Gegenstand dieser Arbeit soll ein Vergleich zwischen der Definition des Aventiure-Begriffes durch Literaturwissenschaftler und dem wirklichen Erscheinungsbild der Aventiuren in Hartmanns von Aue Texten sowie der Erklärung Kalogrenants auf die Aventiure-Frage in Hartmanns von Aue Iwein, sein.
Am Tag des Pfingstfestes erzählt Kalogrenant von seinem Brunnenabenteuer und berichtet in diesem Kontext von der Begegnung mit einem wilden Mann, der sich nach Kalogrenants Vorhaben und Absicht erkundigte. Mit der Antwort und dem Begriff der Aventiure kann er nur wenig anfangen und stellt darauf die entscheidende Frage „Aventiure, waz ist daz
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Eine begriffliche Definition
3.) Die Aventiure – von Gott gegeben
4.) Die Aventiure als Kommunikationsmittel
5.) Kalogrenants Antwort auf die Aventiure-Frage
6.) Vergleich: Allgemeine Definition versus Kalogrenants Antwort
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht den Begriff der „Aventiure“ bei Hartmann von Aue, indem sie literaturwissenschaftliche Definitionen den konkreten Handlungen der Protagonisten sowie der spezifischen Erklärung durch Kalogrenant im „Iwein“ gegenüberstellt.
- Herleitung des Aventiure-Begriffs aus dem 12. Jahrhundert
- Die Rolle göttlicher Vorhersehung und Lenkung im ritterlichen Abenteuer
- Die Aventiure als essenzielles Kommunikationsmedium der höfischen Gesellschaft
- Kritische Analyse von Kalogrenants Aventiure-Verständnis
- Vergleich zwischen idealtypischen Definitionen und der literarischen Praxis
Auszug aus dem Buch
2.) Eine begriffliche Definition
Der Begriff Aventiure wurde im 12. Jahrhundert aus dem Französischen abgeleitet und stellt heute ein literaturwissenschaftlich beschriebenes Handlungsschema dar.
Auch unser heutiger Abenteuer-Begriff lässt sich direkt von der Aventiure ableiten. Per Definition verstehen wir unter Abenteuer ein Unternehmen, welches mit einem gewissen Risiko behaftet ist und Erlebnisse, die nichts Alltägliches beinhalten und sich vom normalen Dasein unterscheiden und abheben.
Der Begriff der Aventiure geht weit über dies hinaus. Er impliziert gleichsam Elemente wie Zufälliges und Ankunft und bezeichnet darüber hinaus das Ausziehen eines Ritters in die Welt und das dort Erlebte. Diesem Ausziehen muss ein bestimmtes Motiv zu Grunde liegen. Das unmotivierte Ausreiten, welches lediglich darauf abzielt, etwas erleben zu wollen, hat mit der Aventiure nichts gemein.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie der Begriff Aventiure theoretisch definiert ist und wie er in den Texten von Hartmann von Aue praktisch in Erscheinung tritt.
2.) Eine begriffliche Definition: Hier wird der historische Ursprung des Begriffs erläutert und eine Abgrenzung zum heutigen Alltagsverständnis von Abenteuer vorgenommen.
3.) Die Aventiure – von Gott gegeben: Dieses Kapitel thematisiert die metaphysische Dimension der Aventiure als Erfüllung eines göttlichen Plans, der das ritterliche Handeln lenkt.
4.) Die Aventiure als Kommunikationsmittel: Der Fokus liegt auf der Bedeutung der Aventiure als ein Medium, das erst durch das spätere Erzählen und Reflektieren am Hofe seine volle gesellschaftliche Relevanz entfaltet.
5.) Kalogrenants Antwort auf die Aventiure-Frage: Die Arbeit analysiert Kalogrenants eigene Definition und Erläuterung des Begriffs, die er dem wilden Mann gegenüber formuliert.
6.) Vergleich: Allgemeine Definition versus Kalogrenants Antwort: Im Schlussteil werden die theoretischen Ansätze mit der vereinfachten und ironisch wirkenden Sichtweise Kalogrenants verglichen und kritisch bewertet.
Schlüsselwörter
Aventiure, Hartmann von Aue, Iwein, Erec, Literaturwissenschaft, Höfische Gesellschaft, Kalogrenant, Mittelalter, Kommunikationsmittel, Gottgewolltheit, Rittertum, Handlungsmodell, Abenteuer, Epik, Narrativ
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das literarische Konzept der Aventiure im Werk von Hartmann von Aue und vergleicht theoretische Definitionen mit dem Verständnis der Romanfiguren.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die ritterliche Motivation, die Rolle von Zufall und göttlicher Führung sowie die Funktion der Aventiure als Kommunikationsmittel innerhalb der höfischen Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Kalogrenants Definition der Aventiure eine oberflächliche, teils ironische Vereinfachung darstellt, die den komplexeren Aspekten der literarischen Aventiure bei Hartmann von Aue nicht vollständig gerecht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Methode, bei der Forschungsliteratur, zeitgenössische Begriffsverständnisse und die primäre Textquelle „Iwein“ in einen analytischen Dialog gebracht werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung des Begriffs, die metaphysische Ebene (Gottgegebenheit), den soziokulturellen Aspekt der Kommunikation sowie die spezifische Definition des Charakters Kalogrenant.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Aventiure, Hartmann von Aue, Höfische Gesellschaft, Ritterliches Handlungsschema und Kommunikation beschreiben.
Warum wird Kalogrenants Definition im Fazit als ironisch eingestuft?
Die Analyse zeigt, dass seine Sichtweise den Aspekt der höfischen Ordnung und die tiefere Bestimmung der Aventiure ignoriert und lediglich den Kampf als Zeitvertreib betont, was im Kontrast zu den übrigen Aventiuren des Werkes steht.
Welche Rolle spielt der „wilde Mann“ für die Definition der Aventiure?
Er fungiert als Gesprächspartner, der das ritterliche Konzept nicht kennt und durch seine Fragen Kalogrenant dazu zwingt, den Begriff der Aventiure explizit zu definieren.
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- Svea Oberg (Author), 2007, Aventiure, waz ist daz? Der Vergleich zweier Definitionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127696