Das Festmahl - Symbol und Ereignis der Bibel, unter besonderer Berücksichtigung des Gleichnisses vom Festmahl (Lk 14,15-24)


Seminararbeit, 2009

35 Seiten, Note: 1


Gratis online lesen

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkung:

1 Einleitung
1.1 „Tischgesellschaften“
1.2 Festmahl

2 Festmahl - Werke von Menschenhand vs göttliche Wirkkraft
2.1 Umfeld der Bibel: Festbankett und Dekadenz Cleopatra und Mark Anton
2.1.1 Wetteifer
2.1.2 Das Gleichnis vom Schatz und von der Perle
2.2 Argwohn beim Mahl – David erscheint abermals nicht bei Tisch Saul – David – Jonatan (1 Sam 20,24f, 32ff; 18,10f)
2.3 Atemlos: Die Königin von Saba zu Besuch bei König Salomo
2.4 Festgelage mit tödlichem Ausgang (I): Judit erhält den Ehrenplatz beim Gastmahl des Holofernes
2.4.1 Tischordnung
2.4.2 „Wahrhaftig du bist wunderschön“ (Judit 11,21)
2.4.3 Zwei Spannungsbögen: Reflexion der Handlung durch Rede und Gebet
2.5 Ester und Artaxerxes (Mordechai und Haman) - Der König zu Gast beim Festmahl
2.5.1 Das persische Königsbankett
2.5.2 Literarische Komposition
2.5.3 Der Vernichtungsbefehl des Artaxerxes
2.5.4 Das Toleranzpatent des Artaxerxes
2.5.5 Reflexion
2.6 „Mene mene tekel u-parsin“: Das große Gastmahl bei Belschazzar
2.7 Festgelage mit tödlichem Ausgang (II): Die Enthauptung des Täufers Johannes

3 Dank, Preisung, Segen und Wandlung
3.1 Melchisedek segnet Abraham
3.2 Das Abendmahl
3.3 Die Stunde Jesu

4 „Das große Festmahl“: Heilsimplementierung durch Gott unter seinen Gästen (Lk 14,15-24, vgl Lk 17,21)
4.1 Paschafest und Befreiungserfahrung:
4.2 Das Bild Gottes und das Bild vom Festmahl:
4.3 Thematik des Gleichnisses vom Festmahl:
4.4 Bildebenen:
4.5 Erwählung – Vorzug oder Beschwer?
4.6 Versuch einer Auslegung
4.6.1 Situation und Bild:
4.6.2 Die erste Anweisung: Einladung zum großen Mahl
4.6.3 Die Ausreden:
4.6.4 Die zweite Anweisung: Die Herbeiführung der Ersatzgäste (enger Kreis)
4.6.5 Die dritte Anweisung: Das Herbeiführen der entfernten Gäste (weiter Kreis)
4.6.6 Die Antithese

5 Ausblick

6 Literaturverzeichnis

Vorbemerkung:

Die vorliegende Arbeit stellt eine Reihe von Ereignissen vor, die das Festmahl zum Inhalt haben und über die die Bibel berichtet. Bei jenen Banketten, die von ihrer Ausstattung her an Königsbankette hellenistischer und römischer Prägung erinnern, wird darauf Bezug genommen. Die Arbeit kann unmöglich sämtliche Gesichtspunkte des Festmahls behandeln, ebenso wenig können alle in Betracht kommenden Bilbelstellen erschöpfend behandelt werden. Es musste daher eine Auswahl vorgenommen werden, wobei dem berechtigten Einwand, es würden verschiedene Ereignisse willkürlich aneinander gereiht, nur entgegnet werden kann, dass der Autor bemüht war, den „roten Faden“ nicht ganz zu verlieren.

