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Die Schia und die Wahhabiya. Ursprünge, Folgen und Dimensionen eines Konflikts

Eine Untersuchung des iranisch-saudischen Konflikts in Anbetracht innerislamischer theologischer Differenzen

Titel: Die Schia und die Wahhabiya. Ursprünge, Folgen und Dimensionen eines Konflikts

Bachelorarbeit , 2021 , 45 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Nadjma Nozari Moghadam (Autor:in)

Theologie - Islamische Religionswissenschaft
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Im ersten Teil der Arbeit werden die Anfänge der Schia und die Entstehung der Islamischen Republik Iran erläutert. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die Situation der Sunnit:innen im schiitischen »Gottesstaat« gelegt. Dem wird die Lehre Mohammed Ibn Abdulwahhabs und der Bund mit der saudischen Königsfamilie gegenübergestellt. Auch hier wird die Situation der schiitischen Minderheit des Königreichs betrachtet. Weiter werden die dogmatischen Unterschiede
herausgearbeitet. Dabei sollen die Fragen beantwortet werden, inwiefern diese als Konfliktursache zu bewerten sind.

Im zweiten Teil der Arbeit wird die politische Dimension des Konfliktes zwischen Iran und Saudi-Arabien dargestellt. Hierzu zählen besonders die Konfliktregionen und die Rolle der politischen Akteure darin. Was zu der Frage führt, wodurch es dem Iran gelingt, die schiitische Bevölkerung in der islamischen Welt zu mobilisieren. Zugleich sollen die unüberschaubaren politikwissenschaftlichen und zeitgeschichtlichen Aspekte der Arbeit klar eingeschlossen werden.
Gegen Ende wird der Frage nachgegangen, inwieweit eine Annäherung zwischen Iran und Saudi-Arabien auf dem Hintergrund der religiösen Unterschiede beider Länder möglich ist, womit jedoch keine politische Prognose gemeint ist, sondern eher, ob und inwiefern eine politische Annäherung zwischen Iran und Saudi-Arabien möglich ist und welche Rolle die religiöse Annäherung der Schia und Sunna dabei einnimmt. Hierbei werden die Positionen der beiden
islamischen Strömungen anhand von einigen schiitischen und sunnitischen Diskursakteuren erläutert.

Im Zentrum dieser Arbeit steht die Funktion der Religion im iranisch-saudischen Konflikt. Dabei stellt sich die Herausforderung, die historische und zeitgenössische Verflechtung von religiösen und politischen Faktoren bei der Genese und Entwicklung des Konflikts nicht zu vermischen und den Kern der Problematik herauszuarbeiten. Eine besondere analytische Leistung der Arbeit liegt in der quellenkritischen Bewertung, an welcher Stelle, auf welche Weise und zu welchem Zweck Religion politisch instrumentalisiert oder Politik religiös gesteuert wird.

Leseprobe


1. Einleitung

2. Der Iran und die Schia

2.1 Die Spaltung der islamischen Gemeinschaft und die Entstehung der Schia

2.2 Das Imamat und Märtyertum

2.3 Ayatollah Khomeini und der schiitische »Gottesstaat« Iran

3. Saudi-Arabien und die Wahhābīya

3.1 Die Lehren Mohammad Ibn Abdulwahhabs

3.2 Das Massaker von Kerbela 1802

3.3 Die Situation der Schiit:innen im saudisch-wahhabitischen »Gottesstaat«

4. Folgen und Dimensionen des Konflikts

4.1 Irans Außenpolitik und seine politisch-religiösen Akteure

4.2 Saudi-Arabiens Außen- und Sicherheitspolitik

5. Annäherung durch Dialog

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den iranisch-saudischen Konflikt unter Berücksichtigung der theologischen Differenzen zwischen dem schiitischen Iran und dem wahhabitisch-sunnitischen Saudi-Arabien. Ziel ist es, die Verflechtung von Religion und Politik im Kontext des regionalen Machtstrebens beider Akteure kritisch zu analysieren und die Möglichkeiten einer Annäherung zu bewerten.

