Frühkindlicher Bilingualismus und Code-Switching. Vor- und Nachteile einer bilingualen Erziehung


Hausarbeit, 2008

13 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Mehrsprachigkeit (Bilingualismus)
1.1 Was ist Mehrsprachigkeit, und welche Wege führen dort hin?

2. Grammatikalische Zwänge beim Erwerb von zwei Sprachen

3. Vor und Nachteile der bilingualen Erziehung
3.1 Vorteile der bilingualen Erziehung
3.2 Nachteile der bilingualen Erziehung

4. Code- Switching
4.1 Definitionen zum Sprachmodus
4.2 Beispiele für Sprachmischungen

5. Fazit

Quellenverzeichnis

1. Mehrsprachigkeit (Bilingualismus)

1.1 Was ist Mehrsprachigkeit, und welche Wege führen dort hin?

Die Fähigkeit mehrere Sprachen zu sprechen und zu verstehen wird als Mehrsprachigkeit oder Bilingualismus bezeichnet, wobei die beteiligten Sprachen sehr unterschiedlich oder sehr ähnlich sein können. Als bilingual werden aber nur solche Personen bezeichnet, die tatsächlich verschiedene Sprachen sprechen, d.h. wenn die Sprachen in ihrer Syntax, ihrer Aussprache und in ihrem Vokabular unterschiedlich sind, und nicht wenn jemand lediglich den Dialekt einer Sprache beherrscht. In diesem Fall spricht man von zwei Varietäten oder Register dieser Sprache. Diese Differenzierung wurde nicht ganz ohne Willkür vorgenommen. Der bayerische Dialekt im Deutschen hat mindestens ebenso viele syntaktische und grammatikalische Unterschiede zum Hochdeutschen, wie niederländisch. Die Art und Weise auf die jemand eine weitere Sprache erworben hat, und ob er zwei oder mehrere Sprachen beherrscht ist für den Überbegriff Bilingualismus unrelevant. Dennoch sollten die verschiedenen Wege auf denen man bilingual werden kann kurz erwähnt werden. Durch natürliche Kommunikationssituationen können Kinder zwei oder mehr Sprachen gleichzeitig erlernen. Der Erwerb von zwei oder mehr Sprachen, der bis zum Ende des dritten Lebensjahres beginnt, wird in der Forschung als bilingualer Erstspracherwerb bezeichnet. Vom dritten bis zum vierten Lebensjahr wird der Erwerb einer zweiten oder weiteren Sprache als Zweitspracherwerb des Kindes, und der Erwerb ab der Phase der Pubertät als Zweitspracherwerb des Erwachsenen definiert[1].

In der Regel wachsen Kinder bilingual auf, wenn die Elternteile verschiedene Sprachen sprechen und auch bestrebt sind diese an ihre Kinder weiter zu geben.

Eine andere Möglichkeit bilingual zu werden ist der Erwerb durch die Umgebung. Dies wird häufig bei Arbeitsmigranten oder Auswanderern beobachtet, die untereinander und mit ihren Kindern ihre ‚Heimatsprache‘ sprechen, außerhalb der Familiengemeinschaft aber eine andere Sprache gesprochen wird. Die so genannte Umgebungssprache. Auch als Erwachsener ist es möglich eine weitere Sprache neben der Erstsprache in natürlichen Kommunikationssituationen zu erwerben. Zum Beispiel wenn eine Person im Jugend- oder Erwachsenenalter in ein anderssprachiges Land migriert und sich die Landessprache durch den Kontakt mit Sprechern der Landessprache erwerben muss.