Auch vom Umfang der Arbeit her ist es nicht möglich, die besondere Bedeutung des Opfers, die dem Mahl innewohnt, zu entfalten; dies seiner Vieldimensionalität sowie der religiösen Riten wegen, wie etwa der jüdischen Feste Pesach (das christliche Ostern), Laubhüttenfest, Chanukka; Beschneidung Gen 17,10; Bar Mitzwa, Hochzeit ua.[1] Es sei nur darauf verwiesen, dass das Töten des Tieres durch den Menschen, das dem Verzehr diente und oft in einem gemeinsamen Mahl verspeist wurde, seit jeher eine Störung der Schöpfungsordnung indizierte, worauf es galt, das Opfer (-tier) Gott/den Göttern darzubringen, um so den Eingriff auszutarieren oder zu rechtfertigen. Teile der gesammelten Früchte oder des geschlachteten Tieres wurden und werden geopfert. Die Gabe richtet sich an die Eigner der Tiere und Pflanzen, und das Dargebrachte ist als Ausdruck des Dankes, der Entschuldigung und der Bitte zu verstehen.[2] Anhand der Bibel werden nun Situationen in den Blick genommen werden, in denen das Festmahl eine Rolle spielt, - bei dem sich das Schicksal wendet und so zu einem Geheimnis wird, das man feiert.

1 Einleitung

1.1 „Tischgesellschaften“

Was macht ein Mensch, wenn er etwas zu feiern hat? Er setzt sich mit seiner Familie, mit Freunden, mit Gästen an einen Tisch und isst und trinkt. Nicht nur beim Essen wird der Tisch zum Schauplatz des Geschehens, zur glanzvollen Bühne oder zum privaten Refugium. Stets ist er ein Ort der Kommunikation[3]. Hier versammelt man sich zum Gespräch, freut sich am Einverständnis, ereifert sich im Widerspruch. Das Beisammensein an einem Tisch ist ein Zeichen sozialer Nähe, untrennbar verbunden mit Ritualen. Die Tischgesellschaft, Metapher für Gesellschaft insgesamt, ist eine Grundform menschlichen Beisammenseins und damit ein klassisches Thema in der Literatur, im Schauspiel und der Malerei[4]. Die szenischen Darstellungen reichen von festlichen, ereignisreichen Tafelrunden, wie etwa dem Gastmahl des Belsazar (Belschazzars), dem Tanz der Salome, dem Gastmahl der Kleopatra.[5]

In der Bibel finden wir an zahlreichen Stellen Berichte über gemeinsame Mahlzeiten, die das Leben von Menschen verändert haben: Dazu gehört ua der Besuch der Boten bei Abraham und Sara in der Genesis (Gen 18,1-33; vgl 21,8: „Als Isaak entwöhnt wurde, veranstaltete Abraham ein großes Festmahl“), verschiedene Hochzeitsfeiern ebenso[6], wie das Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern gehalten hat.[7] Das eigentliche Hochzeitsmahl ist regelmäßig ein Bild messianischen Werks und göttlicher Freude, das Hochzeitsmahl ist daher stets ein Fest -mahl (vgl Offb 19,7-10: „Denn gekommen ist die Hochzeit des Lammes“).

Gastfreundschaft, Tischgemeinschaft, Nahrungsaufnahme werden dabei zentral mit Gott in Beziehung gesetzt und mit einem Lobpreis verbunden, wodurch dem Festcharakter des (Abend-) Mahls besonders Rechnung getragen wird, und zur vergeistigten Gotteserfahrung der Teilhabendenden – bis hin zur Realpräsenz Gottes wird. „Der Evangelienbericht vom Letzten Abendmahl (Lk 22,14-20), Gedächtnis des Opfers Christi, wird Ereignis und Sakrament, wenn er unter Anrufung des Heiligen Geistes in der Eucharistiefeier verkündet wird“[8].

