Der mittelalterliche Brief


Hausarbeit, 2008

23 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte des Briefes von der Antike bis zum anfänglichen Mittelalter

3. Entwicklung/Weiterentwicklung der Briefkultur im Mittelalter

4. Die Rolle des Verfassers, Schreibers, Übermittlers und Empfängers (im/am Brief)

5. Umsetzung im Unterricht- Vergleich Briefe im Mittelalter und heute

6. Fazit/ Schluss

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit geht es um das Thema des mittelalterlichen Briefes sowie dessen Verfasser, Schreiber, Übermittler und Empfänger. Vorab ist es sinnvoll allgemein, die Begriffe des Titels, „Mittelalter“ sowie „Brief“, zu erläutern. Der Begriff Mittelalter definiert in der europäischen Geschichte den Zeitraum zwischen Altertum und Neuzeit, wobei Anfang und Ende des Mittelalters unterschiedlich angesetzt werden. Oft kennzeichnet man die Völkerwanderung im 4. Jahrhundert als Beginn und die Reformation im Jahr 1517 als Endpunkt dieser Epoche. Das Bild des Mittelalters war vor allem durch den bestimmenden Einfluss der Kirche geprägt, die ihre enorme Macht in Alltag, Glauben und Weltverständnis der Menschen geltend machte.[1] Der Begriff Brief hat die Bedeutung, dass eine auf einem schreibtechnisch- materiellem Mitteilungsträger festgehaltene, relativ lange und persönliche Nachricht des Verfassers, die von einem Boten übermittelt wird, den Empfänger erreicht. Dabei hat der Sender das Bedürfnis dem Empfänger, der nicht präsent, sondern sich von dem Sender räumlich getrennt aufhält, etwas mitzuteilen[2].

Der Brief ist die älteste schriftliche Textform überhaupt, und er ist die haltbarste und unverzichtbarste Textform, die wir kennen und über die wir verfügen. Ganz wichtig ist, dass der Sinn eines Briefes im Mittelalter- sowie heute- der Gesprächsersatz war.[3] Er spielte eine wesentliche Rolle als Ersatz für einen nicht möglichen mündlichen Kommunikationsakt. Denn er kann die Grundfunktionen gleichfalls erfüllen, der Brief informiert nämlich entweder sachbezogen, appelliert partnerbezogen oder er zeigt das Selbst des Schreibenden. Der Brief ist als ein Medium für die zwischenmenschliche Kommunikation wie auch als Kulturmedium sehr stark an die Entwicklung von Schriftzeichen, Schreibsystemen sowie an die Herausbildung des Botenwesens und der Papierproduktion vor Ort gebunden. Das Schreibmedium Brief dient der Vermittlung sowie der ästhetischen Reflexion. Man zählt den Brief (neben dem Theater) zu den ältesten Medien vermittelter verbaler Kommunikation (Medium im Sinne einer Form der zwischenmenschlichen Kommunikation).[4] Mit Brief bezeichnete man im Mittelalter sowohl Urkunden als auch Briefe in unserem Sinne.

Eine besonders wichtige Rolle am Brief hatte im Mittelalter der Bote/Übermittler. Denn dieser hatte die Aufgabe, den Brief vom Verfasser dem Empfänger zu übergeben und diesem sowohl mündliche Weisungen bzw. Informationen zu übermitteln.

2. Die Geschichte des Briefes von der Antike bis zum anfänglichen Mittelalter

Die eigentliche Geschichte des Briefs begann bereits in der Antike, nämlich etwa 2100 vor Christi. Da wurde der Brief als Kommunikations- und Urkundenmedium von Machthabern genutzt. Die Entwicklung und Verbreitung der Briefkultur hing seit jeher entscheidend von den materiellen Bedingungen ab[5]. Als Briefmaterial nutzte man Tontafeln, mit Wachs beschichtete Holztäfelchen, Pergamentfunde sowie Papyrusblätter. „Die im Laufe der Briefgeschichte wechselnden schreibtechnisch- materiellen Mitteilungsträger […] haben die invarianten Kennzeichen und kommunikativen Leistungen des Briefes substantiell nicht in Frage gestellt“[6]. Das heißt, dass das Papyrus, die Tontafeln oder das Pergament die wesentlichen Merkmale eines Briefes trotz großer zeitlicher Entwicklungsperioden nicht geändert oder beeinflusst haben.

Die ältesten Pergamentfunde aus Ägypten werden auf 2700 v. Chr. datiert. Die Bezeichnung Pergament leitet sich von der Stadt Pergamon ab, in der es angeblich erfunden wurde. In Wirklichkeit wurde es dort aber nur deutlich verbessert.[7] Die Abhängigkeit vom Schreibmaterial war ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung nicht-oraler Kommunikation. Als gegen Ende der Antike kein Papyrus mehr aus Ägypten erhältlich war und schließlich die Ausbreitung des Islam die Verfügbarkeit orientalischer Quellen deutlich einschränkte, wurde die Tierhaut, das Pergament, zum eigentlichen Briefmaterial für die schriftliche Kommunikation. Das teure Briefmaterial Pergament machte das Schreiben exklusiv.