  • Historische Ursprünge der Spaltung zwischen Schia und Sunna
  • Theologische Unterschiede, insbesondere bezüglich Imamat und Wahhābīya
  • Instrumentalisierung religiöser Identitäten in der Regionalpolitik
  • Die Rolle außenpolitischer Akteure und Milizen im Stellvertreterkonflikt
  • Hürden und Ansätze für einen religiösen und politischen Dialog

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Lehren Mohammad Ibn Abdulwahhabs

Die Geschichte Mohammad Ibn Abdulwahhabs lässt sich heute durch arabische Chronisten und durch seine eigenen Werke nachvollziehen. Der wichtigste Chronist war Hussein Ibn Ghannam. Sein Werk tarikh najd (Die Geschichte Najds) ist die erste Chronik über die Wahhābīya. Er kannte Abdulwahhab persönlich und war ein überzeugter Unterstützer. Ein weiterer bedeutender Geschichtsschreiber war Othman Ibn Abdallah Ibn Bisher al-Hanbali al-Nasiri al-Tamimi. Er war ein Schüler Ibn Ghannams. Zwar kannte er Abdulwahhab nicht persönlich, jedoch kannte er seine engsten Anhänger, die er interviewte. Durch die verschiedenen Werke lässt sich heute das Leben und Wirken Abdulwahhabs rekonstruieren.

Mohammad Ibn Abdulwahhab wurde 1702-03 in Uyaynah in Najd geboren. Dort herrschte die Rechtsschule der Hanbalīya vor. Er stammte aus einer angesehenen Familie von Theologen und Juristen. Nachdem er die Koranschule in Najd abgeschlossen hatte, begab er sich mehrere Jahre auf Studienreise in Mekka, Medina und Irak. Nach dem Tod seines Vaters 1740 politisierte sich Abdulwahhab. Motiviert durch den angeblich moralischen Niedergang des Islams proklamierte er seine Auffassung des Glaubens. Als seine primäre Lehre predigte er die tauhīd (Einzigartigkeit und Einheit Gottes) dabei standen Koran und Sunna im Vordergrund. Das Wort Gottes sollte buchstäblich wiedergegeben werden, dabei galt das Leben der ersten Muslim:innen in Medina und Mekka als Vorbild für makelloses Verhalten eines „wahren“ Muslims. Eine besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang den Gelehrten Ibn Taymīya zu. Er ist der wichtigste Vertreter der Hanbalīya. In seinen Werken kritisiert er vor allem Muslim:innen selbst, die nach seiner Auffassung durch bi´da (Erneuerungen) vom „wahren Islam“ der Altvorderen abwichen und dadurch die islamische Gesellschaft schwächten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Rolle Irans und Saudi-Arabiens als islamische "Gottesstaaten" und führt in die Thematik der religiös-politischen Spannungen sowie die Zielsetzung dieser Untersuchung ein.

2. Der Iran und die Schia: Dieses Kapitel erläutert die dogmatischen Grundlagen des schiitischen Islams, die Bedeutung des Imamats und die Etablierung des schiitischen "Gottesstaates" unter Ayatollah Khomeini.

3. Saudi-Arabien und die Wahhābīya: Hier werden die Lehren von Mohammad Ibn Abdulwahhab, die historische Expansion des saudischen Staates und die spezifische Situation der schiitischen Minderheit unter wahhabitischer Dominanz behandelt.

4. Folgen und Dimensionen des Konflikts: Das Kapitel analysiert die rivalisierende Regionalpolitik beider Staaten, den Einsatz nicht-staatlicher Akteure sowie die sicherheitspolitischen Auswirkungen auf die Golfregion.