Nach Fishman (1967) ist mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung zweisprachig (1967, zit. nach Saunders 1988, S. 1 und Grosjean, 1996, S.162). Dies ist eine beeindruckende Zahl, die jedoch kritisch betrachtet werden muss. Welche Personen zählen zu diesen 50 Prozent? Es gibt nach wie vor in der Literatur unterschiedliche Sichtweisen über Zweisprachigkeit. Ist eine Person schon bilingual, wenn sie nur rudimentäre Kenntnisse einer weiteren Sprache neben der Muttersprache hat oder sollten alle vier Ebenen (hören, verstehen, sprechen, lesen) so gut ausgebildet sein, dass ein Muttersprachler keinen Unterschied feststellen kann? Eine allgemein gültige Definition von Bilingualismus zu geben, ist aufgrund der Vielfalt der Literatur nicht möglich. Zu viele unterschiedliche Meinungen und Forschungen existieren nebeneinander.

2. Grammatikalische Zwänge beim Erwerb von zwei Sprachen

Zur Beginn der Bilingualismusforschung wurde der Nachweis erstellt, dass die zwei erworbenen Sprachen zunächst nur in einem Sprachsystem vereint sind und dass es erst später zur Sprachtrennung kommt. Diese Hypothese wurde 1978 von Volterra und 1983 von Taeschner mit der „Fusionshypothese“ belegt.

Nach ihrem „Drei-Phasen-Modell“ sind Wörter aus beiden Sprachen zunächst in einem Lexikon gespeichert, später entstehen zwar zwei Lexika, eins pro Sprache, es wird aber jedoch nur ein syntaktisches System für beide Sprachen verwendet. Erst in der dritten Phase sind die Kinder in der Lage, ihre Sprache zu trennen.

Bildlich könnte man es folgendermaßen darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Methodik des „Drei-Phasen-Modells“ ist jedoch nicht einwandfrei, denn wodurch diese Entwicklungsphase eingeleitet wird, ist unklar!

Heute geht man davon aus, ungefähr seit 1989 nach Genesee und Meisel, dass Kinder von Anfang an über zwei getrennte Systeme verfügen. Eins für die eine Sprache und eins für die andere Sprache. Eine wichtige Erkenntnis der Bilingualismusforschung ist der Nachweis, dass bilinguale Kinder ihre beiden Sprachen auf dieselbe Weise erwerben, wie monolinguale Kinder. Beide Sprachen müssen also als Muttersprachen bzw. als Erstsprachen gesehen werden. Der simultane Erwerb von zwei oder mehreren Sprachen muss nach manchen Studien (Müller & Kupisch 2003), nach der Geburt an stattfinden. Andere Studien wiederum akzeptieren als Erwerbsbeginn das dritte Lebensjahr als Grenze. Zusammenfassend kann man sagen, dass eine Sprache als Muttersprache akzeptiert werden kann, wenn es zwischen dem 4. und dem 7. Lebensjahr erworben wird.

Trotz Sprachtrennung kann es aber auch von früh auf Einfluss zwischen den beiden erworbenen Sprachen geben. Dieser kann drei unterschiedliche Auslegungen haben:

1. Er kann Beschleunigung bedeuten, Phänomene die in einer Sprache bereits erworben sind, können auf die andere Sprache übertragen werden. Somit können bilinguale Kinder sogar einen Zeitvorteil beim Erwerb haben als monolinguale Kinder.

[...]


[1] OKSAAR, Els (1992): Mehrsprachigkeit. In: Sprachreport. IDS Mannheim 2-3/1992. S. 23-26.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Frühkindlicher Bilingualismus und Code-Switching. Vor- und Nachteile einer bilingualen Erziehung
Hochschule
Universität Bremen
Veranstaltung
Mehrsprachigkeit in der Migrationgesellschaft
Note
1
Autor
Jahr
2008
Seiten
13
Katalognummer
V127740
ISBN (eBook)
9783668170308
ISBN (Buch)
9783668170315
Dateigröße
630 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frühkindlicher, bilingualismus, code-switching, vor-, nachteile, erziehung
Arbeit zitieren
Sibel Inekli (Autor), 2008, Frühkindlicher Bilingualismus und Code-Switching. Vor- und Nachteile einer bilingualen Erziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127740

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