Nation, Nationalismus und die Terror-Management-Theorie


Hausarbeit, 2005
7 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1.)Theoretischer Hintergrund

2.) Überprüfung der Theorie und Mortalitäts-Salienz-Induktion

3.) Kritisches Fazit

1.) Theoretischer Hintergrund

„Auf der politischen Ebene löste die Volkssouveränität die monarchisch-religiöse Legitimation des Staates ab. Parallel dazu, wird das religiöse durch ein rational-aufklärerisches Weltbild verdrängt. Fragen über menschliches Leid, Leben und Tod lassen sich jedoch nicht befriedigend über Rationalität und Vernunft beantworten. Es ist der Nationalismus und die (eigene) Nation, die nun einen großen Teil an Sinnstiftung übernehmen; eine Aufgabe, welche früher großzügig durch die Religion abgedeckt war. Diese Überlegung würde auch die starke affirmative Kraft, die das Nationale auf Menschen ausübt, erklären (Smutny, S.68).“

Mit diesem Zitat, welches bei Florian Smutny in Anlehnung an die Überlegungen Benedict Andersons zu finden ist, lässt sich eine Brücke schlagen zwischen den Überlegungen, welche seitens der Politik und seitens der Psychologie zum Thema eines möglichen tieferen Sinns von „Nationalismus“ existieren. Ernest Becker ist das theoretische Konstrukt zu verdanken, welches heute unter dem Begriff der „Terror Managment Theory“ bekannt ist und insbesondere von der Gruppe um Greenberg , Solomon und Pyszczynski erforscht wurde.

Becker geht zunächst davon aus, dass die dem Menschen eigene Fähigkeit über sich und sein Schicksal in eine-m/r von ihm kaum beeinflussbaren Kosmos/All/Welt zu einer Art von ultimativem Entsetzen (Terror) führen müsste. Der Mensch wäre demnach nicht mehr in der Lage zu handeln, da all sein Handeln als sinnlos und der Endgültigkeit des Todes preisgegeben gelten würde. An dieser Stelle kommen die Religionen jeglicher Art ins Spiel. Sie alle haben eins gemein: Sie bieten Antwort auf die Frage nach dem Sein und vor allem dem Tod, wobei letzterer nie als endgültig gesehen wird und es stets ein „danach“ gibt. An dieser Stelle sei ein kurzer Ausflug zu Freud erlaubt: Er postulierte, dass der Ur-Mensch sich erst in dem Moment Gedanken um den Tod machte, als eine ihm nahe stehende Person starb. Dennoch lebte diese Person sozusagen weiter, da sie in den Gedanken und Gefühlen des Verbliebenen nach wie vor präsent war. Daraus leitet er den Geisterglauben und in letzter Konsequenz einen Aspekt der Religion ab.

Dem Menschen ist der Selbsterhaltungstrieb zu Eigen, dem wiederum durch Nach-Tod-Versprechen entsprochen wird. In Zeiten, in denen die sonst diese Versprechen haltende Religion an Anziehungskraft verliert, bedarf es eines neuen Trägers dieser Versprechen, um sicherzustellen, dass der Mensch nach wie vor sein Entsetzen „managen“ kann. Hier sei wieder an das einleitende Zitat von Smutny erinnert, wird dort doch der Nationalismus als Religionsersatz gesehen. So auch bei Becker : Die Nation ist eine Konstante, die auch nach dem Tod des Individuums weiter besteht. Und der Einzelne kann an dieser auch nach seinem Dahinscheiden bestehenden Institution quasi teilhaben, in dem er, so Becker, ein wertvolles Mitglied dieser Nation wird. Dies lässt sich wie folgte verstehen: Die Nation definiert sich durch bestimmte Werte, Traditionen und Verhaltensweisen. Durch das Teilen dieser eine bestimmte Nation ausmachenden Inhalte verbindet sich das Individuum also mit diesem übergeordneten System, und kann damit auch nach seinem eigenen Tod als Teil davon fortbestehen.

Vereinfacht gesagt: Der Mensch ist sich seines Todes bewusst, versucht aber einen Ausweg in einem diffusen Nach-Tod-Versprechen zu finden. Etwas wird nach seinem Tod von Dauer sein und somit auch ihn quasi unsterblich machen. War dies früher die Religion, so ist es ab dem 18. Jahrhundert (und dann nach und nach fortschreitend) das Prinzip des Nationalismus. Und auch Anderson sieht ihn am besten verstanden, „…wenn man ihn nicht in eine Reihe mit anderen Ideologien stellt, sondern mit den großen kulturellen Systemen, die ihm vorangegangen sind und aus denen – und gegen die – er entstanden ist (S. 19).“ Die Hauptaussage der „Terror Managment Theory“ (im Folgenden: TMT) ist, dass das Wahrnehmen der eigenen Sterblichkeit sich emotional in Furcht und lähmendem Entsetzen widerspiegelt. Dies wiederum motiviert Personen sich kognitiv symbolisch gegen dieses Gefühl zu wehren. Dazu dienen zwei psychologische Mechanismen: Der erste besteht daraus, die Werte an die man glaubt, zu bestätigen indem man sie bei anderen Personen ebenso wieder zu finden sucht (Stichwort: Kultur). Dadurch kann der Einzelne die Welt verstehen und ihr einen Sinn geben, nutzt er doch das durch die Kultur tradierte Werte-/Bezugssystem. Der zweite Mechanismus dient der Erhöhung des eigenen Selbst-Bewusstseins, indem man die Werte höher stellt, welche besagte Kultur auszeichnen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Nation, Nationalismus und die Terror-Management-Theorie
Hochschule
Universität Wien  (Politikwissenschaften)
Veranstaltung
Grundkurs C4, Internationale Politik, WS 2005/06, LV-Nummer 210152
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
7
Katalognummer
V127711
ISBN (eBook)
9783640340651
Dateigröße
383 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nation, Nationalismus, Terror-Management-Theorie
Arbeit zitieren
Dipl.-Psych. Joachim Stöter (Autor), 2005, Nation, Nationalismus und die Terror-Management-Theorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127711

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