Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht das Gedicht "Unterm Rasen" von Josef Guggenmos, das als lyrischer Comic im Buch "Lyrik-Comics, Gedichte, Bilder, Klänge für Kinder in den besten Jahren" erschienen ist. In diesem Buch werden lyrische Texte zu Liedern vertont und zugleich als Comic illustriert, sodass es sich lohnt, vor dem Hintergrund, dass Künste und Medien nicht getrennt voneinander operieren, dieses Zusammenspiel aus lyrischem Text, Illustrationen, Comicelementen und musikalischer Vertonung des Textes in den Blick zu nehmen und zu untersuchen.
Im Fokus stehen dabei die Text-Bild-Interdependenzen, die als Wechselbeziehung dynamisch verlaufende Erzählstränge von Bild und Text sichtbar machen. Die Wechselbeziehung der Text-Bild-Interdependenzen des lyrischen Comics und der Beitrag der involvierten Medienverbindungen zur Bedeutungskonstitution sollen in dieser Arbeit untersucht werden, sodass sich folgende Fragestellung formulieren lässt: Welchen Beitrag zur Bedeutungskonstitution leisten die Text-Bild-Interdependenzen in dem lyrischen Comic? Insbesondere der lyrische Text und die Comicelemente der Illustration geben
Anlass zur Beschäftigung mit dieser Fragestellung. Als theoretische Basis wird der Intermedialitätsbegriff von Rajewski (2002) und Wolf (2019) zugrunde gelegt. Ergänzt wird die Untersuchung um Aspekte der Comicanalyse und der Erzähltexttheorie.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Intermedialität im lyrischen Comic
2.1. Intermedialität als pluraler Begriff
2.2. Kinderlyrik - eine Begriffsdefinition
2.3. Die Entstehung des Comics
2.4. Comics als narratives Intermedium
2.5. Untersuchung des Lyrik-Comics nach intermedialen Aspekten
2.6. Textanalyse des Gedichts „Unterm Rasen“
2.7. Bildanalyse des Lyrik-Comics
2.8. Text-Bild-Interdependenzen im lyrischen Comic
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung der Text-Bild-Interdependenzen im lyrischen Comic „Unterm Rasen“ von Josef Guggenmos. Ziel ist es zu analysieren, welchen Beitrag diese Interdependenzen zur Bedeutungskonstitution in einem intermedialen Werk leisten, bei dem sich mediale Grenzen zugunsten der Bilddominanz auflösen.
- Theorie der Intermedialität nach Rajewsky und Wolf
- Comicanalyse und narrative Strukturen im Wimmelbild
- Textanalyse lyrischer Sprachmerkmale bei Guggenmos
- Interdependenz von Text- und Bildkombinationen
- Bedeutungskonstitution im intermedialen Kontext
Auszug aus dem Buch
2.6. Textanalyse des Gedichts „Unterm Rasen“
Das Naturgedicht „Unterm Rasen“ von Josef Guggenmos, das erstmalig 1967 in dem Gedichtband für Kinder „Was denkt die Maus am Donnerstag?“ erschienen ist, erzählt von dem unbekannten Treiben der unter der Erde lebenden Würmer, während die Kinder über ihnen spielen und toben. Beim Lesen erwacht die Neugier darauf, wie das Wühlen und Fühlen der im Gedicht personifizierten Würmer aussehen könnten. Es zeigt sich die (kindliche) Wissbegierde des Menschen, der sich und seine Umwelt entdecken und verstehen möchte und doch, wie die letzten beiden Verse der zweiten Strophe „Keine Sprache beschreibt es. Es ist ein Geheimnis und bleibt es“ verraten, manche Dinge, die sich dem Sprachlichen und Sichtbaren entziehen, seiner Fantasie überlassen darf. Thematisch orientiert sich Guggenmos hier wie auch in vielen seiner anderen Gedichte, in denen es nur so von Tieren wimmelt, an der Umwelt und an der ursprünglichen Natur (vgl. FRANZ 1987: 657).
