Die Englische Revolution von 1688 stellte zusammen mit dem vorangegangenen Bürgerkrieg zwischen 1640 bis 1660 die erste gesellschaftliche Umwälzung in der Geschichte dar, die mit dem Begriff "Revolution" bezeichnet wird. Sie war das Vorbild für viele weitere Revolutionen, die darauf folgen sollten. Nach dieser Umwälzung hatte England eine neue Staatsform erhalten, die es erstens ermöglichte, dass sich vorhandene Strukturen besser entfalten konnten und zweitens, dass überhaupt neue Strukturen gebildet werden konnten. Die neuen Strukturen wurden jedoch nicht allein durch die Revolution verordnet, sondern sie bildeten sich langsam heraus und waren selbst ein Grund für die Neuordnung der englischen Gesellschaft. Diese Arbeit untersucht, welche Zusammenhänge zwischen der gesellschaftlichen, der industriellen und der wissenschaftlichen Revolution in England im 17. Jh. bestehen. Inwieweit war die gesellschaftliche Umwälzung die notwendige Voraussetzung für die Entfaltung der Wissenschaft? Oder war es doch eher umgekehrt – waren Ökonomie und Wissenschaft Wegbereiter der Revolution?
Inhaltsverzeichnis
1 Der Begriff der Revolution
2 Der Bürgerkrieg und die Glorious Revolution in England
2.1 Die vorrevolutionäre Gesellschaft in England
2.2 Der Bürgerkrieg
2.3 Die Radikalisierung der Revolution
2.4 Revolutionäre Triebkräfte
2.4.1 Presbyterianer
2.4.2 Independenten
2.4.3 Puritaner
2.4.4 Levellers
2.4.5 Katholiken
3 Nationalökonomische Implikationen
3.1 Die demographische Entwicklung
3.2 Eigentum
3.3 Die Entwicklung des industriellen Systems
3.4 Expansion
4 Wissenschaftstheoretische Implikationen
4.1 Der Fall des Wissenschaftsmonopols
4.2 Publizistik
4.3 Interessenwandel
4.4 Empirismus, Realismus und Utilitarismus
4.5 Die wissenschaftliche Revolution
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexen Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichen Umwälzungen, ökonomischen Entwicklungen und dem wissenschaftlichen Fortschritt im England des 17. Jahrhunderts, um zu ergründen, inwieweit diese Faktoren als Wegbereiter der Revolution fungierten.
- Analyse der Englischen Revolution als gesellschaftlicher Prozess.
- Untersuchung ökonomischer Faktoren wie Demographie und Eigentumsrechte.
- Darstellung der wissenschaftlichen Revolution als Folge gesellschaftlicher Veränderungen.
- Rolle von Religion und politischer Publizistik im 17. Jahrhundert.
- Bedeutung von Wissensbildung und technologischem Wandel für die Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
2.4 Revolutionäre Triebkräfte
Wie überall in Europa war die Gesellschaft in England während des Mittelalters von der christlichen Religion als gemeinsames Kultur- und Werteverständnis, und von der Kirche institutionell geprägt gewesen. Nicht zuletzt deshalb markiert das Einsetzen der Reformation um 1517 das Ende des Mittelalters und den Beginn der Neuzeit. In England, das seit der Gründung der Anglikanischen Kirche von 1534 durch Heinrich VIII. einen Sonderweg gegangen war, breiteten sich christliche Reformbewegungen in vielerlei Gestalt noch schneller aus. Dies könnte auch daran liegen, dass die Macht der katholischen Kirche in Kontinentaleuropa aufgrund ihrer über 1000 Jahre währenden Tradition präsenter war, während in England bereits das Parlament selbst über Fragen der Häresie entscheiden konnte, wie Hobbes beschreibt: „The meaning of the word heresy is by law declared in an Act of Parliament in the first year of Queen Elizabeth“.
Daher „…erhielt der Reformationsbegriff in der Englischen Revolution wieder etwas von seinen ursprünglichen revolutionären Implikationen“. Die Bandbreite der Reformbewegungen in England geht von Anhängern eher gemäßigter Ideen bis hin zu obskuren Sekten. All diesen Bewegungen war als Grundidee die Angst vor einer Rekatholisierung Englands gemeinsam. Man betrachtete die Anglikanische Kirchenreform bereits als Fortschritt und verband wenig Positives mit der katholischen Glaubensgemeinschaft. Grundlage aller Überlegungen ist dabei die Wahrnehmung von „Kirche als wichtigstes Instrument politischer Herrschaft“. Die ideologische Haupttriebkraft der Revolution war somit die Religion. Stone stützt sich auf Chalmers Johnson, der diese Triebkraft wie folgt charakterisiert: „social system may be upset just as much by changes in values – for example, the spread of new ideas either coming from ’marginal men’ or from innovating élites“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Der Begriff der Revolution: Dieses Kapitel definiert das Konzept der Revolution als gewaltsamen Umbruch, der langfristigen Strukturwandel nach sich zieht, und diskutiert dessen geschichtsphilosophische Aufwertung.
2 Der Bürgerkrieg und die Glorious Revolution in England: Hier werden die revolutionären Ereignisse zwischen 1640 und 1688 analysiert, wobei soziale Spannungen, Armeenbildung und religiöse Spaltungen als zentrale Auslöser beleuchtet werden.
3 Nationalökonomische Implikationen: Dieses Kapitel untersucht die Zusammenhänge zwischen Bevölkerungswachstum, Eigentumssicherheit, dem Aufstieg des Handelskapitals und dem Beginn der Industrialisierung.
4 Wissenschaftstheoretische Implikationen: Der Fokus liegt hier auf dem Wandel des wissenschaftlichen Denkens, der institutionellen Verankerung durch die Royal Society und der Ablösung der aristotelischen Metaphysik durch empirische Methoden.
Schlüsselwörter
Englische Revolution, Bürgerkrieg, Glorious Revolution, Puritanismus, Wissenschaftliche Revolution, Empirismus, Eigentumssicherheit, Parlament, Säkularisierung, Religionskrieg, Thomas Hobbes, Aufstrebende Mittelschicht, Industrialisierung, Reformbewegungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Veränderungen in England während des 17. Jahrhunderts.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die politische Revolution, die religiösen Triebkräfte, die ökonomischen Rahmenbedingungen und die wissenschaftliche Entwicklung im 17. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob die gesellschaftliche Umwälzung eine Voraussetzung für die wissenschaftliche Entfaltung war oder ob umgekehrt Ökonomie und Wissenschaft die Revolution begünstigten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung primär- und sekundärwissenschaftlicher Literatur sowie zeitgenössischer Quellen wie Hobbes’ „Leviathan“ oder den Tagebüchern von Samuel Pepys basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Ursachen der Revolution (Bürgerkrieg), die verschiedenen revolutionären Akteure (Puritaner, Levellers), wirtschaftliche Faktoren (Demographie, Eigentum) und die daraus resultierende wissenschaftliche Revolution.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die „Englische Revolution“, „Puritanismus“, „Empirismus“ und „Wissenschaftliche Revolution“.
Welche Rolle spielten die Puritaner in der englischen Revolution?
Sie fungierten als treibende, ideologische Kraft und bildeten eine Plattform für die aufstrebende Mittelschicht, da sie Bildungsethos und eine ablehnende Haltung gegenüber bestehenden Strukturen vereinten.
Wie beeinflusste die Gründung der Nationalbank die wirtschaftliche Entwicklung?
Die Gründung 1694 durch die Glorious Revolution etablierte die notwendige Eigentumssicherheit, die als Grundlage für das industrielle System und die „Finanzrevolution“ betrachtet wird.
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- Matthias Wühle (Author), 2009, Von der Englischen Revolution zur wissenschaftlichen Revolution, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/127761