1.2 Festmahl

„Festmahl“ bezeichnet ein weites Begiffsfeld. In der Antike (in Babylon, Persien, im Hellenismus, im Römischen Reich) begegnet uns ein opulentes Mahl der Oberschicht, nicht selten ein exzessives Gelage, bei dem der Gastgeber mit seinen illustren Gästen auf Speisesofas zu Tisch liegt. Diener tischen ausgefallen üppige Speisen und Getränke auf. Musiker, Tänzerinnen, auch Schauspieler sorgen für Stimmung.[9] Die Requisiten sind kostbare Speise- und Trinkgefäße, edle Gewänder; nicht zuletzt bietet ein gebührend ausgestatteter Speisesaal – wo möglich mit Aussicht aufs Meer oder über die Dächer der Stadt – den Rahmen für erbauliche Stunden. „Und wahrlich, nicht einmal die Hälfte hat man mir berichtet“, wird die Königin von Saba angsichts der prunkvollen Tafel Salomo anerkennend zurufen, wenn sie dem König ihre Aufwartung in Jerusalem macht (1 Kön 10, 7).

Die Hauptmahlzeit wird am Abend zu Sonnenuntergang eingenommen, die Hitze des Tages ist vorbei.[10] Das Bankett ist oft Ausdruck prahlerischen Zurschaustellen der Herrschaftlichkeit, der Königswürde; ein Herrschaftsgestus, Imponiergehabe des Gastgebers, umgekehrt auch Ehrerbietung gegenüber dem Hauptgast, oder den geladenen Gästen. Regelmäßig liegt dem Fest ein bestimmter Zweck zugrunde, der den Anlaß zur Einladung gibt, und den Verlauf des Abends beeinflusst. Verführung, Einflüsterung, Sinnesbetörung werden dabei als wirksames Mittel gewählt. Geschenke werden mit königlicher Freigebigkeit ausgeteilt, ja den Provinzen werden Steuererlässe gewährt (Est 2,18); ein Akt kraft „imperium“, der Befehls-, Zwangs- und Begnadigungsgewalt. Die Bibel berichtet freilich über Feste, die zum Ritus geworden sind: dabei wird Erinnerung an das wirkmächtige Eingreifen Gottes in der Geschichte Israels wach gehalten, stehen Danksagung und Lobpreis der Herrlichkeit Gottes im Zentrum. Eine literarische Begriffsbestimmung des „Festmahls“ wird daher immer zu kurz greifen. Jedes Mahl verbindet die Beteiligten und stiftet Gemeinschaft, die zu gegenseitiger Solidarität verpflichtet. Deshalb rühren auch viele Bilder der religiösen Sprache aus diesem Bereich (vgl Ps 23,5; 42,1-4; Jes 25,6; Ex 24,9-11)[11].

Uns begegnen also auf der einen Seite ausschweifende Festgelage mit nicht selten niederen/fleischlich-irdischen/vergänglichen[12] Lustbarkeiten - etwa wenn Begierde die Begegnung zwischen Mann und Frau antreibt -, ferner wenn das Verhältnis des Kriegsherrn zu den Unterworfenen gespiegelt wird, nach Eroberung von Land und Volk. Auf der anderen Seite steht der Gestus der Teilhabe an besonderer göttlicher Erwählung oder Errettung des Volkes Israel im Vordergrund (zB Purim-Fest, Ester; ferner Rut), bis hin zu dem eigentlich großen Mahl, dem Herrenmahl. Das Mahl wird als Gnadengabe begriffen, die himmlisch-unvergänglich ist; das Festmahl ist dann nie Ausdruck eigener Verdienstlichkeit, sondern steht in direktem Zusammenhang und unverbrüchlicher Kontinuität der Zuwendung und Liebe, die unmittelbar von Gott kommt.

Das Festmahl begegnet uns als Ereignis der Bibel, das durch wiederkehrende religiöse Handlung zum gelebten und erlebbaren Symbol der Erlösung und der Befreiung wird. Es folgt eine Auswahl Bezug habender Zitate:

Gen 29,22: Da ließ Laban alle Männer des Ortes zusammenkommen und
veranstaltete ein F.

Ri 14,10: Auch sein Vater kam zu der Frau hinab und Simson veranstaltete

dort ein Trinkgelage, wie es die jungen Leute zu machen pflegten. (EÜ)

1 Kö 3,15: Als er nach Jerusalem kam, trat er vor die Bundeslade des Herrn,

brachte Brand- und Heilsopfer dar und gab ein F. für alle seine Diener.