Das zweistrophige Gedicht umfasst in der ersten Strophe fünf und in der zweiten Strophe sechs Verse. Hier zeigt sich der erste Hinweis auf Guggenmos Vorliebe für Unregelmäßigkeiten und Variation (vgl. FRANZ 1987: 658), der sich weiter in unreinen Reimen (ihnen – wühlen), einem unregelmäßigen Reimschema sowie einem unterbrochenen Metrum wiederfindet. So beginnt der erste Vers der ersten Strophe ohne erkennbaren weiteren Endreim. Im weiteren Verlauf der Strophe lassen sich trotz eines unreinen Reims sich reimende Endreime erkennen, ein klassisches Reimschema jedoch nicht (Vgl. Abbildung 5). Strophe zwei ähnelt der ersten und schließt sich der Unregelmäßigkeit im Reimschema mit unreinen als auch reimenden Endreimen an. Die letzten beiden Verse dagegen bilden einen klassischen Paarreim. Das ganze Gedicht durchzieht eine weibliche Kadenz.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der Intermedialität ein, definiert das Erkenntnisinteresse an der Text-Bild-Interdependenz im lyrischen Comic und stellt die Forschungsfrage.
2. Intermedialität im lyrischen Comic: Dieses Kapitel liefert die theoretische Basis zu Intermedialität, Kinderlyrik und Comic. Es folgen spezifische Analysen zur Entstehung des Comics, zum Lyrik-Comic, zum Gedicht von Guggenmos, zur Bildgestaltung und zur Text-Bild-Interdependenz.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass sich mediale Grenzen auflösen und die intermediale Kongruenz maßgeblich zur Bedeutungskonstitution beiträgt.
Schlüsselwörter
Intermedialität, Lyrik-Comic, Text-Bild-Interdependenz, Kinderlyrik, Josef Guggenmos, Wimmelbild, Literaturwissenschaft, Narratologie, Bedeutungskonstitution, Medienkombination, Max Fiedler, Medienwechsel, Bildanalyse, Textanalyse, Comicforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Zusammenspiel von lyrischem Text und bildlicher Illustration in einem Lyrik-Comic, um zu verstehen, wie diese Medien gegenseitig Bedeutung erzeugen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind Intermedialität, Kinderliteratur, die Analyse von Wimmelbildern und die spezifische Untersuchung der Text-Bild-Kombination in einer kindgerechten Publikation.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Welchen Beitrag zur Bedeutungskonstitution leisten die Text-Bild-Interdependenzen in dem lyrischen Comic?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus Literaturwissenschaftlicher Textanalyse, Comicanalyse und einer intermedialen Theoriegrundlage nach Rajewsky und Wolf.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsdefinition, die Analyse der Entstehung des Comics sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Gedicht „Unterm Rasen“ und dessen bildlicher Umsetzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Intermedialität, Lyrik-Comic, Text-Bild-Interdependenz und Bedeutungskonstitution.
Wie unterscheidet sich die Wirkung des Bildes vom geschriebenen Wort in diesem Beispiel?
Das Bild bietet durch den Wimmelbild-Charakter eine simultane, komplexe Welt, während der Text das Gedicht in Versabschnitte gliedert und beide Ebenen sich zu einem neuen, intermedialen Ganzen verbinden.
Welche Rolle spielt die Musik in der Analyse?
Die Vertonung dient als zusätzliche intermediale Ebene, die das „Orale“ der Lyrik unterstützt, wobei sie in der Arbeit aufgrund des Fokus auf Text und Bild eine untergeordnete Rolle einnimmt.
- Arbeit zitieren
- Dorothee Brinkmann (Autor:in), 2022, Medienübergreifendes Erzählen. Text-Bild-Interdependenzen im lyrischen Comic, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1276046