Fremdsprachen im Kindergarten


Hausarbeit, 2005

23 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 Einleitung

2 Gründe für Fremdsprachen im Kindergartenalter

3 Ziele des frühen Fremdsprachenerwerbs

4 Kindergartenunterricht
4.1 Modelle
4.2 Methoden

5 Bericht aus der Praxis

6 Schlussfolgerung

Abstract

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das Fremdsprachenlernen wird immer populärer und die Eltern möchten, dass ihre Kinder so früh wie möglich damit anfangen. Dieses Wissen soll es ermöglichen, einen besseren Job zu bekommen und erfolgreich im Leben zu sein. Dabei ist es nicht immer offensichtlich, was mit dem frühen Fremdsprachenerwerb erreicht werden soll. Diese Arbeit stellt die Grundrisse des Lernens im Kindergarten dar.

Im ersten Kapitel werden die Gründe für den Beginn des Fremdsprachenunterrichts im Kindesalter genannt. Es handelt sich hier um unterschiedliche Ansätze. Die Kinder befinden sich in einer optimalen Lernphase, haben eine flexible Hirnstruktur, schlüpfen gern in verschiedene Rollen und lernen die anderen Kulturen kennen. Sie lernen auch schnell die neue Sprachmelodie und die Intonation. Dabei wird auch die kognitive Entwicklung und Persönlichkeit der Kinder gefördert. Weiterhin bedeutet das Fremdsprachenlernen eine Sensibilisierung für das Fremde und eine erhöhte Akzeptanz. Die Offenheit kann im Unterricht genutzt werden, dient aber auch dem größeren Verständnis gegenüber Neuem. Die Kinder sind bereit zu sprechen und zu handeln, lernen mit Freude und gewinnen dadurch Vertrauen in ihre eigenen Stärken.

Die Ziele des Fremdsprachenlernens im Kindergarten können differenzieren. Die wichtigsten Merkmale sind die Betonung der Mündlichkeit, die Erweiterung der sozialen Kompetenzen und die Sensibilisierung für Fremdsprachen. Sie lernen auch unterschiedliche Wortschatzbereiche, welche thematisch unterteilt sind. Fremdsprachenlernen bietet die Möglichkeit, mit der Fremdsprache bewusster umzugehen und das Sprachvermögen zu erweitern. Es handelt sich um die Entwicklung des Interesses der Kinder für die Fremdsprache und des Gespürs für die andere Melodie und Intonation. Im Unterricht lernen die Kinder auch fremde Kulturen kennen. Dabei ist es wichtig, dass die Kinder beim Lernen positive Gefühle haben, weil diese Einstellungen für das weitere Lernen entscheidend sind.

Ähnlich wie die Ziele können auch die Modelle des Lernens verschieden sein, wobei sich die Methoden ähneln. Die Fremdsprache wird entweder als Aktivitätsangebot oder Immersion angeboten, wobei man vor allem auf die natürlichen und kommunikativen Lernsituationen abzielt. Kinder lernen durch Handeln und Spielen, deswegen muss der Ablauf gleich sein, aber in sich variieren. Häufiger Wechsel der Tätigkeit und Wiederholen des Materials sind unabdingbar. Das Lernen muss an die Kinder angepasst sein, was in einem flexiblen Plan und kindlichen Tätigkeiten resultiert. Als Methoden sind beispielsweise erlebende Beschäftigungen zu nennen. Das Fremdsprachenlernen im Kindergarten wird durch Benutzung von Spielen, visuelle Unterstützung des Gesagten, auch durch Handpuppen sowie das Beachten der Fähigkeiten und Bedürfnisse der Kinder charakterisiert. Weiterhin erfolgt das Lernen unbewusst mit Kopf, Herz und Hand, daher kommt der Bewegung eine wichtige Rolle zu. Vermeiden sollte man vor allem Langweile, was durch häufigen Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung geschieht.

