Bikulturelle Ehen sind heute nichts Außergewöhnliches mehr, weil interkulturelle Partnerschaften oft eingegangen werden und aus ihnen später Kinder hervorgehen. Diese Arbeit betrachtet die Problematik von Kindern aus bikulturellen Familien, welche die Möglichkeit bekommen in zwei Kulturen aufzuwachsen. Kinder aus bikulturellen Ehen sind oft nicht nur bikulturell sondern auch zweisprachig. In diesem Zusammenhang soll vor allem die Frage beantwortet werden, wie man Kinder erfolgreich zweisprachig erziehen kann.
Im ersten Kapitel definiere ich, was man unter Kultur verstehen kann, wobei hier die Kultur als ein Ausdruck einer Gemeinschaft bzw. Gesellschaft fungiert. Die nationale Kultur wird in einer Familie mit den eigenen Vorstellungen verbunden. Weiterhin beschreibe ich, was unter dem Begriff bikulturelle Ehe erfasst wird, bei dem man mit fremdkulturellen Eigenschaften zu tun hat. Darüber hinaus stelle ich einige Definitionen von Bikulturalismus als einer neuen Synthese und Zugehörigkeit zu zwei Kulturen vor.
Auf den Begriff der Bikulturalität geht der zweite Teil der Arbeit ein, in welchem die Identität eines bikulturellen Kindes aus einer bikulturellen Beziehung präsentiert wird. Bikulturelle Identität und Zweisprachigkeit können nicht gleich gestellt werden. Die bikulturelle Identität ist eine Wahl der Kinder, die sie selber treffen müssen, wobei diese von den Eltern durch die Erziehung beeinflusst wird. Kinder aus bikulturellen Beziehungen schaffen eine neue zusammengesetzte Welt und bilden im Laufe ihres Lebens eine bikulturelle Identität, welche beispielsweise durch die Namensgebung geprägt ist.
Die nächsten Kapitel setzen sich mit der Problematik der Zweisprachigkeit auseinander. Am Anfang werden einige Definitionen zu diesem Begriff geliefert, wobei man die Zweisprachigkeit vor allem als das Gefühl verstehen kann, in beiden Sprachen kommunikativ zu sein.
Im letzten Teil der Arbeit werden die Ratschläge für eine erfolgreiche Zweisprachigkeit zusammengefasst. Die Eltern sollen vor allem beachten, dass sie bei der Erziehung konsequent bleiben, die Sprachen funktional trennen und jede Sprache eine klare Funktion hat. Es werden auch Modelle der zweisprachigen Erziehung präsentiert u.a. Familiensprache vs. Nicht-Umgebungssprache oder "eine Person = eine Sprache". Anschließend werden praktische Tipps geliefert und zweisprachige erfolgreiche/erfolgslose Familientypen analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffserklärung: Kultur und Bikulturalität
3 Identität des Kindes
3.1 Selbstbestimmung
3.2 Bikulturelle Identität
4 Zweisprachigkeit
4.1 Druck der Umgebungssprache
4.2 Ratschläge für eine gelungene Zweisprachigkeit
5 Schlussfolgerung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Seminararbeit untersucht die Lebenswirklichkeit von Kindern aus bikulturellen Familien und geht der zentralen Forschungsfrage nach, unter welchen Bedingungen eine erfolgreiche zweisprachige Erziehung gelingen kann. Dabei werden sowohl die Identitätsbildung in zwei Kulturen als auch praktische pädagogische Ansätze zur Förderung der Sprachentwicklung analysiert.
- Bikulturalität als Identitätsmerkmal und Spannungsfeld
- Die Herausforderung des Spracherwerbs in bikulturellen Familien
- Methoden zur Vermeidung der Sprachverweigerung
- Einflussfaktoren wie Umgebungsdruck und soziales Prestige
- Erfolgsmodelle und praktische Strategien der Erziehung
Auszug aus dem Buch
4.1 Druck der Umgebungssprache
Wie Lesbet und Varro anmerken bekommt die Sprache des Landes, in dem man lebt, in der Regel Vorrang zu Lasten der zweiten, vor allem wenn es sich um eine außereuropäische und dazu eine südliche Sprache handelt (vgl. Lesbet/Varro 1997: 142).
Varro (1997b: 181) unterscheidet zwei Paartypen:
rechtlich gemischte Paare, deren Herkunftsnationalitäten gleichberechtigt sind; das fremde Land ist ökonomisch und politisch anerkannt, z.B. deutsch-französische Paare
gemischte Paare, welche die Dimension von Beherrschtem und Herrschendem beinhalten, der ausländische Elternteil gehört zur sozialen Minderheit, z.B. franko-algerische oder deutsch-algerische Paare
Die Unterteilung mag imaginär erscheinen, aber sie wirkt sich auf die Weitergabe der Sprache, die als eine Minderheitensprache betrachtet wird, aus (vgl. Varro 1997b: 182). Sprachen mit niedrigerem Prestige werden beispielsweise öffentlich weniger vertreten (vgl. Mahlstedt 1996: 67). Das Sozialprestige einer bestimmten Sprache hat eine wichtige Bedeutung, weil dadurch negative Einstellungen zur Zweisprachigkeit vermittelt werden. Am Anfang sind die Menschen, die diese Sprache benutzen, entscheidend. Später kommen kulturelle, ökonomische und kulturelle Werte hinzu (vgl. Kielhöfer/Jonekeit 1995: 25).