Die Wachstafel war eine in der Regel hochrechteckige Tafel aus Holz, Metall oder Elfenbein, die ein- oder beidseitig mit Wachs beschichtet war. Die Wachstafel wurde von der Antike bis in das Hochmittelalter verwendet und mit einem Griffel beschrieben, wobei Listen oder Notizen in die Wachsoberfläche eingeritzt wurden. Erste Erwähnungen von Wachstafelbüchern findet man bereits in Aufzeichnungen aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. des Römischen Reiches. 2100 v. Chr. schrieb „Hammurapi“ im heutigen Ägypten zur Klärung von Wirtschaftsfragen Briefe an seine Statthalter. Später, etwa um 1600 v. Chr., wechselten babylonische und ägyptische Könige Briefe mit politischem Inhalt. Die aus der griechisch- römischen Antike tradierten Briefe sind überwiegend literarisch überformte Schriftzeugnisse- von Platon, Isokrates, Cicero, Horaz und Seneca- gewesen. „Die Briefe des Apostels Paulus und die der spätantiken Kirchenväter waren offene Schreiben, die der Verkündung und Verbreitung der christlichen Glaubenslehre dienten“[8]. Die ansprechende äußere Art/Form der antiken Briefe wirkte in der europäischen Briefliteratur als Vorbild bis ins 18. Jahrhundert.

3. Entwicklung/Weiterentwicklung der Briefkultur im Mittelalter

Die Geschichte setzte sich fort mit Episteln, Pastoralbriefen oder den Paulinischen Briefen des Neuen Testaments in der Frühzeit des Christentums. Gleichzeitig wurde der Brief im klösterlichen Unterricht zu einem Beispiel sprachlicher Kompetenz (Fähigkeiten zum Schreiben eines Briefes). Dort wurden die Briefe nach der antiken Rhetorik und überlieferten Formel- und Briefsammlungen weitervermittelt. Aus diesen Sammlungen erwuchsen die brief- rhetorischen Lehrbücher, die als Grundlage des Briefschreibe- Unterrichts dienten. Im 9. Jahrhundert gehörte die Fertigkeit, Urkunden und Briefe zu schreiben, zum Kanon der Anforderungen an einen Geistlichen (d.h. an die Gelehrten der damaligen Zeit).

Vor dem 18. Jahrhundert hatten Briefe in den meisten Fällen einen offiziellen Charakter. Sie übermittelten Nachrichten von Reisenden und informierten über politische und geschäftliche Neuigkeiten. Meistens waren sie geschrieben von Beamten und Gelehrten und dienten der Repräsentation. Demnach setzten solche Briefe Bildung voraus, die zu der Zeit nur Gelehrte haben konnten. Es gab nur in seltenen Fällen einzelne Privatbriefe, in denen eigene Gefühle an Geliebte übermittelt wurden bzw. die von nicht Gelehrten stammen. Im Mittelalter wurden Briefe hauptsächlich zwischen Kaufleuten und Klöstern ausgetauscht. Es handelte sich dabei um Geschäftsbriefe (bzw. aus heutiger Sicht um Vorformen des Geschäftsbriefes), die in der Regel in lateinischer Sprache verfasst wurden. Doch nach und nach dehnte sich das Briefeschreiben auf weitere Gesellschaftsschichten aus. Erst im Übergang vom späten Mittelalter zur frühen Neuzeit konnten größere Teile des städtischen Bürgertums es sich leisten, lesen und schreiben zu lernen.

Bis ins 10. Jahrhundert wurden die Briefe überwiegend in lateinischer Sprache verfasst, doch bald verfasste man die Briefe zunehmend in deutscher Sprache. „Der Umstand, dass bloß Lateinkundige- und das war nur eine ganz schmale Schicht- im Mittelalter Briefe schreiben konnten, begünstigte entscheidend das Prestige, das ein Brief als urkundlich- amtliches Zeugnis oder auch als gelehrte Darlegung genoß“[9]. Das bedeutet, dass aufgrund der in lateinischer Sprache verfassten Briefe der Status eines Briefes so hoch war, dass städtische Bürger vor dem 10. Jahrhundert kaum eine Chance bekamen, etwas Eigenes zu verfassen. Daraufhin gliederte sich die deutsche Sprache als Briefsprache in privaten Schreiben zwischen Kaufleuten (Bürgern) ein, obwohl es noch keine geregelte Schreibung gab.