Est 2,18: Der König veranstaltete zu Ehren Esters ein großes F. für alle seine

Fürsten und Diener.[13]

Ps 23,5: Du deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde (vgl Ps 42,1-4)

Jes 25,6: Der Herr der Heere wird auf diesem Berg für alle Völker ein F. geben mit

den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesen Weinen

Ex 24,9-11: […] Die Fläche unter seinen Füßen war wie mit Saphir ausgelegt und glänzte hell wie der Himmel selbst. Gott streckte nicht seine Hand
gegen die Edlen der Israeliten aus; sie durften Gott sehen und sie

aßen und tranken.[14]

Esra 6,19: Am vierzehnten Tag des ersten Monats feierten die Heimkehrer das

Pascha-Fest.

Mt 8,11 (Lk 13,29): Viele werden von Osten und Westen kommen und mit
Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen

Lk 22,29f: Ihr sollt in meinem Reich mit mir an meinem Tisch essen und trinken

Offb 3,20: Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten

und wir werden Mahl halten

Offb 19,9: Selig, wer zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen ist.[15]

Ps 103,5: der dich dein Leben lang mit seinen Gaben sättigt (Mt 6,11: gib uns

heute das Brot, das wir brauchen)

1 Sam 16,11-13: Salbung Davids vorm Mahl

Lk 5,29: großes Festmahl Levis für Jesus

1 Kor 11,17-34: Feier des Herrenmahls

Ferner: Spr 9,5; Ijob 1,4; 1 Kor 11,26 (Maranata); Gen 18,7f; 40,20; Ex 16,8f;
1 Kön 3,15; Ri 14,10; 2 Kön 6,23; Spr 15,15; 1 Sam 2,13; 1 Sam 9,22; 1 Kön 1,41;

2 Kön 6,23; Neh 8,10; Ps 63,6; Spr 17,1; Jer 51,39; Offb 19,17; Tob 2,1

2 Festmahl - Werke von Menschenhand vs göttliche Wirkkraft

2.1 Umfeld der Bibel: Festbankett und Dekadenz Cleopatra und Mark Anton

2.1.1 1Wetteifer

Die römische Gesellschaft der Kaiserzeit mit ihrer scharfen Zweiteilung in Arm und Reich war durch eine ausgesprochen luxuriöse Lebensführung der Oberschicht (einschließlich der neureichen sozialen Aufsteiger) geprägt. Prachtentfaltung und demonstrativer Konsum waren konstitutiv für das Selbstverständnis der Reichen und Mächtigen; Statussymbole dienten vor allem auch dazu, sich innerhalb der Oberschicht gesellschaftlich abzugrenzen.[17][16]

Den exaltierten Feinschmecker Marcus Gavius Apicius, der um die Zeitenwende lebte und als Urheber des ältesten überlieferten Kochbuchs gilt („De re coquinaria“), nannte Plinius der Ältere einen „von Geburt an auf jede Prasserei ausgerichteten Geist“. Im Haus reicher Gastgeber speiste man liegend um einen Tisch, an dem hufeisenförmig Speisesofas aufgestellt waren. Petronius (um 14 bis 66 n.Chr.) schildert in seinem Roman „Satyricon“ ein ausschweifendes Festessen des Gastgebers Trimalchios, bei dem Pfaueneier, Feigenschnepfen, ein Hase mit Flügeln sowie ein gebratener Eber, aus dem lebendige Vögel herausflatterten, aufgetragen wurden. [18]

Im Rahmen einer Wette (nach dem älteren Plinius) - bei einem „orientalischen“ Festbankett mit opulenter Speisenfolge - mit ihrem Geliebten Mark Anton war Cleopatra im Begriff, eine maßlos teure Perle in ihren Trinkbecher zu versenken um zu beweisen, dass sie ihrem Liebhaber das teuerste Festmahl aller Zeiten bieten kann.[19] Als Cleopatra noch eine zweite Perle zum Verzehr anbietet, gibt sich Marc Anton geschlagen. Den Wert allein einer von Cleopatras Perlen schätzen Zeitgenossen auf etwa eine Million Unzen Feinsilber (16-60 Mio Sesterzen).

