergruppen aus den bikulturellen Familien:

- zweisprachige Kinder, die gleichzeitig bikulturell bzw. gemischt sind
- nicht zweisprachige Kinder, welche weder bikulturell noch gemischt sind und nur eine kleine Sache mehr haben als mononationale Kinder

3.1 Selbstbestimmung

Bikulturell werden die Kinder laut Lesbet und Varro erst später im Verlauf der persönlichen Entscheidungen, welche von der Familiengeschichte oder dem eigenen Leben beeinflusst werden. Durch die Eltern sind die Kinder gemischt, aber die Bikulturalität muss man von sich aus wählen (vgl. Lesbet/Varro 1997: 147). "Man wird nicht bikulturell geboren, man wird es." (Lesbet/Varro 1997: 147). Am Anfang bekommt das Kind ein Potential, das reproduziert oder neu produziert wird und am Ende etwas anderes darstellt als es am Anfang war (vgl. Lesbet/Varro 1997: 148).


[...]

* In dieser Arbeit werden die Begriffe: fremde Sprache und Nicht-Umgebungssprache gleich gestellt. Es wird vorausgesetzt, dass diese Sprache die schwache Sprache bei den Kindern ist.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Erfolgreiche Zweisprachigkeit
Untertitel
Zur Erziehung von Kindern mit bikulturellem Hintergrund
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V127589
ISBN (eBook)
9783640340293
ISBN (Buch)
9783640338221
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erfolgreiche, Zweisprachigkeit, Erziehung, Kindern, Hintergrund
Arbeit zitieren
Master of Arts (Kulturwissenschaften) Dorota Miller (Autor:in), 2005, Erfolgreiche Zweisprachigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127589

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