5. Annäherung durch Dialog: Untersucht werden bisherige Versuche und Formate für einen interreligiösen wie politischen Dialog zur Entspannung der bilateralen Beziehungen zwischen Riad und Teheran.

6. Fazit: Das Fazit fasst die Analyse zusammen, betont die Rolle der theologischen Differenzen bei der Konstruktion gegenseitiger Feindbilder und bewertet die Möglichkeiten einer politischen Entspannung.

Schlüsselwörter

Iran, Saudi-Arabien, Schia, Wahhābīya, Islamische Republik, politische Instrumentalisierung, Außenpolitik, Stellvertreterkonflikt, sunnitischer Islam, religiöser Dialog, Identität, Konfliktmanagement, Machtgebiete, Radikalisierung, Minderheitenrechte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die tief verwurzelten Spannungen zwischen dem schiitisch geprägten Iran und dem wahhabitisch-sunnitischen Saudi-Arabien im Kontext ihrer Rolle als konkurrierende Hegemonialmächte in der Region.

Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?

Im Zentrum stehen die historischen Ursprünge der theologischen Spaltung, die staatliche Verankerung religiöser Ideologien sowie die außenpolitische Einflussnahme beider Länder auf Konfliktherde wie den Libanon, den Irak, Syrien und den Jemen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Die Arbeit zielt darauf ab, die komplexe Verflechtung von religiösen Faktoren und politischen Machtinteressen zu dekonstruieren und aufzuzeigen, inwieweit theologische Differenzen als Ursache oder legitimitätsstiftendes Mittel aktueller regionaler Konflikte dienen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine quellenkritische Analyse von Primärquellen (z. B. Verfassungstexte, Fatwas) und Sekundärliteratur zu religionswissenschaftlichen und politikwissenschaftlichen Themen, ergänzt durch aktuelle Medienberichte zu zeitgenössischen Entwicklungen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der religiösen Staatsideologien beider Länder, die detaillierte Darstellung ihrer Außen- und Sicherheitspolitik sowie die kritische Beleuchtung ihrer gegenseitigen Feindbilder und Stellvertreterkriege.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind religiöse Pluralität, regionaler Hegemonialkonflikt, politische Instrumentalisierung der Religion, Minderheitenrechte (insbesondere von Schiit:innen) und Möglichkeiten eines diplomatischen oder interreligiösen Dialogs.

Welche Rolle spielt das Massaker von Kerbela von 1802 für die heutigen Beziehungen?

Das historische Ereignis wird als Zäsur in der Beziehung zwischen Schiit:innen und Wahhabit:innen gewertet, da es das fundamentale Misstrauen begründete und bis heute als prägendes Narrativ wechselseitiger religiöser Feindseligkeit dient.

Warum ist eine Einigung zwischen den beiden Ländern politisch so schwierig?

Die Untersuchung macht deutlich, dass die dogmatischen Unterschiede – insbesondere die Ablehnung schiitischer Riten durch wahhabitische Würdenträger – einer religiösen Annäherung entgegenstehen, die von beiden Seiten als Gefahr für die eigene ideologische Reinheit und politische Machtbasis wahrgenommen wird.

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Details

Titel
Die Schia und die Wahhabiya. Ursprünge, Folgen und Dimensionen eines Konflikts
Untertitel
Eine Untersuchung des iranisch-saudischen Konflikts in Anbetracht innerislamischer theologischer Differenzen
Hochschule
Universität Potsdam  (Philosophische Fakultät)
Note
1,3
Autor
Nadjma Nozari Moghadam (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
45
Katalognummer
V1276172
ISBN (PDF)
9783346730220
ISBN (Buch)
9783346730237
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schiiten Wahhabiten Iran Saudi-Arabien
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Nadjma Nozari Moghadam (Autor:in), 2021, Die Schia und die Wahhabiya. Ursprünge, Folgen und Dimensionen eines Konflikts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1276172
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Leseprobe aus  45  Seiten
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