2.1.2 Das Gleichnis vom Schatz und von der Perle

An solche Erzählungen (oder auch an das Ohrgehänge der Herodia) mögen die HörerInnen des Gleichnisses von der Perle gedacht haben (Mt 13,45f). Der Kaufmann, vermutlich ein Großhändler, der nach langem Suchen endlich „eine besonders wertvolle Perle gefunden hatte, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte sie“.

Im Zentrum der Rede steht einmal mehr das rechte Verstehen des Geheimnisses des Himmelreichs. In dieser Perikope geht es primär um das Verhalten – und der Freude, wobei das Hören vom Tun nicht zu trennen. Wer das „Wort vom Reich“ verstehen will, muss so zum Handeln motiviert sein (Mt 13,44-52; vgl „Vom wahren Schatz“ Lk 12,33; ferner ThEv 76 u 109). Das Vergraben von Wertgegenständen galt in der Antike vor allem in Krisenzeiten, bei Kriegen oder bei längerer Abwesenheit als sichere Art der Aufbewahrung (man denke an die Funde von Qumran)[20].

Der Finder des Schatzes, von dem Jesus nach Mt 13,44 erzählt, vergräbt den Schatz erneut und verkauft alles, um den Acker kaufen zu können und so in den Besitz des Schatzes zu gelangen, der alle Erfüllungen gewähren kann. Parallel dazu steht das Gleichnis von der Perle, deren Kaufmann gleichfalls alles dahingibt, um dieses alles überragende Gut zu erlangen.[21] Die Gleichnisrede vom Himmelreich stellt vor die Entscheidung, ist selbst wirksames Instrument der Scheidung. Die Geheimnisse des Himmelreichs, die Jesus in Gleichnissen erläutert, wird nur derjenige verstehen, der bereit ist, Jesu Jünger zu sein. Vom „Finder“ der Perle wird ganzer Einsatz gefordert.[22] Wer diesem Anspruch an das Verhalten eines Jüngers nicht entspricht, obwohl ihm die Geheimnisse des Himmelreichs anvertraut worden sind, kann nicht ins Himmelreich gelangen, wie Mt 13,47-50 mahnend in Erinnerung ruft.[23]

2.2 Argwohn beim Mahl – David erscheint abermals nicht bei Tisch Saul – David – Jonatan (1 Sam 20,24f, 32ff; 18,10f)

In 1 Sam 20 spitzt sich ein Familiendrama anlässlich eines Neumondfestes zu, das offenbar im Rahmen eines zweitägigen, höfischen Festmahles begangen wurde und bei dem auch David teilnehmen sollte.[24] Jonatan kann zunächst nicht glauben, dass sein Vater ohne sein Mitwissen einen schändlichen Mord plant. Hin und her gerissen zwischen der Treue zu seiner Familie und zu David, hält Jonatan zu Letzterem und versichert ihn seines Beistandes. Saul bemerkte, dass der junge David zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten um die Macht im Staat herangewachsen war. Denn er macht zunehmend auch als glänzender Heerführer von sich reden. Schon singen die Frauen am Hof ein Lied, das in den Ohren Sauls wie eine Verhöhnung klingen musste: „Saul hat tausend Feinde getötet, David derer aber zehntausend“. So kam der Neumond und der König setzte sich zu Tisch, um das Mahl zu halten. Jonatan saß ihm gegenüber, Davids Platz aber blieb leer. Auch am folgenden Tag blieb David dem Essen fern. Im Zorn schleudert Saul einen Speer gegen seinen Sohn Jonatan, der das Ausbleiben seines Bruders David zu rechtfertigen suchte (1 Sam 20,24-34).

2.3 Atemlos: Die Königin von Saba zu Besuch bei König Salomo

„Als nun die Königin von Saba die ganze Weisheit Salomos erkannte, als sie den Palast sah, den er gebaut hatte, die Speisen auf seiner Tafel, die Sitzplätze seiner Beamten, das Aufwarten der Diener und ihre Gewänder, seine Getränke und sein Opfer, das er im Haus des Herrn darbrachte, da stockte ihr der Atem“ (1 Kön 10,4f; 2 Chr 9,3f).