Nachdem die deutsche Volkssprache in Briefen eingegliedert wurde, konnten immer mehr Privatleute Briefe selbst verfassen. Jedoch waren private, briefliche Äußerungen, die stilistisch frei gestaltet waren und individuelle Gedanken und Gefühle ausdrückten, dem Mittelalter erst einmal praktisch fremd. Die ersten wichtigen Impulse erhielt die Entwicklung persönlich gehaltener und deutsch geschriebener Briefe durch Schriften von Mystikern des 12. bis zum 14. Jahrhundert. Ebenfalls spielten die literarischen Briefe in Form von gereimten Briefgedichten oder versifizierten Briefeinlagen in den Versepen eine übergeordnete Rolle für die Entstehung von privaten Briefen.[10] Solche poetischen Minnebriefe verführten auch zum Verfassen von prosaisch- realen Liebesbriefen. Die Minnebriefe waren in Wachstafelbüchern verfasst.[11]

Im Mittelalter gab es kaum Liebeslyrik von Frauen. Um 1300 herum entstand jedoch der bis jetzt älteste ganz deutsch geschriebene Brief, der wahrscheinlich von einem jungen Mädchen, einer Klosterschülerin, namens Elsbeth von Baiebrunn stammte. Er richtete sich an ihre Aufseherin über den Getreidespeicher in München und enthielt liebevolle Zuneigungsworte gegenüber dieser älteren Dame.[12] Man nennt diesen Brief auch den Tegernseer Liebesbrief. Leider ist es bis heute umstritten, aus welchem Umfeld dieser Liebesbrief stammt. Ebenso ist die Echtheit des Briefes umstritten.

Dû bist mîn, ich bin dîn. Du bist mein, ich bin dein des solt dû gewis sîn. dessen sollst du gewiss sein.

dû bist beslozzen Du bist eingeschlossen in mînem herzen, In meinem Herzen verlorn ist daz slüzzelîn: Verloren ist das Schlüsselein, dû muost ouch immêr drinne sîn. Du musst immer drinnen sein. (Übersetzung nach Kühnel[13])

Hier erkennt man ganz deutlich eine leichte Drohung, die aber nett gemeint ist. Dieser Brief ist semantisch verschränkt, es bildet sich ein Überkreuzverhältnis. Die Syntax von dem Original und der Übersetzung ist parallel, zum Beispiel vergleiche „Dû bist mîn, ich bin dîn“ mit „Du bist mein, ich bin dein“.

Es gibt außerdem noch eine älteste überlieferte Briefsammlung von dem Verfasser Heinrich von Nördlingen, der ein Weltpriester sowie ein Lehrer und Arzt war. Diese Briefsammlung stammt vermutlich aus dem Jahre 1339 und spiegelt die Korrespondenz des Heinrich von Nördlingen mit der Nonne Margaretha Ebner wieder. Dabei wurde ein leicht aufgelockerter Sprachstil benutzt.

[...]


[1] vgl. Das moderne Lexikon in 20 Bänden. Bd. 12. Herausgegeben vom Lexikon-Institut Bertelsmann in Zusammenarbeit mit Dr. Hans F. Müller. Berlin, Gütersloh: Bertelsmann, 1977. S. 282

[2] vgl. Höflich, Joachim R. [Hrsg.]: Vermittlungskulturen im Wandel . - Frankfurt am Main. Lang , 2003 , S. 63

[3] vgl. Werner Faulstich (Hrsg.): Grundwissen Medien. 5., vollst. überarb. und erheblich erw. Aufl. - München : Fink, 2004, S. 110

[4] vgl. Beyrer, Klaus/Täubrich, Hans-Christian: Der Brief. Eine Kulturgeschichte der schriftlichen

Kommunikation. Frankfurt a.M., 1996.

[5] vgl. Höflich, Joachim R. [Hrsg.]: Vermittlungskulturen im Wandel . - Frankfurt am Main. Lang , 2003 , S. 64

[6] vgl. Höflich, Joachim R. [Hrsg.]: Vermittlungskulturen im Wandel . - Frankfurt am Main. Lang , 2003 , S. 63

[7] vgl. „Pergament und Velin." Microsoft® Encarta® 2007 [DVD]. Microsoft Corporation, 2006.

[8] vgl. Höflich, Joachim R. [Hrsg.]: Vermittlungskulturen im Wandel . - Frankfurt am Main. Lang , 2003 , S. 64

[9] vgl. Höflich, Joachim R. [Hrsg.]: Vermittlungskulturen im Wandel . - Frankfurt am Main. Lang , 2003 , S. 65

[10] vgl. Höflich, Joachim R. [Hrsg.]: Vermittlungskulturen im Wandel . - Frankfurt am Main. Lang , 2003 , S. 65

[11] vgl. „Minne." Microsoft® Encarta® 2007 [DVD]. Microsoft Corporation, 2006

[12] vgl. Werner Faulstich (Hrsg.): Grundwissen Medien. 5., vollst. überarb. und erheblich erw. Aufl. - München : Fink, 2004, S. 118

[13] Jürgen Kühnel, Dû bist mîn, ich bin dîn. Die lateinischen Liebes- (und Freundschafts-)Briefe des clm 19411, Abbildungen, Text und Übersetzung, Göppingen 1977 (Litterae 52).

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Details

Titel
Der mittelalterliche Brief
Hochschule
Universität Paderborn
Veranstaltung
Medienwandel, Kulturwandel, Sprachwandel
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
23
Katalognummer
V127754
ISBN (eBook)
9783640340811
ISBN (Buch)
9783640337743
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brief, Mittelalter
Arbeit zitieren
Christina Kornelsen- Teichrieb (Autor), 2008, Der mittelalterliche Brief, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127754

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