Der letzte Teil der Arbeit stellt ein Projekt aus der Grenzregion dar, wo die Kinder die Möglichkeit bekommen, die fremde Sprache des Nachbarlandes zu erwerben. Es werden praktische Erfahrungen, Probleme und Erfolge präsentiert.

2 Gründe für Fremdsprachen im Kindergartenalter

Huppertz (2002: 13ff.[1] ) nennt folgende Gründe für den frühen Fremdsprachenerwerb:

- optimale Lernphase – ein Kind ist ungefähr bis zum sechsten Lebensjahr sensibel gegenüber neuen Dingen, in diesem Fall gegenüber der Sprache
- Faktoren aus der Hirnforschung – bei der Frühforderung erfolgt der Lernprozess wirksamer und leichter
- Rollenspielalter – die Möglichkeit zur Ausnutzung der großen Bereitschaft zu handlungs- und erfahrungsbezogenen Spielen
- ökonomische Folgen – u.a. Zweisprachigkeit, grenzüberschreitende Arbeits-möglichkeiten
- Beitrag zur Völkerverständigung – frühe Kulturvermittlung

Nauwerck macht darauf aufmerksam, dass die Kinder fähig sind eine authentische Sprachmelodie zu erwerben (vgl. Nauwerck 2003: 42). Czerwonka merkt an, dass die Kinder nicht unbedingt jedes Wort richtig aussprechen, aber sie werden die Intonation, die Rhythmik und den Akzent kennen lernen (vgl. Czerwonka 2001: 75).

Stasiak sieht die Chance des frühen Fremdsprachenerwerbs im möglichst frühen Kontakt mit dem fremden Sprachsystem, der eine leichtere Aneignung nicht nur der Phonetik sondern auch anderer Strukturen und dem Wortschatz ermöglicht (vgl. Stasiak 2000: 404). Die elastische Artikulationsbasis sollte ausgenutzt werden (vgl. Stasiak 2000: 411). Die Kinder sind nach Stasiak bereit das Neue zu akzeptieren und nicht in Zweifel zu ziehen, sie fragen nicht warum es anders als in ihrer Muttersprache ist (vgl. Stasiak 2000: 412).

Weiterhin kann, wie Nauwerck schildert, das Fremdsprachenlernen im Kindergarten durch seine Ansprüche einen positiven Beitrag für die kognitive Entwicklung leisten. Es ist eine Art der Wechselwirkung, indem die Muttersprache und die Persönlichkeit gefördert, angeregt und unterstützt werden (vgl. Nauwerck 2003: 51).

Die frühre Fremdsprachenvermittlung bedeutet für Nauwerck die Schulung von Motorik, Sinneswahrnehmung, Unterstützung der Kreativität, musikalische Bildung und ästhetische Sensibilisierung. Man braucht deswegen die "körperliche Entwicklung, Training der Sprachwerkzeuge, des Gehörs, der Motorik sowie das Anbieten kognitiver Reize (...)." (Nauwerck 2003: 52)

Szulc-Kurpaska schildert die Möglichkeiten, welche der frühe Anfang anbietet. Die Kinder können dadurch für das Fremde und seine Akzeptanz vorbereitet werden. Sie entwickeln ihre Fähigkeiten und lernen die Welt besser kennen. Die Ausnutzung der Freude, die Kinder am Spielen, an Lauten und an der Sprache haben, verbunden mit Kommunikationslust und Neugier auf Entdecken des Neuen, bietet sich an (vgl. Szulc-Kurpaska 1997: 118).

Dank der Fremdsprachenvermittlung werden sie laut Rück mit anderen Denkweisen und Normen konfrontiert und mit denen aus anderen Kulturräumen vertraut gemacht (vgl. Rück 1998: 32). Die Offenheit der Kinder leistet nach Fröhlich-Ward einen Beitrag dazu, dass die Kinder bereit sind alle Eindrücke aus der fremdsprachigen Kultur eanzunehmen, wodurch die Überwindung von sprachlichen Barrieren erleichtert wird. Weiterhin sind die Kinder in ihren Handlungen ungehemmt und lernen dadurch mit allen Sinnen. Diese Offenheit und Imitationsbereitschaft kann man beim Lernen nutzen (vgl. Fröhlich-Ward 2003: 198f.).