Die Tischgesellschaft, die hier am Hof Salomos zusammentritt, bestand zweifellos aus hochgestellten Persönlichkeiten des Hofstaats. Da ist Salomo, Israels König, Regent an einem Hof von kaum beschreibbarem Glanz. Überall in der Welt als weise und gerecht geschätzt. Er verwirklicht ehrgeizige und extravagante Bauprojekte wie den Königspalast und den Tempel. Und da ist die Königin von Saba. Aus einer Region, die man etwa im heutigen Jemen ansiedeln kann. Salomo zeigt dem Gast all seinen Reichtum, richtet ein opulentes Festmahl aus, bei dem Männer in kostbaren Gewändern dienen, und führt sie auch in den Tempel, in dem er seinem Gott Brandopfer darbringt. Die Königin ist außer sich vor Staunen, ihr stockt der Atem. Alles, was ihr über Salomo zugetragen worden war, wird bei weitem übertroffen.

Die Tischgemeinschaft der beiden gekrönten Häupter repräsentiert hier das Verhältnis der Teilnehmenden zueinander. Dabei wird zunächst die soziale Struktur deutlich, in dem die „Sitzplätze seiner Beamten, das Aufwarten seiner Diener und ihre Gewänder“ erwähnt werden. Die Vormachtstellung des Gastgebers zu den Gästen (Herrscher – Beherrschte) wird zugleich demonstriert, stabilisiert und legitimiert. Die Adressaten der Selbstdarstellung, das Publikum dieser Szenerie sind regelmäßig „Konkurrenten“ und das „Fußvolk“.[25]

[...]


[1] Lev 23,1ff; zur Einführung s Stemberger, Jüdische Religion5 (Beck 2006).

[2] Vgl Hock, Einführung in die Religionswissenschaft3 (Darmstadt 2008) 63 u 119: als mysterium tremendum, als Angst auslösendes Geheimnis, erweckt es im Menschen Gefühle des Schreckens und der Ehrfurcht, und als mysterium fascinans, als anziehendes Geheimnis, schlägt es den Menschen in seinen Bann.

[3] Zur platonischen Symposionkultur s Vössing Mensa Regia 154; vgl MK 14,3-9 (Salbung in Betanien): „Als Jesus im Haus Simons des Aussätzigen bei Tisch war“; Joh 21,9-14 (153 große Fische).

[4] Mayr-Oehring, Tischgesellschaften (Ausstellungskatalog, Residenzgalerie Salzburg 2003).

[5] Dan 5,1-6,1 (Gastmahl Belschazzars, vgl Bar 1,11: „und betet für das Leben des Königs Nebukadnezzars von Babel und für das Leben seines Sohnes Belschazzar“); Mk 6,17-29//Mt 14,6 (Enthauptung des Johannes), vgl Ex 15,20 (Tanz der Mirjam); Plutarch Ant 28, Sokrates v Rhodos (zur Perle vgl Mt 13,45f).

[6] Est 2,15-20 (Esters Erhebung zur Königin), vgl Ri 14,10.15 (Trinkgelage, Simsons Hochzeit), 1 Kön 3,1.15 (Salomos Heirat); Joh 2,1-12 (Hochzeit in Kana): „Schöpft jetzt und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist“ (v8); Offb 19,9: „Selig, wer zum Hochzeitsmahl des Lammes eingeladen ist“; Mt 22,1-14 (Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl).

[7] Mt 26,20-29; Mk 14,22-25; LK 22,14-23 (Das Mahl), Lk 24,29f (Der Auferstandene mit “Emmaus-Jüngern“).

[8] Abschlusserklärung der Bischofssynode 2005, Pkt 8; vgl LG 26: Mysterium des Herrenmahls.

[9] Vgl „Die Musikanten und Sänger jauchzen vor Freude im Vorhof des Obeliskentempels“ (Der Kleine Hymnus des Echnaton von Amarna, um 134 v.Chr.); Arzt, Don’t go mistaking Paradise, Protokolle zur Bibel, 3/1994, 129-138.

