Im Fokus stehen vor allem die Bedeutung und die Wirkung von „peer groups“ in der Adoleszenz in Bezug auf die Sozialisation, um festzustellen und zu begründen, wann „peers“ die Sozialisation positiv bzw. negativ beeinflussen.
Hierbei ist es natürlich nicht möglich die peer group als Sozialisationsinstrument völlig isoliert zu betrachten, da sich vor allem Faktoren wie die Familie und das allgemeine soziale Umfeld, zwangsläufig auf die Wirkungsweise und Kultur von Jugendgruppen auswirken.
Zunächst soll der Begriff der „peer groups“ sorgfältig definiert werden, um auf dieser Grundlage, das Entstehen und die Funktionsweise von Jugendgruppen zu erläutern. Die Motivation zu Anschluss an „peer groups“, sowie deren Einfluss von Altersgleichen auf die individuelle Identitätsbildung sollen dabei allgemein skizziert werden.
Auf Basis dieser Erkenntnisse werden Chancen für die erfolgreiche Sozialisation, aber auch Schwächen bzw. Risiken der „peers“ aufgezeigt und diskutiert. Dabei sollen vor allem die Gründe für normkonformes Verhalten und Gründe für eine ungünstige Persönlichkeitsentwicklung gegenübergestellt werden.
Von weiterem Interesse ist, ob sich die bis zu diesem Punkt erlangten Erkenntnisse gleichermaßen sowohl auf weibliche, als auch auf männliche Mitglieder der Jugendgruppe übertragen lassen und wie es zur Bildung von Jugendgruppen mit subkulturellen Eigenschaften kommen kann. Nachdem in diesem Abschnitt auch auf die hierarchischen Verhältnisse innerhalb der „peers“ eingegangen wird, sollte durch die abschließende Auswertung der Ergebnisse skizziert werden, in welcher Weise „peer groups“ die Sozialisation beeinflussen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die „peer groups“
2.1. Definition
2.2. Deutung
3. Charakter von Peer Groups
3.1. Grundlegende Ursache für die Entstehung
3.2. Funktion und Wirkungsweise
3.3. Schwächen von „peers“
4.0. Motivation zu Auswahl einer „peer group“
5.0. Bedeutung für die Sozialisation
5.1. Die Perspektive von Jean Piaget
5.2. Die Perspektive von Urie Bronfenbrenner
5.3. Gegenüberstellende Auswertung
6.0. Unterschiede von weiblichen und männlichen Adoleszenten
7.0. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss von Peer-Groups auf den Sozialisationsprozess und die Identitätsentwicklung von Jugendlichen in der Adoleszenz, mit dem Ziel zu klären, unter welchen Bedingungen diese Gruppen förderliche oder hemmende Wirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung haben.
- Bedeutung der Peer-Group als Sozialisationsinstanz
- Entstehungsursachen und Funktionsweisen von Jugendgruppen
- Gegenüberstellung theoretischer Sichtweisen zur Peer-Group-Wirkung
- Geschlechtsspezifische Unterschiede und Rollenverhalten
- Einfluss sozialer Milieus auf den Gruppenzusammenhalt
Auszug aus dem Buch
3.2. Funktion und Wirkungsweise
In der Jugendsoziologie gilt die Jugendgruppe als […] „der soziale Ort jugendspezifischer Erfahrungsbildung und Artikulation par excellence.“ (Bohnsack 1995, S. 9). Die „peer group“ nimmt also eine zentrale und eigenständige Rolle in Bezug auf die Sozialisation und die Identitätsbildung ein, welcher eine unverzichtbare Bedeutung zugewiesen werden kann. (vgl. Youniss 1984, S 12).
Mit steigendem Alter, erhält ein Kind immer mehr Bewegungsfreiheit jenseits des Elternhauses (vgl. Parson 2008, S. 107). Die gesteigerten Freiheiten führen zwangsläufig dazu, dass ein Kind damit beginnt sich in der Gesellschaft zu bewegen. Zu Anfang wird es jedoch nicht mit der gesamten „harten Realität“, welche das Leben mit sich bringt konfrontiert werden. Dieser Prozess vollzieht sich vielmehr sehr langsam und ist durch das erlernen von Rollen, der Suche nach Orientierung und der damit verbundenen Festigung des eigenen Charakters geprägt. Weil das Kind seine Freiheiten Stück für Stück erwirbt, wird es nach und nach mit immer komplexer werdenden Rollen konfrontiert und lernt somit sich handelnd zu bewähren.
Die Gruppe der Gleichaltrigen stellt dabei einen wichtigen Ort zum erlernen dieser Rollen da, der durch Interaktion mit anderen Menschen gleichen Alters gekennzeichnet ist. Die „peer group“ stellt quasi ein „Übungsfeld“ da indem sich der Jugendliche außerhalb der elterlichen Kontrolle bewegen und „ausprobieren“ kann. Soziale Muster und Rollen werden somit verinnerlicht. Innerhalb dieses Experimentierfeldes lernt der Jugendliche darüber hinaus die eigene Identität als Individuum kennen und erlernt im optimalen Fall sich zu behaupten. Der Einfluss von Peers kann sich natürlich, wie die weitere Untersuchung zeigen wird, auch negativ auf die jeweilige Charakterbildung auswirken. Dieser Aspekt soll jedoch erst im späteren Verlauf dieser Arbeit erörtert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff der Sozialisation als lebenslangen Lernprozess und führt in die Relevanz der Peer-Group als eine der zentralen Sozialisationsinstanzen ein.
2. Die „peer groups“: Dieses Kapitel liefert eine wissenschaftliche Begriffsbestimmung und klärt die Herkunft der „peer group“ sowie ihre Abgrenzung zu anderen sozialen Gebilden.
3. Charakter von Peer Groups: Hier werden die Entstehungsursachen, die Wirkungsweise und die potenziellen Schwächen von Peer-Groups im Kontext der Jugendphase analysiert.
4.0. Motivation zu Auswahl einer „peer group“: Das Kapitel untersucht, welche Faktoren, insbesondere das soziale Milieu und die Herkunft, Jugendliche dazu bewegen, sich bestimmten Gruppen anzuschließen.
5.0. Bedeutung für die Sozialisation: Es erfolgt eine theoretische Auseinandersetzung mit der Wirkung von Peers auf die Sozialisation anhand der konträren Perspektiven von Jean Piaget und Urie Bronfenbrenner.
6.0. Unterschiede von weiblichen und männlichen Adoleszenten: Dieses Kapitel betrachtet die geschlechtsspezifischen Rollenverteilungen und Verhaltensunterschiede innerhalb von Jugendgruppen.
7.0. Zusammenfassung: Das Fazit resümiert die Erkenntnisse zur komplexen Rolle der Peer-Group im Zusammenspiel mit anderen Instanzen wie Elternhaus und Schule.
Schlüsselwörter
Sozialisation, Peer-Group, Adoleszenz, Identitätsentwicklung, Jugendgruppe, soziale Milieus, Persönlichkeitsentwicklung, Altersgleichheit, Ablösungsprozess, Rollenverhalten, Subkultur, Sozialisationsinstanzen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Peer-Group als ein zentrales Instrument der Sozialisation und betrachtet, wie diese den Prozess des Erwachsenwerdens und die Identitätsentwicklung Jugendlicher beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition und Entstehung von Jugendgruppen, die Funktion des „Übungsfeldes“ Peer-Group, den Einfluss sozialer Milieus sowie geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Gruppenbildung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu untersuchen und zu begründen, wann und unter welchen Bedingungen Peer-Groups einen positiven oder negativen Einfluss auf die Integration und Sozialisation junger Menschen ausüben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturrecherche und die Gegenüberstellung soziologischer und pädagogischer Theorien (u.a. von Piaget und Bronfenbrenner), um den komplexen Sozialisationsbegriff zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die Analyse von Entstehungsursachen und Motivationen zum Beitritt sowie eine kritische Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken, die Peer-Groups für die Entwicklung bieten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sozialisation, Peer-Group, Adoleszenz, Identitätsentwicklung und soziale Milieus bestimmt.
Wie unterscheidet sich die Sichtweise von Piaget von der Bronfenbrenners?
Während Piaget die Interaktion mit Gleichaltrigen als unverzichtbare Phase für die Persönlichkeitsentwicklung sieht, bewertet Bronfenbrenner den überwiegenden Kontakt zu Gleichaltrigen eher kritisch und warnt vor einer Entfremdung der Generationen.
Welche Rolle spielt das soziale Milieu für die Wahl der Peer-Group?
Das soziale Milieu beeinflusst maßgeblich, welche Gruppe ein Jugendlicher wählt, da sich Jugendliche bevorzugt mit Personen zusammenschließen, die ähnliche soziale Hintergründe, Bildungsniveaus und Wertvorstellungen teilen.
Wie unterscheiden sich männliche und weibliche Jugendliche in der Peer-Group?
Die Arbeit stellt fest, dass Jungen eher einen Wettbewerbsdruck erleben, während Mädchen innerhalb von Gruppen häufiger eine vermittelnde Rolle einnehmen, wobei das Rollenverhalten oft durch gesellschaftliche Machtstrukturen geprägt ist.
Können Peer-Groups auch eine negative Wirkung haben?
Ja, laut der Arbeit können Peer-Groups zu einer ungünstigen Persönlichkeitsentwicklung oder im Extremfall zu delinquenten Verhaltensweisen führen, besonders wenn der Kontakt zum Elternhaus abbricht oder die Gruppe zu einer Gang radikalisiert.
- Quote paper
- Thomas Berger (Author), 2009, Die „peer-group“ als Instrument der Sozialisation , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127662