Auf ähnliche Merkmale weist auch Stasiak hin und betont die wichtige Rolle der Kindesemotionalität. Die Kinder sind spontan und zeigen offen ihre Gefühle, phantasieren und spielen gern, nehmen unterschiedliche Rollen an (vgl. Stasiak 2000: 412f.). Die Kinder besitzen nach Nauwerck die Fähigkeit mit der Sprache ohne Hemmungen und spielerisch umzugehen (vgl. Nauwerck 2003: 53).

"Bei der Überlegung, wie ein Fremdsprachenangebot gestaltet werden kann, muss die soziale, affektive und kognitive Entwicklung des Kindes berücksichtigt werden. Die Imitationsbereitschaft der Kinder und die Fähigkeit, nachahmend zu lernen, führt zur spontanen Sprech- und Handlungsbereitschaft." (Winter 2003: 93)

Wie Komorowska die Situation schildert, hat das Kindesalter sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf das Sprachenlernen. Zu den Nachteilen gehört, dass die Kinder zwar schnell lernen, aber auch schnell vergessen. Sie sind nicht fähig sich für eine längere Zeit zu konzentrieren und können wegen ihres noch mangelhaften logischen Gedächtnisses die Grammatikregeln nicht erfassen. Weiterhin können die Kinder nicht schreiben und lesen, was Eigenarbeit ausschließt. Der Vorteil besteht aber darin, dass die Kinder viel Zeit zur Verfügung haben und die richtige Aussprache lernen können. Sie sind spontan, haben keine Angst vor dem Sprechen, nehmen die neuen Situationen mit Freude an, gehen gern ein Risiko ein, haben Vertrauen und sind dabei aktiv (vgl. Komorowska 1999: 120).

Die Kinder lernen nach Stasiak die Fremdsprache, weil sie Freude am Lernen haben, das Gefühl bekommen, dass sie schon etwas gelernt haben und an ihre eigene Stärke glauben (vgl. Stasiak 2000: 415). Die Kinder müssen das Interesse für diese Sprache gewinnen und positive Gefühle haben, wodurch ihre Welt bereichert wird (vgl. Stasiak 2000: 426).

3 Ziele des frühen Fremdsprachenerwerbs

Zu den Zielen des Lernens gehören nach Bebensee (2002: 67):

- Erwerb der elementaren mündlichen Kompetenz
- Schaffen von sozialer Kompetenz durch bereichernde Vielfalt und größere Offenheit
- Bauen von Brücken und sprachliche Grenzüberwindung v.a. in der Grenzregion

Nauwerck unterstreicht dabei, dass es nicht klar definiert ist, ob das frühkindliche Fremdsprachenlernen nur zur Sprachsensibilisierung oder zur richtigen Zweisprachigkeit führen soll (vgl. Nauwerck 2003: 36). Myczko merkt an, dass diese Ziele gemeinsam erfüllt werden können. Die Kinder können sowohl für die neue Sprache sensibilisiert werden als auch die grundlegenden Sprachhandlungen erwerben (vgl. Myczko 2000: 205).

Im Unterricht lernen die Kinder laut Bebensee über "Ichbezogen" (sich vorstellen, den Körper, Gefühle und Empfindungen ausdrücken), "Umweltbezogen" (Familie, Freunde, Tiere), "Bekannten" (Alltagsituationen um den Kindergarten) und "Unbekannten" (Begrüßungsformen) zu sprechen (vgl. Bebensee 2002: 51ff.). Huppertz berichtet über die Fähigkeit der Kinder, sich vorzustellen und den anderen nach dem Namen zu fragen, bestimmte Dinge einzukaufen, Farben, Zahlen, Wochentage zu nennen und Lieder und Reime zu wiederholen (vgl. Huppertz 2003: 16). Weiterhin verstehen sie wiederkehrende Alltagsformen und führen die Anweisungen aus (vgl. Huppertz 2003: 22).

Als Orientierungspunkte für das Lernen können folgende genannt werden (Göbel/Müller/Schneider 1983: 6f):

- "Bildung und Förderung der Gesamtpersönlichkeit des Kindes unter Berücksichtigung seiner kognitiven, emotionalen, sozialen und aktionalen Bedürfnisse.
- Integration des Sprachunterrichts in alle Bildungs- und Erziehungsbereiche. (…)
- Steuerung der Lehrsprache durch Verwendung begrenzter Redemittel in wechselnden Kommunikationssituationen zur Aktivierung der individuellen kindlichen Spracherwerbsmechanismen. (…)
- Einbeziehung des unbewussten imitativen Lernens. (…)
- Schulung des Hörverständnisses durch ein erweitertes Angebot von Redemitteln in vielseitigen Kommunikationssituationen.
- Schaffung natürlicher Sprechhandlungssituationen, die beim Kind das produktive Sprechen stimulieren.
- Immanente Wiederholung eines begrenzten Struktur- und Wortschatzes mit einer ständigen Erweiterung des Anwendungsbereichs zur Stimulierung des produktiven Transfer auf neue Situationen."

Nach Winter muss vor allem die mündliche Kommunikation gefördert werden, d.h. die Sprache soll eingesetzt und verstanden werden (vgl. Winter 2003: 101). Es ist für die Kinder möglich zu verstehen und elementare Texte (Satzstrukturen, Wörter) auszusprechen. Dadurch lernen sie das Lautsystem der fremden Sprache kennen (vgl. Winter 2003: 104).

Auch Myczko charakterisiert das frühe Fremdsprachenlernen als Lernen des mündlichen Codes mit dem Schwerpunkt des Hörverstehens. Das Sprechen ist vor allem reproduktiv, aber das Hauptziel bleibt, das Interesse der Kinder an der Fremdsprache zu wecken (vgl. Myczko 2000: 205).

Früher Fremdsprachenerwerb bietet laut Nauwerck die Möglichkeit, eine Basis für das weitere Sprachenlernen zu schaffen und einen bewussten Umgang mit der Erstsprache zu ermöglichen (vgl. Nauwerck 2003: 40). Auch Fröhlich-Ward schreibt über die Verbesserung des Sprachvermögens (vgl. Fröhlich-Ward 2003: 202).

Fröhlich-Ward weist auf die Hauptziele des frühen Fremdsprachenerwerbs hin. Es handelt sich um die Entwicklung der gesamten Persönlichkeit des Kindes und die Vorbereitung auf eine kulturelle und sprachliche kommunikative Begegnung mit fremdsprachigen Menschen (vgl. Fröhlich-Ward 2003: 198). Zusammenfassend sehen die Ziele nach Fröhlich-Ward (2003: 201) wie folgt aus:

- "Freude am handelnden Umgang mit der fremden Sprache haben
- Neugier und Interesse für die fremde Sprache entwickeln
- im Hörverstehen und Sprechen geschult werden
- gewisse Strukturen und Regeln der fremden Sprache durch Wiederholung in spielerischen Aktivitäten einüben
- ein Gespür für die Melodie, den Rhythmus und die Intonation der fremden Sprache bekommen
- Sprachgefühl und Sprachbewusstsein für die eigene und die fremde Sprache entdecken
- Einblick in die fremde Kultur und Lebensweise der Gleichaltrigen gewinnen
- Toleranz, Aufgeschlossenheit und Verständnisbereitschaft für Fremde entwickeln."

[...]


[1] vgl. auch Huppertz 2003: 15.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Fremdsprachen im Kindergarten
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Note
2,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
23
Katalognummer
V127591
ISBN (eBook)
9783640340316
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fremdsprachen, Kindergarten
Arbeit zitieren
Master of Arts (Kulturwissenschaften) Dorota Miller (Autor:in), 2005, Fremdsprachen im Kindergarten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127591

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