[10] Vgl Lk 14,12; Vössing Mensa Regia 27; vgl Strack/Billerbeck, Das Ev Mk, Lk, Joh u Apg aus Talmud u Midrasch (München 1989) 204, 207.

[11] Ernst, Herders Neues Bibellexikon „Mahl“; die Teilhabe am Mahl ist Teilhabe an dem

einen Leib Christi und bewirkt somit auch die Einheit untereinander (vgl 1 Kor 10,16f).

[12] Vgl 2 Kor 10,2: „die meinen, wir wandeln nach dem Fleisch“; Didache 1.4: "Enthalte dich der Lüste des Fleisches und des Körpers! "; 1 Petr 2,11.

[13] Zürcher Bibelkonkordanz: „Festmahl“; vgl „Die Musikanten und Sänger jauchzen vor Freude im Vorhof des Obeliskentempels, und jedes anderen deines Tempels in Amarna, dieser Stätte der Wahrheit, mit der du zufrieden bist, Speise in Fülle werden geopfert in ihrem Inneren“ (Der Kleine Hymnus des Echnaton von Amarna v6f, um 134 v.Chr.); „Alle fernen Länder, du schaffst ihren Lebensunterhalt („Der Große Hymnus“ cit v9).

[14] Ernst, Herders Neues Bibellexikon „Mahl“.

[15] Bultmann synTrad 113, dort FN 3 ua.

[16] Vgl Bar 6,50.

[17] Weeber, Luxus im alten Rom - Die Schwelgerei, das süße Gift2 (Primus Verlag 2007) 176; Sir 32,1: Wenn du das Gastmahl leitest, überheb dich nicht, sei unter den Gästen einer von ihnen.

[18] Pötzl, „Sauzitzen und Pfaueneier“, in: Der Spiegel – Geschichte 1/2009, 86f; vgl Sir 31,21; vgl Vössing Mensa Regia 422.

[19] Vössing, Mensa regia – Das Bankett beim hellenistischen König und beim römischen Kaiser (Verlag Sauer 2001) 144.

[20] Die Schriftrollen wurden in tönernen Gefäßen aufbewahrt (vgl 2 Kor 4,7: Wir sind tönerne Gefäße; Gen 2,7).

[21] Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, 88; weiterführend Ernst, „[…] verkaufte alles was er besaß, und kaufte die Perle“ (Mt 13,46), Protokolle zur Bibel 1/1997, 31-46.

[22] Merklein, Jesus von Nazaret (KBW Stuttgart 2008) 124-129; Gemeinde ein corpus permixtum.

[23] Kuld, Die Gleichnisse vom Schatz, der Perle und vom Fischnetz, abrufbar unter: perikopen.de.

[24] Die Bedeutung des Neumondtags beruht auf dem Mondkalender, Num 28,11; Am 8,5;
1 Sam 20,5; Jes 66,22 zit Stemberger, Jüdische Religion, 78.

[25] vgl Vössing, Mensa Regia, 11f.

35 von 35 Seiten

Details

Titel
Das Festmahl - Symbol und Ereignis der Bibel, unter besonderer Berücksichtigung des Gleichnisses vom Festmahl (Lk 14,15-24)
Hochschule
Universität Salzburg  (Katholisch-Theologische Fakultät)
Veranstaltung
Seminar
Note
1
Autor
Jahr
2009
Seiten
35
Katalognummer
V127603
ISBN (Buch)
9783640338764
Dateigröße
602 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Festmahl, Symbol, Ereignis, Bibel, Berücksichtigung, Gleichnisses, Festmahl
Arbeit zitieren
Hermann Spatt (Autor), 2009, Das Festmahl - Symbol und Ereignis der Bibel, unter besonderer Berücksichtigung des Gleichnisses vom Festmahl (Lk 14,15-24), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127603

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Festmahl - Symbol und Ereignis der Bibel, unter besonderer Berücksichtigung des Gleichnisses vom Festmahl (Lk 14,15-24)



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden