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Die Dramentheorien von Johann Christoph Gottsched und Gotthold Ephraim Lessing

Title: Die Dramentheorien von Johann Christoph Gottsched und Gotthold Ephraim Lessing

Seminar Paper , 2003 , 20 Pages , Grade: 1

Autor:in: M.A. Anne Oppermann (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Im 18. Jahrhundert befand sich die Theaterkunst in Deutschland auf einem Tiefpunkt. Die Zersplitterung Deutschlands in kleine Herrschaftsbereiche stand der Entwicklung eines einheitlichen und starken Bürgertums und dem Wachsen größerer Städte (mit wenigen Ausnahmen) entgegen. Dadurch war an den meisten Orten das Publikumspotential schnell erschöpft, was die Einrichtung eines stehenden Theaters praktisch unmöglich machte. Das Theaterleben wurde deshalb von Wandertruppen dominiert, die auf Märkten vorwiegend zur Belustigung des niederen Volkes spielten. Das Wanderbühnenrepertoire war sehr uneinheitlich; blutrünstige Historien, derbe Possenspiele, verballhornte englische und französische Literatur waren vorherrschend. Ebenso üblich war das Stehgreifspiel, bei dem lediglich der Szenenablauf festgelegt wurde. Daneben existierte noch das Hoftheater, das der aristokratischen Hofgesellschaft vorbehalten war. Dort gastierten hauptsächlich französische und italienische Truppen, auch Opernaufführungen waren sehr beliebt.

Insgesamt galt das Theater im 18. Jahrhundert in erster Linie als unmoralisch oder Unmoralisches verbreitend. Die Vertreter des neuen, literarisierten und bürgerlichen Theaters wollten sich von dieser Unmoral distanzieren und stellten die Gegenbehauptung auf: das Theater sei ein Erziehungsinstrument und nütze der Moral, eben die „moralische Anstalt“, die Schiller später (1784) fordert. Die große Bedeutung, die die Aufklärung und der Sturm und Drang dem Theater zumaß, ist an der Fülle von theoretischen Abhandlungen zu erkennen, wie zum Beispiel Johann Christoph Gottsched: „Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen“ 1730, Helferich Peter Sturz: „Brief über das deutsche Theater“ 1767, Jakob Michael Reinhold Lenz: „Anmerkungen, das Theater betreffend“ 1774, Heinrich Leopold Wagner: „Neuer Versuch über die Schauspielkunst“ 1776, Gotthold Ephraim Lessing: „Hamburgische Dramaturgie“ 1767 und Friedrich Schiller: „Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet“ 1784.
Im folgenden werde ich auf Gottsched und Lessing und ihre Dramentheorien und Theaterreformen näher eingehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Die deutsche Theatersituation im 18. Jahrhundert

2. Johann Christoph Gottsched

2.1. Biographie Gottscheds

2.2. Gottsched und das Theater

2.3. Gottscheds Dramentheorie

2.3.1. Die Tragödie

2.3.2. Die Komödie

3. Gotthold Ephraim Lessing

3.1. Biographie Lessings

3.2. Lessing und Gottsched

3.3. Lessings Dramentheorie

3.3.1. Die Tragödie

3.3.2. Die Komödie

4. Schlußbetrachtung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Dramentheorien von Johann Christoph Gottsched und Gotthold Ephraim Lessing vor dem Hintergrund der deutschen Theatersituation im 18. Jahrhundert. Ziel ist es, die Konzepte beider Theoretiker zu analysieren, ihre Unterschiede im Verständnis von Theaterreformen aufzuzeigen und die Ablösung gottschedscher Regelpoetik durch Lessings neue Dramaturgie zu erläutern.

  • Die deutsche Theatersituation im 18. Jahrhundert und das Bedürfnis nach Reform
  • Die poetologischen Grundsätze von Johann Christoph Gottsched
  • Die Auseinandersetzung zwischen Lessing und Gottsched
  • Lessings Dramentheorie und die Interpretation der Katharsis-Lehre
  • Vergleich der Konzepte zur Tragödie und Komödie

Auszug aus dem Buch

Die Tragödie

Kernstück seiner Tragödientheorie ist die aristotelische Katharsis-Lehre, die Lehre von der Reinigung der Affekte durch Jammern und Schaudern. Allerdings sieht er Aristoteles von seinen Vorgängern falsch verstanden und interpretiert ihn neu.

„Denn er, Aristoteles, ist es gewiß nicht, der die mit Recht getadelte Einteilung der tragischen Leidenschaften in Mitleid und Schrecken gemacht hat. Man hat ihn falsch verstanden, falsch übersetzt. Er spricht von Mitleid und Furcht, nicht von Mitleid und Schrecken; […].“

Dies ist eine der Überlegungen Lessings, die sich erst im Laufe der Zeit entwickelten. So erkennt er im Briefwechsel über das Trauerspiel das Mitleid noch als einzige Leidenschaft an, die das Trauerspiel errege und im 32. Stück der Hamburgischen Dramaturgie spricht er noch von Schrecken und Mitleid. Erst im 75. Stück der Hamburgischen Dramaturgie gelangt er zu der oben zitierten Definition.

Er begründet diese Neuübersetzung damit, daß nach seinem Verständnis Aristoteles „alle Leidenschaften überhaupt, die uns von einem anderen mitgeteilet werden, unter dem Worte Mitleid begriffen“ hat. Somit sind auch „mitleidiges Entsetzen, mitleidige Furcht, mitleidiges Schrecken“ im eigentlichen Mitleid enthalten, was jedoch die explizite Nennung des Schreckens als tragische Leidenschaft überflüssig mache.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Die deutsche Theatersituation im 18. Jahrhundert: Beschreibt den Tiefpunkt der Theaterkultur, dominiert von Wandertruppen, Stehgreifspiel und mangelnder gesellschaftlicher Anerkennung der Schauspieler.

2. Johann Christoph Gottsched: Beleuchtet das Leben und Wirken Gottscheds, der durch seine poetologischen Regeln die deutsche Theaterlandschaft moralisch erziehen und ordnen wollte.

2.1. Biographie Gottscheds: Skizziert den Lebensweg Gottscheds als Gelehrter, Professor und seine maßgebliche Rolle in der "Deutschen Gesellschaft".

2.2. Gottsched und das Theater: Analysiert Gottscheds Abneigung gegen zeitgenössische Theaterzustände und seinen Versuch, durch Texttreue und Regelwerke eine moralische Anstalt zu schaffen.

2.3. Gottscheds Dramentheorie: Erläutert die Grundlagen seiner Poetik, die stark an Aristoteles orientiert ist und die Belehrung als primäres Ziel definiert.

2.3.1. Die Tragödie: Beschreibt Gottscheds Verständnis der Tragödie, die durch die Ständeklausel und die Erzeugung von Furcht und Mitleid geprägt ist.

2.3.2. Die Komödie: Behandelt die "Sächsische Typenkomödie", die mittels Lächerlichkeit moralische Fehler korrigieren sollte.

3. Gotthold Ephraim Lessing: Stellt die Person Lessings vor, der als Kritiker und Dramaturg maßgebliche neue Impulse für das deutsche Theater setzte.

3.1. Biographie Lessings: Fasst Lessings Weg vom Gelehrtensohn zum freien Schriftsteller und Dramaturgen am Hamburger Nationaltheater zusammen.

3.2. Lessing und Gottsched: Arbeitet die kritische Distanz Lessings zu Gottscheds starrem Regelwerk und dessen mangelnder nationaler Ausrichtung heraus.

3.3. Lessings Dramentheorie: Diskutiert Lessings Verständnis der dramatischen Dichtung, das nicht in einem geschlossenen Regelkanon, sondern in ständiger Auseinandersetzung existiert.

3.3.1. Die Tragödie: Analysiert Lessings Neuinterpretation der aristotelischen Katharsis und das Konzept der Furcht als auf sich selbst bezogenes Mitleid.

3.3.2. Die Komödie: Erörtert Lessings Forderung nach komplexeren, gemischten Charakteren und die Ablehnung einer bloßen Verlachung von Lastern.

4. Schlußbetrachtung: Resümiert die Verdienste beider Theoretiker bei der Modernisierung und Aufwertung des deutschen Theaters im 18. Jahrhundert.

Schlüsselwörter

Dramentheorie, Gottsched, Lessing, Aufklärung, Hamburgische Dramaturgie, Tragödie, Komödie, Ständeklausel, Katharsis, Aristoteles, Mimesis, Wahrscheinlichkeit, Theaterreform, Sächsische Typenkomödie, Moralische Anstalt

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die theoretischen Ansätze zur Reform des deutschen Theaters im 18. Jahrhundert, verkörpert durch die konkurrierenden Ansichten von Gottsched und Lessing.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die poetologischen Schriften beider Autoren, insbesondere ihre Definitionen von Tragödie und Komödie sowie ihr Verständnis der moralischen Funktion des Theaters.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Entwicklung der Dramentheorie vom regelgebundenen Ansatz Gottscheds zur freieren, psychologisch fundierteren Poetik Lessings darzustellen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer literaturbasierten Analyse der entsprechenden theoretischen Primärquellen (z. B. "Versuch einer Critischen Dichtkunst" und "Hamburgische Dramaturgie") sowie deren historischer Einordnung.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Positionen Gottscheds, eine kritische Würdigung durch Lessing und eine detaillierte Gegenüberstellung der Dramentheorien beider Autoren.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Schlagworte sind Dramentheorie, Aufklärung, Katharsis, Regelpoetik, Ständeklausel und moralische Erziehung durch das Theater.

Wie unterscheidet sich Lessings Interpretation der Katharsis von der gängigen Lehrmeinung seiner Zeit?

Lessing kritisiert die traditionelle Übersetzung, bei der Schrecken und Mitleid als isolierte Affekte gelten. Er deutet Furcht als ein auf das eigene Selbst bezogenes Mitleid um.

Warum lehnte Lessing die "Sächsische Typenkomödie" ab?

Lessing empfand Gottscheds Typenkomödie als zu einseitig, da sie Charaktere auf einzelne, lächerliche Eigenschaften reduzierte, anstatt die Komplexität menschlicher Fehler darzustellen.

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Details

Title
Die Dramentheorien von Johann Christoph Gottsched und Gotthold Ephraim Lessing
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg
Grade
1
Author
M.A. Anne Oppermann (Author)
Publication Year
2003
Pages
20
Catalog Number
V127665
ISBN (eBook)
9783640390076
Language
German
Tags
Dramentheorien Johann Christoph Gottsched Gotthold Ephraim Lessing
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Anne Oppermann (Author), 2003, Die Dramentheorien von Johann Christoph Gottsched und Gotthold Ephraim Lessing, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127665
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