Kinder übernehmen die Einstellungen zu Zweisprachigkeit von ihren Eltern oder von der Gesellschaft, in der sie leben. Wenn diese positiv ist, werden die Kinder zum Erwerb beider Sprachen motiviert (vgl. Kumpukari 1996: 47). Die Zweisprachigkeit kann aber nicht immer eine selbstverständliche Lösung sein, da es materielle Gründe manchmal nicht erlauben, die Kinder auf eine zweisprachige Schule zu schicken oder aus persönlichen Gründen negative Einstellungen vermittelt werden (vgl. Varro 1997b: 188).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik von Kindern aus bikulturellen Familien ein und formuliert das Ziel, Methoden für eine erfolgreiche zweisprachige Erziehung vorzustellen.
2 Begriffserklärung: Kultur und Bikulturalität: Dieses Kapitel definiert Kultur als komplexes gesellschaftliches Feld und erläutert den Begriff des Bikulturalismus als Synthese zweier Kulturen.
3 Identität des Kindes: Das Kapitel befasst sich mit der Entwicklung einer bikulturellen Identität und den damit verbundenen Herausforderungen wie dem Zugehörigkeitsgefühl.
3.1 Selbstbestimmung: Hier wird thematisiert, dass Bikulturalität ein Prozess der persönlichen Entscheidung und kein angeborenes Merkmal ist.
3.2 Bikulturelle Identität: Der Abschnitt beleuchtet die Faktoren der Identitätsbildung, einschließlich der Wahrnehmung durch das soziale Umfeld.
4 Zweisprachigkeit: Es werden verschiedene Definitionen der Zweisprachigkeit diskutiert und als natürliche, aber pflegebedürftige Fähigkeit dargestellt.
4.1 Druck der Umgebungssprache: Dieses Kapitel untersucht, wie soziale Faktoren und Sprachprestige den Spracherwerb und die Motivation beeinflussen.
4.2 Ratschläge für eine gelungene Zweisprachigkeit: Hier werden praktische Konzepte wie die funktionale Sprachtrennung und verschiedene Erziehungsmodelle vorgestellt.
5 Schlussfolgerung: Die Schlussfolgerung fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit des konsequenten, aber sensiblen Förderns der schwächeren Sprache.
Schlüsselwörter
Bikulturalität, Zweisprachigkeit, Identitätsbildung, Spracherziehung, Familiensprache, Nicht-Umgebungssprache, Sprachprestige, interkulturelle Erziehung, funktionale Sprachtrennung, Bilingualismus, Sozialisation, Sprachentwicklung, kulturelle Synthese, Erziehungsmodelle, Fremdsprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Lebenssituation von Kindern in bikulturellen Familien und die damit verbundenen Herausforderungen hinsichtlich Identität und Sprache.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition von Kultur und Bikulturalismus, die Identitätsentwicklung von Kindern sowie die Bedingungen für den erfolgreichen Erwerb zweier Sprachen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Methoden und praktische Hinweise zu identifizieren, die eine erfolgreiche zweisprachige Erziehung im familiären Kontext erleichtern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung bestehender Fachliteratur und linguistischer Ansätze, um Modelle erfolgreicher und erfolgloser zweisprachiger Erziehung zu systematisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Begrifflichkeiten geklärt, die Identitätsproblematik von Kindern analysiert, der Einfluss der Umgebungssprache untersucht und Ratschläge für eine gelungene Zweisprachigkeit präsentiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Bikulturalität, Zweisprachigkeit, Identitätsbildung, funktionale Sprachtrennung und soziale Faktoren des Spracherwerbs.
Warum ist das Zugehörigkeitsgefühl für bikulturelle Kinder oft schwierig?
Kinder empfinden oft Druck durch das soziale Umfeld und haben Schwierigkeiten, sich eindeutig einer Kultur zuzuordnen, da sie beide repräsentieren und somit eine "positive Marginalität" leben.
Was bedeutet der Begriff "eine Person = eine Sprache"?
Es handelt sich um ein Erziehungsmodell, bei dem jeder Elternteil konsequent in seiner eigenen Muttersprache mit dem Kind spricht, um eine klare funktionale Trennung der Sprachen zu gewährleisten.
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- Master of Arts (Kulturwissenschaften) Dorota Miller (Author), 2005, Erfolgreiche Zweisprachigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127589